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Ausgabe:

1913 Nr. 19

Spalte:

603

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Lindeboom, L.

Titel/Untertitel:

Contra de Religionsgeschichte de Historia Sacra. Rectoratsrede 1913

Rezensent:

Bauer, Walter

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603

Theologifche Literaturzeitung 1913 Nr. 19.

604

Referate. | Kennzeichnung der tendenziöfen oder phantafievollen Ent-

Bricout, J.: Ou en est i'histoire des Reügions? Tome II:
ludaisme et Christianisme. (589 S.) 8°. Paris, Letouzey et
And 1912. Vollftändig fr. 12

Heilungen, Hervorhebung und Zufammenfaffung des ficher Feft-
ftehenden und Literaturverweife dem Lefer es ermöglicht, Kritik
zu üben, die Quellen zu verliehen und zu bewerten und danach

, - „ . , m , . ,° fleh ein Bild von den Vorgangen zu machen.

Uber den erlten Band diefes Werkes, den allgemeinen „ . , . „ 66 u

Zwickau 1. S. O. C lernen.

religionsgefchichtlichen Teil habe ich feinerzeit ausführlich berichtet
. Der zweite Teil umfaßt Judaisme et Chriltianisme'. Da
eine ganz im katholifchen Geiftgehaltene kurze Darftellung der Reli-
gionsgefchichte des Alten und des Neuen Teftaments wie der getarnten
Entwicklung des Chriftentums bis auf unfere Tage in
franzöfifcher Sprache kaum in weitern Kreifen bei uns Intereffe
erwecken dürfte, fo befchränke ich mich auf eine kurze Anzeige.
Ich erwähne nur, daß nach üblichem altem Schema die Darfteilung
der Religion des Alten Teftaments mit der Religion der Patriarchen
beginnt, dann folgt die Offenbarung am Sinai und die
Religion der Wüfte; ufw. Der Verfaffer diefes Abfchnittes hat
fleh zur Sicherheit noch von einem Kollegen befcheinigen laffen:
,Les positions adoptees dans cette etude sont parfaitement
d'aecord avec la plus stricte Orthodoxie et repondent aussi exae-
tement qu'il est possible en un resume, aux documents sainement
interpretes de l'Ancien Testament' (p. 51). — Was könnte demgegenüber
eine Kritik von der Seite des modernen Proteftantismus
noch für einen Zweck haben!
Göttingen. Bouffet.

Lindeboom, L.: Contra de Religionsgeschichte de Historia Sacra.

De absolute voorwaarde voor het rechte verftand en onder-
wijs van de Bijbelsche Geschiedenis en de geschiedenis der
godsdiensten. Rectoratsrede. (46 S.) gr. 8". Kampen, J.
H. Kok 1912. fl. — 40

Der Vortrag ift eine Verteidigung des Kirchenglaubens, geführt
nicht nur ohne jede Konzeffion an, fondern auch ohne das
mindefte Verftändnis für eine wiffenfehaftliche Behandlung der
Gegenftände, von denen das Alte und Neue Teftament reden.
Biblifche Gefchichte ift nach L. keine,Religionsgefchichte', fondern
Gefchichte der göttlichen Offenbarung. Darum hat man fle nicht
kritifch zu erforfchen, fondern fleh gläubig vor ihr zu beugen.
Gegenüber den Entfcheidungen der Schrift und des reformierten
Bekenntniffes gibt es keine Revifion. Die Religion der Heiden
ift ein Gottesdienft der Lüge und Sünde, der nichts mit der
Wahrheit und Heiligkeit Gottes zu fchaffen hat (p. 21). Sollten
fleh aber bei den Heiden Elemente finden, die auf eine befondere
Offenbarung hinweifen, fo kann das nicht befremden. Stammen
doch die Völker von den Söhnen Noahs her, die die Traditionen

Baur, Wilh.: Lebenserinnerungen. Mit Einleitg. u. Erläutergn. v.
Karl Effelborn. (Hefflfche Volksbücher, hrsg. v. W. Diehl.
10 u. 11.) (335 S. m. 1 Bildn.) Darmftadt, H. L. Schlapp 1911.

M. 2.50; geb. M. 2.80
Das Buch ift auf Freunde des einfügen rheinifchen General-
fuperintendenten und auf hefflfche Lefer berechnet, denen die
von S. 249—335 reichenden, fehr ausführlichen Anmerkungen
eine Fülle lokalgefchichtlicher Notizen bringen. Der Herausgeber
bietet zur Einführung ,Baurs Leben in Selbftbekenntniffen'
(S. 4—88), ausführlich nur für feine Wirkfamkeit im Heffifchen,
für die in Hamburg, Berlin und Coblenz nur kurz. Das Mittel-
ftück (S. 89—248) enthält die von Baur felbft für feinen Sohn in
Lindenfels niedergefchriebenen Lebenserinnerungen, eine an-
fpruchslofe Schilderung feiner Jugend bis zum Abgang vom Fried-
berger Predigerfeminar 1848. Der werdende Chrift, Theologe
und Kirchenmann, Gießener Fakultäts- und Studentenbilder, vorher
die anziehenden Züge befcheidenften und doch fröhlichen
Lebens im oberförfterlichen Elternhaufe und einer Schülerzeit
voll fchwärmerifchen Freundfchaftskultes, zum Schluß Erlebtes
aus dem Sturmjahr intereffleren. Ungefchickt ift, daß die ,Ein-
führung' fehr vieles aus den ,Erinnerungen' vorwegnimmt. Ein
Jugendbildnis Baurs ift beigegeben.

Lobberich. Alfred Zilleffen.

Ebert, Paft. Paul: Die Kirchenfrage in Hamburg. (48 S.) 8°.

Hamburg, Ev. Buchh. 1912. M. - 30

Die vorliegende Schrift ift hervorgerufen durch den ,Fall
Heydorn'. Der ordnungsgemäß gewählte Paftor Heydorn wurde
am 11. April 1912 in fein Amt an der Katharinenkirche in Hamburg
eingeführt. Am folgenden Tage erhob fleh darüber in der
Hamburgifchen Bürgerfchaft eine erregte Debatte; am 21. April
wurde der Kirchenfynode eine Petition von Paftoren der evang.
luther. Kirche im Hamburger Staat unterbreitet des Inhalts, diefe
Körperfchaft möge eine Neuordnung der genannten Kirche in die
Wege leiten. Zu diefem Zwecke erwählte man eine Kommiffion
von 15 Mitgliedern. Die Ergebniffe der von ihr gepflogenen Beratungen
arbeitete eine Unterkommiffion aus, die aus Vertretern
der verfchiedenen Richtungen zufammengefetzt ihre Befchlüffe

der heiligen Gerchlechter der erften Welt in die Arche mitge- I einmütig faßte. Der in Zukunft zu berufende Geiftliche wird da-
nommen haben. Damit dürfte Geift und Art diefer Arbeit ge- I nach auf das »formale und materiale Prinzip' der Reformation

verpflichtet, er gelobt, ,als ein treuer Diener der evang. luther.
Kirche das Evangelium verkünden' zu wollen ,nach der göttlichen
Offenbarung in der heiligen Schrift und im Glauben an die felig-
machende Gnade Gottes in Chriftus Jefus'. In der zum 19. Dezember
1912 berufenen Tagung der Synode wurde über die neue
Formel verhandelt; etwa 8 Tage vorher war Eberts Schrift er-
fchienen, die, ebenfo wie die Ausführungen von Paftor Reimers
im Hamburger Kirchenblatt, darauf abzielt, jede Grenze der Lehrfreiheit
aufzuheben.

Über die angezogene Formel äußert fleh Ebert in dem 4. Teil
feines Büchleins. Von einer Beziehung zu den Bekenntniflen
unfrer Kirche, heißt es da, ift hier in keiner Weife mehr die
Rede. Die neue Formel heißt nichts andres als Abfchaffung der
Bekenntniffe untrer Kirche, und das heißt nichts andres als zwar
den Anfpruch erheben, evang. luth. Kirche zu fein, aber gleichzeitig
diefer Kirche die Grundlage ihrer Exiftenz entziehen;., die
neue Verpflichtungsformel bedeutet.. die Einführung der fchran-
kenlofeften Lehrwillkür..; fle ift nichts anderes als der Verzicht
auf die Machtftellung, die untre Kirche als Volkskirche hat und
haben foll.. denn: ,unfre Kirche foll mit der vollen Wahrheit
hineinleuchten in die Irrtümer unfrer Zeit, in die Irrgänge des
modernen Menfchen'.

Für Ebert ift alfo der durch Befchluß der Synode vom
19. Dezember 1912 gefchaffene Zuftand unhaltbar. Sein Wunfch
geht darum auf eine fchiedlich-friedliche Trennung, die nicht von
einer Seite allein ausgeht, zu der vielmehr beide Teile ihre Zu-
ftimmung erklären, und die durch Synodalbefchluß Gefetzeskraft
bekommt.

Hamburg. Rinn.

nügend gekennzeichnet fein.
Breslau. Walter Bauer.

Batiffol, Pierre: Urkirche und Katholizismus. Überfetzt und eingeleitet
von Dr. theol. Franz Xaver Seppelt. Kempten u.
München, J. Köfel'fche Buchhandlung 1910. (XXIX, 420 S.)
gr. 8". M. 4.50; geb. M. 5.50

In diefer Zeitfchrift 34 (1909), 51 ff. hat Harnack dem franzö-
flfehen Originalwerke L'eglise naissante et le catholicisme eine
ausführliche Befprechung zuteil werden Iaffen. Über den Wert
und die Eigenart des Buches, feine Vorzüge und Schwächen ift
dort ausführlich gehandelt worden, von ,berufenfter' Seite auch
deshalb, weil B. in weiten Teilen feiner Darfteilung fleh gerade
mit Harnack auseinanderfetzt. Es ift fehr erfreulich, daß das
wertvolle Buch überfetzt und fo weiteren Kreifen diesfeits des
Rheines zugänglich gemacht ift. Die gewandt und liebevoll angefertigte
Überfetzung ift nach der dritten franzöflfehen Auflage
von 1909 hergeftellt, und der Köfel'fche Verlag hat ihr eine fchöne
und würdige Ausftattung gegeben.
Wien. Rudolf Knopf.

Der Kampf Heinrichs IV. u. Gregors VII. Hrsg. v. Dr. Fritz Schillmann.

(Voigtländers Quellenbücher. Bd. 34.) (118 S.) kl. 81.

Leipzig, R. Voigtländer 1912. M. 1 —

Das Büchlein ift dem Vorwort zufolge für Nichthiftoriker
beftimmt. Es wird aber wohl ein ähnliches Schickfal haben wie
fo viele der ,Religionsgefchichtlichen Volksbücher'. Wie diefe
eigentlich auf Nichttheologen als Lefer rechnen, aber vorzugs-
weife oder gar ausfchließlich von Theologen gelefen werden, fo
wird Schillmanns Quellenbuch wohl befonders von Hiftorikern
benutzt werden. Es unterrichtet vortrefflich. Der Herausgeber
hat fleh nicht damit begnügt, die Quellenftellen auszuwählen,
mit Überfchriften zu verfehen und zu gruppieren, fondern er hat
ausführliche Ein- und Überleitungen hinzugefügt und durch

Heymans, G.: Das künftige Jahrhundert der Prychologie. Rede.
Aus dem Niederländ. v. weil. Lekt. H. Pol. (52 S.) 8". Leipzig
, Joh. Ambrofius Barth 1911. M. 1.20