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Ausgabe:

1912 Nr. 21

Spalte:

667

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Steuding, Hermann

Titel/Untertitel:

Griechische und römische Mythologie. 4. umgearb. Aufl 1912

Rezensent:

Wendland, Paul

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667

Theologifche Literaturzeitung 1912 Nr. 21.

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der Zeitfchrift in der Regel in englifcher Sprache er-
fcheinen follen, ift begreiflich und für uns Deutfche nicht
allzu befchwerlich. Daß Stoff und Beurteilung in diefem
erftem Hefte zumeift englifchen und amerikanifchen
Charakter tragen, ift auch nicht verwunderlich. Bemerkenswert
ift, daß viele der praktifchen Grundfätze und Forderungen
in manchen deutfchen Miffionsgefellfchaftenlängft
verwirklicht find, und daß gewiffe Grundgedanken des
Allg. ev. prot. Mifüonsvereins, vor allem die Forderung
der Gerechtigkeit gegenüber den nichtchriftlichen Religionen
, immer mehr zur Geltung kommen.

Frankfurt a/M. W. Bornemann.

Referate.

Steuding, Gymn.-Rekt. Prof. Dr. Hermann: Griechifche und
römirche Mythologie. 4. umgearb. Aufl. (Sammlung Göfchen.
27.) (156 S.) kl. 8". Berlin, G. J. Göfchen 1911.

Geb. M. — 80

Der als Mitarbeiter des Rofcherfchen Lexikons der griechi-
fchen und römifchen Mythologie bekannte Verf. behandelt im
Kern feiner populären, jetzt in 4. Auflage erfchienenen Schrift
die einzelnen olympifchen Gottheiten und (unter Angabe der
Hauptquellen) die heroifchen Sagen. Vorauf geht eine Skizze
der älteren griechifchen Religionsgefchichte. S. 127—152 wird
die altrömifche Religion unter Ausfcheidung der fpäteren hel-
leniftifchen Elemente dargeftellt, die Aufnahme griechifcher und
orientalifcher Götter nur kurz am Schluß berührt.
Göttingen. Paul Wendland.

KeTfe!er. Dr. Kurt: Rudolf EuckensBedeutung f. das moderneChriften-
tum. (66 S.) 8". Bunzlau, G. Kreufchmer 1912. M. 1.50
Nach Eucken greifen immer mehr Theologen und andere
gebildete Wahrheitsfucher. Zur Einführung in feine Gedankenwelt
, in die nicht jeder leicht eindringt, ift diele Schrift eines
feiner vielen theologifchen Schüler und Anhänger um ihrer foliden
und klaren Art willen fehr geeignet. Nur den Schluß braucht
man anzuführen, um den Geift diefer Schrift zu erfaffen: Eucken
ftellt bei voller Verwertung der Strömungen des modernen Geiftes-
lebens den Wahrheitsgehalt des Chriftentums ficher, ohneAbftriche

Wert wird von Niemandem in einem Tage feftgeftellt werden
können. Was ich aber nicht erft in der wiffenfchaftlichen Dis-
kufßon aufkommen laffen möchte, — ein Irrtum, der mir am
erften Tage, wo ich das neue Werk fah, aufftieß — ift die Hypo-
thefe des Herausgebers, dieRezenfion der alten Africana nach
Hexapla und hebräifchem Urtext möge dem Rufinus zuzuweifen
fein. Rufin ift des Hebräifchen ficher nicht kundig gewefen; dem
Grundgedanken des Hieronymus, die Itala nach dem Urtext zu
verbeffern, war er abgeneigt: von einer Mitarbeit Ruflns an der
Bibelüberfetzung weiß Hieronymus fo wenig wie fonft Jemand im
Altertum. Die Stelle in Hieron. ep. 57,12, aus der Amelli fogar
ein Freundfchaftsverhältnis zwifchen Rufin und Eufebius von
Cremona herauslieft, ift auf S. 132 vollkommen mißverftanden;
mit ep. 106, dem Brief an Sunnia und Fretela, läßt fich nichts anfangen
, weil Hieron. da, falls er mit feinem wegwerfenden Urteil
über den disertissimus istius temporis interpres (§ 57) auf Rufin
zielt, deffen Gefchmack überhaupt und nicht fpeziell den an
Pf. 106 erwiefenen kritifiert. Die paar Lieblingsworte Rufins, die
Amelli in feinem Pfalterium wiederfindet (darunter fogar purgare,
sensus = intellectus, und inproperare!) find entweder weiter verbreitet
gewefen oder Rufin hat fie aus feiner Bibellektüre behalten.
Verfchwenden wir nur keine Zeit mit dem ausfichtslofen Suchen
nach dem VerfalTer diefer Pfalterrezenfion: ihr ungemeiner Wert
für die Itala- und dadurch Septuaginta-Forfchung befteht in
dem aus der fpäteren Rezenfion großenteils noch zu rekonftru-
ierenden urlateinifchen Texte.
Marburg. A. Jülicher.

In Ergänzung zum Bericht über den Leidener Kongreß
in Nr. 20 bringen wir zunächft nachftehende Mitteilungen.

25. En rösume, la möthode historique et la möthode
comparative ont toutes deux leur fonction ä remplir dans la
science des Religions. Au Congres d'Oxford, j'ai proposö
d'attribuer aux trois branches de cette science les denominations
d'hiörographie, hierologie et hierosophie. Evidemment, le choix
des möthodes ou plutöt la proportion dans laquelle on les uti-
lisera respectivement, doit varier suivant que le sujet ä traiter
rentre dans l'une ou l'autre de ces trois subdivisions. Mais, meme
dans l'hieroraphie, ou histoire descriptive des Religions particu-
an feinem ewigen Gehalt zu machen. So hilft er dem modernen j lieres, la methode comparative a un role ä jouer. La methode
Religionswiffenfchaftler zu einer Löfung des Problems Chriftentum i historique y est partout et toujours le guide le plus sür, quand
und Welterkennen, dem modernen Gebildeten zu einer neuen I eile peut parier avec autoriteü Mais eile ne possede qu'un champ
Form alter Wahrheit, fo daß er in Jefus von Nazareth den Mittel- I d'action Iimiteü Les Iacunes dans la reconstitution d'une religion
punkt feines Lebens findet nach dem Wort: ,Herr, wohin follen 1 döterminöe sont comblöes, dans certains cas, par des explications
wir gehn? Du haft Worte des ewigen Lebens'. trouvöes dans d'autres religions, meme inferieures. Röcipro-

Heidelberg. F. Niebergall. i quement, certains faits qui se rencontrent dans les religions

Sydow, Paft. E.: Der Paltor als Liturg. Äfthetifch-liturgifche Be- ! "«oriques servent ä expliquer des faits analogues dans les
trachtungen. (59 S.) 8». Gütersloh, C. Bertelsmann 1911. rel'g'0,ns des non «vihses.

^ j 20 D autre part, quand on veut chercher les lois gönörales de

Der Verf. gibt in diefer kleinen Schrift eine Reihe von ' Revolution religieuse, il y a lieu de prendre en consideration les

croyances des non civilises aussi bien que des civihsös; les
Premiers seuls nous renseignent, avec le concours de l'archöo-
logie et du folk-lore, sur la phase prehistorique des religions;
ils peuvent egalement nous rendre compte des survivances
qui se rencontrent tant dans les rituels des cultes plus avancös
que dans les croyances et les coutumes populaires. Bien en-
tendu, quand il s'agit de qualifier survivance une croyance ou
une coutume, il faut faire attention qu'elle röunisse cette double
condition: d'une part se trouver en desaccord avec son milieu
actuel, 2. d'autre part, s'harmoniser avec l'ötat mental et reli-
gieux d'une societe inferieure.

La möthode comparative, qui est la möthode par excellence
de l'hierologie ou histoire comparee des religions, embrasse donc

Winken für das Verhalten des evangelifchen Geiftlichen in den
Fällen, wo er als Liturg zu handeln hat. Was er bietet, gründet
fich nicht auf wiffenfchaftliche Forfchung, beruht vielmehr auf
unmittelbar praktifcher Erwägung und Beobachtung. Ohne er-
fchöpfend oder in allen Stücken unanfechtbar zu fein, kann es
dem Liturgen doch gute Dienfte leiften. In den Schlußfätzen
charakterifiert der Verf. feine Arbeit felbft mit folgenden Worten
: ,Volle Zuftimmung in jedem einzelnen Punkte erwarte ich
nicht; wenn aber ein oder der andre Amtsbruder aus diefen
Zeilen eine Anregung empfängt, fein liturgifches Verhalten einer
Revifion zu unterziehen und vielleicht fogar einen oder den
andern Verfloß, den er begangen, zu entdecken und abzuftellen,

fo ifl1 ihr Zweck erreicht . . Ich möchte, daß in unfern Gottes- , un domaine- lus vaste. Mais -e„e est un instrument delicat. II
d.enften . die äußere Form ihrem reichen inneren Gehalt ne faut jamafs dre de yue dans son loi ,es conditions de
entspricht, um ihnen . . . .hre volle moghche Schönheit zu temps et de mifieUj en d,autres termeS) ne pohn se contenter de
fichern . grouper les faits d'apres une analogie superficielle, mais il faut

les ötudier, comme le demande l'öcole sociologique, dans leur
ambiance et leur fonction sociale autant que dans leur forme et
leur structure religieuse. Enfin cette mdthode ne peut jamais
nous donner que de la plausibilitö, mais une plausibilitö qui,
dans certains cas, peut s'ölever jusqu'ä les quasi-certitudes par
la göneralitö et la logique des conclusions, surtout si celles-ci
s'encadrent dans une serie d'explications egalement probantes.
Qu'il me soit permis ä ce propos de reproduire en terminant ces
quelques lignes de la Conference que j'ai donnee, l'an dernier,

Mitteilungen.

24. Der Benediktiner-Abt Amelli hat foeben in Band I der
Collectanea biblica latina (Romae, Fr. Puftet 1912) aus dem Codex
Casinensis 557 des 12.Jhdts einen liberpsalmorum iuxtaanti-
quissimam latinam versionem herausgegeben. Es ift das ein
Text vorhieronymianifcher Abkunft, wenn auch mehrfach durch
die Arbeiten des Hieronymus (?) und andere gelehrte Textkritik beeinflußt
. Ein koftbarer Fund, auch wenn es fich nicht, wie Amelli I au Musee Guimet: „La methode critique, teile que je la concois
glaubt, um den älteften afrikanifchen Pfalter handeln follte. Sein I dans la science des Religions, consiste ä distinguer ce qui est