Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1912 Nr. 2

Spalte:

60

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Kautzsch, Emil (Hrsg.)

Titel/Untertitel:

Die Heilige Schrift des Alten Testaments. Schluß 1912

Rezensent:

Volz, Paul

Ansicht Scan:

Seite 1

Download Scan:

PDF

59 Theologifche Literaturzeitung 1912 Nr. 2. 60

Vogt, Pfr. Eduard: Soziales Leben in der erften Kirche. Eine
gefchichtlich-foziale Betrachtg. f. untere Zeit. (VIII,
160 S.) 8°. Breslau, G. P. Aderholz 1911.

M. 1.80; geb. M. 2.40

Die kleine Schrift eines katholifchen Pfarrers aus
Schlehen kann wiffenfchaftlichen Wert nicht beanfpruchen.
Sie fchildert die Stellung der erften Chriften ,zum Staats-
Kunft- und Wiffenfchaftsleben, zur Charitas, zur Induftrie,
zur Schule, zur Gerichts- und Gerechtigkeitspflege'.
Der Verf. rechnet ,die erfte Kirche' bis zur Regierung
Gregors I. Alles wird auf einer Fläche behandelt, kaum
daß die durch Erhebung des Chriftentums zur Staatsreligion
vollzogene Änderung beachtet wird. ,Die Kirche'
ift fleh in ihrer weifen, gerechten und weitherzigen Stellung
zu Kulturfragen immer gleich geblieben. Der katholifche
Mann, Jüngling und Arbeiter foll Stolz und Freude empfinden
lernen an der reichen fozialen Tätigkeit feiner Kirche.
Die Gefchichte foll es ihn lehren, daß feine Kirche vollberechtigt
ift mitzureden und mitzuwirken an dem fozialen
Leben und Fortfehritt der Zeit. Daher find die kurz und
volkstümlich gehaltenen Schilderungen immer wieder
durch Hinweife auf Fragen der Gegenwart unterbrochen.
Die Lebenshaltung der alten Chriften foll den jetzt lebenden
Chriften d. i. Katholiken ein Vorbild und eine Stärkung
fein. Darin ift in der Tat eine große Wahrheit
verborgen. Es ift auch edler und praktifcher, dem Volke
Freude an der Vergangenheit feiner Kirche zu erwecken

giöfe Deutung der Geburt Chrifti in Bethlehem feilzuhalten
und zu verwenden'. Aber unbegreiflich ift es,
wenn er dann zu dem Evangelium vom Kindermord S. 49
Zahns Berechnung vorführt, wonach es fich um nicht mehr
als etwa 20 Kinder unanfehnlicher Leute gehandelt habe,
ja die Rückkehr aus Ägypten nach Nazareth mit einem
Zufatz von ,dem Städtchen, aus dem fie flammen' verfieht
und nun die Anmerkung macht: ,So ift der Bericht des
Matthäus mit dem des Lukas (2, 4), wonach Jofeph und
Maria von vornherein in Nazareth ihren Wohnfitz haben,
leicht auszugleichen'. Und die Tatfache, daß die Volkszählung
(S. 38) doch erft nach Herodes Tode ftattfand,
während der Kindermord (S. 49) noch von Herodes ausgeführt
wird? Und was foll überhaupt ein folch vergeblicher
Ausgleichsverfuch, wenn doch fchon die fchweren
hiftorifchen Bedenken genannt find, die gegen den einen
Bericht vorliegen? Es wäre doch wohl beffer gewefen,
fie auch bei dem zweiten geltend zu machen und auf
das Hiftorifche um des Erbaulichen willen ganz zu verzichten
. Solche Entgleifungen bilden aber völlige Ausnahme
. Im ganzen find die Auslegungen ernft erwogen,
wiffenfehaftlich begründet, knapp zufammengedrängt und
praktifch anregend. Die Harmonifierungsverfuche, auch
um den Ausgleich des fynoptifchen und des johanneifchen
Bildes vom Leben Jefu vorzunehmen, würde man gern
vermiffen. Indeffen das gehört zu den Schwierigkeiten,
mit denen nun einmal ein Schulbuch immer zu kämpfen
hat, das nach irgend einer Richtung hin Partei ergreifen
als jede populäre Darfteilung durch kritifch rezenfierende j und doch auf den ganzen Apparat der wiffenfchaftlichen
und relativierende Bemerkungen zu unterbrechen. Trotz j Begründung des gewählten Standpunktes verzichten muß.
alledem verträgt jede gefchichtliche Darfteilung nur die
Wahrheit. Wieweit diefe bei Vogt, fei es unter den
Axiomen feiner Kirche, fei es unter dem apologetifchen
Zweck feines Buchs gelitten hat, ift für den Kenner der
Kirchengefchichte auf jeder Seite leicht zu erfehen.

Wittenburg i. Weftpr. Ed. von der Goltz.

Schmidt, Palt. E.: Handbuch für den Perikopenunterricht.

(VI, 363 S.) 8°. Leipzig, B. G. Teubner 1911.

M. 3.60; geb. M. 4.20

Eine entfagungsvolle Arbeit, wie alle Perikopen-
erklärungen für den Schulunterricht. Denn es fleht nun
einmal die Perikopenftunde wie ein Fremdkörper in unfern
Lehrplänen, nicht aus den Bildungszielen der Schule
organifch herausgewachfen. Der Verf. ift fich darüber
auch klar und will die Perikopen ,auch nur für ein aus

Gründen gefchichtlicher Tradition zu rechtfertigende^ Die Heilige Schrift des Alten Teltaments, hrsg. von Prof.

Stück des Schulreligionsunterrichts halten.' Obgleich ein
auf fo fchwachem Grund gebauter Unterrichtsftoff auf
die Dauer kaum gehalten werden kann, hat Schmidt
feine Bearbeitung mit all der Gründlichkeit vorgenommen,
die der einmal gewählten Aufgabe unter allen Umftänden
gerecht werden will. Die Auslegung umfaßt fowohl
Evangelien wie Epifteln, fowohl die alte wie die neue
Reihe. Einige grundlegende Erörterungen gehen vorauf,
unter ihnen eine kurze und gute methodifche Anleitung
zur Behandlung der Perikopen. Schm. empfiehlt eine
Zweiteilung der ganzen Behandlung in eine durchaus
hiftorifch und eine praktifch orientierte Befprechung des
Stoffes. Dem kann man nur zuftimmen. Es ift auch
richtig, was Schmidt fagt, daß ich felbft in meinen Auslegungen
den gleichen Weg zwar zu befchreiten verfucht,
aber nicht konfequent innegehalten habe. Freilich gelingt
auch Schmidt die Konfequenz nicht ganz, ja das
Bedürfnis nach praktifcher Verwertbarkeit des Stoffes
führt ihn (allerdings feiten) zu Manipulationen, die denn
doch höchft bedenklich find. So geht es zwar noch an,
wenn er S. 38 die Lukaserzählung von der Reife nach Bethlehem
bei der Volkszählung durch Quirinius gelten läßt und
nur in einer Anmerkung hinzufügt, daß zwar fehr Marke
hiftorifche Bedenken vorliegen, daß es aber .vielleicht gleichwohl
zurechtfertigen fei', ,die von Lukas beabfichtigte reli-

Düffeldorf. Kabifch.
Referate.

Gregory, Caspar Rene: Die Schriften von Carl Wellely. Zu

feinem fünfzigften Geburtstag. (IV, 36 S.) gr. 8°. Leipzig,
J. C. Hinrichs 1910. M. 1.20

Zum 50. Geburtstag (27, VI. 1910) ftellt Gr. eine Bibliographie
aller Arbeiten (auch Anzeigen) des Wiener Papy-
rusforfchers zufammen, nicht nur um dem verehrten Gelehrten
ein ,Denkmal' zu fetzen, fondern auch um den Mit-
forfchern zu dienen, da viele feiner Arbeiten an entlegenen
Orten (Gymnafialprogrammen ufw.) verfleckt find. Er zählt
von 1881 an 231 Nummern. In einer Einleitung würdigt er
Weffelys Perlon und Arbeitsleiftung.

Hannover. Sc hufler.

E. Kautzfch. Schluß. (Vgl. die Anzeige Jahrg. 1910,
Sp. 454-)

Kautzfeh wurde mitten in feiner Arbeit an der Chronik
abgerufen und Rothftein übernahm die Vollendung der Chronik
und die Ausgabe der letzten Lieferung (24 f.). Das von Rothftein
verfaßte Vorwort enthält einen warmen Nachruf für K.,
deffen Bibelwerk nun ein Denkmal für ihn geworden ift. R.
orientiert dann über die Beilagen. Beibehalten und verbeffert
find die Beilagen über Maße, Geld und Zeitrechnung und
die gefchichtliche Tabelle; weggelaffen find das Namenverzeichnis
und der wertvolle Abriß der Gefchichte des A. T.lichen
Schrifttums. Holzinger wird ein Regifter zum ganzen Bibelwerk
ausgeben, was von jedermann mit lebhaftem Dank begrüßt
wird.

Tübingen. Volz.

Lütkemann, Leonardus: De prophetarum minorum locis ab
Origene laudatis. Diss. inaug. Gryphiswaldensi. (92 S.)
gr. 8°. Lipsiae.
Lütkemanns forgfältige Differtation bietet eine willkommene
Ergänzung zu den Arbeiten von Rahlfs, Prockfch u. a,, er
will Unteraichen, welchen Text Origenes in feinen Zitaten der
kleinen Propheten bietet. S. 6—50 gibt er zunächft eine Zu-
fammenftellung der Zitate aus den Schriften des Origenes,
denen in einer zweiten Kolumne der Text der LXX nach