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Ausgabe:

1912 Nr. 22

Spalte:

677

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Roemer, Herm.

Titel/Untertitel:

Die Babi-Behai. Die jüngste muhammedanische Sekte 1912

Rezensent:

Horten, Max

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Seite 1

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677

Theologifche Literaturzeitung 1912 Nr. 22.

678

fie jedoch durch neue religiöfe Perfönlichkeiten und namentlich
neue religiöfe Erfahrungen gefpeift und getragen
würde. Das ift eine echt pofitiviftifche Betrachtungsweife,
die augenblicklich wahre Verheerungen im Betrieb der
Religionswiffenfchaft anrichtet, und die nur durch ernfte
Arbeit einer, fich allerdings felbft noch .abfurd gebärdenden
' Wiffenfchaft, der Religionspfychologie, überwunden
werden kann.

Straßburg i. E. E. W. Mayer.

Roemer, Stadtpfr. Dr. Herrn.: Die Bäbi-Beha i. Diejüngfte

muhammedan. Sekte. (XII, 192 S.) Lex. 8». Potsdam,

Deutfche Orient-Miffion 1912. M. 3—

Daß moderne Sektenbildungen des Iflam auch für
unfer Kulturleben von Bedeutung werden können, zeigt
die Behäi-Sekte, die 1907 in Stuttgart eine Vereinigung
gründete, von der Abficht einer weitgehenden Propaganda
geleitet Dieter Vorgang wurde der Anlaß zu vorliegendem
Buche, deffen Verfaffer z. Z. Stadtvikar in Stuttgart
war Ihre Propaganda in Amerika, Frankreich und
England ift ebenfalls bedeutend. Zugleich wird durch
diefe Studie deutlich, daß die iflamifchen Sekten von
beftimmten philofophifchen Lehren ausgehen. Zum Ver-
ftändnis diefer Sekten ift alfo die Kenntnis der iflamifchen
Philofophie nicht zu entbehren. Folgende Lehren verdienen
ein befonders Intereffe. 1. Die perfifche Lichtlehre
ift in den Vorftellungen enthalten, die den Propheten
als Ausftrahlung Gottes verliehen. Es befteht eine kos-
mifche Lichtfubftanz, das ,Licht Muhammads', das in
allen Propheten in die Erfcheinung getreten und nach

dem Tode eines jeden Propheten wieder in die Verbor- rjfch erhaltene Bittfchrift des"Pap. 5 vielleicht doch nur

wandt, die von Sachau nicht überall forgfältig angegeben
find. Im Übrigen find die Verbefferungen der Texte
von keinem großen Belang, und die phönizifchen Krug-
auffchriften erfcheinen auf Seite 107—110 in den ganz
unbrauchbaren Lefungen Sachaus, die unterdeffen von
Lidzbarski durch eine neue Edition erfetzt find (vgl.
Nr. 13 der Th. Lit. Ztg. Sp. 388). Auf Grund eines
forgfältigen Studiums der Texte dürfte fich indeffen manche
mehr oder weniger zerftörte Stelle auf den Papyri noch
entziffern laffen. So ift z. B. 54,1 gewiß pn« b? zu lefen
(vgl. 11,4), und 60,9 ftand offenbar mi» «inb« p"H£ =
ein Rechtfchaffener, dem die Götter beiftehen (vgl. Pf. 146,5).
62 A4 wird 7510:1 herzuftellen fein nach Sir 13,10embjo&irjs.

Auch in den exegetifchen Anmerkungen fchließt der
Herausgeber fich faft überall an die fehr ungenügende
Texterklärung Sachaus an. Abgefehen von einzelnen
affyrifch-babylonifchen Parallelen weiß er daneben fehr
wenig Eigenes zu bieten. Glücklich erklärt er 34,3 lau
als nmby, falfch auf dem Straßburger Papyrus A 2 (vgl.
S. 8) ban» als .Schaden' ftatt als ,Frevel' (vgl. 11, 6. 7
und im A. T. das Verbum ban und das Nomen nbian).
Für Studierende ift die Ausgabe deshalb fehr wenig geeignet
, und in diefer Abzweckung war das Unternehmen
überhaupt verfrüht.

Der Druck ift im Ganzen korrekt. 6,5 fehlt vor den
Einern das Zahlzeichen für 20, und 6,7 fleht "Van ftatt

■van.

Ich erlaube mir bei diefer Gelegenheit das in Nr. 13
Sp. 387—393 von mir Ausgeführte in zwei Punkten zu
ergänzen. Aus einem Auffatz Israel Levis in der Revue
des Etudes Juives habe ich gelernt, daß die fragmenta-

genheit verfunken ift (Lehre von dem verborgenen Imäm). I auf die Wiederherftellung eines unblutigen Kultus in
Alle Propheten haben alfo ein und dasfelbe Wefen. Jede ; Elephantine ging. Ebendort bemerkt Israel Levi mit
Zeitepoche, die durch beftimmte Konftellationen von Ge- | Recht, daß Bethel auch Jer 48,13 als Gottesname vor-
ftirnen gegeben ift, muß ihren eigenen ,Imäm' (Mahdi; 1 zukommen fcheint. Aber Jer 48 flammt fchwerlich von
Prophet) haben. Zu Beginn jeder Epoche muß jene Licht- ; Jeremia, vielmehr identifiziert hier ein nachexilifcher Autor
fubflanz alfo in die .Erfcheinung' treten, zuletzt in Beha den Kultus der (älteren) Samariter mit dem der Nord-
Allah. 2. Damit verbindet fich die neuplatonifche Erna- ifraeliten. Ferner darf das von Lidzbarski verglichene
nationslehre. Aus Gott emaniert der Nüs, in dem die j av/ißtrvkog einer jüngeren griechifchen Weihinfchrift aus
Wefenheiten aller Dinge in unausgedehnter, unkörper- . Nordfyrien (Ephem. II S. 223) vielleicht nicht (nach Analicher
Form, alfo .punktförmig' enthalten find. Dielmame, , logie von ovvvaog) als Mitbewohnerin) eines Bätyls ver-
die Manifeftationen des Nus nennen fich daher .Punkte* ftanden werden. Eher ift es wohl geradezu mit dem

b«mni21»8 der Papyri zu identifizieren. Vgl. auch G. F.
Moore im American Journal of Archaeology, Ser. II Vol. II
(1903) S. 198—208.

Göttingen. R. Smend.

der Schöpfung. 3. Die Vorftellung einer Erlöfung aus
dem individuellen Sein in das abfolute durch Selbftver-
nichtung (Nirwana) weift deutlich auf Indien hin. Eine
individuelleUnfterblichkeit ift bei der univerfellen Natur
der Seele (vgl. die gleiche Lehre bei den Ismailis, No-
fairiern und Averroes) ausgefchloffen. Die kabbaliftifchen
Spielereien, die fich mit dem Pythagoreismus berühren, j Collectanea Biblica Latina cura et studio Monachorum S.
find ideengefchichtlich ebenfalls fehr zu beachten. Das j Benedicti. Vol. I: Liber Psalmorum iuxta anti
mit umfaffender Sachkenntnis, großem Verftändniffe und quissimam latinam versionem nunc primum ex Casinensi
Fleiße und in gewandter Sprache gefchnebene Buch fei ! , „„„ . ^ A ,

federn beftens empfohlen, der ^ «*557curanteD.Ambrosio M. Amelli, O. S.B.Abbate

bewegungcn der heutigen Zeit intereffiert. s- M- Florentinae in lucem profertur. (XXXV, 175 S.

R M.Horten. m. 4 Tafeln.) Regensburg, F. Puflet 1912. M. 6.50

Ungnad, Arthur: Aramäilche Papyrus aus Elephantine. Kleine
Ausgabe. Unter Zugrundelegg. v. Eduard Sachaus

Erftausgabe bearb. (Hilfsbücher zur Kunde des Alten 1 größeren Veröffentlichungen herauszugeben, welche Funde

Die papftliche Vulgata-Kommiffion hat befchloffen,
außer den kurzen Jahresberichten, welche von den Fort-
fchntten ihrer Arbeit Kenntnis geben, eine Reihe von

Orients^ a Bd 1 (VIII, 119 S.) gr. 8°. Leipzig, J. C. und Ergebniffe ihrer Forfchungen weiteren Kreifen zugänglich
machen follen. Die erfte diefer Veröffentlichungen
liegt jetzt vor und ift einerfeits eine ^berrafchung, anderer-
feits — wenigftens nach des Unterzeichneten Eindruck —

Hinrichs 1911. M. 3-; geb. M. 3.60

Neben der fehr teuern Sachaufchen Prachtausgabe

wird diefe billige Handausgabe, die im Anhang (S. in —117) eine Enttäufchung. Amelli hat als Archivar von Monte
auch einige andere aramäifche Papyri und Oftraka ent- I Cafino vor io Jahren de libri Baruch vetustissima versione
hält, manchen Lefern willkommen fein. Ungnad hat die latina usque adhuc inedita in celeberrimo codice Cavensi
Sachaufchen Lefungen mit den Lichtdrucktafeln und z. T. j an Ceriani eine epistola gerichtet. Wer diefe Arbeit
auch mit den Originalen verglichen und danach die Texte kennt und nun hier den ähnlich lautenden Titel lieft, wird
an einigen Stellen verbeffert und ergänzt. So druckt er | um fo gefpannter fein. Aber was wir hier bekommen ift
1,20 mit Recht-jb-T und Win, 1,23 $bV2 und 10,5 Xi-ufaif, I — nach meiner Auffaffung — das Machwerk eines früh-
wo Sachau ftatt eines Wortes überall zwei bietet. Fleiß | mittelalterlichen Profelyten, der fowohl mit dem Hebräi-
ift auf die Berechnung der Lücken in den Zeilen ver- | fchen als dem Lateinifchen auf dem gefpannteftenFuße ftand.