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Ausgabe:

1914

Spalte:

385-386

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Meißner, Bruno

Titel/Untertitel:

Die Keilschrift 1914

Rezensent:

Ehelolf, Hans

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Seite 1

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Theologische Literaturzeitung

Begründet von Emil SchUrer und Adolf Harnack
Fortgeführt von Professor D. Arthur Titius und Oberlehrer Lic. Hermann Schuster

lährlirh 26 Nrn. Verlag: J. C. Hinrlchs'fche Buchhandlung, Leipzig _Halbjährlich IQ Mark

i-n-, Manufkripte und gelehrte Mitteilungen find ausfchließlichan o/N T " lfn f

JahTe? Nr 13 ProfefibrD. Titius in Güttingen, Nikolausbcrger Weg 66, rufenden. atlU. JlHH iSdiSk

o" Rezenfionsexemplare ausfchließlich an den Verlag.

Meißner, Die Keilfchrift (Ehelolf).

Küfter, Die Schlange in der griechifchen Kund

u, Religion (Paul Wendlaud).
Ulrich, Die Vorherbeftimmungslehre im Islam

u. Chriftentum (Schwally).
Zorell, Einführung in die Metrik u. die Kunft-

formen der hebräifchen Pfalmendichtung

(Staerk).

Batten, A critical and exegetical Commentary
on the Books of Ezra and Nehemiah (Lohr).

Brüne, Flavius Jofephus (Debrunner).

Allen and Grensted, Introduction to the Books
of the New Testament (K. A. lloffmanu).

Bibliothek der Kirchenväter. 3. u. 4. Bd. Irenaus
(Preufchen).

Schöne, M. Minucii Felicis Octavius (v. Soden).
Catalogus codicum hagiographicorum Graecorum

Germaniae Belgii Angliae (Anrieh).
Morin, Emdes, Textes, Decouvertes (Krüger).

Graf, Des Theodor Abu Kurra Traktat über den
Schöpfer und die wahre Religion (Horten).

Dauch, Die Bifchofsftadt als Refidenz der geldlichen
Fürden (Lerche).

Bibliotheca reformatoria Neerlaudica. IX. deel
(W. Köhler).

Kuhlenbeck, Giordano Bruno (Strunz).

Beiträge zur Sächfifchen Kirchengefchichte. 27.
Heft (Otto Climen).

Hjärne, Stat och Kyrka (Wedman).

Ruville, Der Goldgrund der Weltgefchichte
(Mirbt).

Kleinpeter, Der Phänomenalismus (Beth).
Jung, Vernich einer Dardellung der pfycho-

aualytifchen Theorie (Weber).
Hügel, Eterual Life (E. W. Mayer).
Theologifche Arbeiten aus dem Rheiuifchen

Wiffenfchaftlichen Prediger-Verein. 13. Heft

(Jüngdj.

Steinmann, Die Predigt von Schuld und Sünde
(Schian).

Girifch, Hellmuth 11. Pachelbel, Handwörterbuch
des Bayerifchen Staatskirchenrechts
(Sehliugi.

Referate: Obbink, Over oud-aegyptische Voor-
stellingeu aangaande Dood en Leven. — Pick,
Die Weltanfchauung des Judentums. — Lazarus
, Aus meiner Jugend. —Rait, Life in
the Medieval Uuivemty. — Martens, Das
Kirchenregiment in Wefel zur Zeit der letzten
klevifchen u. der erden brandenburgifchen
Fürden. —Repke, Pantheidifchei u. theidi-
fcher Monismus. — Stock, Mäunerabende.
— Schian, Der Pfarrer und die Gemeinde-
organifation —Richter, Die Männer in der
Evaugelifchen Gemeinde.

Mitteilung: (15) Griechifcher Kult des Serapis

und der Ifis.
Wichtige Rezenfionen. — Neuede Literatur.

Meißner, Prof. Dr. Bruno: Die Keilfchrift. (Sammlung
Göfchen 708.) (107 S.) kl. 8». Berlin, G.J. Göfchen 1913.

Geb. M. — 90

Dem Buche Ermans über die Hieroglyphen (Göfchen
608) ift alsbald diefe ArbeitMeißners gefolgt. Beide
Bändchen find nicht nur als belehrende Lektüre, fondern
auch als Elementar-Lehrbücher gedacht. Und diefen
Anforderungen wird Meißners Buch fraglos gerecht.

Nach einer gedrängten Gefchichte der Entzifferung
der Keilfchrift folgt ein Abfchnitt über ihre Entftehung,
der mit der Wiedergabe mehrerer archaifcher Schriftzeichen
und den Abbildungen dreier Keilfchriftmonumente
ausgeftattet ift; fodann eine knappe fumerifche Grammatik
und einige fumerifche Sprachproben in Umfchrift;
weiter eine recht reichhaltige Zeichenlifte, der kurze
Bemerkungen über das Wefen der affyr.-babyl. Keilfchrift
im Unterfchied von der fumerifchen vorangefchickt find.

Der fünfte Abfchnitt ift der Grammatik des Affyrifch-
Babylonifchen gewidmet. Ohne Zweifel ift dies das wert-
vollfte Kapitel des ganzen Buches. Denn was hier auf
wenigen Seiten geboten wird, ermöglicht vollkommen ein
elementares grammatifches Verftändnis leichter Keilfchrift-
texte. Und alles ift fo klar angeordnet und dargeftellt,
daß jeder, der einige Kenntnis des Hebräifchen mitbringt,
fich fchnell in diefe Grammatik einarbeiten kann. Die
dann fich anfchließenden Textproben find fehr glücklich
gewählt; dabei find Stücke aus den verfchiedenften Zeiten
und Zweigen der Literatur vertreten. Hier werden die
Proben in Keilfchrift gegeben, nur find die babylonifchen
Texte ins Alfyrifche transfkribiert. Allen Stücken ift. eine
deutfehe Überfetzung beigefügt. Nach einer kurzen Überficht
über die Keilfchriftliteratur und die Ausbreitung der
Keilfchrift fchließen ein fumerifches und ein affyrifches
Gloffar das praktifche Buch ab.

Zu diefem wie zu einigen andern Abfchnitten des Buches hätten wir
vereinzelte, wenn auch nur uuwefentliche Bemerkungen zu machen. Hier
die Berichtigung weniger Punkte, die dem Lernenden das Verftändnis
erfchweren könnten: p. 17 ift das Zeichen für ,Vogel' verfehentlich auf
den Kopf geftellt; p. 54. § 7° L addalah (!) ftatt attaiah; p, 79, Z. 8 ift das
letzte Zeichen in ka (Schrifttafel Nr. 13) zu verbeffern. In den Über-

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fetzungen könnte vielleicht für den Anfänger das eine oder andere etwas
präzifer gefaßt fein.

Dem gelehrten Verfaffer fchulden wir für feine Arbeit,
die nunmehr einem jeden Gebildeten einen Überblick über
ein recht fchwieriges Gebiet geplattet, aufrichtigen Dank.
Ebenfalls dem Verlag für die fchöne und gefchmackvolle
Ausftattung. — Allen, die fich durch dies Buch haben
anregen Iaffen, wird für weitere Studien die ihm beigegebene
Bibliographie,in der etwa noch Ungnads baby-
lon.-affyr. Grammatik (München 1906) und jetzt Delitzfchs
fumerifche Grammatiken (Leipzig 1914) nachzutragen wären,
gewiß nützlich fein.

Marburg i. H. Hans Ehelolf.

Küfter, Erich: Die Schlange in der griechifchen Kunft u.
Religion. Mit 32 Textabbildgn. u. 1 Taf. (Religions-
gefchichtliche Verfuche u. Vorarbeiten. XIII. Bd.,
2. Heft.) (X, 172 S.) gr. 8". Gießen, A. Töpelmann
1913- M. 6.50

Welcker hat die Schlange das vieldeutigfte Tier genannt
. Ihr geheimnisvolles Wefen hat die Phantafie zu
religiöfen Vorftellungen angeregt, die vielfach ohne ge-
fchichtlichen Zufammenhang bei verfchiedenen Völkern
fich gleichartig entwickelt haben.

Die vortreffliche Arbeit von Küfter behandelt im
1. Teile die Schlangendarftellung in prähiftorifcher Zeit
und bei heutigen Naturvölkern und die Entwickelung
des Schlangenornaments in der griechifchen Kunft. Die
Gedanken des 2. Teiles (,Die Schlange in der griechifchen
Religion') faffe ich knapp zufammen:

Im griechifchen Seelenglauben fpielt die Schlange eine
große Rolle; fie wird mit der Seele gleichgefetzt (Seelenwurm
), fie ift der das Grab behütende Geilt. Aus dem
engen Zufammenhange des alten Seelenkultus mit dem
Heroenglauben erklärt fich auch die Schlangengeftalt
der Heroen (f. Jahrg. 1913, Sp. 131); wohnen doch auch
diefe in der Erdtiefe. Vielfach wird die Schlangengeftalt
des Heros zu bloßem Symbol herabgedrückt. Die ver-

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