Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1912 Nr. 26

Spalte:

807-808

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Buzy, D.

Titel/Untertitel:

Introduction aux Paraboles évangeliques 1912

Rezensent:

Fiebig, Paul

Ansicht Scan:

Seite 1

Download Scan:

PDF

807

Theologifche Literaturzeitung 1912 Nr. 26.

808

Brockelmann, Carl: Syrifche Grammatik m. Paradigmen, I
Literatur, Chreftomathie u. Gloffar. 3. verm. u. verb. [
Aufl. (Porta linguarum orientalium. V.) (XVI, 199 S.)
8°. Berlin, Reuther & Reichard 1912. M. 8 —

Diefes vortreffliche Hilfsmittel zur Erlernung des
Syrifchen liegt fchon in dritter Auflage vor. Wie die
Vorrede fagt, fchien es dem Verf. nur an wenigen
Stellen erforderlich, den Stoff neu zu faffen oder zu ergänzen
. Neu ift z. B. die Fußnote auf S. 6, ferner Anm. 1
zu § 4 7 (S. 7) und Anm. 2 zu § 8. An Stelle von § 32d
der früheren Auflage ift jetzt § 33 getreten, fodaß den
§§ 33—38 der alten Auflage in der neuen §§ 34—39 ent-
fprechen. Da aber § 39 der zweiten Auflage geftrichen
ift, decken fleh von § 40 an die Paragraphen der beiden
letzten Auflagen wieder vollkommen. Das Literaturverzeichnis
ift trotz der größten Befchränkung um nicht
weniger als 4 Seiten gewachfen. Die Chreftomathie hat,
abgefehen von einigen Druck- und Textverbefferungen,
keine Veränderungen erfahren. Dagegen ift das Gloffar
nicht nur im Einzelnen verbeffert, fondern auch erweitert
worden. Die Grundfätze, von denen fleh der Verf. hierbei
leiten ließ, find durchaus zu billigen. Ich habe deshalb
nur weniges nachzutragen. S. 160 im Gloffar wäre
zu U>] ,liegen' noch die Bedeutung .freigefprochen werden'
(vgl. Chreftomathie S. 130, 13) anzuführen und S. 184 zu
5o,Js .vorher tun' noch die andere ,fich früh aufmachen'
(vgl. Chreftomathie S. 16, 4). S. 180 f. v. ,penä lies ,fich
bekehren'. In der Grammatik § 224 Zeile 3 v. u. würde
ich lieber fagen ,haben anfeheinend aktive Bedeutung'.
Im Literaturverzeichnis S. 147 Zeile 30 lies G. Krüger
für H. Krüger und im Gloffar S. 154, 7 ,Schnake'.

Möge diefes ausgezeichnete Lehrbuch dazu beitragen,
das feitens der Theologen noch allzu fehr vernachläffigte
Studium des Syrifchen weiter zu fördern.

Gießen. Fr. Schwally.

Buzy, D., S. J.: Introduction aux Paraboles evangeliques.

(Etudes bibliques.) (XXIII, 476 S.) kl. 8«. Paris, V.
Lecoffre 1912. fr. 4 —

Diefes Buch habe ich mit befonderem Intereffe ge-
lefen, weil es, ohne meine .Gleichnisreden im Lichte der
rabbinifchen Gleichniffe des neuteftamentlichen Zeitalters'
(1912) zu kennen, durchweg zu denjenigen Ergebniffen
gelangt, die fich auch mir aufgedrängt haben, und zwar
bekennt auch B. ausdrücklich, daß das Studium der
rabbinifchen Gleichniffe der Tannaitenzeit ihm die Augen
für ein wirkliches Verftändnis der fynoptifchen Gleich- 1
niffe geöffnet hat. Ich fehe darin einen erneuten Beweis |
dafür, wie grundlegend für das Verftändnis des N. T.s
das Studium des Talmud ift, und daß diejenigen Er-
kenntniffe richtig find, die ich im Gegenfatz zu Jülicher
vertrete, wie fie Buzy im Gegenfatz zu Jülicher und Loify
geltend macht. Buzys Buch ift daher m. E. auch der
deutfehen Theologie angelegentlich zu empfehlen. Ein
Erfcheinen des Buches in deutfeher Sprache würde ich
nicht für überflüffig halten, da es außer Jülichers erftem
Bande feiner .Gleichnisreden' in deutfeher Sprache kein
Buch gibt, das die bei der Einzelerklärung der fynoptifchen
Gleichniffe vorauszufetzenden allgemeinen, prinzipiellen
Erkenntniffe fo überfichtlich, gründlich und voll-
ftändig zufammenfaßt wie B.'s Buch. B.'s .Einführung'
zerfällt in 3 Hauptteile, von denen der erfte das außerhalb
des N. T.s fich findende gefchichtliche Material behandelt,
deffen Kenntnis zum Verftändnis der neuteftamentlichen i
Gleichniffe unentbehrlich ift. Der zweite Teil befchäftigt
fich mit der Herausftellung der allgemeinen Grundzüge
für das Verftändnis der n.t.lichen, insbefondere der
fynoptifchen Gleichniffe, während der dritte Teil von den
Bildreden des Joh. Ev.'s handelt. Der erfte Teil des
Buches ift naturgemäß der umfangreichfte. Nach begrifflichen
, einleitenden Unterfuchungen über Gleichnis, Fabel,
Allegorie, Mifchform zwifchen Gleichnis und Allegorie
unterfucht B. in Kap. 2 und 3 den .Mafchal im A. TV
und dann in Kap. 4 die rabbinifchen Mefchalim. Zu dem
in meinem Buch über die Mekhiltha-Gleichniffe (1904)
dargebotenen Material fügt B., was fehr dankenswert ift,
im Anfchluß an Bachers Agada der Tannaiten noch
mancherlei wertvolle Proben rabbinifcher Gleichniffe hinzu
. Er überfetzt fie und begleitet fie dann mit Bemerkungen
. Befonders wichtig ift hier: auch B. betont, daß
die rabbinifchen Gleichniffe — dasfelbe gilt von den
Gleichniffen Jefu — nicht, wie Weinel ZNTW, 1912, 2 im
Anfchluß an Jülicher will, mit dem Wort .Gleichnis' oder
gar .reines Gleichnis' hinreichend charakterifiert find,
fondern daß man — hier wie dort — verfchiedene Arten
der Bildreden zu unterfcheiden hat: Allegorien, reine
Gleichniffe, Mifchformen. Auch betont B. mit vollftem
Recht, daß die jüdifche Ausdrucksweife Jefu und der
Rabbinen es als völlig falfch erfcheinen läßt, die Synoptiker
, wie Jülicher das tut, nach den Maßftäben ftrengfter,
griechifch gefchulter, abendländifcher Ausdrucksweife und
Logik mit ganz verkehrt angewendeter .Akribie' zurecht
zu fchneiden. Das 5. Kapitel redet von ,der Parabel bei
den klaffifchen Autoren'. B. behandelt hier Ariftoteles
und Quintilian. In den 7 Kapiteln feines 2. Hauptteiles
unterfucht B. in der Hauptfache die von Jülicher und
Loify erhobenen Einwände gegen die Echtheit der in den
Synoptikern überlieferten Bildreden und die Frage nach
dem .Zweck der Gleichniffe'. In den 4 Kapiteln des 3.
Teiles ift Eigenart und Echtheit der johanneifchen Allegorien
der Gegenftand kritifcher Unterfuchung. B. glaubt
zwar nicht die buchftäbliche Echtheit der johanneifchen
Bildreden fefthalten zu können, wohl aber ihre wefentliche
Authentizität. WennfichauchgegenB.sEinzelausführungen
hier und da Einwände erheben laffen, fo ift doch fein
Buch als Ganzes der Beachtung der proteftantifchen
Theologie wert und ein erfreulicher Beweis für die auch
auf katholifchem Boden mögliche gründliche theologifche
Bildung.

Gotha. Fiebig.

Gümbel, Kirchenr. Gymn.-Prof. D. L.: Das Johannes-Evangelium
eine Ergänzung des Lukas - Evangeliums. (79 S.)

gr. 8°. Speyer, Nimtz 1911. M. 2.50

Paulus forgte während feiner Gefangenfchaft in Cä-
farea dafür, daß feine geliebten Ephefer das Evangelium
des Lukas erhielten, der fich von Cäfarea aus an Ort und
Stelle von der Richtigkeit feiner Berichte überzeugt hatte.
Als fich fpäter der Apoftel Johannes in Ephefus aufhielt,
ergänzte er diefes Evangelium mündlich und nachher
auch fchriftlich und berichtigte es dabei an unwefent-
lichen Punkten, deren Verzeichnis auf S. 62 übrigens
durchaus nicht mit den fonftigen Ausführungen des
Buches übereinftimmt. Ohne die Abficht der Richtig-
ftellung wiederholte er nie etwas aus Lukas, beftätigte
aber durch Schweigen alles, was diefer bietet. Markus
und Matthäus kannte er nicht. Ergänzungen zu Lukas,
die faft fein ganzes Buch ausmachen, konnte er teils als
Augen- und Ohrenzeuge geben, teils, weil er in Jerufalem
auf der hohen Schule ftudiert hatte, was wegen feiner
Bekanntfchaft mit dem Hohenpriefter Kaiphas anzunehmen
ift. Hier hatte er die Logosidee auf den Meffias anwenden
, hier hatte er längere Vorträge (wie im Evangelium
Kap. 14—17) auffaffen und wörtlich behalten gelernt
, hier hatte er endlich Beziehungen mit dem hohen-
priefterlichen Haufe und mit Nikodemus angeknüpft,
durch die er vieles erfahren konnte. Da er wenig prak-
tifch war, wird er nicht mit den andern Jüngern nach
Sichar zum Einkaufen gegangen, fondern bei Jefu Ge-
fpräch mit der Samariterin zugegen gewefen fein. Von
feinem ftillen Wefen zeugt z. B. fein Beiname ,Donner-
fohn'; denn jedenfalls haben wir dabei nicht an den