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Ausgabe:

1913 Nr. 11

Spalte:

326-327

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Cohen, Julius

Titel/Untertitel:

Wurzelforschungen zu den hebräischen Synonymen der Ruhe 1913

Rezensent:

König, Eduard

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Theologifche Literaturzeitung 1913 Nr. 11.

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Götter für den fpeziell Intereffierten fehr bedeutfam. In
dem Kapitel über die kleinafiatifchen Kulte verweife ich
namentlich auf die Ausführung über die Taurobolien.
T. betont fehr energifch die fremde Herkunft diefes Ritus
innerhalb der phrygifchen Myfterien. Er unterfcheidet
zwei Gruppen heiliger Handlungen in ihnen, von denen
ihm die eine: die Einbringung des heiligen Baumes, die
Selbftverftümmelung der Galli, die Prozeffion oder
Wafchung der Kybele fpezififch phrygifch erfcheint, während
die andere, beftehend aus dem Taurobolium, dem
Kriobolium und der Kernophorie fremden Einfluß verraten.
Mit Recht weift er dabei auf die Unficherheit hin, in der
wir uns über den Sinn fowohl des Namens wie der Sache
hinfichtlich diefer barbarifchen Weihe befinden, und macht
auf die Schwankungen in der Auffaffung aufmerkfam,
denen Cumont in feiner Darftellung verfallen ift. T. möchte
(m. E. mit Recht) einem erften Verfluch Cumonts folgend,
am liebften die Taurobolien von dem Beinamen der
afiatifchen Artemis Tauropolos ableiten. Die Religion des
Mithras fucht T. in eingehenderer Darftellung unter Anlehnung
an Cumont und doch in teilweifer Selbftändigkeit
ihm gegenüber, die fleh gelegentlich durch manche andere
Nuancierung verrät, darzufteilen.

Hinfichtlich der Magie macht T. die bedeutfame Beobachtung
, daß die Zeugniffe und Denkmäler für fie feltener
werden in dem Maß, in dem man fleh von den Ländern
des Mittelmeeres nach Norden und Nordweften entfernt.
In dem Abfchnitt über den heidnifchen Synkretismus und
feine Tendenz zu einer pantheiftifchen refp. monothe-
iftifchen Auffaffung fetzt T. fleh genauer mit den neuen
Ausftellungen von Macchioro (II sincretismo religioso e
Tepigrafia, S. 9) auseinander, denen zufolge es einen
eigentlichen Synkretismus gar nicht gegeben hat, und
widerlegt diefen fonderbaren Satz unter genauerem Eingehen
auf das Wefen des Synkretismus in überzeugender
Weife. Er weift nach, wie in diefer in Pantheismus und
annäherndem Monotheismus mündenden fynkretiftifchen
Tendenz vor allem orientalifcher Einfluß in Frage kommt,
und wie die geographifche Verteilung der hier in Betracht
kommenden Infchriften auf den merkwürdigen Einfluß
hindeuten, der in diefer Beziehung vom römifchen Heer
mit feinen fremden und orientalifchen Beftandteilen ausgegangen
fei.

Göttingen. Bouffet.

rlotj e r s, Prof. Robert William, Ph D.,Litt.D, LED.,F.R.G.S.:
Cuneiform Parallels to the Old Testament. Translated and
edited. (XXII, 470 S. m. 48 Taf. u. 1 Chronological
Table.) gr. 8°. Oxford, University Press (1912). s. 21 —

Wie Rogers im Vorwort mitteilt, faßte er bald nach
1902 den Plan, eine Sammlung der aufs AT. bezüglichen
Keilfchrifttexte in Umfchrift und Überfetzung herauszugeben
. Unterdeffen find nun verfchiedene ähnliche Publikationen
erfchienen, namentlich Dhorme's ,Choix de
Textes', Winckler's .Keilinfchriftliches Textbuch' und
meine Zufammenftellung in Greßmann's .Altorientalifche
Texte und Bilder' (letzteres ohne Transfkriptionen). Ro-
ger's Werk fleht in der Form der Darbietung dem
Winckler'fchen Buch am nächften, in der Gruppierung
und Auswahl des Stoffes jedoch meiner Sammlung. Wie
Winckler bietet R. auf der oberen Hälfte jeder Seite
die Überfetzung, auf der unteren die Umfchrift.

Was die Anordnung betrifft, fo teilt er ein inl. Mytho-
logical Texts (pp. 1 —137), IL Hymns and Prayers (pp.
139—186), III. Liturgical and Doctrinal Texts (pp. 187—197),
IV. Chronological Materials (pp. 199-240), V. Historical
Texts (pp. 241—384), VI. Legal Texts (pp. 385—465).

Gegenüber der Sammlung in .Altorientalifche Texte
und Bilder'hat Rogers noch aufgenommen: die affyrifchen
Eponyinenliften, einige hiftorifche Texte aus der Ham-
murapi-Zeit, drei weitere Briefe von Abdi-Heba, einige
hiftorifche Texte aus der Zeit Nebukadnezar's und feiner

Nachfolger fowie einzelne kleinere Texte. Dagegen fehlen
vor allem die Legenden von Urra und Isum, dem König
von Kutha, die beiden hiftorifchen Texte aus der Ham-
murapi-Zeit, die die Herrfchaft derDynaftie über Amurru
erweifen, und der bisher nur in Überfetzung mitgeteilte
Text über den Kampf Asarhaddons mit feinen Brüdern,
den Mördern Sanheribs (vgl. dazu befonders: Sunday
School Times, Philadelphia 19Ii, p. 395). Die hiftorifchen
• Texte find mit kurzen Einleitungen verfehen, die dem
Studierenden gewiß willkommen find.

Wenn das Ganze nicht überall gleichartig ift, fo kann
man das bei der Fülle der verfchiedenartigften in Betracht
kommenden Texte auch kaum anders erwarten. Bei der
Behandlung des Gilgames-Epos hätte m. E. einiger ficherer
Ergebniffe meiner in Gemeinfchaft mit Greßmann herausgegebenen
Bearbeitung (Göttingen 1911) mehr Rechnung
getragen werden müffen. Daß Eabani zugunften
Engidu's verfchwunden ift, ift fehr erfreulich, dagegen ift
die unrichtige Lefung Malik für ilä (in zahlreichen Epo-
nymennamen) noch beibehalten worden. Auf Einzelheiten
in Überfetzung und Umfchrift können wir hier nicht eingehen
. Zu S. 45, Z. 35 ift Hommel's Bemerkung (OLZ
1907, S. 483) wiederum überfehen worden; S. 201 ift 756
years ein unangenehmer Druckfehler für 576. [Lies
übrigens auch Kashtiliaschi (richtig S. 207) ftatt Bitiliashi].
Im Hammurapi-Kodex fehlen 7, nicht 5 Kolumnen (S. 396;
vgl. Beitr. z. Äff. VI 5, S. 144 fr.).

Die beigegebenen Tafeln bringen u. a. zahlreiche
Photographien von Keilfchrifturkunden; nach meinem
Empfinden hätte davon manches fortbleiben können, da
es nur Intereffe für Spezialiften hat. Auch hier möchte ich
wiederholen, was ich fchon in Altorientalifche Texte
(S. 40, Anm. 2) hervorgehoben habe, daß ich keinen Beweis
dafür fehe, daß die fog. Gilgamesgeftalten Darftellungen
des Gilgames find; Erklärungen von Siegelzylindern wie
PI. 14, 3 (Ut-napishtim in his ship) find durchaus unmöglich
. Wir flehen hier faft überall noch vor Rätfein.

Das Buch wird gewiß von englifchen und ameri-
kanifchen Altteftamentlern, die des Deutfchen unkundig
find, freudig begrüßt werden, aber auch von folchen gern
benutzt werden, die fich fchnell über den babylonifchen
Wortlaut einer Parallele zum AT. ohne große Mühen informieren
wollen.

Jena. A. Ungnad.

Cohen, Dr. Julius: Wurzelforfchungen zu den hebräifchen
Synonymen der Ruhe. (VII, 85 S.) gr. 8°. Berlin,
M. Poppelauer 1912. M. 2.50

Die Wurzelforfchung ift auf dem weiten Gebiete der
Sprachwiffenfchaft wohl diejenige Partie, die den ver-
lockendften Zauber ausübt. Sie tut es faft ebenfo fehr, wie
die Vergleichung des femitifchen und des indogermanifchen
Sprachstammes, worüber mir dann und wann ungedruckte
Arbeiten zur Begutachtung zugefchickt werden. Die
Wurzelforfchung ift aber womöglich ein noch unfichereres
Unternehmen, als die Vergleichung der beiden genannten
Sprachftämme. Das zeigt fleh auch wieder in
dem von Cohen vorgelegten neueften Buche über Wurzelforschung
. Oder fleht nach diefem auch nur die Zwei-
buchftäbigkeit der Wurzel gegenüber dem dreikonfo-
nantigen Grundflamm feft? Nein, fondern er fetzt auch
ein- und dreibuchftäbige Wurzeln voraus. Betreffs der
letzteren beruft er fich fogar auf B. Stades Lehrbuch der
hbr. Gram. § 384, hat aber übersehen, daß Stade fich
leider dem falfchen Sprachgebrauche angefchloffen hatte,
wonach vielfach .Wurzel' anftatt .Grundflamm' (= Qal) ge-
fagt wird. Inbezug auf diefe erfte Frage der semitifchen
Wurzelforfchung wird aber bei dem Satze flehen zu
bleiben fein, daß die Wurzel ein zweibuchftäbiges Sprachgebilde
war, weil nicht wenige Reihen von Grundftämmen
in zwei Konfonanten ihre gemeinfamen Elemente befitzen.
! Wenn es folche Stämme gibt, die ,fich nicht ohne Gewalt