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Ausgabe:

1914 Nr. 11

Spalte:

335

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Esser, Nikola

Titel/Untertitel:

Rutger Edinger und Kaspar Ulenberg, zwei Kölner Psalterübersetzer. Ein Beitrag zur Geschichte des deutschen Kirchenliedes im 16. Jahrh 1914

Rezensent:

Knoke, Karl

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335

Theologifche Literaturzeitung 1914 Nr. Ii.

336

Fuldensia, zumal da S. 55ff.) einige Parallelen zum Fuldaer
Kodex ziehen können. Im übrigen bietet H. für den
geographifch und befonders topographifch intereffierten
wohl mancherlei von Bedeutung, das freilich nicht immer
glücklich formuliert erfcheint. Über eine fefte Umgrenzung
der Gaue, wie fie H. zu geben fich abmüht, find wir doch
längft hinaus (vgl. ftatt aller Spezialitäten Brandi GGA
1908 Nr. 1 rec. K. Rübel, die Franken). H. zählt die von
den einzelnen Äbten in den verfchiedenen Gauen gemachten
Erwerbungen auf und fcheut fich dabei peinlich, die
heutige badifche Landesgrenze zu überfchreiten. Der
Arbeit fehlt eine gründliche ftiliftifche Durchficht.

Eine Korrektur fcheiut der Verf. nicht gekfen zu haben, fonft könnte
er, abgefehen von recht vielen anderen Druckfehlern, doch nicht mit einem
Großherzogtum Schwaben (S. 126) die wiffenfchaftliche Welt in Staunen
fetzen wollen. S. 141 bezieht der Verf. in den Worten usque äd silvam
campumque, qui dividit. . . qui auf silva und fchreibt demgemäß nachher
silva, qui dividit. Nach diefer philologifchen Leiftung wollten mir
die Zurechftutzungen der Namen, die mir ohnehin nicht recht behaglich
waren, garnicht mehr einleuchten. Typographifch ift das Buch unerfreulich
: bei Antiquafatz follten die lateinifchen Zitate im Text immer, etwa
durch Kurfivdruck, befonders gekennzeichnet werden (das tut leider unfere
Zeitfchrift auch nicht!). Die beiliegenden Karten find gut gemeint, aber
Augenpulver.

Wolfenbüttel. Otto Lerche.

Elfer, Nikola: Rutger Edinger und Kafpar Ulenberg, zwei
Kölner Pfalterüberfetzer. Ein Beitrag zur Gefchichte
des deutfchen Kirchenliedes im 16. Jahrh. Beiträge
zur Literaturgefchichte u. Kulturgefchichte des Rheinlandes
, 3.) (VII, 85 S.) gr. 8°. Bonn, P. Hanftein 1913.

M. 2 —

Unter die Arbeiten katholifcher Forfcher auf dem
Gebiete der Gefchichte des Kirchenliedes in ihrer Kirche,
welche die bahnbrechenden Studien des verewigten
Wilh. Bäumker fortfetzen, ift auch die vorliegende Schrift
zu ftellen. Mit großer Findigkeit und anzuerkennender
Sorgfalt hat fich der Verfaffer mit den hymnologifchen Verbuchen
zweier katholifcher Kirchenliederdichter bekannt
gemacht, die bisher wenig beachtet waren, und mit beachtenswertem
Verftändnis hat er deren Leiftungen als
Ergebniffe des Einfluffes nachgewiefen, dem fich die
römifche Kirche durch das Vordringen proteftantifcher
Lieder in katholifche Gemeinden gegen Ende des Reformationsjahrhunderts
nicht entziehen konnte. Der eine
diefer Dichter war Rutger Edinger (Edingius), der Verfaffer
des Buches: ,Der gantz P alter Dauids . .. auff verß
vnd Reimweiß . . . geftellet.' Cöln 1574, fowie des Werkes:
,Teutfche Euangelifche Meffen' etc. Cöln 1572. Der
andere war Kafpar Ulenberg, der Verfaffer des Buches:
,Die Pfalmen Dauids in allerlei Teutfche gefangreime gebracht
'. Cöln 1582. Von Edinger fagt Effer felbft S. 37:
,Er war kein Dichter'; fein Verdienft liegt jedoch in
feinem literarifchen Verfuche, die altteftamentlichen
Pfalmen und kirchlichen Hymnen feinen Glaubensgenoffen
durch Überfetzung ins Deutfche zugänglich zu machen.
Eine größere dichterifche Begabung als er befaß dagegen
Ulenberg. Da diefer aus der evangelifchen Kirche zur
römifchen übergetreten war, brachte er eine genaue
Kenntnis des evangelifchen Kirchenliedes mit. Das kam
ihm für feine hymnologifche Arbeit im Dienfte der ka-
tholifchen Kirche zu gute. Obwohl fein Abfehen dahin
ging, jeden Anklang an die proteftantifche Bearbeitung
der Pfalmen zu vermeiden, nahm er doch keinen Anftand,
einige Melodien zu Pfalmen in der Überfetzung des Cal-
viniften Marot für feine eigenen Zwecke zu verwenden.
Elfer berichtet eingehend auch über die fpäteren Ausgaben
der Ulenbergifchen Pfalmen Davids und über den
Eingang, den einige feiner metrifchen Überarbeitungen
der altteftamentlichen Pfalmen in eine Reihe katholifcher
Gefangbücher gefunden haben. Für Hymnologen, die
fich mit Edinger und Ulenberg befchäftigen wollen, ift
Elfers Schrift über fie ein unentbehrliches Hilfsmittel.
Göttingen. K. Knoke.

Mentz, Georg: Deutfche Gefchichte im Zeitalter der Reformation
, der Gegenreformation u. des Dreißigjährigen
Krieges 1493—1648. Ein Handbuch f. Studierende.
(VIII, 479 S.) Lex.-8°. Tübingen, J. C. B. Mohr 1913.

M- 7—J geb. M. 9 —
Was Mentz im Vorwort über die Entftehungsgefchichte
feines Werkes berichtet, entbehrt nicht eines pikanten
Beigefchmacks. Sein Werk follte urfprünglich ,einen Teil
eines zweibändigen Handbuchs der politifchen Gefchichte
Deutfchlands bilden, das als eine Art Ergänzung zu dem
Meifterfchen Grundriß der Gefchichtswiffenfchaft gedacht
war'. Da nun aber alle anderen Mitarbeiter ihren Verpflichtungen
nicht nachkamen, erbot fich der Mohr'fche
Verlag, das Mentzfche Manufkript allein erfcheinen zu
laffen. Wir fchuldeh dem Verlag dafür Dank, ebenfo wie
dem Verfaffer, daß er auf diefes Anerbieten eingegangen ift.

,Ein Handbuch für Studierende' foll das Werk fein.
Und es ift es wirklich — im Gegenfatz zu der — in
andern Beziehungen ja vortrefflichen — zeitlich unmittelbar
vorausgegangenen Reformationsgefchichte Hermelinks. Es
ift nicht zu zufammengedrängt und unruhig-pointiert,
fondern mit einer gewiffen behaglichen Ausführlichkeit
und mit angenehmer Nüchternheit und Klarheit gefchrie-
ben und gut lesbar. Und es befchränkt fich auf das
wirklich gefchichtliche Bedeutfame und überfchüttet den
Lefer nicht mit Stoffmaffen, aus denen er fich das Hauptfächliche
und für die folgende Entwicklung Wichtige und
Merkenswerte erft herausfuchen müßte. Dabei führt es
auf allen wichtigeren Punkten in den gegenwärtigen Stand
der Forfchung ein, und ich möchte gerade die Abfchnitte,
in denen der Verf. über bedeutfame Kontroverfen aus
neuerer Zeit berichtet, wie gleich zu Anfang über Troeltfch's
Auffaffung der Reformation, weiter etwa über die ver-
fchiedene Wertung der Bemühungen um eine Reform der
Reichsverfaffung feitens Maximilians und der Reformpartei
oder über die verfchiedene Beurteilung des Humanismus
durch Wernle und Hermelink, zu den pädagogifch-
gelungenften rechnen. Der Verf. deutet auch immer feine
eigene — meift vermittelnde — Stellung an. In andern
Fällen ift allerdings das Referat mitunter wohl zu fum-
marifch ausgefallen (wie z. B. S. 127h über die bekannet
Kontroverfe Barge — K. Müller). — Ganz zweckentfpre-
chend find auch die Quellen- und Literaturangaben.

Inhaltlich unterfcheidet fich das Buch von den Re-
formationsgefchichten, die bisher am meiften bei unferen
Studenten Eingang gefunden haben, — außer der von
Hermelink denke ich an die von K. Müller und Kawerau

— dadurch, daß das Hauptaugenmerk auf die politifche
Gefchichte gerichtet ift. Politifche Gefichtspunkte find
auch dafür entfcheidend gewefen, daß ,die Zeit Maximilians
' als I. Kap. vorangeftellt wurde. Bildet fie doch
den Schlüffel zum Verftändnis fowohl der politifch-dyna-
ftifchen Gegenfätze in Europa wie der innerdeutfchen
Verfaffungsftreitigkeiten. Aus demfelben Grunde bildet
die Darfteilung des dreißigjährigen Krieges ein felbft-
ftändiges und ausführliches 4. Kap. hinter dem 2. (Reformation
) und 3. (Gegenreformation).

Zwickau i. S. O. Clernen.

Müller, Ernft: Die evangelilchen Geiftlichen Pommerns von
der Reformation bis zur Gegenwart. Auf Grund des Stein-
brück'fchen Mfkr. bearb. 2. Tl.: Der Reg.-Bez. Köslin.
Die reformierten Gemeinden Pommerns. Die General-
fuperintendenten. (VIII, 624 S.) gr. 8°. Stettin, L. Saunier
1912. M. 12 —

Erft ein Rückblick hier auf die über 100jährige Gefchichte
des Werks. Joachim Bernhard Steinbrück, 1750

— 1789 Paftor an Peter und Paul in Stettin, faßte zuerft
den Plan und fandte feine Anfragen durch die Superintendenten
an die Parochien Pommerns. Mit verfchie-