Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1912

Spalte:

156

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Schlatter, Wilhelm

Titel/Untertitel:

Rudolf Lechler. Ein Lebensbild aus der Mission in China 1912

Rezensent:

Bornemann, Wilhelm

Ansicht Scan:

Seite 1

Download Scan:

PDF

Theologifche Literaturzeitung 1912 Nr. 5.

lamen Schuld und Sünde des Volkes, der Stadt, der Gemeinde
zu gedenken ift, wird über den Weg der Bekehrung
des Einzelnen nach Act. 9,1—6 gepredigt. Am
Erntedankfeft predigt der Verfaffer über ,Unfere Stellung
zum irdifchen Gut' (Luc. 12,16—21) nach dem Schema:
,Wir follen Gott über alle Dinge fürchten, lieben und
vertrauen'. Die tatkräftige Liebesgefinnung gegen den
Nächften, gegen Notleidende und Bedürftige, kommt
lediglich in der Empfehlung der fog. Notftandskollekte
zur Sprache. Als foziale Predigt ift vielleicht die über
Jak. 5,1—7: ,Wie fich der Chrift den Ungerechtigkeiten
der Welt gegenüber verhalten Poll' anzufprechen; allein
es ift doch zu wenig, daß wir unerfchrocken für die Wahrheit
einftehen und in Geduld uns waffnen müffen; ernftes
foziales Handeln ift not, damit das Böfe durch Gutes überwunden
werde.

Auf einige der fchönften Perlen fei zum Schluß hin-
gewiefen. Wir rechnen dazu den erften Teil der ,Seelenführungen
' (Mt. 15,21—28), die Erörterung über das Wort:
Jefus wollte nicht, daß es jemand wiffen follte'. Sodann
die pfychologifch feinen Predigten: ,Sanftmut ein Gebot,
das Verheißung hat' (Mt. 5,4) und ,Vom Segen der Ungewißheit
in Beziehung auf die Zukunft' (Mt. 24,42); endlich
die in ihrem weiten Blick, in ihrer unbefangenen
Gerechtigkeit und Weisheit vollendete Predigt über
1. Sam. 12,1—4. 20—24: ,Wie fich Altes und Neues verträgt
'. Durch folche Auszeichnung follen die anderen
Predigten nicht als minderwertig erfcheinen; fie geben
nur dem Ganzen das Gepräge des Vorzüglichen und dem
Referenten die angenehme Pflicht wärmften Dankes für
die Gabe.

Marburg. E. Chr. Achelis.

Referate.

Baumttark, Dr. Ant.: Die chriitlichen Literaturen des Orients.

I. Einleitung. 1. Das chriitlich-aramäifche u. das koptifche
Schrifttum. (134 S.) — II. Das chriftlich-arabifche u. das
äthiopifche Schrifttum. III. Das chriftliche Schrifttum der
Armenier u. Georgier. (116 S.) (Sammlung Göfchen. 527.28.)
kl. 8». Leipzig, G. J. Göfchen 1911. Geb. je M. — 80

Neben die Gefchichte der chriftlichen Literaturen des Orients
von Brockelmann, Finck, Leipoldt und Littmann tritt hier ein
ähnliches Werk von Baumflark, das knapper gehalten ift, z. B.
der Übet fetzung ausgewählter Literaturproben entbehrt, aber
doch öfters mehr bietet, als das größere Werk. Namentlich die
chriftlich-arabifche Literatur, die bei Brockelmann nur etwas
über 7 Seiten einnimmt, ift ausführlicher auf 29 Seiten behandelt,
und auch der dort ganz fehlenden georgifchen Literatur find
11 Seiten gewidmet. Während das ältere Werk die Gefchichte
der einzelnen Literaturen in chronologifcher Ordnung vorführt,
fchickt Baumflark jedesmal einen kurzen Überblick über die ge-
fchichtliche Entwicklung voraus und läßt eine eingehendere Behandlung
der einzelnen Literaturgebiete, wie Bibel und Apokryphen
, Liturgie, Hagiographie, Kirchenrecht üfw. folgen. Auf
diefe Weife kommt die fo wichtige anonyme Literatur oft befl'er
zu ihrem Rechte, als bei der älteren Darfteilung, welche mehr
Nachdruck auf die Herausarbeitung der einzelnen Schriftfteller-
Individualitäten legt. Befonders hervorzuheben find die Abfchnitte
über Baumftarks fpezielles Arbeitsgebiet, die Liturgie, in welchen
wir reiche Belehrung erhalten, wo das ältere Werk fo gut wie
völlig verfagt. So ift Baumftarks Werk auch neben dem älteren
warm zu empfehlen.
Göttingen. Alfred Rahlfs.

RieHchel, Pfr. Lic. Ernft: Simultanlchule, konfellionslole Schule und
konfellionelle Schule. Gefchichtliches und Prinzipielles zu
dem Streite um Schule u. Religionsunterricht im Königr.
Sachfen. (81 S.) gr. 8°. Leipzig, J. C. Hinrichs 1911. M. 1.20
Der Verf. fchildert in einem einleitenden gefchichtlichen
Teil den Wechfel der Stimmung bei den fächfifchen Lehrern
und die nur fchlecht verdeckten, tiefgehenden Unterfchiede, die
auch heute noch im Sächfifchen Lehrerverein herrfchen: fchein-
bar erftreben fie jetzt alle einen interkonfeffionellen Rel.-Unt, in
Wirklichkeit meinen viele doch einen evangelifchen R.-U.

Der grundlätzliche Hauptteil der Schrift befpricht dann die
drei verfchiedenen zur Verhandlung flehenden Schularten: Simul-

tanfchule (mit getrenntem, konfeffionellem R.-U. bei fonll ge-
meinfamem U.), konfeffionslofe Schule (mit gemeinfamem, pari-
tätifchem R.-U., alfo nicht religionslofe Schule) und konfeffionelle
Schule. Diefe Befprechung ift mit fo viel Literatur- und Sachkunde
, und vor allem mit fo viel Ruhe und Gerechtigkeit gehalten
, daß ich in allen Hauptpunkten durchaus zuftimmen kann.
In der Tat, wer die Wirklichkeit fieht und nimmt, wie fie ift,
fich nicht durch Schlagworte blenden und durch fremde Gefichts-
punkte irreführen läßt, fondern diefe pädagogifche Frage päda-
gogifch behandelt, muß Freund der Konfeffionsfchule fein, in dem
weitherzigen, innerlichen Sinn, wie R. es auffaßt. Die Simultan-
fchule mag hier und da praktifch fein, aber paritätifcher R.-U.
für Proteftanten und Katholiken ift vorläufig in jeder Form
fchlechthin utopifch.

Übrigens gibt es in Preußen erfreulicherweife keine Verpflichtung
der Rel.-Lehrer. Die fächfiche Verpflichtung auf die
Invariata ift hoffentlich nur eine Reliquie, fbnft wäre fie unerträglich
. Unerfreulich ift fie jedenfalls.
Hannover. Schuft er.

Sehlatter, Pfr. W.: Rudolf Lechler. Ein Lebensbild aus der
Miffion in China. (204 S. m. 8 Bilderbeilagen.) 8". Bafel, Basler
Miffionsbuchhandlung 1911. Kart. M. 2.40

Rudolf Lechler, geb. am 26. Juli 1824 zu Hunderfingen, geft.
am 29. März 1908 in Kornweftheim, ift mit feinem Freunde, dem
Schweden Hamberg, zufammen der Begründer der Basler Miffions-
arbeit in China geworden, wo er von 1846 bis 1899 in unermüdlicher
Treue und — namentlich in den erften Jahrzehnten — unter
unglaublichen Schwierigkeiten tätig gewefen ift. Das Bild feiner
verdienftvollen Wirkfamkeit war in großen Zügen bereits aus
Eppler's Gefchichte der Basler Miffion und andern Quellen bekannt.
Dennoch ift die vorliegende, zufammenhängende und viel konkretes
Einzelmaterial bringende Darftellung Schlatters überaus dankenswert
und wertvoll. Nicht bloß wegen des allgemeinen Intereffes,
welches das allmähliche Wachstum der Miffion in China und die
dabei hervortretenden befbnderen Miffionsprobleme erwecken;
fondern vor allem aus folgenden Gründen: wegen des Einblicks
in die enthufiaftifche und doch fchlielllich erfolglofe und hohle
Miffionsmethode des Dr. Gützlaff; wegen der wunderbaren Fügungen
, durch die das ftreng verfchloffene China allmählich doch
zugänglich wurde; durch den Erfolg, der fchließlich der zähen,
treuen, nüchternen Arbeit befchieden war, und durch die charakte-
riftifchen Aufgaben, die der chinefifchen Miffion geftellt find.
Eine Reihe wichtiger Miffionsfragen, namentlich für die Anfänge
einer Miffionsarbeit, werden in lehrreicher Weife beleuchtet.
Wichtig war, daß dem gewiflenhaften und treuen Miffionar eine
fo lange Wirkfamkeit befchieden war, charakteriftifch und ermutigend
, daß feine Wirkfamkeit in China dauernde Erfolge auf
den entfernten Sandwichin fein hatte. Literarifch hat Lechler
abgefehen von mehreren Darftellungen aus feiner chinefifchen
Miffionsarbeit u. a. ein Hakka-Lexikon, eine Überfetzung des
Matthäusevangeliums in den Hakkadialekt und ein chinefifch.es
Gefangbuch geliefert.
Frankfurt a. Main. W. Bornemann.

Erwiderung.

In der Befprechung meines Wörterbuchs (Sp. 4 f.), in der die
Berechtigung und Ausführung meines Planes nach mancher Seite
hin anerkannt wird, kommen doch hauptfächlich gegen Ende
einige Behauptungen vor, die ich nicht als begründet anerkennen
kann und deshalb aus fachlichem Grunde ablehnen muß. Nämlich
1. wird gefagt, das WB. fei nur für den voll verftändlich,
der meine Werke ftets zur Hand habe. Aber vor allem habe
ich überall darnach geftrebt, die direkte Erklärung eines betreffenden
Gegenftandes im WB. felbft zu geben, und nur zur weiteren
indirekten Begründung ift, wo es nötig war, auf mein Lehrgebäude
oder ein anderes Werk verwiefen. Außerdem habe ich
im Gegenteil den Mißftand, der bei einem anderen neuerdings
viel gebrauchten WB. vorhanden ift, daß nämlich auf eine ganze
kleine Bibliothek hingewiefen wird, in vielen Hunderten von
Fällen mit voller Abficht vermieden. Ich habe z. B. gleich die
Quinteffenz von dem, was an der betreffenden Stelle von Greß-
manns altorientalifchen Texten fleht, felbft gegeben und nicht
bloß auf das Buch verwiefen. Alfo auch dadurch wollte ich mein
Buch praktifch geftalten und habe dies eben auch erreicht. —
2. Wie fleht es mit den lautphyfiologifchen Spekulationen, die
in meinem Buche für den Anfänger nicht nur überflüffig, fondern
fogar gefährlich fein follen? Nun, erftens, wenn wirklich an vier
oder fünf Stellen eine folche Bemerkung vorkommt, ift es fchon