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Ausgabe:

1912 Nr. 21

Spalte:

644

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Sarsowsky, A.

Titel/Untertitel:

Keilchristliches Urkundenbuch zum Alten Testament in Urschrift zusammengestellt 1912

Rezensent:

Ungnad, Arthur

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643

Theologifche Literaturzeitung 1912 Nr. 21.

644

'Axä&iöroq ift ,das berühmtefleLied der griechifchen Kirche,
ein Dank- und Bittgefang an die hl. Jungfrau Maria'
(Krumbacher). Die Literatur über feine Abfaffungszeit
ift fchon erheblich. Eine fichere Feftftellung über die
Zeit ift noch nicht erfolgt. Im Jahre 1903 hatte der genannte
Papadopulos in einer befonderen Schrift die erfte
umfaffende Unterfuchung darüber veröffentlicht, die zu
dem Refultat kam, der Akathiftos flamme aus der Zeit
der Belagerung Konftantinopels durch die Ruffen von
860/61. Dem hat S. F. Krypiakiewicz in einem flott ge-
fchriebenen lateinifchen Auffatz (Byzant. Zeitfchrift 1904,
S. 3S7—382) zu widerfprechen gefucht, indem er aus
Zitaten des Ephram Syrus und Romanos nachzuweifen
unternahm, daß der zuletzt genannte berühmte Dichter
der Verfaffer des Akathiftos ift. Gegen diefe Aufftellungen
wendet fleh wieder Papadopulos namentlich in der Wisantis,
indem er die gefamten Verfe des Akathiftos in der theo-
logifchen, namentlich hymnographifchen Literatur der
Griechen, nachzuweifen fucht. Danach hat der Verfaffer
des Akathiftos auch Anleihen gemacht bei Andreas von
Kreta johannes von Damaskus, Tarafius von Konftantinopel
und Theodoros von Studion, und gehört danach nicht in
eine frühere Zeit als das achte und neunte Jahrhundert.
Freilich ganz überzeugend find für mich auch diefe Nach-
weifungen nicht. Es kann fleh in vielen Fällen um längft |
geprägte Ausdrücke handeln, die aus alter Zeit flammen. 1

Diefe Proben aus dem I. Jahrgang der Wisantis mögen
genügen. Wir wünfehen der Zeitfchrift guten Fortgang.

Hannover. Ph. Meyer.

Held, Hans Ludw., Buddha. Sein Evangelium u. feine
Auslegung. 1.—3. Aufl. (XVI, 359 S.) gr. 8°. München,
H. Sachs-Verlag 1911/12. M. 12 —

Der Verfaffer Hellt fleh in die Reihe derer, die be-
ftrebt find, ,mit der Liebe zur Wahrheit ausgerüftet, vom
ftrahlenden Lichte Buddhas zu zeigen, was die Macht
der anderen unter den Scheffel des Mißverftändniffes gezwungen
hatte'. Sein Buch will ,neben einer der älteften
Urkunden über das Leben und Wirken Buddhas vor
allem eine große Reihe von forgfältig geprüften Erklärungen
' bringen.

Welches ift diefe den älteften zugehörige Urkunde?
Man wird erwarten: Zeugniffe der kanonifchen Texte, fo
zu fagen der Evangelien des Buddhismus. Keineswegs!
Der Vf. greift vielmehr nach dem Buddhacarita, einem
Gedicht aus der Zeit um 100 n. Chr.: eine ftattliche Reihe
von Jahrhunderten jünger als jene Texte. Doch es fei!
Tun wir uns Gewalt an und nehmen wir dies Poem wirklich
als ,eine der älteften Urkunden' hin.- Nun werden
wir erwarten, daß der Vf., um diefe Urkunde doch
möglichft urkundlich zu geben, fie aus dem Sanskrit oder,
wenn er das nicht kann, aus der vortrefflichen Über-
fetzung Cowells ins Deutfche übertragen hat. Weit ge-
gefehltl Warum die Originalfaflung jenes Gedichts zu
Grunde legen, wenn es doch eine im 5. Jahrhundert n.
Chr. angefertigte chinefifche Überfetzung gibt — nein,
keine Überfetzung, fondern eine mehr als freie Bearbeitung
? Doch fei auch die, da wir einmal im Zuge find,
als alte Urkunde hingenommen. Wir dürfen ja doch vertrauen
, daß der Verfaffer uns nun wenigftens diefen Text
fo, wie er ift, aus dem Chinefifchen oder, wenn er kein
Chinefifch kann, aus Beals englifcher Überfetzung ins
Deutfche übertragen wird. Wiederum fehr weit gefehlt!
Der Vf. hat gemeint ,eine ganze Reihe von Stellen des
Originals im lntereffe der Sache felbft kürzen zu müffen';
vieles würde uns ja ,grotesk-komifch, wenn nicht fogar
lächerlich' erfcheinen, was ,dem gläubigen Mongolen' als
höchfle Offenbarung galt. Was aber fchließlich nach
diefer Entfernung des Grotesk-Komifchen, wenn nicht
gar Lächerlichen übrig geblieben ift: das wenigftens wird
uns der Vf. doch geben, wie es wirklich dafteht? Von |

neuem weit gefehlt! Er hat es fleh angelegen fein laffen,
der Sprache des Texts ein ,biblifches Gepräge' zu verleihen
, da wir ja doch nichts andres als religiöfen Stil
anerkennen können, als den Stil der Bibel und des
Zarathustra. Die preziöfen und parfümierten Zierlichkeiten
des Kunftdichters Asvaghosha oder feines chinefifchen
Bearbeiters traveftiert in der Sprache teils Luthers
teils Nietzfches —■ —

Göttingen. H. Oldenberg.

Sarfowsky, Dr. A., Keilfchriftliches Urkundenbuch zum Alten
Testament in Urfchrift zufammengeftellt, autographiert
und hrsg., m. e. Wörter- u. Eigennamenverzeichnis v.
Priv..-Doz. Dr. M. Schorr. I. Teil: Hiftorifche Texte.
(VII, 71 S.) Fol. Leiden, Buchh. u. Druckerei vorm.
E. J. Brill 1911. M. 20 —

Für den Keilfchriftkundigen, der mit einer kleinen
Bibliothek arbeiten muß, ift es oft mit großen Schwierigkeiten
verbunden, fich einen in irgend einer feltenen Ausgabe
veröffentlichten Originaltext zwecks Nachprüfung
zu verfchaffen. Diefer Übelfland hat Sarfowsky veranlaßt
, das in allerlei Publikationen zerftreute hiftorifche
Material, das die Keilfchriften zur Erläuterung des Alten
Teftamentes bieten, zufammenzuftellen. Er hat zu diefem
Zwecke die beften Textausgaben, die in Betracht kommen,
auf photographifchem Wege reproduziert, wobei im allgemeinen
nur die handfehriftlichen Bemerkungen der
Herausgeber in Druck umgefetzt wurden, z. T. mit kleinen
Änderungen oder auch Fehlern (vgl. Bab. Chron. I 9,
III 36). Nur wenige Texte find in einer von der Originalpublikation
abweichenden Weife wiederholt worden, lo
daß die verfchiedenen Handfchriften der Herausgeber
(bes. Abel, Delitzfch, Weißbach, Winckler) in
buntem Wechfel an dem Lefer vorüberziehen.

Ob die Schwierigkeiten bei diefer Art der Wiederholung
von Texten wirklich fo groß waren, wie der Verfaffer
angibt, möchte man bezweifeln. Überhaupt erfcheint
uns das Verfahren des Verfaffers nicht ganz einwandfrei:
fo werden die Amarnabriefe nach Abel-Winckler reproduziert
, obwohl Knudtzon vielfachTextverbefferungen
gegeben hat, die hier nicht einmal erwähnt werden. Wertvoller
wäre es jedenfalls gewefen, wenn die Texte nicht
einfach reproduziert, fondern neu herausgegeben worden
wären.

Dem Buche ift: ein Wörter- und Eigenamenverzeichnis
(in Auswahl) von M. Schorr beigegeben worden.

Jena. Arthur Ungnad.

Müller, Konrad: Die feit Renan üb. e. israelit. Urmonotheis-
mus geäußerten Anfchauungen disziplingefchichtlich dar-
gelteilt. Lic.-Diff. Breslau 1911. (100 S.) 8°.

Das vorliegende speeimen eruditionis Hellt die im
Titel genannten Äußerungen überfichtlich zufammen und
zeigt den Wandel, den die Begriffe ,Urmonotheismus' und
der noch mehr fchillernde ,Henotheismus' im Laufe der
Zeit durchgemacht haben. Die Studie iH disziplingefchichtlich
wertvoll, doch hätte der unklare, aber mit der zeit-
genöffifchen Religionsgefchichte verbundene Begriff des
,Polydämonismus' eine genauere Beleuchtung erfordert,
da er in der kritifchen Wiffenfchaft den ,Urmonotheismus'
verdrängt hat. Der Verfaffer befchränkt fich prinzipiell
auf die hifforifche Darffellung und referiert nur, ohne ein
Urteil zu fällen. Das iH durchaus dankenswert, da die
Hypothefe von dem .Urmonotheismus' der Vergangenheit
angehört. M. verfpricht aber einen zweiten fyflematifchen
Teil, in dem er die Behauptung eines israelitifchen Urmonotheismus
,kritifch unterfuchen, auf ihre Berechtigung
prüfen und in ihrer Bedeutung klarlegen' will. Ich würde
ihm raten, das Buch ungedruckt zu laffen und den guten