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Ausgabe:

1914 Nr. 9

Spalte:

281-282

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Göttberger, Joh.

Titel/Untertitel:

Biblische Zeitschrift. 11. Jg., 1. - 4. H 1914

Rezensent:

Windisch, Hans

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Theologifche Literaturzeitung 1914 Nr. 9.

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gefchichtlichen Werk, das Jefus vollbracht hat, und dem
ewigen Erlölungswerk, das er auch heute noch in der
Chriftenheit vollbringt. Dabei wird man felbftverftändlich
beftändig mit Material aus dem Leben Jefu zu arbeiten
haben; aber man hat dies Material jetzt im Ganzen vor
fich, fo daß man mit ihm ohne Willkür in Freiheit fchalten
kann. Übrigens ift diefe Verwendung biblifchen Materials
kein Abweichen von den in meiner ,Evang. Jugendlehre'
vertretenen Grundfätzen; M.verfteht die von mir geforderte
Berückfichtigung der Erfahrung der Kinder falich, wenn
er meint, ich verlange, daß diefe Erfahrung der regelmäßige
Ausgangspunkt der katechetifchen Entwicklung
werde. Das Gegenteil fteht S. 40 der ,Evang. Jugendlehre'
2. Aufl. gefchrieben. Mein Hauptbedenken gegen die
hiftorifch-anlehnende Methode des Katechismusunterrichts
flammt nicht aus Abneigung gegen die Verwertung biblifch-
gefchichtlichen Stoffes, fondern daher, daß fie, wie gerade
M.s Arbeit zeigt, leicht zur Beeinträchtigung des Eigenlebens
der Gefchichten und des Katechismus führt. Ich
glaube übrigens nicht, daß die dem Katechismus abgeneigten
Kreife eher auf M.s Methode eingehen werden, als auf einen
felbftändigen Katechismusunterricht, der theologifch um-
fichtig und nach modern-pädagogifchen Grundfätzen verfährt
— Als .Handreichung zur vertiefenden Behandlung
des Lebens Jefu' ift M.s Arbeit aufs wärmfte zu empfehlen.

Halle a. S. K. Egen

Referate.

Biblifche ZeitCchrift. in Verbindung mit der Redaktion der,Biblifchen
Studien' herausgegeben v. Prof. Dr. Joh. Göttsberger u.
Dr. Jof. Sickenberger. 11. Jahrg. 1913. 4. Hefte. (448 S.)
gr. 8°. Freiburg i. B., Herder. Jährlich M. 12 —

Der neue Jahrgang enthält zumeift Artikel von mäßigem und
kleinem Umfang, nur wenig größere Aufsätze. Folgendes fei hervorgehoben
.

Von altteltamentlichen Studien feien zunächft die fprach-
wiffenfchaftlichen Artikel von RuZiCka ,die Wiedergabe des nord-
femitifchen S durch h im Affyrifchen als eine Parallele der Tran-
fkription von S durch y bei den LXX' (342—349) erwähnt; er
wendet fich gegen die Annahme Lagarde's, das y der LXX ent-
fpreche dem arabifchen i. Auf,Neue keilinfchriftliche Dokumente
zur babylonifchen Urgefchichte (Weltfchöpfung, Sintflut, Urkönige)'
macht J. Hehn (nach Poebel The Museum Journal IV Nr. 2)
aufmerkfam (337—341). M. Kmoskö bringt ,Kerub und Kurib'
in Zufammenhang (225—334); das hebräifche oder beffer kanaa-
näifche Wort ift von dem babylonifchen Kuribu abzuleiten, das K.
mit ,splendidus statura' überfetzen will. Freilich willen wir nichts
Näheres über die mehrfach keilfchriftlichbezeugten Kuribu-Götter.
Landersdorfer ftellt fett, daß ,das Land Sinar' in der Bibel
Babylonien bedeuten müffe, daß aber die fprachlich dem ent-
fprechenden Worte in keilfchriftlichen und ägyptifchen Texten
ein außerhalb Babyloniens liegendes Land bezeichnen; er ver-
fucht die Diskrepanz zu erklären, ohne die Zuverläffigkeit der
Bibel preiszugeben (350—363). Eine beachtenswerte Konjektur zu
,Michee 1,5 et 7' (235—248) macht L. Delporte; er will im ursprünglichen
Text zweimal den Namen der Göttin tWutf« lefen:
v. 5 yrvaä r-s-rs stibn und v. 7. noo» b*bM ROtltitridi. Ein Beitrag
zur hebräifchen Strophik ift der Auffatz von Szczygiel ,der
Parallelismus Stropharum' (10-17, 129—142), der zeigt, daß die
Strophen der Pfalmen nach dem felben Parallelitätsprinzip und
nach denfelben Abwandlungen diefer Kunftform aufgebaut find
wie die Verfe. ,Die Hauptkunftform der hebräifchen Pfalmen-
dichtung', die F. Zorell behandelt (142—149) ift der ftete freie
Vechtel in Wortpaaren verrchiedener Hebungszahl; feine Anerkennung
führt zu größerem Zutrauen zu der maforetifchen Textüberlieferung
. Von dem felben wird ,der 15. (16.) Pfalm' text-
kritifch ediert überfetzt und als Pfalm des betenden Mefüas ausgelegt
(18—23). Lippl empfiehlt Matt ,*WJra -ins Pf. 42,7' die Lesart
yvm nnts (150—153).

Septuagintaprobleme behandeln Landersdorfer ,der
Drache von Babylon' (1—4) und Mader ,Zu Sir. 51,13' (24—25).
Erfterergibt Hinweife auf einen babylonifchen Schlangenkultus, die
zur Glaubwürdigkeit der deuterokanonifchen Danielftelle beitragen
würden; letzterer zeigt, daß der Überfetzer der Vulgata Sir. 51,13
olxtriav statt Ixerlav las oder hörte.

Die wertvolleren Beiträge zur neuteftamentliehen Wiffen-
fchaft find textkritifcher Art. Mehrere befchäftigen fich mit der
Textrezenfion, die nach einer jetzt immer mehr Freunde an fleh
ziehenden Hypothefe Tatian zum Urheber haben foll. Einer ihrer
Hauptvertreter, Vogels, ftellt die Varianten aller Stellen zufammen,
in denen ,die Eltern Jefu' genannt werden (Lc. 2,33. 41. 43. 48)
und leitet die Rezenflon, die die Unficherheit in die Texte gebracht
und der der älteste Wortlaut anftößig war, von Tatian ab
(32—43). Derfelbe behandelt weiter ,Lc. 2,36 im Diateffaron'
(168—171); hier ift es fehr naheliegend, die Lesart ,nur 7 Tage,
(sc. mit dem Mann verheiratet) mit Bauer aus enkratitifchen Neigungen
zu erklären, wie Tie bei Tatian nachgewiefen find. Endlich
hat Vogels noch in einem längeren Auffatz (367—396) ,Metho-
difches zur Textkritik der Evangelien' ausgeführt. Er polemifiert
gegen A. Merx und Mrs. Lewis und ihre Überfetzung des finai-
tifchen Syrers und zeigt, wie diefe Handfchrift ebenfo wie Cod.
D Umbildungen erfahren haben, die offenbar wieder auf Tatian
und fein Diatefferon zurückgehen. In ähnlicher Richtung verläuft
die Auseinanderfetzung von Jochmann ,Zur Beurteilung der Lesarten
von Mt. 1,16' (161—167); gegen Heer fucht er die überlieferte
Textform gegenüber der des finaitifchen Syrers als ur-
fprünglich zu erweifen. ,Noch ein Wort zu Mt. 1,16' fchreibt J.
Mader (281 f.): Die Textform des Syrers ift keine neue Lesart,
fondern einfach durch fehlerhafte Dittographie von Jofeph' entstanden
^).

Weiter feien noch einige exegetifche Arbeiten verzeichnet. Der
fatalen Stelle ,Mk. 3,20f.' gibt Hartmann einen neuen harmlofen
Sinn: Leute, die bei Jefus waren, kamen aus dem Haus heraus,
um das Volk zurückzuhalten, denn fie Tagten, es ift ja ganz außer
fich! Diskutabel und wertvoll ift nur der zweite Teil des Auffatzes,
der die Textgefchichte und GeTchichte der Exegefe der Worte beleuchtet
(249—279). ,Über eine Redefigur in der Parabelfprache',
nämlich die in der Deutung des SäemannsgleichnifTes fich findende
doppelte Verkürzung des Ausdrucks handelt Steinmetzer (26
—32). ,Zum Einzug Jefu in Jerufalem' bemerkt Pieper (397—402),
daß die Verdoppelung der Efel in Mt. vielleicht durch ein Miß-
verltändnis der WeisTagung oder des Herrenwortes entstanden ift.
Endlich feien noch folgende Arbeiten erwähnt: Haensler, Zu Joh-
19,35 (44-48), zu Joh. 20,17 (172—177), und zu Hebr. 13,10 (403
—409), Stiglmayer, zu Jak. 3,6: rota nativitatis nostrae inflammata
(49—52) und Haeufer mit einem Auffatz ,Der Gottesrohn ge-
j worden unter dem Gefetz' (Gal. 4,4), in dem der Nachweis verflicht
wird, unter vöfiog fei nicht das Zeremonialgefetz mit feinen
Bestimmungen, denen Jefus fich unterwarf, gemeint, fondern der
Fluch des Gefetzes vgl. 3, 13 (78—184).

Ich weiß nicht, ob es zufällig ilt, daß die Mitarbeiter diefer
katholifchen Zeitfchrift fich überwiegend mit textkritifchen und
kleinen exegetifchen Streitfragen befaffen und den großen literar-
I kritifchen und theologifchen Problemen aus dem Wege gehen oder
ob diefer Tatbestand mit der immer weiter fortfehreitenden Unterbindung
der freien Meinung zufammenhängt, die die päpstliche
Bibelkommiffion verfügt, wodurch vielleicht den ernsten und ge-
wiffenhaften Forfchern des katholifchen Lagers die Luft genommen
wird, diefe Hauptfragen in Angriff zu nehmen. Ohne den bedeutenderen
Forfchern, die an der Bibl. Zeitfchr. befchäftigt find,
zu nahe treten zu wollen, muß ich fagen, daß der Hauptwert
diefes Jahrgangs wenigstens in den mit gewohnter Sorgfalt und
Ausführlichkeit zufammengeftellten ,bibliographifchen Notizen'
beruht (55—111, 185—223, 283—336, 410—440).

Leipzig. H. Windifch.

A XißiCmog, dtSüxx.Aix'dxag: To aixiov z(äv jitol tov näts-
X« epidW vov dtviioov aitövog. (113 S.) gr. 8". Ev 'A#>i-
vaig, d. EvaxQÜxi.og xal d. dtXrjq 1911.
Die vorliegende Unterfuchung ift aus der Bearbeitung eines
im Harnack'fchen Seminar gestellten Themas entstanden: Worum
handelt es fich in dem Streite über das Osterfest zwischen Rom
und Kleinafien? Die fehr fleißige und fcharffinnige Arbeit, die
vom Verf. in deutscher Sprache hergestellt war, wurde von ihm
in griechischer Sprache veröffentlicht, und zwar aus fehr anerkennenswertem
Beweggrunde: er wollte an feinem Teile mit
diefem Beitrage die gelehrte theologifche Literatur feines Volkes,
die wenig umfangreich ift, vermehren. Es ilt fehr erfreulich,
daß aus den Reihen der griechifchen Kirche ein Gelehrter hervortritt
, der, mit den Mitteln abendländifcher Wiffenfchaft vertraut,
an der Erforfchung der altchristlichen Kirchengerchichte mitarbeitet
. Mit dem Inhalt der Arbeit und ihren ErgebnifTen will
ich den deutfehen Lefer kurz bekannt machen.