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Ausgabe:

1912

Spalte:

65-66

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Revue des sciences philosophiques et théologiques, 4. année 1910 1912

Rezensent:

Lobstein, Paul

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Seite 1

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Theologische Literaturzeitung

Begründet von Emil Schürer und Adolf Harnack

Fortgeführt von Professor D. Arthur Titius und Oberlehrer Hermann Schuster
Jähriich 26 Nm. Verlag: J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung, Leipzig_ Halbjährlich 9 Mark

Manufkripte und gelehrte Mitteilungen find ausfchließltch an 0 ri.i,_„n- lQlO

A7 Janri? Nr 3 ProfefforD. Titius in Göttingen, Nikolausberger Weg 66, rufenden. JP eDrUclr 1x7 i.A

_« . »*ie. aa&. ^ Rezenfionsexemplare ausfchließlich an den Verlag.

Revue des sciencesphilosophiques et theologiques

(Lobftein).
Schiffer, Die Aramäer (Baudifftn).
A Coptic Palimpsest containing Joshua, Judges,

Ruth, Judith and Esther in the Sahidic Dialect

(Rahlfs).

Hertlein, Die Menfchenfohnfrage im letzten

Stadium (Volz).
I.ublinski, Der urchriftliche Erdkreis und fein

Mythos (M. Dibelius).
Des Origenes Scholien-Kommentar zur Apoka-
lypfe Johannis (Kloftermann)

Budge, Coptic Homilies in Dialect of Upper

Egypt (C. Schmidt).
Guttmann, Die philofophifchen Lehren des

Ifaak ben Salomon Israeli (Horten).
Schreiber, Kurie und Klofter im 12. Jahrhundert
(Lerche).
Appel, Kurzgefaßte Kirchengefchichte f. Studierende
, III, 1 (W. Köhler).
Wobbermin, Gefchichte und Hiftorie in der

Religionswiffenfchaft (E. W. Mayer).
Natorp, Volkskultur und Perfönlichkeitskultur
(Steinmann).

Seidel, Die Lehre des heiligen Auguftinus vom Seeberg, Nähe und Allgegenwart Gottes (Zil-
Staate (Scheel). leflen).

Störring, Die Hebel der fittlichen Entwicklung
der Jugend (Knoke).

Kabifch, Wie lehren wir Religion? (Eger).

Eichmann, Das Strafrecht der öffentlichen Re-
ligionsgefellfchaften in Bayern (Arndt).

Referate: Vifcher, Der Apoftel Paulus und fein
Werk. — K ahr, Griechentum und Chriilentum.

Mitteilungen: (1) Die Jahresverfammlung der
amerikanifcheu Society of Biblical Literature.
(2) Grabungen in Mefopotamien. (3) Etiketten
in althebr. Schrift in Samaria. (4) Luther
auf der Pilatus-Treppe in Rom. (5) IV. Internationaler
Kongreß für Religionsgefchichte.

Wichtige Rezenfionen. — Neuefte Literatur.

Revue des sciences philosophiques et theologiques. Quatri-
eme annee 1910. (887 S.) gr. 8°. Kain (Belgique). Paris,
Vi Lecoffre. fr. 12 —

Die in diefem Blatt (1909, Nr. 19; 1910, Nr. 9) bereits
angezeigte Revue hat fich offenbar in vielen Kreifen,
auch außerhalb der katholifchen Kirche, eingebürgert. Sie
hat nichts an ihrer Anlage und an ihrem Programm, die
fich ihr bewährt haben, geändert. Leitartikel, ,Notes',
.Bulletins', ,Chroniques', ,Recension des Revues', folgen
auf einander in der bisherigen Ordnung. Von den längeren
Abhandlungen heben wir hervor den den Ferner-
ftehenden manches Neue mitteilenden Artikel von De
Wulf über den Senfualismus und Eklektizismus in Belgien
von 1800 bis 1830. Lemonnyers längerer Auffatz über
den Kultus fremder Götter in Israel hat es befonders mit
der ,Himmelkskönigin' und mit ,Tammouz-Adonis' zu tun.
C. Sentroul fchreibt ausführlich über Kant's Religions-
philofophie, die durch die Verurteilung des Modernismus
wieder in den Vordergrund des Intereffes gerückt worden
fei, da die Wurzeln der verurteilten Richtung in Kants
Grundgedanken liegen (S. 49); der Hauptfehler der K.fchen
Religionsphilofophie beftehe in dem der praktifchen Vernunft
zuerkannten Primat, dans l'interversion de la pree

fionen eine hervorragende Stelle. Die Stichproben, die
ich angefleht habe, ergeben, daß die Verf. fich um eingehendes
Verftändnis und objektive Berichterftattung
bemühen. Aber auch abgefehen davon haben wir allen
Grund, für das in diefer Revue aufgefpeicherte Material
dankbar zu fein: macht fie doch eine große Zahl fonft
fchwer erreichbarerErkenntniffe, Beftrebungen und Notizen
größeren oder geringeren Wertes uns Proteftanten zugänglich
.

Straßburg i. E. P. Lobftein.

Schiffer jun., Dr.Sina: Die Aramäer. Hiftorifch-geographi-
fche Unterfuchungen. (XII, 207 S. m. 1 Karte.) 8°.
Leipzig, J. C. Hinrichs 1911. M. 7.50; geb. M. 8.50

Eine nützliche Zufammenftellung deffen, was über
die Sitze der Aramäer bekannt ift. Etwas derartiges
fehlte bisher. Für die Erkenntnis der Verbreitung der
Aramäer dient dem Verf. als leitendes Kriterium neben
dem Namen Aram und seinen Äquivalenten die ara-
mäifche Sprache, der einzige ,aramäifche Kulturfaktor',
deffen ,Merkmale uns in zuverläffiger Unzweideutigkeit
überliefert find' (S. 21 f.). Letzteres ist richtig. Aber
auch die Sprache ift kein abfolut ficherer Führer — wie
minence normale des deux raisons (S. 69); es wäre nicht , es natürlich im Prinzip dem Verf. bekannt ift. Es läßt
fchwer, in Kant den Pragmatismus Le Roy's, den Evolu- ■ fich z. B. beftreiten und wird von beftimmter Seite be-
tionismus Loify's, und den Symbolismus Tyrrell's wieder- | ftritten, daß die Dynaftie, der die aramäifchen Infchriften
zufinden (254). — Den größten Wert behalten auch in von Sam'al angehören, und ebenfo, daß das von diefer
diefem Jahrgang die objektiv gehaltenen Berichterftattungen 1 Dynaftie beherrfchte Volk aramäifcher Abftammung war
fowie die Mitteilungen über die verfchiedenen Gebiete | (.Aramäer von Raffe' S. 30). Die Bewohner von Sam'al
der philofophifchen und der theologifchen Disziplinen. | können fich die aramäifche Sprache ebenfo angeeignet
Unter den .Notes' dürfte die intereffantefte die fein, welche , haben, wie es fpäter die Nabatäer und die nachexilifchen
einer gegenwärtig nicht ohne Leidenfchaft geführten j Juden getan haben. Auch ein anderes Kriterium, die
Kontroverfe gewidmet ift. Von einigen katholifchen Ver- j Anrufung des Baal von Harran, des .offenbar alten Stamm-
faffern (Jovy, Bremond) ift behauptet und foll nachgewiefen | gottes in Aram-Naharäim', durch den König von Sam'al
worden fein, daß Pascal kurz vor feinem Tode fich von j (S. V) ift nicht entfcheidend. Aber allerdings die Verden
Janfeniften getrennt, feine Irrtümer widerrufen und j breitung der aramäifchen Sprache zeugt von der Ver-
fich unbedingt dem Papfte unterworfen habe. H. Petitot, ! breitung der aramäifchen Kultur und damit indirekt auch
O. P., prüft die für diefe Tatfache angeführten Beweife des aramäifchen Volksftammes. Ganz im Recht ift der
und Zeugniffe (723 fr.) und gelangt, nach umfichtiger Kritik 1 Verf. mit der Behauptung S. 21, daß es fich jedem Uraller
in Betracht kommenden Belege, zu dem Ergebnis, ' teil' entziehe, ,in welchem Maße die altfemitifchen Reli-
daß Pascal bis zuletzt den von ihm vertretenen janfeni- j gionen von aramäifchen Elementen durchfetzt find',
ftifchen Grundfätzen und dem entfprechenden Verhalten j womit indirekt gefagt ift, daß wir von der fpezififch
treu geblieben fei. — Selbftverftändlich behaupten die aus I aramäifchen Religion nichts wiffen. Das ift richtiger als
dem Proteftantismus, fpez. der deutfchen Wiffenfchaft j die öfters ausgefprochene Annahme, daß die Religion
hervorgegangenen Schriften in den Berichten und Rezen- der Aramäer uns nur in babylonifierter Geftalt bekannt
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