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Ausgabe:

1914

Spalte:

353-355

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Schroeder, Leopold von

Titel/Untertitel:

Reden und Aufsätze, vornehmlich über Indiens Literatur und Kultur 1914

Rezensent:

Franke, R. Otto

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Seite 1, Seite 2

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Theologische Literaturzeitung

Begründet von Emil Schürer und Adolf Harnack

Fortgeführt von Professor D. Arthur Titius und Oberlehrer Lic Hermann Schuster

[ährlich 26 Nrn. Verlag: J. C. HinrichsTche Buchhandlung, Leipzig_Halbjährlich IQ Mark

r^.-. Manufkripte und gelehrte Mitteilungen find ausfchließlichan f j . r

*5y« j3-hr*£T. Kfr. 12 Profeflbr D. Titius in Göttingen, Nikolausberger Weg 66, zu fenden. D. JU.I11 iyi4t

C5" ■ Rezenfionsexemplare ausfcbließiicb an den Verlag.

Harrison, The Positive Evolution of Religion

(E. W. Mayer).
Schroetter, Reden u. Auffätze (Franke).
Baege, De Macedonum sacris (Paul Wend-

laud).

L'ngnad, Syrifche Grammatik (Duenfmg).
Apt, Die Hiobserzählung in der arabifchen

Literatur (Schwally).
Hammer, Traktat vom SamaritaDermeffias
r (Kahle).

Kühl, Der Brief des Paulus an die Römer (M.
Dibelius).

— Das Verhältnis des Apoftels Paulus zum Judentum
und Judeuchriftentum (Derf.l.
Spicilegium palimpsestoruml. Codex Sangallensis

193. (v. Soden).
Bretz, Studien u. Texte zu Afterios von Amafea

(Krüger).

Pirot, L'Oeuvre ex6g6tique de Theodore de

Mopsueste (Bultmann).
Handbuch der Kirchengefchichte für Studierende.

2. Tl. Ficker u. Hermelink, Das Mittelalter

(Otto Clemen).
Grabmann, Die Gefchichte der fcholaflifcben

Methode. 2. Bd. (Heim).
Richter, Die Verwandtfehaft Georg Witzeis

(Boffert).

— Die Schriften Georg Witzeis (Derf.).

Platzhoff, Frankreich u. die deutfchen Prote-
ftanten in den Jahren 1570—1573 (W. Köhler
).

Hermann, Chinefifche Gefchichte (Mirbt).

Haffe, Schopenhauer's Erkenntnislehre als Sy-
ftem e. Gemeinfchaft des Rationalen u. Irrationalen
(Oftertag).

Knauth, DieNatuqrhilofophie Johannes Reinkes
u. ihre Gegner (Beth).

Wehrung, Die philofophifch-theologifche Methode
Schleiermachers (Mulert).

Kahler, Zeit u. Ewigkeit (Wendt).

Jatho, Der ewig kommende Gott (Nieber-
gall).

Temple, Repton School Sermons (Schian).

Referate: Hei hing, Auswahl aus griechifcheu
Papyri. — Die Anftaltserziehung. — Ubbink,
Het Pragmatisme van William James. —
Schmeck, Die Literatur des evangelifcheu
und katholifchen Kirchenliedes.

Entgegnung: Pfychanalyfe und Theologie (Oskar
Pfifter).

Wichtige Rezenfionen. — Neuefte Literatur.

Harrison, Frederic, D. C. L.: The Positive Evolution of 1 zu diefer Sammelausgabe feiner allgemein verftändlichen

Religion, its Moral and Social Reaction. (XX, 267 S.)
8°. London, Heinemann 1913. s. 8.6

Das Buch hat einen etwas andern Inhalt, als der

Reden und Auffatze entfchloß (S. VII), nicht nachgab,
müffen wir ihm danken. Die Zufammenfaffung feiner hier
und dort verftreuten, z. T. fchwerer zugänglichen oder
der Aufmerkfamkeit entgangenen, Arbeiten ift nicht nur

Titel erwarten läßt. Es handelt fich um eine Apologie j für das weitere Publikum von Wert. Einzelnen wenigen

Stücken oder wenigftens Stellen in folchen (denjenigen
nämlich, in denen er feiner freundlichen Natur folgend
K.E. Neumanns Überfetzungen buddhiftifcher Texte feiert,
f. z. B. S. 251, 254, 278h) würde man freilich, wenn fie'
fehlten, vielleicht nicht nachtrauern und möchte wünfchen
daß er im Hinblick auf Neumann feinem Standpunkte

der Religion des Pofitivismus. Damit meint der Verfaffer
wefentlich dasfelbe, was Augufte Comte in der letzten
Phafe feiner Entwicklung darunter verftand und was er
an die Stelle der herrfchenden Glaubensformen und der
Metaphyfik fetzen wollte: den Kultus der Menfchheit.
Er rühmt der neuen Religion nach, daß fie gleichmäßig

den Intellekt, das Gefühl und den Willen in Anfpruch vorn Jahre 1893 (S. 85 fr., 125) treugeblieben wäre Die
nehme und befriedige, und daß fie geeignet fei die Har- j weit überwiegende Maffe des Inhalts aber ift mindeftens

monie des individuellen und fozialen Lebens zu begründen.
Vor allem will er fie gegen die Einwände verteidigen,
die feitens der Orthodoxie, feitens der Ausläufer des
Deismus, feitens der Philofophie und feitens der Wiffen-
fchaftunddes Agnoftizismus erhoben werden oder erhoben
werden könnten. Doch kommen noch andere Richtungen
und Denkweifen in Betracht wie etwa die Naturverehrung,
der Polytheismus, der Katholizismus.

Das Buch zeichnet fich nicht eben durch klare und
präzife Beftimmungen aus, und die Charakteriftik der
Religion des Pofitivismus ift im Grunde eben fo ver-
fchwommen wie die von Augufte Comte felbft gegebene.
Zu dem Beften gehören noch Bemerkungen wie die, daß
der neue Glaube fich hier und dort mit dem Chriftentum
berühre, fofern auch diefes jeder Menfchenfeele den
hochften Wert beilege. In der Tat wäre die .Religion',
die der ältere Comte ftiften wollte, fchwerlich fo ausgefallen,
wie fie tatfächlich gefchehen ift, wenn fie nicht auf dem
Boden der mit chriftlichen Ideen durchtränkten abend-
ländifchen Kultur erwachfen wäre.

Straßburg i. E. E. W. Mayer.

Schroeder, Leop. v.: Reden u. Auffatze, vornehmlich über
Indiens Literatur und Kultur. (XVI, 430 S. m. eingeklebtem
Bildnis.) gr. 8°. Leipzig, H. Haeffel 1913.

M. 7.50; geb. M. 9.50

Daß von Sehr, den Bedenken, mit denen er zu kämpfen
hatte, ehe er, dem Wunfche feines Verlegers folgend, fich

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lefenswert und anregend, zum gr. T. aber auch wiflen-
fchaftlich fehr wertvoll, und die Darftellungsweife ift anziehend
, flüffig, klar und elegant. Wohltuend ift von
Schr.'s immer wieder durchblickende warme Begeifterung
für feine Wiffenfchaft und namentlich für das Ur-Arier-
tum. Hier und in der Tatfache, daß er fich durch die
Anfchauungen der letzten Jahrzehnte von dem Bankrott
der vergleichenden Mythologie, von der ausfchließlich
indifchen Herkunft der Rgveda-Dichtung, von der maßgebenden
Bedeutungder .primitiven' Gedanken und Bräuche
wilder Völker u. ä. nicht davon hat abbringen laflen, die
urarifche Sache zu vertreten, liegt unferes Dafürhaltens
der Hauptwert des Buches. Wenn Ref. auch über die
Natur des urarifchen Gottesglaubens eine felbft von L.
von Schr.'s Auffaffung noch ziemlich abweichende Meinung
hat und auch in fonftiger Beziehung dies und das nicht
unterfchreiben möchte (wenn von Sehr. z. B. in Überein-
ftimmung mit einer jetzt fehr im Vordergrunde flehenden
Anficht dem Zauber eine Bedeutung für die Religions-
entftehung zuerkennt, ftatt ihn für ein Entartungsprodukt
zu erklären), fo find des Verfaffers Nachweifungen eines
fehr hochftehenden Gottesglaubens fchon für die indoger-
manifche Urzeit doch unter allen Umftänden höchft wichtig
und ein bedeutender Schritt vorwärts.

Von Einzel-Dingen und -Anflehten, die dem Ref. befonders feffelnd,
treffend oder wichtig erfchienen find, möchte er erwähnen die Erklärung
von S. 231, wie der quietiftifche Buddhismus dazu im Stande war, die
kriegerifche Tüchtigkeit der Japaner zu fteigern, der Hinweis von S. 239
auf die an fich zwar bekannte, aber fo präzife und fruchtbringend wohl
noch nicht formulierte Tatfache, daß die ,große geiftige Arbeit des in-