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Ausgabe:

1912 Nr. 19

Spalte:

594-595

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Ernst, Victor

Titel/Untertitel:

Die Entstehung des württembergischen Kirchenguts 1912

Rezensent:

Mueller, Karl

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Theologifche Literaturzeitung 1912 Nr. 19.

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fpanifchen Archiven zu berichten. Inzwifchen ift zu dem
dort erwähnten Material nicht allein das Riefenwerk der
Görresgefellfchaft weiter gerückt, fondern es liegt auch
der 3. Band des von Sufta im Auftrage der hiftorifchen
Kommiffion der Wiener Akademie herausgegebenen
Werkes vor — Publikationen, welche dem Ziele fchon

Provifionen und Subventionen der Bifchöfe oder die Ge-
treideverforgung der Stadt durchgeführt wird — alles
wird unter Berückfichtigung neuer Spezialunterfuchungen
feftgeftellt.

Und wie in dem erften, fo entfaltet fich weiter im
zweiten und dritten Bande eine Fülle von teilweife neuen

bedeutend näher führen. Informationen zur äußeren und inneren Gefchichte des

Von dem vorliegenden Werke wird man nicht reden
wollen, ohne des Gelehrten zu gedenken, welcher den
Anftoß zu feiner Herftellung gegeben und es mit Rat
und Tat gefördert hat, bis der Tod — während der
zweite Band in Druck war — ihm die Feder aus der
Hand nahm, nämlich Theodor von Sickel. Seit diefer zum
Direktor des auf feinen Antrieb hin gegründeten Instituto
Austriaco in Rom ernannt worden war, hat er dem Werke
alle Kraft gewidmet, wie er denn auch fchon in feinen
Beiträgen ,Zur Gefchichte des Trienter Konzils' wertvolle
Vorarbeiten veröffentlicht hatte. Daß fein Nachfolger in
der Leitung des ,Instituto', Hofrat Paftor, wie ihm das

Konzils. Dabei bringen denn auch diefe Bände Akten
zur Entftehungsgefchichte der Dogmen in der Legaten-
korrefpondenz und aus anderen Quellen. Übrigens wird
da der Forfcher immer auf die Publikation der Görresgefellfchaft
angewiefen fein, die ja in 1911 mit zwei neuen
Bänden ,Diaria' und ,Acta' hervorgetreten ift und feitens
deren ein Band .Epistolae' der baldigen Veröffentlichung
entgegen geht. Oder er wird zunächft aus Teilveröffentlichungen
fchöpfen müffen, wie den von Grifar 1886 publizierten
.Disputationes Tridentinae' des Jefuiten Lainez
über die grundlegende Frage nach dem Verhältniffe der
päpftlichen Gewalt zu den übrigen kirchlichen Autoritäten.

hier in der Einleitung zum 2. und 3. Bande dankend be- 1 Was in unferem Quellenwerke fich von zum Teil Neuem
zeugt wird, ebenfalls dem Gegenftande Intereffe und j findet, bezieht fich auf die von Spaniern angefchnittene
Förderung angedeihen läßt, ift felbftverftändlich — wird j Refidenzfrage, auf die Frage der,Kontinuation'der Seffionen
er doch in der weiteren Fortführung feiner Gefchichte der j des Konzils, befonders aber auf die nach der Geftattung
Päpfte eine dem gegenwärtigen Stande der Vorarbeiten . des Laienkelchs, welche Kaifer Ferdinand mit allen Kräften

entfprechende Gefchichte des Konzils in abfehbarer Zeit
zu liefern haben.

Übrigens ift von Sickel auch direkt an dem Werke
mit beteiligt: er hat die ,Vorrede' dazu gefchrieben (Bd.

I in_XXII), in welcher der für die Gefchichtsforfchung

fo bedeutfamen Tat Leos XIII., der Öffnung des vati-
kanifchen Archives, eingehend und unter Dankfagung an
den damals (Sept. 1903) bereits verdorbenen Papft gedacht
wird. Daneben ift von Sufta felber den Aktenftücken
des I. Bandes eine umfangreiche ,Einleitung' (S. XXV—
LXXXII) vorangefchickt, aus der fich bereits die Anordnung
des umfangreichen zum größten Teile dem vati-
kanifchen Archiv entnommenen Stoffes ergibt. Das Ganze

durchzufetzen fuchte. Daß bezüglich diefer Frage die
Nuntiaturberichte, welche Steinberg herausgegeben hat,
immer mit in erfter Reihe zu konfultieren find, fteht dem
Fachmann von vornherein feft und wird auch durch die
Zahl der Verweifungen auf deren Ausgabe bei unferm
Werke beftätigt.

Zum Schluß noch ein Defiderium. Es hat fich bei
großen Publikationen, die aus den verfchiedenften handschriftlichen
und gedruckten Quellen und Bearbeitungen
fchöpfen, bereits eingebürgert, daß eine Lifte derfelben
beigefügt wird. Sollte es nicht angängig fein, dem bei
der Weiterführung diefes bedeutenden Werkes, das wir
Sufta verdanken, Rechnung zu tragen?

ift in je zwei Hauptteilen untergebracht: .Akten' und .Beilagen
' — fo find die Abteilungen in allen drei Bänden über- Königsberg. Benrath,
fchrieben. Jene beftehen im wefentlichen aus der anläßlich
des Konzils geführten Korrefpondenz des Staatsfekretärs
(.proposte') mit den Legaten und deren .risposte' und mit
Andern. Es zeigt fich da, daß der Papft in feinem Neffen
einen ausgezeichneten Vertreter der kurialen Intereffen
o-efunden hatte, trotz deffen Jugend, die 1561 noch nicht
das kanonifche Alter erreicht hatte. Die .Beilagen' geben
dazu ergänzende Materien verfchiedener Provenienz, aus
den Sammlungen in Wien, Neapel, Modena u. a., zumeift

Ernit, Victor: Die Entltehung des württembergifchen Kirchenguts
. (Sonderdr. aus: ,Württ. Jahrb. fürStatiftik u.Landeskunde
1911'.) Stuttgart, W. Kohlhammer 1912. (50 S.)
4°- M. 1 —

Die altwürttembergifche Landeskirche hatte vor denen
aller anderen deutfchen Territorien A.K. die Eigentümlichkeit
voraus, daß für das Kirchengut nicht nur eine
allerdings aus "dem unermeßlichen Baffin des Vatikanifchen örtliche, fondern eine zentrale Organifation beftand die

Archivs. Der Herausgeber ift mit reichlichen Anmer- von Herzog Chriftoph fchon in den erften Jahren feiner
kungen überall zur Hand. Er kennt die Einzelprobleme, , Regierung (1550—1568) gefchaffen, das ganze Land um

wie 'fie fich dem Spezialforfcher im Bereich der Zeit-
o-efchichte Hellen, und dient dem Lefer vielfach mit Wegweifuno
- aus feiner genauen Kenntnis der Literatur und
des neuen Materials heraus, wie eine fo intenfive Spezial-
arbeit an hervorragender Stelle fie an die Hand gibt.
So z B im 1. Bande da, wo es fich um die Bemühungen

faßte. Die Gefchichte diefes Kirchenguts ift in den letzten
Jahren von verfchiedenen Seiten angefaßt worden. Nach
älteren Arbeiten hat H. Hermelink in den Würt't. Jahrb.
für Statiftik und Landeskunde 1903 fie lediglich in wif-
fenfchaftlichem Intereffe unternommen. Wie fich dann
aber die Regierung an die Aufgabe einer finanziellen

zu

des Nuntius Delfino handelt, den nach Deutfchland hin- , Auseinandersetzung zwifchen Staat und Kirche machte,
übergegangenen Bifchof Vergerio zum Erfcheinen in erhielt er den Auftrag, die gefchichtlichen Vorarbeiten
Trient und damit zur Rückkehr in die kathohfche Kirche | dazu zu liefern, die jetzt, wie man hört, abgefchloffen find.

Inzwifchen hat V. Ernft, Profeffor u. Kollegialrat am
ftatiftifchen Landesamt, in einer wiederum privaten Arbeit
die Gefchichte der Entftehung des Kirchenguts zu fchreiben
unternommen und im Hinblick auf die bevorftehende
praktifche Aufgabe ihre Veröffentlichung befchleunigt
Ein ungemein reichhaltiges, faft ganz handfchriftliches
Material ift dabei zufammengetragen und überfichtlich
in fo knapper Darfteilung verarbeitet, daß es unmöglich
ift, hier Auszüge zu geben. Zunächft wird ,das Erbe
des Mittelalters' dargeftellt, eine Überficht über alle Arten
von Stiftungen und Pfründen des Landes. Dann folgt die
Zeit der rückfichtslofen Einziehung der Kirchen- und

bewegen (vgl S. 35 u. ö.); oder wo die Einfprache
von fünf fpanifchen Bifchöfen gegen die einleitende Formel
.proponentibus legatis' behandelt wird (S. 165); oder wo es
fich um den Wunfeh des Herzogs Wilhelm von Cleve
handelt, für feine zu errichtende Üniverfität Duisburg die
päpftliche Genehmigung zu erlangen (f. Regifter unter
.Cleve'). Daneben wird unfer Wififen über Perfonen, die
hier eine Rolle fpielen, wie z. B. den Cardinal Seripando
ergänzt, wenn da auch lange nicht das geboten werden
konnte, was jetzt Merkle im 2. Bande der Diarien des
Konzils niederlegt. Die äußeren Verhältniffe, unter denen
das Konzil zufammenkommt und tagt, bis auf folche

Fragen, wie die Geldzahlung an die Legaten für alle die | Kloftergüter unter Herzog Ulrich, "endlich die Arbeit