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Ausgabe:

1912 Nr. 26

Spalte:

817-818

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Lauchert, Frdr.

Titel/Untertitel:

Die italienischen literarischen Gegner Luthers 1912

Rezensent:

Harnack, Adolf

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Seite 1

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Theologifche Literaturzeitung 1912 Nr. 26.

818

verfchleiert V. in feiner Darfteilung, indem er die famofe j kennt man nun, daß die Klage der deutfchen Katholiken

Diftinktion der päpftlichen Advokaten wiederholt, Eugen
habe wohl das Konzil, nicht aber feine Dekrete anerkannt
. Wenn im pubhziftifchen Kampfe folche Sophismen
fchon am Platze fein mögen, fo ift es doch eines ernft-
haften Hiftorikers unwürdig, fie wieder aufzutifchen, ohne
fie zugleich als das zu kennzeichnen, was fie find: Silben-
ftechereien, mit denen man hinwegzuleugnen fucht, was
man felbft gefagt und getan hat.

Das Buch, das übrigens auch recht flüchtig, oberflächlich
und kritiklos gearbeitet ift (worüber näheres in
der Hift. Zeitfchr.), enthält gleichwohl in dem benutzten
ungedruckten Material manches Wichtige und Wertvolle.
Wer auf diefem Gebiete fpezieller arbeiten will, wird die
Anmerkungen mit Nutzen ftudieren. Den Text mit feiner
kraffen Tendenz und Befangenheit kann die ernfthafte
Forfchung nur ablehnen.

Gießen. Haller.

Laudiert, Dr. Frdr.: Die italienifchen literarifchen Gegner
Luthers. (Erläuterungen u. Ergänzungen zu Janffens
Gefchichte des deutfchen Volkes. Hrsg. von L. v. Paftor.
VIII. Bd.) (XV, 714 S.) gr. 80. Freiburg i. B., Herder
1912. M. 15—; geb. M. 16 —

Der Anregung Paftors und dem zehnjährigen Fleiß
Laucherts verdankt man die vorftehende Sammlung, | Gefichtspunkte zu bringen" Sie ~kaannatürhch^nur p^z

in der Reformationszeit — die"italienifchen Gelehrten unter -
stützten fie in ihrem Kampfe nicht gehörig — zwar inbezug
auf aktuelle Pamphlete berechtigt, in bezug auf gewichtige
theologifche Streitfchriften aber unberechtigt gewefen ift.
Namentlich die Theologen des Dominikanerordens, aber
auch die der Auguftiner Eremiten haben fich zahlreich
zur Verteidigung der katholifchen Lehre eingefunden, und
neben Scholaftikern alten Schlages, die in der großen
Mehrzahl find, finden fich auch humaniftifch beeinflußte
Polemiker. Im ganzen ift ihre Haltung in der Polemik
eine gelehrte, ernfthafte und würdige, und Lauchert hat
feiner Kirche einen wirklichen Dienft getan, indem er diefe
Literatur durch Zufammenfaffung zu eindrucksvoller Wirkung
gebracht hat. Freilich liegt das Eindrucksvolle mehr
in der Wucht der Einstimmigkeit als in dem Hervorragenden
einzelner Leistungen, foweit man fich darüber aus der
relativ geringen Verbreitung und Wirkung der Mehrzahl
und aus den Referaten ein Urteil erlauben darf. Lauchert
ift fo verfahren — und konnte wohl bei diefer primären
Unterfuchung nicht anders —, daß er der Reihe nach
Autor für Autor vorführt, feine Lebensumstände darfteilt
und die betreffenden Werke analyfiert. Als Zufammenfaffung
wird dann nur ein fehr ausführliches alphabetifches
Perfonen-, Orts- und Sachregister geboten. Die Aufgabe
fteht alfo noch aus, diefen ungeheuren Stoff gefchichtlich
und dogmengefchichtlich zu verarbeiten und unter leitende

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welche unfere Kenntnis der Reformationsgefchichte in unvollkommen auf Grund der Referate gemacht werden,
dankenswertester Weife bereichert. Die Aufgabe war, nicht einen fo zuverläffigen Eindruck diefe auch machen, viel-
fowohl über fämtliche Italiener, die im Kampfe gegen mehr bedarf es dazu aufs neue des Rekurfes auf die
Luther eine Rolle gefpielt haben, zu berichten, fondern Quellen. Da nun Lauchert, und er allein, diefe durch-
die theologifchen Streitfchriften gegen ihn, die in der Zeit gearbeitet hat, fo richtet fich an ihn die dringende Bitte,
von 1518 (Silvester Prierias) bis zum Schluß des Triden- in einem kürzeren zweiten Bande oder in einer größeren
tinums in Italien gegen Luther erfchienen find^ zu er- Abhandlung feine mühevolle Arbeit zu krönen und die

polemifche Theologie der italienifchen Luther-Gegner
fyftematifch und — foweit möglich — entwicklungs-
gefchichtlich zu bearbeiten.

Eine größere Anzahl diefer Polemiker, zumal die
Dominikaner, find Infallibiliften gewefen. Als folche werden
Meufer (,Das Leben und Wirken der katholifchen Theo- uns neben Silvester Prierias, Ambrofius Catharinus, Cajetan
logen des 16. Jahrb.., oder bio- und bibliographifche Nach- ; und Radinus die Theologen Bernardini, Lippomano, Nac-
richten über die antireformatorifchen Schriftsteller', 2. Bde.) chianti und vor allem Gian Antonio Pantufa, Kfchof von
konnten dem Verfaffer einige Fingerzeige bieten. Sobald Lettere, vorgeführt. Anti-Infallibilift ift der Franziskaner

mittein, ihren wefentlichen Inhalt zur Darstellung zu bringen
und fie felbft und ihre Verfaffer zu charakterisieren. Vorarbeiten
für die Erledigung diefer Aufgabe gab es keine;
nur der Nomenklator Hurters und das auf der K. Bibliothek
zu Berlin befindliche handfchriftliche Werk von

er aber die große Straße verließ, auf der diejenigen katholifchen
Theologen flehen, denenLuther felbft geantwortet
hat, und fo hervorragende Männer, wie Contarini, Sa-
doleto, Seripando ufw., mußte er die Unterfuchung ab
ovo aufnehmen und in den Bibliotheken Nachforfchungen
halten. Weitaus das größte Material boten ihm, wie zu
erwarten, die beiden Münchener Bibliotheken; doch nennt

Thomas Ulyncus (p. 247: ,Ad papam solum pertinent
omnes causae majores de ecclesia, excepto tarnen quod

non potest aliquid decidere in causa fidei sine concilio____

quia papa potest errare in fide . . . sed non tota ecclesia')'
und auch, jedoch vermittelnd, fein Ordensbruder Antonius
Delphinus.

Mit befonderem Intereffe wird man den Abfchnitt

der Verfaffer unter den Bibliotheken, welche Ergänzungen i über Alberto Pio, Grafen von Carpi (S 270—-iL und

I feine Polemik mit Erasmus lefen, in welcher der große
Gelehrte den kürzeren zieht und einen unerfreulichen Eindruck
hinterläßt.

Berlin- A. Harnack.

boten, in erfter Linie die K. Bibliothek zu Berlin. Dfefe
ift für die proteftantifche Literatur des Reformationszeitalters
wohl die reichste Bibliothek der Welt, aber inbezug
auf die katholifche muß fie zurzeit noch große Lücken
ergänzen, und viele werden leider auf immer offen bleiben
muffen. Die Kirchen undKlöfterNordoftdeutfchlands waren
im Mittelalter an Büchern arm, und dazu ift ihr Bestand
nicht der K. Bibliothek zugefloffen, die erft vor 250 Jahren

Jacoby, Priv.-Doz. Günth.: Herder als Fault. Eine Unterfuchung
(XII, 485 S.) gr. 8". Leipzig, F. Meiner 1911.
begründet worden ift, fondern er ift teils an Ort und I M. 7—; geb. M 8 co

, . o--- —J~

tt>ü verzettelt worden. Erft in aller- Dies Buch ift im wefentlichen verfehlt und hat doch

^fter 7eit f?nd öer K Bibliothek Schätze aus Erfurt, feine Verdienste. Der Verfaffer verfpricht mit dem Titel
Sgenftadt, Magdeburg Celle ufw. zugefloffen, und es )Herder als Fauft' mehr, als er halten kann, er macht
^gnl^^ß^nd ^tEr{oe daran gearbeitet, fowohl mit der Gleichung .Herder ift Fauft' einen Anfatz, der
T T fteraftur desi^orvSiszatBitas als auch den 1 das Wefen des künftlerifchen Schaffens und Geftaltens
S^^^^^ai^. völlig außer acht läßt.. Daß Herder in irgendeinem

t v,„rf M «, 1 „ rund 120 Originaldrucke Sinne das Modell, das wirkliche Vorbild für Goethes häuft
,-L-aAC l L» % S V, das Werk Luthers (bis I gewefen wäre, eine folche Annahme kann nur einem
itadienffcher Autoren d,e gegen ^X^^n durchzu- ! dichtungsfremden Gehirn entfprungen fein. Das fteht bei
ca. 1568) gefchneben haben, zufiämmenz^ B h £ taufend noch vid dickere

arbeiten und über fie « berichten /^^hi^m ' Bucher rS noch gründlicheren .Beweifen' von der Wahr-