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Ausgabe:

1912

Spalte:

584-585

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Bennett, W. H.

Titel/Untertitel:

A biblical Introduction. New Testament by A 1912

Rezensent:

Bauer, Walter

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Theologifche Literaturzeitung 1912 Nr. 19.

584

the words of Isaiah from the additions of later writers
nennt der Verf. the political and social implications, style
and language, ideas; aber er weiß felbft fehr wohl, wie
unficher oft der Text und wie unzureichend unffe hifto-
rifchen Detailkenntniffe find, um zu einer Sicherheit oder
auch nur zu einer an Sicherheit grenzenden Wahrfchein-
lichkeit zu gelangen. Über das Zeitalter des Propheten
in politifcher und fozialer Hinficht war Neues nicht zu
fagen; die Darftellung ift im Wefentlichen mit Hilfe
deutfcher Arbeiten gegeben. Nur wenige englifche bzw.
amerikanifche Abhandlungen, die zum Teil uns nicht
leicht zugänglich fein dürften, werden zitiert. Der Ab-
fchnitt § 74 fr. Isaiah as prophet and teacher gibt eine
.Theologie' des Propheten, die fich zum Schluß mit Greß-
mann auseinanderfetzt. Des letzteren Kanon, daß als
einzig berechtigtes Kriterium zur Leugnung der Echtheit
eines eschatalogifchen Abfchnittes die in ihm vorausgefetzten
zeitgefchichtlichen Verhältniffe anzufehen feien,
wünfcht er eingefchränkt zu fehen dahin, daß in folchem
Falle, wo die Zeitverhältniffe not inconsistent with the
age of Isaiah feien, nur erft die Möglichkeit der Echtheit
vorliege. Von befonderem Intereffe war mir der Ab-
fchnitt über LXX, S. XXVI ff. Gray verweift auf die Un-
ficherheit des griechifchen Textes, ohne Frage mit Recht.
Ohne einen feftftehenden Text ift auch nach feiner. Anficht
eine Unterfuchung der Eigentümlichkeiten der Über-
fetzung, hier des Jefaias-Buches, nicht durchzuführen. Das
möchte ich fchon eher bezweifeln. Diefe Arbeit ift in
gewiffen Grenzen doch durchführbar. Nur ift fie, wie ich
aus Erfahrung fagen kann, enorm fchwierig, und garnicht
feiten — darin muß ich ebenfalls widerfprechen — ift es
m. E. unmöglich, mit einiger Sicherheit den zugrunde
liegenden hebräifchen Text zu ermitteln.

Selbftredend fehlt nicht eine Zeittafel und fehlen auch
nicht geographifche Skizzen. In diefer Hinficht könnten
wir, nebenbei gefagt, von unfern Vettern lernen. Weder
Martis noch Nowacks Kommentar zu den kleinen Propheten
bieten eine Kartenfkizze von Vorderafien und
Ägypten, die — man denke nur an Arnos, Micha, Na-
hum — dem ftudentifchen Benutzer fehr heilfam fein
möchte. Aus den mancherlei Bemerkungen, die ich zum
Kommentar zu machen hätte, greife ich die wenigen
folgenden heraus: die Echtheit von 2,2—4 wird heute
nicht nur von Duhm feftgehalten; es mehren fich hierfür
die Stimmen: Bertholet, Greßmann, Sellin. In demfelben
Kapitel fcheinen — und zwar nicht nur mir — die zwei
Gattungen von Kehrverfen auf zwei verfchiedene Gedichte
zu deuten: v. 11 —17 und v. 6—10+ 18—21. c. 17,
12—14 hält Gray für echt; es müßte die Echtheit hier
doch mindeftens in dubio bleiben.

Allein diefe und andere Differenzpunkte follen dem
obigen Gefamturteil keinen Abbruch tun.

Königsberg (Pr.). Max Lohr.

Revue des Etudes Juives. Publication trimestrielle de la
Societe des Etudes Juives. Tome LXIII. No. 125.
Janvier 1912. (160 S.) gr. 8°. Paris, Durlacher.

'Im Jahre 1880 entftand in Paris auf Anregung des
unvergeßlichen Grand-Rabbin Z a d o c K a h n die Societe des
Etudes Juives, die fich als hauptfächliche Aufgabe die
Begründung einer alle Zweige der Wiffenfchaft des Judentums
umfaffenden Zeitfchrift Hellte. Schon im Juli desfelben
Jahres erfchien das erfte Heft, diefer Zeitfchrift, welche
unter dem Titel: Revue des Etudes Juives zu der vor-
nehmften und reichhaltigften Sammelftätte für die das
Judentum, feine Gefchichte und Literatur betreffenden
Forfchungen geworden ift, zuerft unter der zielbewußten
und fachkundigen Leitung Isidore Loeb's, nach deffen
Tode (1891) Israel Levi die Redaktion übernahm und
mit glücklicher Hand bis auf den heutigen Tag weiterführt
. Außer der Monatsfchrift für die Gefchichte und
Wiffenfchaft des Judentums war noch keiner jüdifchen Zeitfchrift
diefer Art eine fo lange Dauer befchieden. Die
Revue des Etudes Juives erfcheint vierteljährlich; je zwei
Hefte bilden einen Band (von 320 Seiten); das hier vorliegende
125. Heft eröffnet den 63. Band und ift vermöge
feines Inhaltes befonders geeignet, eine Vorftellung
von dem Charakter und Reichtum der in der Revue er-
fcheinenden Arbeiten zu geben. Bevor ich den Inhalt
des Heftes kurz fkizziere, erwähne ich, daß zu den erften
fünfzig Bänden der R. d. jj.. J. im Jahre 1910 ein .Index
alphabetique' erfchienen ift. Es ift dies ein ftattlicher
Band von 430 doppelfpaltigen Seiten, die ein General -
regifter zu Bd. I—L enthalten: eine bewundernswürdige
Leiftung, die als unentbehrliches Hilfsmittel für die wiffen-
fchaftliche Arbeit auf diefem Gebiete bezeichnet werden
kann und durch gefchickte Einrichtung allen Erforder-
niffen eines folchen Regifters gerecht wird. Der Artikel
Bibel, unter dem auch die einzelnen Bibelftellen nach der
Reihenfolge der Bücher angegeben find, umfaßt 94 Spalten
. — Das vorliegende Heft bringt zum Teil Fortfetzungen
der in früheren Heften begonnenen Abhandlungen. Solche
Fortfetzungen find: die Unterfuchung Isr. Levis über die
von Schechter entdeckte und edierte faddukäifche Schrift
aus der Zeit der Zerftörung des Tempels; die hier zu Ende
gefühi'te Arbeit A. Büchlers: La purete lejvitique de Jerusalem
et les tombeaux des Prophetes (durch die ein neues
Licht auf die Worte Jefu in Matth. 23,29L Lukas 11, 17
fällt); die ebenfalls hier fchließende und im LV. Bande begonnene
, für die Gefchichte der Juden in Südfrankreich viel
Neues bietende Arbeit über die Verhältniffe der Juden in
Narbonne vom fünften bis zum vierzehnten Jahrhundert,
von J. Regne. M. Schwab fetzt fein Verzeichnis der
im Befitz des Parifer ifraelit. Confiftoriums befindlichen
ungemein zahlreichen Geniza-Fragmente fort. Eine Studie
von M. Liber .Hanoucca et Souccot' ift ein Beitrag zum
Verftändnis von II. Makkab. 10, 6—8. A. Schwarz gibt
eine neue Erklärung zu einer Angabe der ,Faftenrolle' in
dem Auffatze: ,La victoire des Phariseens sur les Saduceens
en matiere de droit successoral'. S. Krauß: Un fragment
polemique de la Gueniza, publiziert mit Überfetzung und
Erläuterung ein arabifches Bruchftück, das gleich dem
von R. Gottheil in den ,Melanges Hartwig Derenbourg'
herausgegebenen Bruchftücke zu der im Jahre 1880 von
Schloßberg edierten ,Controverse d'un eveque' gehört. Kleinere
Artikel betreffen Bibelftellen (eine originelle Erklärung
von Elias Fink zu Lev. 11,20,23), Liturgie (über ein
paläftinenfifches Ritual des Paffah-Abends aus vortalmu-
difcher Zeit, von V. Aptowitzer), Midrafchliteratur (Israel
Levi über einen Abfchnitt der Pefikta), Der bibliogra-
phifche Teil des Heftes bringt, außer der Fortfetzung der
bibliogr. Überficht der in den Jahren 1909 und 1910 er-
fchienenen Schriften, eine Befprechung M. Libers über
eine Biographie des im Eingang erwähnten Zadoc Kahn
(von Julius Weill) und eine eingehende Kritik von A.
Marmorfteins Religionsgefchichtlichen Studien vom Unterzeichneten
.

Budapeft. W. Bacher.

Ben nett, Prof. W. H., M. A., D. D., Litt. D., and Walter
F. Adeney, M. A., D.D.: A biblical Introduction. New

Teftament by A. (VIII u. S. 275—478.) 8°. London
Methuen & Co. (1911). s. 3.6

Adeneys Einleitung in das Neue Teftament ift für
Laien beftimmt, die weder mit der Urfprache des NTs
eingehend vertraut noch kritifch gefchult find. Die Probleme
werden daher mit Auswahl erörtert und die gelehrten
Autoritäten nicht fämtlich vorgeführt. Doch hofft
Verf. alles für feine Lefer Wichtige vorgebracht zu haben
und fügt feinem Buch eine für fein Publikum immerhin
recht reichhaltige Literaturüberficht bei. Was Adeney
bietet ift .fpezielle' Einleitung. Textgefchichtliche Ausführungen
fehlen ganz, kanonsgefchichtliche fo gut wie
völlig. Der Standpunkt ift der einer fehr gemäßigten