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Ausgabe:

1914

Spalte:

242-245

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Gisler, Anton

Titel/Untertitel:

Der Modernismus. Dargestellt und gewürdigt. 2. Aufl 1914

Rezensent:

Köhler, Walther

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Katechismus bedeutet, in ein helles und klares Licht zu Seite hin zeichnet er fich in einem Zeitalter, wo gerade
ftellen. Dazu kommt noch als ganz bedeutfam hinzu die lutherifchen Fürftenhöfe die Stätte wüfter Völlerei
das Interefle, das der fürftliche Urheber des Heidelberger waren, durch feine nüchterne und tadellofe Lebensführung
Bekenntniffes, Friedrich III. der Fromme, Kurfürft von der : fehr vorteilhaft aus.

Pfalz für fich in Anfpruch nimmt. Denn das Werk und j Cannftatt. Au-nift Baur.

der Urheber desfelben find von einander völlig untrenn-____._

bar. Je länger und eingehender man fich mit der Perfon ~ '

des Pfälzer Kurfürften befchäftigt, wozu der von dem ' Schnitzer, Prof. Dr. Jof: Der katholifche Modernismus.

allzufrüh aus dem Leben gefchiedenen Hiftoriker A. Kluck- (Die Klaffiker der Religion. 3. Bd.) (V, 211 S.) Berlinhohn
, welcher felbft ein treues und eifriges Mitglied des | Schöneberg, Prot. Schriftenvertrieb 1912.

ereins für Ref.-Gefch. gewefen war, herausgegebene i M 1 sO- geb M 2_

Briefwechfel des Kurfürften und die von ihm verfaßte Bio- • o > s • •

graphie desfelben die trefflichfte Anleitung gibt, umfo | Gisler, Prof. Dr. Anton: Der Modernismus. Dargeftellt u.
inniger und tiefer wird man von diefem Glaubenshelden I gewürdigt. 2. Aufl. (XXVIII, 686 S.) gr.8°. Einfiedeln,
angezogen. Denn er hat mit fo manchen Fürften der Verl.-Anft. Benziger & Co. 1912. M. 6.40; geb. M. 7.40
Reformationszeit nicht bloß das lebendige kirchliche In- _ , _ _ °

tereffe gemein, fondern er überragt diefelben gerade da- j BeHmer, Jul., S.J.: Philofophie u.Theologie des Modernismus.

durch, daß er fich nicht von den Theologen beherrfchen | Eine Erklärg. des Lehrgehaltes der Enzyklika Pascendi,
läßt, fondern nach eigenem, wohl und gründlich erwogenem I des Dekretes Lamentabili u. des Eides wider den Mo-
Urteil feine Pläne faßt und fie auch mit ihren Hilfe fo- dernismus. (XII, 611 S.) 8°. Freiburg i. B., Herder
weit es fich um Bekenntnis und kirchliche Ordnung han- j ü nr

delte, durchzufetzen verfteht. Dazu zeichnet er fich, wie j igi2' M. 7 —; geb. M. 8 —

fein Auftreten in Augsburg im Mai 1566 vor Kaifer DasBuchSch nitzers über den katholifchen Modernis-

Maximilian II und den deutfchen Fürften beweift, durch ; mus wird zu den beften Leiftungen des neuen, von Pfanneine
heldenmütige Frömmigkeit aus, welche auch nach ; müller begründeten Unternehmens ,die Klaffiker der
dem Urteil von M. Lauterburg a. a. O. S. 151 Z. 5ff., fein | Religion' gehören; die Auswahl der Quellenftücke ift vor-
Auftreten zu Augsburg an Bedeutung unmittelbar neben j züglich, auch ausreichend, um ein genügend klares Bild
das Auftreten Luthers zu Worms 1521 ftellt. (Darum ift j von der großen Geiftesbewegung im katholifchen Lager
es mir auch unbegreiflich, wie Kawerau [Möller-Kawerau, zu gewinnen. Deutfchland, Frankreich, Italien, England
Lehrb. der KG.3 III S. 302] diefes für die Exiftenz des
Proteftantismus in Deutfchland entfcheidende Auftreten
Friedrichs des Frommen nur in einer Nebenbemerkung abtun
konnte; f. dagegen die Darftellung von Guftav Droyfen
in ,Gefchichte der Gegenreformation' 1893 S. 72—79.)

kommen in ihren Hauptvertretern (Schell, Kraus, Ehrhard,
Jof. Müller, Hugo Koch, Loify, Laberthonniere, Murri,
Fogazzaro, Tyrrell u. a.) zum Worte, die Texte find z. T.
von Schnitzer felbft überfetzt, Erläuterungen, foweit nötig,
beigefügt. Eine eingehende, markig gefchriebene Einich
rechne es Auguft Lang, dem mit vollem' Recht j leitung führt in ,Wefen und Gefchichte des Modernismus'

und gutem Grunde der Vorftand des Vereins für Refor
mationsgefchichte die Arbeit über den Heidelberger Katechismus
übertragen hat, wie er denn fchon früher mit
diefem Stoffe fich fehr eingehend wiffenfchaftlich befchäftigt
hat, fehr zum Verdienft an, daß er in der vorliegenden
Schrift gerade auch auf diefe perfönliche Seite, welche
die Gefchichte der Entftehung des Katechismus zeigt,
ausführlich eingegangen ift. Denn der erfte Abfchnitt in
dem erften Kapitel, das von den Verfaffern des Katechismus
handelt, hat einzig und allein die Perfönlichkeit des
Kurfürften und Pfalzgrafen zum Gegenftand, worauf der
2. Abfchnitt die Mitarbeiter und der 3. die Abfaffung des
Katechismus und feine erften Ausgaben befpricht. Das
2. Kapitel erörtert dann den theologifchen Charakter und
die fpäteren Schickfale des Katechismus und zerfällt in

ein. Und hier fetzt meine Kritik an, mit der ich nicht
zurückhalten kann, fo leid es mir tut, die idealen Hoffnungen
Schnitzers und feiner Gefinnungsgenoffen und
auch manches Urteil nicht teilen zu können. Es bedarf
dabei wohl keiner Verficherung, daß meine innere Sympathie
dem Modernismus gehört, aber darum handelt
es fich nicht, der fpringende Punkt ift der: ift diefe Bewegung
, was fie in allen ihren Gliedern doch fein möchte,
noch katholifch? Darauf wird weder mit einem glatten
Ja noch einem glatten Nein geantwortet werden können,
die Antwort muß vielmehr bei den einzelnen Repräfen-
tanten ganz verfchieden lauten. Das beweift aber, daß
der Modernismus eine einheitliche Bewegung gar nicht
ift, und das hätte von Schnitzer fcharf betont werden
müffen. Die Geifter, die im Buche fo friedlich neben-

4 Abfchnitte, welche nach einander von den Quellen des i einanderftehen, würden in Wirklichkeit diefe Vergefell-
Katechismus, von dem religiöfen und theologifchen Cha- [ fchaftung nicht ohne weiteres hinnehmen. Schell z. B.

rakter desfelben und feiner Vorarbeiten, von feiner An
fechtung bis zum Augsburger Reichstag 1566 und endlich
von feinem Schickfale zunächft durch die Reaktion
unter dem Kurfürften Ludwig, dem Sohn und Nachfolger
Friedrichs des Frommen, von den fpäteren Anfechtungen,
von feiner Verbreitung, von feinen Auslegungen, feinem
Ergehen im 19. Jahrhundert und von dem gegenwärtigen
Stande berichten.

y** möchten unfere Anzeige mit einem zwiefachen
Wunfche fchließen: möge die Jubelfchrift Längs einmal
zu einer eingehenden Befchäftigung mit dem

ift wohl ein moderner Theologe gewefen, aber kein Mo-
dernift, jedenfalls nicht im Sinne der Enzyklika Pascendi.
Freilich fleht Schnitzer in dem von diefer entworfenen
Gemälde ein .Zerrbild' (S. 3), worüber fich wird ftreiten
laffen. Aber nehmen wir einmal feine eigene Definition
(S. 4): ,Was fie (die Moderniften) eint, zufammenführt und
zufammenhält, das ift lediglich das moralifche Band ge-
meinfamer religiöfer Orientierung und wiffenfchaftlicb-
theologifcher Arbeitsweife, das freudige Bekenntnis zu
den modernen Kulturidealen, die entfchloffene Anwendung
der hiftorifch-kritifchen Methode auf das ganze Bereich

?S1^fk rgCr Katechismus und einer richtigen Würdigung der biblifchen, dogmen- und kirchengefchichtlichen For
derfelben für die Gegenwart felberl Meines Wiffens hat | fchung, die fcharfe Scheidung zwilchen Religion und
der Bonner Theologe Sachße durch eine Kombination j Theologie, Kirche und Hierarchie, die ftrenge Wahrung

mit dem kleinen Katechismus Luthers den Heidelberger
Katechismus in unioniftifchem Sinne fruchtbar zu machen
gefucht, ein Weg, der wohl weiter zu erwägen wäre. Sodann
möge Längs Schrift Friedrich den Frommen der
Gegenwart ins Gedächtnis rufen, und zwar nicht bloß

voller perfönlicher Freiheit in religiöfen Dingen und
daher die entfchiedene Bekämpfung alles deffen, was den
Ultramontanismus charakterifiert: Diktatur und Zwang
auf religiös-kirchlichem Gebiet und Mißbrauch der Religion
zu materiell-politifchen Zwecken' — ich glaube nicht (man

nach feiner kirchlichen Bedeutung, fondern auch nach vgl. die von mir gefperrten Worte), daß fie von allen
feinem muftergültigen Wandel; denn gerade nach diefer | den von Sehn, aufgeführten .Moderniften' geteilt werden