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Ausgabe:

1912 Nr. 20

Spalte:

630-631

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Kidd, B.J.

Titel/Untertitel:

Documents illustrative of the continental Reformation 1912

Rezensent:

Benrath, Karl

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629 Theologifche Literaturzeitung 1912 Nr. 20. 630

Lano-obarden zerftört wurde, nach Rom flohen und dort- 1 es mit der Ketzerei der Monophyflten im Reich zu tun.
hin den Kodex der heiligen Regel, die Benedikt zufammen- Auch nach fyrifchen Schriftftellern hat es damals noch
o-eftellt hatte mit genommen hätten. Nachdem 717 das an folchen kräftigen Gegenfätzen gegen die Kirche nicht
fclofter Monte Cafino von Abt Petronax wieder errichtet gefehlt. Gegen fie wurden nun die alten Beftimmungen
worden fei habe Papft Zacharias um 750 den Mönchen Juftimans wieder mobil gemacht (Stück 3 von 1030),
die Reo-el 'die der feliffe Vater Benedikt mit feinen hei- , auch eine Abfchwörungsformel bekannt gegeben, von der

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Händen gefchrieben habe, gefchenkt. Butler weift,
wie mir fcheint, mit Recht darauf hin, daß nach diefem
Bericht Paul Warnef rids die Mönche lediglich ein Exemplar
der Regel, die Benedikt zufammengeftellt hatte, nicht
den Kodex der Rege, den Benedikt gefchrieben hatte,
mit nach Rom genommen haben. Erft das von dem
Papft Zacharias dem wiedererrichteten Klofter gefchenkte
Exemplar galt als Autograph des Heiligen. Ob die ältefte
Textform mithin wirklich der Autograph Benedikts war,
fteht dahin, nur die Vorftehev der päpftlichen Bibliothek
hielten fie um 750 dafür —- In feiner Ausgabe der Regel
fucht nun Butler den ät-eften Text der Regel wiederher-
zuftellen, indem er 6 Codices der erften Textform zu
Grunde legt, aber auch 3 Codices der zweiten Textform,
die nach ihm auch bis ins 6. Jahrhundert zurückgeht, heranzieht
. Butler konnte dabei die wertvollen Kollationen
der verfchiedenen Codices benutzen, die Plenkers für
feine Ausgabe der Regel Benedikts im Wiener Corpus
der lateinifchen Kirchenväter gemacht hat. Nur hat Butler
eine, wie er es nennt, kritifch-praktifche Ausgabe der
Regel veranftaltet, d. h. feine Ausgabe foll nicht nur den
kritifchen Anforderungen genügen, fondern auch praktifch
für den heutigen Gebrauch in den Benediktinerklöftern
geeignet fein. Diefe beiden Gefichtspunkte kreuzen fleh
aber, denn Butler bietet in feiner Ausgabe nicht die Urform
der Regel, das Vulgärlatein, in dem Benedikt fchrieb,
fondern die klaffifchen Wortformen. Ich bedaure dies, da
die Ausgabe mit außerordentlichem Fleiß und Gefchick —
ich wüßte kaum eine Stelle, wo ich eine andere -Lesart
bevorzugen würde — gemacht ift. Wertvoll find auch
die patriftifchen Stellen, die unter dem Text angegeben
find. Sie find teils die Quellen, die Benedikt benutzt,
teils enthalten fie Sachparallelen und dienen zum befferen
Verftändnis der einzelnen Verordnungen. In einem Ab-
fchnitt ,Lectiones selectae' hat Butler die Lesarten der
verfchiedenen Codices und die Abweichung feines Textes
vom textus reeeptus zufammengeftellt. Dem praktifchen
Zweck feiner Ausgabe dient die Zufammenftellung des
Inhalts der Regel unter dem Titel ,Mark der Regel', die
er für feine Novizen gemacht hat'.

Heidelberg. G. Grützmacher.

Erlafle des Patriarchen v. Konltantinopel Alexios Studites.

Veröffentlicht v. Gerh. Ficker. (Feftfchrift der Uni-
verfität Kiel zur Feier des Geburtsfeftes Sr. Maj. des
Kaifers u. Königs Wilhelm II.) (58 S.) gr. 8°. Kiel,
Lipfius & Tifcher 1911. M. — 60

Der Herr Verfaffer veröffentlicht aus Photographien
der griechifchen Handfchrift R. I. 15 der Klofterbibliothek
des Eskorial, saec. XII, fünf Erlaffe des tüchtigen öku-
menifchen Patriarchen Alexios Studites (1025—1043).
Jeder Urkunde wird eine knappe aber inhaltreiche hifto-
rifche Einleitung vorangefchickt. Der Text ift nicht einfach
abgedruckt, fondern, wo Fehler vorlagen oder die
Schreibweife von der unfrigen abwich, korrigiert, die
Korrektur in den Fußnoten angezeigt. Vielleicht hätte
es fich empfohlen, den Text unverändert zu laffen. Die
meiften zur Emendation veranlaffenden Stellen muten fo an,
als ob fie auch im Original geftanden hätten, was bei
der guten Textüberlieferung befonders möglich ift. Die
etwa vorzufchlagenden Verbefferungen konnten dann
unter dem Text bemerkt werden.

Die beiden erften Erlaffe bewegen fleh um den disziplinierten
Metropoliten von Karien. Die übrigen haben

der Schreiber des KodrR. I. 15 aber nur die Unterfchriften
konferviert hat (Stück 4). Die letzte Synodalentfcheidung
von 1040 geht auf die Mifchehen zwifchen Orthodoxen
und Häretikern.

Im dankenswerten Streben nach Vollftändigkeit fügt
Verfaffer in einem Anhang noch den genauen Nachweis
über die fchon gedruckten Erlaffe des Alexios an und
faßt am Ende den aus den Erlaffen gewonnenen Eindruck
dahin zufammen, ,daß das Leben in der griechifchen Kirche
in jener Zeit viel reicher, mannigfaltiger und bedeutender
gewefen ift, als es die dem Hochmut des Abendlandes
geläufige Anfchauung von der Stagnation des kirchlichen
Lebens im byzantinifchem Reich Wort haben will'. Ganz
einverftanden.

Hannover. Ph. Meyer.

Kidri, B. J., DD.: Documents illustrative of the Continental
Reformation. (XIX, 743 S.) 8°. Oxford, Clarendon
Press 1911. s. 12.6

Die durch Gee und Hardy 1896 veröffentlichte fehr
nützliche, aber in Deutfchland faft ganz unbekannt gebliebene
Sammlung von Dokumenten zur englifchen Kir-
chengefchichte, hat nun durch Kidd ein Gegenftück erhalten
, das fich auf die Gefchichte der Reformation auf
dem Kontinent erftreckt, dabei Schottland einbezieht, dagegen
Italien und Spanien unberückfichtigt läßt. Wie
feine Vorgänger bietet auch Kidd eine Sammlung dar,
welche bei kirchengefchichtlichen Vorlefungen und femi-
nariftifchen Übungen die ausfchlaggebenden Quellennachweife
an die Hand geben foll, und in hohem Maße hat
er diefen Zweck erreicht. Wir haben in Deutfchland
nichts Ähnliches; Mirbts ,Quellen' konnten natürlich nur
eine kleine Auswahl bieten, und wenn die Lietzmannfchen
.Kleinen Texte' auch neben ihren Nummern 21, 50—51 u-a-
noch weitere Dokumente aus der Reformationszeit bringen,
fo kann doch bei der dort gebotenen Vereinzelung gerade
das nicht erreicht werden, was die vorliegende Sammlung
auszeichnet, nämlich die Fülle, Gefchloffenheit und Einheitlichkeit
, in welcher das Material vorgelegt wird. Es
find im ganzen 351 .Documents' — aber diefer Begriff ift
recht weit gefaßt, fo daß z. B. auszugsweife Schriften
Luthers wie die ,An den Adel' in Überfetzung und ,De
captivitate babylonica' lateinifch mit eingereiht find.
Daß die deutfehe und die fchweizerifche Reformations-
gefchichte den Löwenanteil davontragen, überrafcht nicht;
auffallend fpärlich, ja ungenügend find die Niederlande
vertreten — nur durch drei Nummern, von denen die
erfte die Charakterifierung Philipps II. durch einen vene-
tianifchen Gefandten vom Jahre 1559, die zweite eine Lifte
der unter demfelben Könige neugegründeten Bistümer
und die dritte einen (I) Artikel — nämlich n. 37 De Magistrat
— aus der Confessio Belgica abdruckt. Wenn
man an die Fülle bedeutfamer Dokumente denkt, welche
Fredericq für die Niederlande vorlegt, fo erfcheint diefe
Befchränkung, die der Anfänge der dortigen Reformation
gar keine Erwähnung tut, geradezu als unverftändlich.

Übrigens hat der Herausgeber als erfahrener Lehrer
fehr wohl erwogen, daß auch die vollftändigfte und beft-
geordnete Dokumentenfammlung nur teilweife den be-
abfichtigten Zwecken dienen wird, wenn man nicht einen
gewiffen Zufammenhang des Dargebotenen herftellt und
wenn nicht dem, der die Sammlung benutzt, Auskunft
über die Fundftellen gegeben wird. Um diefes Zwiefache
zu erreichen, hat er bei jeder einzelnen Gruppe — deren
45 umfaßt die .lutherifche', 33 die .reformierte' Bewegung