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Ausgabe:

1914 Nr. 7

Spalte:

197-198

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Fowler, Henry Thatcher

Titel/Untertitel:

A History of the Literature of Ancient Israel from the earliest Times to 135 B. C 1914

Rezensent:

Budde, Karl

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Seite 1

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Theologifche Literaturzeitung 1914 Nr. 7.

198

äußeren Kreis'. Was foll das fein? Auf der nächften 1 verweift uns für die Begründung auf deffen zu erwartenden
Seite fpricht er im Gegenfatze dazu von der /Erkenntnis Pfalmenkommentar. Man darf darauf in der Tat gefpannt
eines äquatorifchen Zirkels', ohne zu wiffen, daß diefer fein. Auch S. 43—45 und S. 226 ff. fucht der Verfaffer
Zirkel eben den Dodekaoros-Gürtel darftellt. noch vorexilifche Pfalmen feftzulegen und verweift über

Die Verdienfte Jaftrows um die Einzelforfchung der fich hinaus auf Briggs' Beftimmungen, die ficherlich viel-
Leberfchautexte zu befprechen, überlaffe ich den Spezia- j fach fehlgreifen. Eine gewiffe Neigung zu möglichft
litten. Jedenfalls wird die Riefenarbeit Jaftrows auf diefem : früher Anfetzung oder zum Fefthalten mit Recht beGebiete
den Wert feines Buches für lange Zeit fichern. j ftrittener Stücke ift auch bei der prophetifchen Literatur

t • ■ auwi ta,-»™;oo 1 nicht zu verkennen. So wenn S. 158f. Jef. 11, 1—9 Jefaja
_Alfred Jeremlas._ ^ g ^ f ^ m 6> 5 g dJe MögIichkeJit

Fowler, Prof. Henry Thatcher: A History of the Literature der Abfaffung durch Micha unter Manaffe, S. 202 für
Of Ancient Israel ffom the earliest Times to 135 B. C. Nah. 1 durch Nahum, S. 280 für Jef. 58. 59.60fr. durch
(XIV 302 S) 8°. New York, The Macmillan Company ! -den großen Unbekannten' von K. 40—55 offengelaffen

1 wird, oder wenn S. 162 Jef. 36—39 Material darftellen

1912. s. 10 —

Der Verfaffer, Profeffor an der Brown-Univerfität in
Providence, Rhode Island, hat bereits ,vor faft fechs Jahren'
zufammen mit F. K. Sanders ein Buch ,Outlines for the
Study of Biblical History and Literature' erfcheinen laffen
und möchte nun ,den zufammenhängenden Bericht von
dem Wachstum des Geifteslebens Israels in feinen wech-
felnden Ausdrucksformen und im Verhältnis zu anderen
Seiten feiner Gefchichte erftatten', wozu er die Zeit durchaus
für reif erachtet. Ausdrücklich hebt er (S. IX) hervor,
daß er neben der chronologifchen Anordnung weniger
als ich in meiner Gefchichte der althebräifchen Literatur
die fachliche walten läßt. Das ift in der Tat der Fall,
was zugleich fagen will, daß Fowler in höherem Grade
auf Analyfe verzichtet und fich weit überwiegend auf
thetifche Darftellung befchränkt, daß er hie und da, um
pofitive Entfcheidungen treffen zu können, kühne und
felbft gewagte Pofitionen vertreten muß, während er
anderwärts auf die genauere Erörterung der Probleme
verzichtet. Immerhin bleibt aber die Einteilung des Stoffs
auch in diefem Buche wefentlich beftimmt durch die fachlichen
Kategorien der Gefchichtfchreibung, Prophetie,
Gefetzgebung, der lyrifchen und gnomifchen Dichtung.

Im allgemeinen darf man Fowler zum Gelingen feiner
Arbeit beglückwünfchen. Er verfteht es, in kurzen Zügen
den geiftigen und religiöfen Fortfchritt des Volks an der
Hand der literarifchen Entwicklung zu zeichnen; er läßt
es fich angelegen fein, die letztere durch reichliche Proben,
die den beften Überfetzungen entnommen find, anfchaulich
zu machen. Einen befonders frifchen Zug bekommt die
Darfteilung durch häufige Seitenblicke und Seitenftücke.
Dazu ift keineswegs nur die Literatur älterer und gleichzeitiger
Völker herangezogen, wie in der Mitteilung der
babylonifchen Sintflutgefchichte S. 80 ff, der Mefa-Infchrift
S. 89 f., der Verwertung der Ausgrabungen in Babylonien
für Hefekiel S. 237, fondern mit Vorliebe find auch die
Überlieferungen des eigenen, englifchen Volkes dafür verwendet
, fo für die Gefchichtfchreibung S. 46. 67 f., für die
Leichenklage S. 41. Geradezu draftifch wirkt es, wenn
er S. 176 die Aufeinanderfolge der Reform Hiskias und
der Reaktion unter Manaffe mit Vorgängen von heutzutage
vergleicht, unter denen man trotz der Vermeidung

follen, das unter den Schülern Jefajas aufbewahrt wurde.
Auffallend kurz werden im allgemeinen die literarifchen
Probleme der Prophetenbücher behandelt oder auch völlig
übergangen, befonders die der Bücher Jefaja und Jeremia.
Auch halbe oder unfchlüffige Haltung ift hie und da wohl
zu rügen, befonders hinfichtlich des Knecht-Jahwe-Problems
S. 272 f. und der Frage des Hohenliedes S. 363 h Die
metrifche Eigenart der Pfalmen 120—134 findet Fowler
S. 365 immer noch in der fogenannten Anadiplosis und
ift faft geneigt den Namen ni5J>«n "P© wieder davon zu
verftehn, obgleich er das Buch als den ,Pilgrim-Pfalter'
einführt. Gar nichts merkt er von dem faft durchgängig
herrfchenden Kinaverfe, der ihm doch fonft fehr geläufig
ift.

Als bloßes Verfehen ift feftzuftelleu, daß der Verf. S. 175 Hifkia
erft 686 fterben, Manaffe S. 165 von 685 an und nach S. 178 die vollen
55 Jahre der Überlieferung; regieren läßt, dennoch aber ebenda die deu-
teronomifche Reform in das Jahr 621 legt, das 13. Jahr Jofias S. 194
dem Jahr 626 gleichfetzt. S. 228 fehlt zu dem angeführten Wortlaut die
Nennung von Pf. 3, ebenfo S. 229 von Pf. 72, S. 264 von Jef. 14. Auf
S. 185. 186 wirkt es verwirrend, daß die verfchiedenen Schriftabfchnitte
ohne neue Einführung des zweiten aneinandergereiht find, noch fchlimmer
auf S. 207, wo am Schluß des erften der Verweis auf die Fußnote durch
Verfehen ausgefallen ift. S. IX lies Budde ftatt Budd, Cornill ftatt
Cornhill, S. X ftreiche ,Göttinger' vor ,Handkommentar zum Alten Tefta-
ment', lies Karl Marti ftatt K. H. C. Marti, worin offenbar das Akroftich
von 'Kurzer Hand-Commentar' fteckt, und Tübingen ftatt Tubingen, S. 15
Fußnote 2 lies Nowack ftatt Norwack.

Marburg._K Budde.

Die Mifchna. Text, Überfetzg. u. ausführl. Erklärg. Mit
eingeh. gefchichtl. u. fprachl. Einleitgn., unter Mitwirkg.
v. Dr. Albrecht, Licc. Bauer, Proff., Dr. Benzinger u.
A. hrsg. v. Proff. DD. Dr. G. Beer u. O. Holtzmann.
(In 63 Traktaten.) gr. 8°. Gießen, A. Töpelmann.

Holtzmann, Prof. D. Oscar: Berakot (Gebete). Nebft e. textkrit. Anh.

(VIII, 106 S.) 1912. M. 5 —

Beer, Prof. D. Dr. Georg: Perachim (Oftern). Nebft e. textkrit. Anh.

(XXIV, 212 S.) 1912. M. 10 —

Albrecht, Prof. Dr. Karl: Challa (Teighebe). Nebft e. textkrit Anh.

(IV, 48 S.) 1913. M. 2.40

Windfuhr, Paft. Walter: Baba qamma (,Erfte Pforte' des Civilrechts).

Nebft e. textkrit. Anh. (VIII, 96 S.) 1913. M. 4.80

von "Namen unfchwer Roofevelts Vorgehen gegen diel Ein hocherfreuliches Zeichen für das fiegreiche Durch-
Trufts und einen möglichen Sieg der Gegenpartei erkennt. | dringen der Überzeugung von der Notwendigkeit aus-
Alles in allem ift fein fehr lesbares, ja fpannendes Buch reichender Kenntnis der jüdifchen Traditionsliteratur für

für weite gebildete Kreife wie gefchaffen

Der Verfaffer felbft betont wiederholt, daß er den

das Verftändnis des N. T. und feiner Zeit ift es, daß jetzt
gleich drei Unternehmungen von chriftlicher Seite neben-

Konfenfus der heutigen altteftamentlichen Wiffenfchaft j einander beftehen, welche die Mifchnah, den fogen. ,Text
vertrete, das ift im wefentlichen die Ergebniffe Well- ; des Thalmuds', durch Überfetzungen und Erläuterungen
haufens in ihrer organifchen Weiterbildung. Eigentlich i theologifchen und weiteren Kreifen zugänglicher als bisneuen
Aufftellungen wird man feiten begegnen. Am her zu machen fuchen. Die ältefte Sammlung diefer Art
meiften dürfte wohl die S. 130fr. vertretene und S. 226 1 bilden die von Lic. theol. Paul Fiebig herausgegebenen
angezogene Thefe überrafchen, daß die Afaphpfalmen .Ausgewählten Mifchnahtraktate' (Tübingen, J. C. B. Mohr),
die Liederfammlung des Heiligtums von Bethel, die Korah- ! von denen feit 1905 (bis 1912) Joma, Pirke Aboth, Bera-
pfalmen die des Heiligtums von Dan darftellten, beide ; choth, Abodah farah, Schabbath, Sanhedrin mit Makkoth
alfo vorexilifch und nordifraelitifch feien, natürlich in ihrer und Megillah (die erften drei von Fiebig, die anderen
urfprünglichen Geftalt. Er bekennt ' fich dafür John von Paul Krüger, Georg Beer, Guftav Hölfcher und
P. Peters zu Dank verpflichtet, der diefe Anficht 1910 in j Wilhelm Rothftein überfetzt und kurz erläutert) erfchienen
Vorlefungen an der Brown-Univerfität vertreten hat, und | und vom Ref. an diefer Stelle (Nr. 2, 1906; Nr. 21, 1907;