Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1912

Spalte:

545-549

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Weißbach, F. H.

Titel/Untertitel:

Die Keilinschriften der Achämeniden, bearbeitet 1912

Rezensent:

Streck, M.

Ansicht Scan:

Seite 1, Seite 2, Seite 3

Download Scan:

PDF

Theologische Literaturzeitung

Begründet von Emil Schürer und Adolf Harnack

Fortgeführt von Professor D. Arthur TitiUS und Oberlehrer Lic. Hermann Schuster

Jährlich 26 Nm. Verlag: J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung, Leipzig Halbjährlich 9 Mark

Manufkripte und gelehrte Mitteilungen find ausfchließlich an
37 TpbrP" NT" 13 ProfeflbrD. Titius in Göttiugen, Nikolausberger Weg 66, zu fenden. 3l ÄnCni«t 1 Ql O

0/.UdIli.g. AVA. At» Rezenfionsexemplare ausfchließlich an den Verlag. OL AUgUÖL A

Weißbach, Die Keilinfchriften der Achämeni-

den (Streck).
Guthe, Bibelatlas (L. Köhler).
Breuer, Die fünf Megilloth. 4. Tl: Koheleth

(Lohr).

EvazQaziäSijq, Ebayyeliov MaQtaq zrjq

IlaXaioloyivaq (Gregory).
Drews, Die Chriftusmythe. Zweiter Teil (M.

Dibelius).
Smith, Ecce Deus (Derf).
Dunkmann, Der hiftorifche Jefus, der mytho-

Clemen, Der gefchichtliche Jefus (Derf.).
Mausbach, Die Ethik des hl. Auguftinus
(Scheel).

Schoo, Die Quellen des Kirchenhiftorikers

Sozomenos (Loefchcke).
Leskien, Zur Kritik des altkirchenflavifchen

Codex Suprasliensis (Trautmann).
Spam er, ■ Texte aus der deutfchen Myflik des

14. u. 15. Jahrhunderts (O. Clemen).
Bibliotheca Reformatoria Neerlandica. VII (W.

~ I^gimhe'chritos und Jefus der Chrift (Derf.). | K^|e^hoses anciennes et „ouvelles (Lobftein).
Virolleaud, Die Chnfluslegende P^X . ! Rudolf' Ehlers. Lebensbild aus feinen Briefen
Hoyer, GriechifcherPhilofoph u. gefchichtlicher < * {.g"JJufter)

Heiland (Derf.). I '' _, , ... .. , T, ,. .
Brepohl Die Wahrheit üb. Jefus v. Nazareth j Baltzer, Im Kampfe um perfonhche Religion
(Derf.). ' | (Scheibe).___

Cornils, Theologie. Einführung in ihre Ge-
fchichte, Ergebniffe u. Probleme (Heinzelmann).

Wernle, Einführung in das theologifche Studium
. 2., verb. Aufl. (Eck).

Fritfch, Friedrich Paulfens philofophifcher
Standpunkt (Kowalewski).

Derfs, Paffiflora (Thimme).

Benfer, Das moderne Gemeinfchaftschriftentum
(Fleifch).

Referate: Stein, Die Schrift des Lebens. —
O ppel, Das Hohelied Salomonisu. die deutfche
religiöfe Liebeslyrik. — Talmud babyloni-
cum codicis hebraici Monacencis 95. 1. Hälfte.

Mitteilungen: (21) Epifoden des Alexanderromans
in chriftlicben Texten.

Wichtige Rezenfioneu. — Xeuefte Literatur.

Weißbach. F. H.: Die Keilinfchriften der Achämeniden,

bearbeitet. (Vorderafiatifche Bibliothek. 3. Stück.)
(LXXXIV, 16b S.) 8°. Leipzig, J. C. Hinrichs 1911.

M. 7.50; geb. M. 8.50

Die wiffenfchaftliche Verwertung der offiziellen Keilinfchriften
der Achämenidenkönige war bisher ziemlich
unbequem. Es fehlte an einem Kompendium, in dem alle
zur Zeit bekannten und ziemlich verftreuten Urkunden
diefer Art, und zwar in der Textgeltalt fämtlicher drei
Verfionen, überfichtlich vereinigt und in zuverläffiger, dem
gegenwärtigen Stande der Wilfenfchaft entfprechender
Umfchrift und Überfetzung dem Studium zugänglich waren.
Diefem wirklich lebhaft empfundenen Bedürfniffe hilft die
als 3. Stück der Vorderafiatifchen Bibliothek erfchienene
Bearbeitung von Weißbach in der vortrefflichften Weife
ab. W. war zur Übernahme einer folchen Aufgabe wohl
unter allen Keilfchriftforfchern am beften legitimiert, da
er neben einer gediegenen affyriologifchen Ausrüftung
auch feit langem die Durchforfchung der altperfifchen und
elamifchen Sprache und Literatur und der vielfachen damit
zufammenhängenden Probleme zu feiner fpeziellen Domäne
gemacht und fchon eine Reihe gründlicher Arbeiten darüber
veröffentlicht hat.

Die in diefem Bande mitgeteilten Texte find diejüngften
von Könio-en herrührenden, offiziellen Dokumente in Keil-
fchrift. Darius I., Xerxes L und Artaxerxes I. und II

entfchieden zu fein. Als Anhang I erhalten wir außerdem
noch die Auffchriften von 5 altperfifchen Siegeln von
Privatperfonen, als Anhang II den babylonifchen Tonzylinder
des Antiochus I. Soter, die fpätefte, bisher bekannt
gewordene keiiinfchriftliche Königsurkunde.

Leider konnte W. den epochemachenden Papyrusfund
von Elefantine nicht mehr benützen. Unter diefen aus
dem 5. Jahrh. v. Chr. Rammenden Schriftdenkmälern find
auch Bruchftücke einer aramäifchen Verfion der großen
Behistün (Bisutün)-Infchrift aufgetaucht. Der aramäifche
Text lehnt fich ziemlich eng an die altperfifche Vorlage
an, ift aber z. T. abgekürzt und bietet auch fonft einige
Abweichungen. Papyr. 61, 62, 63 a—c enthalten den Text
von Behistün § 14, i8(f), 27—32, 37—48, 55—68. Dazu
gefeilen fich noch eine Reihe weiterer nicht zu verifizierender
Fragmente. Es handelt fich bei diefer aramäifchen
Überfetzung wohl ficher um eine amtliche Arbeit, und wir
empfangen durch fie eine willkommene Beftätigung der
Angabe von Behistün § 70, derzufolge die Perferkönige
den Inhalt ihrer Felsinfchriften in allen Teilen ihres großen
Reiches durch in den verfchiedenen Landesfprachen abgefaßte
Abfchriften bekannt machten. Unter den Ele-
fantine-Papyri kam als eine weitere Achämenidenurkunde
auch der Reft eines Briefes (Pap. 70 B) zum Vorfchein;
man f. die hier • einfchlägigen Nummern der Elefantine-
Sammlung in den Ausgaben von Sachau, S. 187—207 und
Ungnad, S. 84—97. Als dritte Gattung von Achämeniden-

ließen faft alle ihre Infchriften in den 3 Hauptfprachen i texten wären dann noch die hieroglyphifchen zu nennen,

... r 1 T?l__-IT,. T, A CA •/V.L. T)L,.l IIA-.1-, A < /x von WT___1____, - 1 /- 1 , ■ , , M° J 1 . .. - „ .. '

ihres Reiches (Altperfifch, Elamifch, Affyrifch-Babylonifch)
in der Weife aufzeichnen, daß die drei Faffungen unmittelbarneben
oder unter einander zu ftehen kamen. Die
erhaltenen Infchriften des Artaxerxes III. find nur m alt-
perfifcher Schrift und Sprache redigiert. Kyrus I. ift der
einzige Perferkönig, von dem wir einfprachige, babylomfch

gefchriebene Urkunden befitzen, namhch den überaus j licner Vollftändigkeit alle erfchienenen Publikationen

die von W. unberückfichtigt gelaffen wurden; diefe follen
demnachft von Burchardt in der Zeitfchrift für ägyptifche
Sprache behandelt werden.

In der ausführlichen Einleitung orientiert W. im 1.
Kapitel erfchöpfend über das bisher bekannt gewordene
infchriftliche Material und verzeichnet mit größtmög

wichtigen Tonzylinder mit dem Berichte von der Eroberung
Babylons und eine aus Uruk (bibl. Erekh) flammende
Backfteinlegende. Ob die Trilinguis von Murghäb von
Kyros dem Jüngeren herrührt, was W. für wahrfcheinlich
hält (f. S. XXVIII, LXVIIff.) oder, wie man bisher meift
angenommen hat, von dem älteren Kyrus, der fonft nur

Wenn fich trotzdem dazu noch eine kleine bibliographifche
Nachlefe halten läßt, fo darf dies angefichts der argen
Zerfplitterung der einfchlägigen Literatur nicht verwundern.
Man vgl. die wenigen Nachträge von Bezold in Zeitfchr.
f. Affyriol. XXV 390 (wo übrigens auch 2 von W. S.
LXXV felbft fchon nachgetragene Editionen notiert find!).

durch die 2 erwähnten babylonifchen Texte vertreten ift, Bezold liefert ebenda, S. 389 auch eine für die Benutzung

diefe Frage fcheint mir, fo viel auch für die Anficht W.s des W.'fchen Werkes recht brauchbare Konkordanz

fpricht, dennoch durchaus nicht definitiv zu deren Gunften zwifchen feiner eigenen Ausgabe der babylonifchen

545 546