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Ausgabe:

1912

Spalte:

719-720

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Richard, J.W.

Titel/Untertitel:

The Confessional History of the Lutheran Church 1912

Rezensent:

Thieme, Karl

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7ig

Theologifche Literaturzeitung 1912 Nr. 23.

720

Sachfen erfüllt haben. — Hieran reihen wir den Auffatz
von Markgraf: Pfarrlehen und Bauernhufe in Leipzigs
Umgebung. Es kommt hier befonders darauf an, die
leitenden Gefichtspunkte für die Erforfchung der urfprüng-
lichen Größe der Pfarrlehen aufzuftellen, um dadurch
,den beträchtlichen Unterfchieden der Pfarrdotierung bis
an die Wurzel nachzugehen'. — Franz Tetzner, Die
Werdauer Schulverhältniffe bis in die Reformationszeit,
behandelt befonders die Perfonalien und Einkommens-
verhältniffe der Werdauer Schulmeiffer, Kantoren, Orga-
niften. 1458 ift die Schule zuerft urkundlich erwähnt.
S. 32h einiges über den wahrfcheinlich aus Werdau flammenden
Dichter biblifcher Dramen Joh. Ackermann. Sein
,Verlorener Sohn' wurde fchon im Winter 1537/38 in W.
aufgeführt. — Überflüffig ift der Artikel von Wuttig,
Martin Luther und die Grafen von Mansfeld. Daß Luther
kein .feiger Fürftenknecht' gewefen ist, läßt fich beffer
beweifen als mit dem Abdruck der beiden Lutherbriefe
de Wette 5, 437 und 445.— Ins 17. Jahrhundert verfetzt
uns ein zweiter Auffatz Bönhoffs über Mag. Chriftian
Lehmann [über 50 Jahre Pfarrer in Scheibenberg, f 1688]
und feine Stellung gegenüber dem Aberglauben feiner
erzgebirgifchen Heimat. Hauptquelle ift Lehmanns ,Hiito-
rifcher Schauplatz derer natürlichen Merkwürdigkeiten
in dem Meißenifchen Obererzgebirge' (Leipzig 1699). —
Sehr willkommen ift das von Franz Blanckmeifter unter
Benutzung von Akten des Dresdner Hauptftaatsarchivs
und ungedruckten Briefen im Privatbefitz gezeichnete
Lebens- und Charakterbild des berühmten Dresdener
Oberhofpredigers (1792—1812) Franz Volkmar Reinhard;
feine Verdienfte als wiffenfchaftlicher und praktifcher
Theolog, um Univerfität und Schule werden verftändnis-
voll gewürdigt, feine Predigten fein charakterihert. —
Intereffante Mitteilungen aus Akten im Brambacher Pfarr-
archiv und dem Archiv des früheren Leipziger Konfifto-
riums im Dresdener Landeskonfiftorium bietet Franz Di-
belius, Zur Vorgefchichte und Gründung des Guftav-
Adolfvereins. Es handelt fich um die Losreißung der
,feit undenklichen Zeiten' nach dem fächfifchen Brambach
eingepfarrten böhmifchen Dorfgemeinde Fleißen von der
ev.-luth. fächfifchen Landeskirche. Ob freilich die Über-
fchrift berechtigt ift? Man vermißt den Nachweis dafür,
daß die Nöte der Fleißener Evangelifchen den Leipziger
Superintendenten Großmann zu feinem Aufruf beftimmt
haben. — Gern läßt man fich endlich von G. Lohmann
über .Dresden und Leipzig, die beiden Pole des fächfifchen
Miffionslebens' belehren. Es wurde zunächlt 1819
in Dresden ein Miffionshilfsverein für Bafel begründet.
Als dann die Konfeffionellen an der Verbindung mit dem
reformierten Bafel Anftoß nahmen, wurde 1836 eine eigene
ev.-luth. Miffionsgefellfchaft in Dresden ins Leben gerufen
und ein eigenes Miffionsgebiet im Tamulenlande in Oftindien
in Angriff genommen. 1848 wurde der Sitz der
Gefellfchaft nach Leipzig verlegt.

Zwickau i. S. O. Clemen.

Richard, Prof. James W., D.D., LL.D.: The Confessional
History of the Lutheran Church. Philadelphia, Pa., Lutheran
Publication Society (1909). (VIII, 637 S.) gr. 8°. $ 3 —

Kattenbufch (Confeffionskunde I, 191) fchrieb: .Will man unter
.Symbolik' eiüe Einleitung in die lutherifchen Symbole verliehen . . .
uud will man darin eine wiffenfchaftliche Unterfuchung ihrer Entftehung,
eine möglichft exakte Exegefe refp. differenzierte Darfteilung ihrer Lehre
gewähren, fo wäre das auch in Zukunft eine ebenfo berechtigte wie intereffante
, nicht .Disziplin', wohl aber .wiffenfchaftliche Aufgabe' . . . .
Sie bedeutete dann die monographifche Behandlung einer zur Gefchichte
der Reformation und des Proteftantismus gehörigen, wichtigen Literatur'.

Auch noch nach Richard's (Prof. am Theol. Seminar
Gettysburg, PA., f 7. März 1909) umfangreicher Gefchichte
der lutherifchen Bekenntnisfchriften gilt Kattenbufchs
folgender Satz: ,Zu tun hätte die .Symbolik' auch in diefer
Begrenzung noch gerade genug'. Denn das amerikanifche
Werk ift zwar fehr gründlich und gelehrt, aber unter der

bei uns erreichbaren Höhe der Forfchung war es doch zurückgeblieben
. Dazu ift die Überholung mehrerer Partien
durch neufte Forfchungen gekommen.

Nach dem erften Kapitel über die Anfänge der deut-
fchen Reformation, worin von Schuberts erfteAbhandlungzu
den Schwabacher Artikeln (ZKG 1908) fchon berückfichtigt
ift, beziehen fich 14 Kapitel auf die Augsburgifche Kon-
feffion (S. 24—254), über die jetzt Gußmann der .Symbolik
' neues zu tun gibt. Hervorgehoben fei eine gefchickte
Analyfe der Auguftana mit lehrreichen Winken (S. 104
—122). Nach den breiten Ausführungen über diefe Kon-
feffion wirkt das Kapitel über die Apologie und Luthers
Katechismen und Schmalkaldifche Artikel (S. 255—275)
ungenügend. Der Katechismusmeifter Albrecht fördert
ja erft feit kurzem, aber was die Theologia symbolica
lutherana feit langem Ritfehl und feiner Schule an epochemachenden
neuen Gefichtspunkten verdankt, das vermißt
man befonders in jenem Kapitel. Und nun wird ja Otto
Ritfchls .Dogmengefchichte des Proteftantismus' zur Überbietung
der Kapitel über die Kontroverfen innerhalb der
lutherifchen Kirche (S. 311 —399) dienen. Sieben forgfältige
Kapitel (S. 400—545) beziehen fich auf das Konkordienwerk
und die Konkordienformel. Endlich behandeln die drei
letzten Kapitel die fymbolifchen Bücher im Zeitalter des
Pietismus, der Philofophie, des Rationalismus, im 19. Jahrhundert
und in Amerika. Man erhält allerlei intereffantes
Material vom umfichtigen Verfaffer.

Wenn einem eine lutherifche Symbolik von dem
eingangs zitierten Theologen oder von Loofs vorfchwebt,
wird die Leiftung des Amerikaners nicht gerade imponieren
; aber fie ift ein tüchtiger Anlauf und verdient
unfre Beachtung.

Leipzig. K. Thieme.

Machholz, Ernft: Materialien zur Gefchichte der Reformierten
in Altpreußen und im Ermlande. 300 Jahre preußifcher
Kirchengefchichte. Zum 25. Dezember 1913. (VIII,
220 S.) gr. 8°. Lotzen, Oftpr. 1912. (Magdeburg,
Selbftverlag.) M. 3 —

Was die Gefchichte der Reformierten im heutigen
Oftpreußen angeht, fo ift man bisher über Einzelbeiträge
und Vorarbeiten nicht hinausgekommen. Auch die vorliegende
fehr fchätzenswerte Arbeit will, wie der Titel
j zeigt, lediglich Materialien dazu bieten. Übrigens ift der
j Verfaffer fich darüber klar, welche Faktoren bei einer
i Gefamtdarftellung zu berückfichtigen fein werden, und in
den Vorbemerkungen (S. 6) Hellt er fie neben einander:
I Einwirkung des Handels mit reformierten Nationen,
I Kolonifierung durch die Hohenzollern im 17. und 18. Jahr -
! hundert, fowie Anfchluß hervorragender Familien im Lande
an das reformierte Bekenntnis nach dem Ubertritte Johann
Sigismunds von Brandenburg, den der Verfaffer nicht
; mit Unrecht auf den 25. Dezember 1613, wohl als den
j Tag der erften Abendmahlsfeier des Kurfürften in reformierter
Weife, datiert, während meift 1614 (Edikt vom
24. Februar d.J.) gefetzt wird. Während betreffs der beiden
; erften Faktoren reichliche Einzelarbeiten vorhanden find,
j zu denen der Verf. die Literatur genügend nachweift,
wären betreffs des dritten noch eingehende Unterfuch-
! ungen vorab anzuflehen über die Frage: welche von den
maßgebenden Familien haben fich damals dem reformierten
Bekenntnis angefchloffen und welchen Einfluß
hat dies auf die Entwicklung des reformierten Kirchentums
im Lande gehabt? Dabei käme in erfter Linie die Familie
der Dohna in Betracht, nicht allein weil fie durch die
Gunft der Brandenburger Herren eine der einflußreichften
überhaupt wurde, fondern auch, weil gegen keine der
andern ein fo hartnäckiger, nicht feiten bösartiger, Kampf
feitens der lutherifchen Zionswächter eben um ihres
reformierten Bekenntniffes willen geführt worden ift. Wie
wenig übrigens felbft in Kreifen, denen folche Fragen