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Ausgabe:

1913 Nr. 9

Spalte:

284

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Haß, Willy

Titel/Untertitel:

Studien zum Heptateuchdichter Cyprian 1913

Rezensent:

Klostermann, Erich

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Seite 1

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283 Theologifche Literaturzeitung 1913 Nr. 9. 284

und Kirchlichkeit beftehe neben Unkirchlichkeit. Von
Polemik gegen Andersgläubige hält fich der Verf. mit
Recht frei, und verfteht fehr richtige Apologie zu treiben,
die darum wirkfam ift, weil fie fich wirklich zu dem herabläßt
, dem fie dienen will.

Von den Gleichniffen find folgende behandelt: das
große Abendmahl, die anvertrauten Pfunde, der verlorene
Sohn, der unfruchtbare Feigenbaum, der ungerechte Haushalter
, die langfam wachfende Saat, die zwei ungleichen
Söhne, der bittende Freund, das Licht in uns, die klugen
und törichten Jungfrauen (Totenfeier). Man fieht, es find
auch fchwierigere ausgewählt, und es ift die Kunft zu
bewundern, wie fie für den einfachen Mann verftändlich
und für den Gebildeten anziehend behandelt werden.
Nicht als ob der Prediger eine ganz neue Art hat, die
Gleichniffe zu erklären — die wiffenfchaftliche Arbeit
fetzt er überall voraus, und man beobachtet leicht, daß er
nicht ohne folche Rüftung ift. Aber fie ift ihm, wie fonft
fo oft, nicht zu fchwer, er weiß alles fchlicht und erbaulich
zu behandeln. Als Beifpiel nenne ich nur die Predigt
über Matth. 6, 22—3, vom Licht in uns. Ich muß es
mir verfagen alles anzuführen, was mir befonders gelungen
fcheint, ich weife nur hin auf einiges: den erften
Teil der erften Predigt, wie Gott uns einlädt; die ganze
Predigt über den verlorenen Sohn, auf die Ausführung
über den ungerechten Haushalter, wo das Thema richtig
formuliert ift, oder von den ungleichen Söhnen, S. 18
von der Arbeit für Andere, 36 Furcht vor Gott, 39 die
Herbheit des Evangeliums, 56 die Säearbeit der Eltern,
86 das Schwere am Chriftentum u. a. — (Druckfehler
S. 65 Zeit. S. 79 ein Auge). Über den Wert der Kirchlichkeit
der Engländer wird man vielleicht ein anderes
Urteil haben (S. 84), wenn man Gelegenheit gehabt hat,
fie felbft zu beobachten.

Die Schranke des Verf. ift eine oft zu ftürmifche und
dann ftoßweife wirkende Art, daher kommt der zuweilen abgehackte
Stil, der nervös erfcheint und macht. Bes. zeigt
fich dies in der Einleitung zur letzten Predigt. Das erfcheint
manieriert, wovon der Verf. fich frei halten follte.

Die Predigten find eine wefentliche Bereicherung der
Predigtliteratur und verdienen eifrig ftudiert zu werden.
Wir dürfen gewiß noch manche wertvolle Gabe vom
Verfaffer erwarten.

Ahlden (Aller). E. W. Bussmann.

Referate.

Euringer, Prof. D. Dr. Seb.: Der Streit um das Deuteronomium.
1. u. 2. Aufl. (Bibüfche Zeitfragen, gemeinverftändlich erörtert.
4. Folge, Heft 8.) (32 S.) gr. 8». Münfter, Afchendorff 1911.

M. — 50

Der Verfaffer behandelt nur das Hauptproblem des Dtn, die
Frage, ob es mofaifch ift oder nicht, und auch diefes wefentlich
nur hiltorifch, wobei er naturgemäß befonders die Stellungnahme
der katholifchen Autoren und die der Bibelkommiffion in Betracht
zieht. Er felbft nimmt nicht klar Stellung. Obwohl er der traditionellen
Anficht, daß das Dtn. ein Werk Mofes und das II. Reg. 22
gefundene Buch, wenn überhaupt auf das Dtn. zu befchränken,
das Originalexemplar desfelben war, anzuhängen fcheint, erklärt
er doch, daß die Entfcheidung der Bibelkommiffion fo vorfichtig
formuliert fei, daß die Iiterarkritifche Frage als eine offene behandelt
werden könne, salva substantialiter mosaica authentia et
integritate Pentateuchi und salvo ecclesiae judicio. DieNaville-
fche Thefe, das dtn. Gefetz fei von Nathan auf Grund mofaifcher
Schriften und Traditionen verfaßt und von Salomo bei der Grund-
fteinlegung des Tempels in deffen Fundamenten deponiert, lehnt
er als auf einer willkürlichen und angefichts II. Chr. 34,14 unhaltbaren
Annahme beruhend entfchieden ab.
Halle a. S. C. Steuernagel.

The Old Testament in Greek according to the Text of Codex
Vaticanus, supplemented from other Uncial Manuscripts, with
a critical Apparatus containing the Variants of the chief an-
cient Authorities for the Text of the Septuagint. Edited by
Alan England Brooke, B. D., and Norman Mc Lean,
M. A. Volume I. The Octateuch. Part III. Numbers and

Deuteronomy. (VII u. S. 407- 676.) 4». Cambridge, University
Press 1911. s. 15 —

Die Genefis war 1906 erfchienen (f. Theol. Literaturzeitung
1906, Sp. 545), Exod. und Lev. 1909 (ebenda 1910, Sp. 777). Jetzt
kommen Num. und Deut, hinzu, und es fehlt zur Vollendung
des erften Bandes, welcher nach der in den griechifchen Hand-
fchriften felbft üblichen Praxis den Oktateuch umfaffen wird, nur
noch der letzte Teil mit Jof., Rieht, und Ruth und der Einleitung
zum ganzen Oktateuch.
Göttingen. A. Rahlfs.

Groffe-Brauckmann, Emil: Der Pfaltertext bei Theodoret. [Aus:
,Nachr. d. K. Gefellfch. d. Wiff. zu Göttingen'.] (Mitteilungen
des Septuaginta-Unternehmens der Kgl. Gefellfchaft der Wiff-
zu Göttingen 3. Heft.) (S. 69—100.) Berlin, Weidmann 1911-

M. 1 —

Als drittes Heft aus den Mitteilungen des Septuaginta-Unternehmens
erfcheint Groffe-Brauckmanns gründliche, z. T. auf
eigener Vergleichung des handfehriftlichen Materials beruhende
Unterfuchung über den Pfaltertext bei Theodoret, weiter auch
bei Chryfoftomus, Theodor von Mopfuestia und in der fyrifchen
Überfetzung des Paul von Telia.
Straßburg. E. Kloftermann.

Haß, Willy: Studien zum Heptateuchdichter Cyprian. Mit Beiträgen
zu den vorhieronymianifchen Heptateuchüberfetzungen. Diff-
(Berlin). (42 S.) Lex.-8°.
Die gehaltreiche Differtation von Haß will teils die bisherigen
Aufhellungen über Leben und Wirken des Heptateuchdichters
Cyprian einer erneuten Prüfung unterziehen, teils feinen ,Hepta-
teuchos' noch einmal auf feine Vorlage hin unterfuchen. Haß
weift die Identifikation unferes Cyprian mit dem Verfaffer der
fogenannten Caena Cypriani zurück, und zeigt aus dem Bibeltext,
daß der Heptateuchdichter fein Werk in Gallien um die Mitte
des fünften Jahrhunderts gefchaffen hat.
Straßburg. E. Kloftermann.

Mitteilungen.

12. Die Beftimmung der Dolmen. In einem Auffatz der
letzten ,Revue des etudes anciennes', dem Organ der füdlichen
franzöfifchen Univerfitäten, zieht der bekannte franzöfifche Reli-
gionsforfcher J. Toutain Schlüffe aus den Ausgrabungen des
Dolmenheiligtums von Alefia. Victor Pernet, der im vorigen
September und Oktober zu Alefia gegraben hat, konnte dabei
konftatieren, daß in denjenigen Teilen des Mont Auxois, der ,en
furelot' genannt ift, die Bauten der gallorömifchen Epoche auf
älteren menfehlichen Wohnungen (fanden, die bis zu einer oftmals
bedeutenden Tiefe in die Felfen eingegraben waren. Die
Spuren der beiden Perioden und der beiden Zivilifationen erfchienen
alfo über einander liegend. Bei den Ausgrabungen
Ende September 1912 wurde eine Konftruktion bloßgelegt, deren
Plan und Anficht anfangs ganz fremdartig erfchienen. Dabei
wurden einige wichtige Bronzen gefunden. Zunächft war man
auf ein gallorömifches Gebäude geftoßen, das aus einem 17 m
langen und 5 m breiten rechteckigen Saal beftand, und an
deffen füdlichem Ende ein viel kleinerer Raum (2,80:1,70 m)
anftieß, der ohne Zweifel eine Cella oder Kapelle war. Die
ganze Konftruktion datierte aus der gallorömifchen Epoche. Nun
hat man im Innern diefes Gebäudes noch in fitu einen Dolmen
oder vielmehr eine dolmenartige Konftruktion gefunden,
die in die gallorömifche Konftruktion eingefchachtelt war. Die
Wichtigkeit des Fundes wurde noch dadurch verftärkt, daß in
der Nähe diefes erften Dolmen ein zweiter, weniger gut erhaltener
aber eben fo charakteriftifcher, ebenfalls innerhalb einer
gallorömifchen Konftruktion gefunden wurde. — Daraus find nun
folgende Schlüffe zu ziehen: 1. Kontinuität und direkter Kontakt
zwifchen den großen Perioden der älteften Gefchichte Galliens;
2. Es wird durch diefe Funde Licht auf die noch nicht gelöfte
und viel umftrittene Frage über die Beftimmung der Dolmen
geworfen. — Die Hauptanfichten darüber find bekanntlich einer-
feits, daß die Dolmen Gräber find, und zwar nichts als Gräber,
da man ja unter vielen derartigen megalithifchen Bauten menfeh-
liche Gebeine, Spuren von Begräbniffen gefunden hat. Anderer-
feits wurden in den Dolmen Wohnungen übernatürlicher Wefen
gefehen, und man betrachtet fie als religiöre Monumente, eine
Auffaffung, welche durch Entfcheidungen frühmittelalterlicher
Konzile gegen den Steinkult in Gallien und im weltlichen Europa
bekräftigt wird. — Die Situation des Gebäudes von Alefia ergibt,
daß in der. gallorömifchen Epoche die Dolmen nicht mehr oder