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Ausgabe:

1912

Spalte:

98-101

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Loisy, Alfred

Titel/Untertitel:

A propos d’Histoire des Religions 1912

Rezensent:

Bousset, Wilhelm

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Theologische Literaturzeitung

Begründet von Emil Schürer und Adolf Harnack
Fortgeführt von Professor D. Arthur Titius und Oberlehrer Hermann Schuster

Jährlich 26 Nm. Verlag: J. C. Hlnrichs'fche Buchhandlvoig, Leipzig Halbjährlich 9 Mark

. Manufkripte und gelehrte Mitteilungen find ausfchließlichan _ ir»10

37 .Tanre' Nr A ProfeirorD. Titius in Göttingen, Nikolausberger Weg 66, rufenden. Iv. P eDrUElr iS3l£

w.u^iiö. ^.»i. s Rezenfionsexemplare ausfchließlich an den Verlag.

Logos. Internationale Zeitfchrift f. Philofophie u.

Kultur, Bd. II, Heft I (E. W. Mayer).
L o i s y, A propos d'Histoire desReligions (Bouffet).
Schriften des Alten Teftaments, in Auswahl neu

überf. u. f. die Gegenwart erklärt v. H. Greß-

mann, H. Gunkel, M. Haller, H. Schmidt, W.

Stärk u. P. Volz; 4—14- Lfg. (Frankeuberg).
Genfichen, Das Hohelied (Strack).
Lazarus, Die Ethik des Judentums, 2. Band

(Beer).

Arnal, La personne humaine dans les Evangiles

(R. A. Hoffmann).
Maurenbrecher, Von Nazareth nach Golgatha

(Knopf).

— Von Jerufalem nach Rom (Derf.).

Gabrielsfon, Ober die Quellen des Clemens

Alexandrinus, 2. Tl. (Pohlenz).
Traube, Textgefchichte der Regula S. Benedict!

2. Aufl. (Heuffi).
Delisle, Enquete sur la fortune des etablisse-

ments de l'Ordre de Saint-Benolt en 1338

(Ficker).

Schmidt, P. Stephan Fridolin, ein Franziskanerprediger
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Mirbt, Quellen zur Gefchichte des Papfttums u.
des röm. Katholizismus. 3. Aufl. (K. Müller).

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(Derf.).

Eisler, Philofophen-Lexikon (Jerufalem).
Wegener, Gefchlechtsleben und Gefellfchaft
(Rolffs).

Mulert, Wahrhaftigkeit und Lehrverpflichtung
(Lobftein).

Lueken, Die zehn Gebote in Predigten
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Worte Reniffance und Reformation. —Neftle,
Septuagintaftudien VI. — Loyola, Exercitia
spiritualia. — Strack, Hebräifche Grammatik
mit Übungsbuch.

Mitteilungen: (6) Religion und Geifteskultur, 6.
Jahrgang. (7) Harnack-Stiftung.

Wichtige Rezenfionen. — Neuefte Literatur.

Logos. Internationale Zeitfchrift f. Philofophie u. Kultur, j
Hrsg. v. Georg Mehlis. Bd. II. 1911/12. Heft I.(i3oS.)
gr. 8°. Tübingen, J. C. B. Mohr.

Für den Jahrg. v. 3 Heften M. 9 —

Das vorliegende Heft der relativ jungen philofo-
phifchen Zeitfchrift, die fich durch ihren ftets gediegenen
Inhalt bereits einen Namen gemacht hat, enthält zunächft
einen Auffatz von Georg Simmel über den ,Begriff und
die Tragödie der Kultur'. Die Kultur kommt dadurch
zuftande, daß zwei Elemente zufammenwirken, deren keines
fie für fich enthält: ,die fubjektive Seele und das objektiv
geiftige Erzeugnis'. Zu ihrem Begriff gehört es, daß der
fubjektive Geift objektive geiftige Gebilde fchafft, wie etwa
Kunft, Wiffenfchaft, Religion, durch die hindurch die Entwicklung
und Entfaltung des Subjekts ,von fich felbft
zu fich felbft' ihren Weg nimmt. In der ihm eigenen
o-eiftvollen Art bringt nun der Autor zur Anfchauung,
wie eben jene objektiven geiftigen Gebilde, die großen
Kulturfaktoren, unabhängig von der Seele, die fie gefchaffen
hat, felbftändig weiterzuleben beginnen und, eigenen immanenten
Gefetzen folgend, fich in mannigfachen Beziehungen
fo geltalten, ja, geltalten müffen, daß die erltrebte
Entfaltung des Subjekts von fich felbft zu fich felbft durch
fie nicht mehr gefördert fondern gehemmt und erdrückt
wird. Darin liegt ein tragifches Moment, auf das übrigens
auch Eucken fchon in feiner Weife wiederholt hingedeutet

hat. _ Eine zweite längere Abhandlung über ,das Eine,

die Einheit und die Eins' flammt von Rickert. Sie facht
der heute vielfach drohenden Verwechslung des Logifchen
mit dem Mathematifchen vorzubeugen und legt an der
Hand einer Unterfuchung, die fich fpeziell auf die Begriffe
des Einen, der Einheit und der Eins richtet, dar, daß,
wenn die Zahl auch kein empirifches Gebilde fei, fie
darum doch noch keineswegs ein rein logifches Gebilde
fein müffe. Der Auffatz darf fich mit Recht rühmen,
daß er fich einer möglichft allgemein verftändlichen
Sprache befleißige; und es braucht nicht erft gefagt zu
werden, wie tief die Erörterung der betreffenden Einzelfrage
eingreift in gewiffe aktuelle erkenntnistheoretifche
Theorien. — Über die .Metaphyfik der Tragödie' fchreibt
Georg von Lukäcs (Budapeft). — Sergius Heffen (St. Petersburg
) handelt von der inneren Verwandtfchaft der Meta-
phyfik und der Myftik und ftellt fich die Aufgabe, zu
zeigen, daß fo gut wie die erftere auch die letztere unmöglich

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fei, fofern fie die notwendigen Grenzen der Philofophie
und Kultur überfteige. — Viktor Weizfäcker (Stuttgart)
wendet fich in einem Artikel über ,Neovitalismus' fpeziell
gegen Driefch und deffen Entelechienlehre und berührt
damit ein Thema, dem auch die Theologie neuerdings,
gleichviel, ob mit Recht oder Unrecht, intenfiveres Inter-
effe zugewandt hat.

Straßburg i. E. E.W.Mayer.

Loisy, Alfred: A propos d'Histoire des Religions. (326 p.)
kl. 8°. Paris, E. Nourry 1911.

Der Verf. fchenkt uns in diefem Buch eine Sammlung
von 5 kleinen Schriften aus fehr verfchiedenen Gebieten
der Religions-Wiffenfchaft, über deren Entftehung und
Veranlagung er uns in einem Vorwort unter Zugabe einiger
nachträglicher Bemerkungen referiert S. 2—48.

In der erften kleinen Abhandlung fetzt er fich mit
der neuerdings von Reinach in feinem Orpheus gegebenen
Definition des Wefens der Religion auseinander. Reinach
hatte die Religion definiert als: ,un ensemble de scrupules,
qui font obstacles au libre exercise de nos facultes' und
hatte feinen Ausgangspunkt zur Erklärung und zum Ver-
ftändnis derfelben ganz wefentlich, ja faft allein von den
Tabu-Sitten genommen. Mit feinem Spott und beißender
Ironie beftreitet L. diefe einfeitige Anfchauung des berühmten
Gelehrten, die wie alle derartigen Einfeitigkeiten
in der Tat an der Wirklichkeit fcheitern muß. Nicht
immer ift allerdings L. gleich glücklich in feiner Abwehr,
vor allem da nicht, wo er fich mit den von Reinach
nachgewiefenen Spuren von Tabu-Gebräuchen im alten
Teftament auseinanderfetzt.

Im 2. Auffatz handelt L. von der Popularifierung der
Religions-Wiffenfchaft und der Möglichkeit ihrer eventuellen
Einführung in den Religionsunterricht. Die Abhandlung
beleuchtet fcharf die actuelle Situation in Frankreich und
das fchwierige Verhältnis von Staat, Schule, Kirche.

Drittens finden wir eine vortreffliche Abhandlung über
Magie, Wiffenfchaft und Religion. Die Veranlaffung
dazu hat wiederum ein Satz von Reinach im Orpheus
gegeben. ,Wenn die Magie die noch nicht profanifierte
Wiffenfchaft ift, fo ift es nicht erftaunlich, daß die Religion
lange Zeit den Menfchen hat zu verfprechen fcheinen
können, was die Wiffenfchaft fie heute in befcheidener
Weife hoffen läßt: ein Ideal guter Gefellfchaft und be-

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