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Ausgabe:

1912 Nr. 5

Spalte:

134-136

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Barnes, W. Emery

Titel/Untertitel:

Lex in corde 1912

Rezensent:

Nowack, Wilhelm

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Theologifche Literaturzeitung 1912 Nr. 5.

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irgendwelche Umbildungen aufdiefelbe Grundform zurückgehen
follen: für den gut femitifch gebildeten Namen
Abram kann doch wohl nur an eine Korruption gedacht
fein. Über diefe Namenzufammenhänge wäre jedenfalls
eine deutlichere Darftellung erforderlich gewefen. So wie
der Verf. feine Entwicklungen gibt, hat es den Anfchein,
daß er zwar nicht mit ,Lautverhältniffen' operiert, die er
perhorresziert, aber in ungebundener Entfcheidung mit
einzelnen identifchen oder ähnlich klingenden Buchftaben,
in verfchiedenen Fällen mit der Übereinftimmung von
zwei Konfonanten oder auch einem Konfonanten und etwa

zwei Vokalen, ohne Rückficht auf die übrigen Buchftaben. ---- ~w , ------s.

Auf diefem Wege kann man allerdings fehr viel in Zu- I Zahl der benutzten Zeitfchriften hat fich faft verdoppelt
fammenhang bringen. Sollte aber der Verf. die Namen- | (das Siglenverzeichnis führt etwa 310 Nummern auf gegen
anklänge in feinen Zufammenftellungen als indifferent oder j etwa 180 in Bd. I). Bei der Sammlung des Materials
unwichtig anfehen und fich auf die Identifizierungen des ; haben dem Verfaffer geholfen D. v. Criegern (Zeitfchnft

wegen 'feiner großen Vollftändigkeit und Zuyerläffigkeit
allgemeine Anerkennung gefunden; was man in ihm vermißte
, beruhte wohl weniger auf Überfehen, als auf einer
begreiflichen Unficherheit in der Frage, was aufgenommen
werden follte, was nicht, und auf der Schwierigkeit der
Gewinnung des Materials, befonders des in ausländifchen,
aber auch in deutfchen Zeitfchriften der verfchiedenften
Art zerftreuten und verfteckten Materials. Mit geradezu
bewundernswertem Fleiß und Gefchick hat der Verfaffer
es verftanden, fich den Weg zu diefen Quellen zu bahnen,
und fo erfcheint in Bd. II eine Bibliographie, die hinficht-
lich der Vollftändigkeit den Bd. I weit übertrifft. Die

Erzählungsftoffes zurückziehen wollen, fo ift zu fagen, daß
es mit ihrem Nachweis nicht beffer beftellt ift. Überall
in der Welt — um das oben gewählte Beifpiel nochmals
zu verwenden — kommen gelegentlich wie bei Lot und
Lear böfe Töchter vor.

Übrigens beruht gleich der erfte Name, mit dem der
Verf. operiert, auf einer falfchen Überlieferung. Er geht
S. 1 ff. aus von dem angeblichen Namen ,Tamüra' als dem
eines mythifchen Königs von Ninive und verwertet diefen
Namen, der mit ,Ahura' zufammenhängen foll, für feine
Thefe von Indogermanifchem auf babylonifch-affyrifchem
Boden. Der Name ,Tamürä' ift aber offenbar bei arabifchen
Autoren ein Schreibfehler ftatt ,Tamüzä'. Auf den Gedanken
, daß er es bei Eutychius (Ann. I, 73 — eine Stelle,
deren Kenntnis ich übrigens dem Verf. verdanke, obgleich
ich fie, wie er, aus Chwolfon hätte kennen follen) fein
könne, kommt der Verf. S. 18 felbft, läßt ihn aber wieder
fallen. Auch als Name eines Gottes der Harranier im
Fihrift En-Nedims ift ,Tamurä', wie ich gelegentlich an
anderer Stelle hoffe zeigen zu können, aus .Tamüzä' ver-
fchrieben. Der Verf. kann aber den ninivitifchen Tamürä
fchlecht entbehren als Ausgangspunkt für die Überleitung
von Ahura, Arthur ufw. auf femitifches Gebiet.

Die Sprachenkonfufion des Verfs. dokumentiert fich
typifch in der Begründung feiner Identifizierung des Namens
der Sekte der Mandäer mit dem Volksnamen Me-
der. Jener fcheint zu bedeuten, wie richtig angegeben
wird, .Wiffende', die Meder aber waren .Anhänger der
Religion des Mazda (Ahura), der perfonifizierten Weisheit'
(S. 99f.): die Erklärung des Namens Mandäer ift aus dem
Semitifchen, die Meder aber trugen doch wohl auch nach
dem Verf. keinen femitifchen Namen.

Es ift zu wünfchen, daß andere, ernft zu nehmende
Verfuche — wenn einmal die Zeit dazu da ift —, die
Rolle der Arier auf vorderafiatifchem Boden zu beftimmen,
diefen erften vergeffen laffen werden.

Berlin. Wolf Baudiffin.

Thomfen, Peter: Die Paläftina-Literatur. Eine internationale
Bibliographie in fyftemat. Ordng. m. Autoren- und
Sachregifter. Unter Mitwirkg. von Herrn, v. Criegern,
Rieh. Hartmann, Sam. Rappaport, Chr. O. Thomfen,
Will. Zeitlin u. m. Unterftützg. des Deutfch. Vereins z.
Erforfchg. Paläftinas, des Paleftine Exploration Fund,
der Zionift. Kommiffion zur Erforfchg. Paläftinas, der
Gefellfchaft zur Förderg. der Wiffenfchaft des Judentums
bearb. u. hrsg. 2. Bd. 19x35—1909. (XX, 316 S.)
gr.8». Leipzig J. C. Hinrichs 1911. M. 8 —; geb. M.9 —

Dem erften, 1908 unter einem etwas abweichenden
litel erfchienenen, die Literatur der Jahre 1895—1904
umfaffenden Bande diefer Bibliographie (vgl. die Anzeige
von Schurer, Theol. Litztg. 1908, Sp. 584L) ift mit großer
Pünktlichkeit der zweite gefolgt, der die Literatur der
Jahre 1905—1909 umfaßt. Schon der erfte Band hat

der ruffifchen Paläftinagefellfchaft), Dr. R. Hartmann (ara-
bifche Literatur), Dr. Rappaport und Dr. Zeitlin (hebräifche
Literatur), und Dr. med. Thomfen (medizinifche Literatur);
außerdem haben eine große Zahl von Verfaffern und
Verlegern die Abfaffung durch Zufendung von Publikationen
, darunter auch vielen Zeitfchriften, erleichtert, und
es ift lebhaft zu wünfchen, daß diefe Hilfe auch für die
weiteren Bände andauert und fich noch ausdehnt. Aber
das Hauptverdienft an der Erreichung einer größeren
Vollftändigkeit gebührt doch dem Verfaffer felbft. Der
Erfolg ift erftaunlich: während Bd. I für 10 Jahre 2918
Nrn. aufführte, bietet Bd. II für nur 5 Jahre 3755 Nrn., darunter
freilich auch einige Nachträge zu Bd. I. Dabei find
die Gebiete, die im Theologifchen Jahresbericht vollftändig
bearbeitet find (alt- und neuteftl. Literatur), abfichtlich
ausgefchloffen. So hat Thomfen ein bibliographifches
Hilfsmittel gefchaffen, das auch den höchften Anforderungen
gerecht wird, und man kann nur dringend wünfchen
, daß uns diefes Hilfsmittel auch für die Zukunft
erhalten bleibt, indem nicht nur die Vereinigungen, die
die Herausgabe des Bd. II unterftützt haben (der Deutfche
Paläftina-Verein, der Paleftine Exploration Fund, die
Zioniftifche Kommiffion zur Erforfchung Paläftinas, die
Gefellfchaft zur Förderung der Wiffenfchaft des Judentums),
weiter helfen, fondern auch andere Vereinigungen helfend
eintreten und vor allem fich auch genügend zahlreiche
Käufer finden, auch folche, die nichts anderes bezwecken,
als das Weitererfcheinen zu fichern.

Über die große Sorgfalt braucht man bei einer Arbeit
Thomfens kein Wort mehr zu verlieren. Hervorgehoben
fei aber noch, daß Bd. II auch weit praktifcher
eingerichtet ift als Bd. I, fowohl hinfichtlich der Anordnung
der Abteilungen als auch befonders durch die
Aufnahme von Ortsnamen und Sachen in das Regifter,
welche das leichte Auffinden aller einfehlägigen Literatur
ermöglicht. Einzelnen Werken find auch kurze Andeutungen
über den Inhalt beigefügt, ebenfalls eine dankenswerte
Neuerung. Es bedeutet keine Einfchränkung der
vollften Anerkennung für das Gebotene, wenn ich zum
Schluß ein paar Wünfche äußere. Soweit möglich follte
bei allen Arbeiten, deren Titel nicht fchon den Inhalt
charakterifiert, der Inhalt durch ein kurzes Stichwort angedeutet
werden. Die Nachträge zu früheren Bänden
füllten befonders aufgezählt werden; denn es ift unter
Umftänden wünfehenswert, fchnell feftzuftellen, was in
einem beftimmten Zeitraum über diefen oder jenen Ge-
genftand gearbeitet ift; mindeftens follten die Nachträge
älterer Literatur im Regifter nachgewiefen werden. Endlich
möchten im Regifter nicht die Seitenzahlen, fondern
die bibliographifchen Nummern angegeben werden.

Halle a. S. C. Steuernagel.

Barnes, Prof. W. Emery, D. D.: Lex in corde. (The Law
in the Heart.) Studies in the Psalter. (XII, 264 p.)
8°. London, Langmans, Green, and Co. 1910. s. 5 —
Unter dem etwas rätfelhaften Titel Lex in corde