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Ausgabe:

1912

Spalte:

513-514

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Gilbert, Otto

Titel/Untertitel:

Griechische Religions-Philosophie 1912

Rezensent:

Wendland, Paul

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Seite 1

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Theologische Literaturzeitung

Begründet von Emil Schürer und Adolf Harnack

Fortgeführt von Professor D. Arthur TitiuS und Oberlehrer Lic. Hermann Schuster

Jährlich 26 Nm. Verlag: J. C. HinrichsTche Buchhandlung, Leipzig Halbjährlich 9 Mark

Manuflcripte und gelehrte Mitteilungen find ausfchließlich an

37. Jahrg. Nr. 17 ™^rS£^£™^^^FZ%%atmie*- 17. August 1912

Gilbert, GriechifcheReligions-Philofophie (Paul
Wendland).

Strothmann, Das Staatsrecht der Zaiditen

Loisy, Jesus et laTradition eVangelique(Wernle).
Weiß, Jefus im Glauben des Urchriftentums
• v.uuibuu, j^co (ßouflet).

(Horten). ! Koch, Die Abfafitmgszeit des lukanifchen Ge-

Biblifche Zeitfchrift. 9. Jahrg. 1911. (Windifch). i fchichtswerks (Knopf).

Schlögl, Die Pfalmen hebräifch u. deutfch m. e. j Thompfou, Miracles in the New Teftament (W.

kurzenwiirenfchaftlichenKommentar(N'owack). Bauer).
Berefchit Rabba m. Apparat u. Kommentar v. 1 Robinfon, The Problem of the Didache (Har-

J. Theodor iHifchoff). nack).
Fie°ig, Jüdifche Wuudergefchichten des neu- | Burkitt, A New Ms. of the Odes of Solomon
teftamentlichen Zeitalters unter befond. Berück- ; (Derf.).

ficht, ihres Verhältniffes zum Neuen Teftament
bearbeitet (Strack).

— Rabbinifche Wuudergefchichten des neutefta-
mentlichen Zeitalters in vokalifiertem Text m.
fprachl. u. fachl. Anmerkgn (Derf.).

— Antike Wundergefchichten zum Studium der
Wunder des Neuen Teftamentes (Derf.).

Cremer-Kögel, Biblifch-theologifches Wörterbuch
der neuteftamentlichen Gräzität. 1 o. Auf).
(Deißmann).

Turner, The Text of the newly discovered scholia

of Origen 011 the Apocalypse (Derf.).
Chapman, Zacharias, slain between the temple

and altar (Derf..).
Schulte, Der Adel u. die deutfche Kirche im

Mittelalter (Stimming).
Pont, Geschiedenis van het Lutheranisme in de

Nederlandcn tot 16 iS (W. Köhler).
Aus Pofens kirchlicher Vergangenheit. 1. Jahrg.
(Wotfchke).

Maire, über württembergifche Waldenferkolo-
niften in d. J. 1717—1720 (BofTert).

Zur Auseinanderfetzung mit Jatho. Frankfurter
Vorträge. 5. Reihe (Mulert).

Wendland, Der Wiedereinzug der Metaphyfik
in die Theologie (Lobftein).

Temple, The Nature of Personality (Niebergall).

Reu, Quellen zur Gefchichte des kirchlichen
Unterrichts in derevangelifchenKircheDeutfch-
lands zwifchen 1530 u. 1600 (Kuoke).

Referate: Gardthaufen, Griechifche Palaeogra-
phie. — Goethals, Jean precurseur de Jesus.
— Rohr, Die Geheime Offenbarung u. die
Zukunftserwartungen des Urchriftentums.

Mitteilungen: (18) Ähnlichkeiten im Glauben
der Parfis mit dem Buddhismus. (19) Ein za-
dokitifches Werk? Die Jeremias-Elifa-Apoka-
lypfe. (20) Palimpfeft-Inftitut der Erzabtei
Beuren.

Wichtige Rezenfionen. — Neuefte Literatur.

Gilbert, Otto: Griechifche Religions-Philoiophie. (IV, 554 S.)
gr. 8°. Leipzig, W. Engelmann 1911. M. 11.20

G. gibt auf Grund der ihm von feinen früheren Arbeiten
her wohlvertrauten Quellen eine ausführliche Darfteilung
der Religionsphilofophie, die fich aber in be-
ftimmten Grenzen hält. Er behandelt den Monismus und,
wie er meint, durchgehenden Pantheismus der jonifchen
Denker, die Anfänge dualiftifcher Weltbetrachtung bei
Pythagoras und Philolaos, die Einheitslehre der Eleaten,
die Kompromiffe des Empedokles und Anaxagoras, die
drei großen athenifchen Meifter, endlich Demokrits und
Epikurs Atomismus und den ftoifchen Pantheismus.
Eigentlich müßte alfo ein 2. Bd. folgen. Der Verf. Bewährend
des Druckes verftorben. Die Religion tritt in
diefem Werke hinter der Theologie zurück; die theo-
logifchen Dogmen intereffieren den Verf. mehr als die
inneren Motive und Kräfte, die fie hervorgetrieben haben.

nicht teile. G. bringt Xenophon zu ftarkes Vertrauen
entgegen. Während m. E. erft der an Sokrates begangene
Juftizmord die fokratifche Literatur ins Leben rief, find
nach G. mehrere Dialoge Piatos noch zu Lebzeiten des
Sokrates entftanden. Ich kann es nicht billigen, daß
Sokrates nach Xenophon die teleologische Naturbetrachtung
, nach Piatos Phädon der Gegenfatz von Seele und
Leib und die Einheitlichkeit der Seele zugefchrieben und
der Begriffsethiker in den Dogmatiker verwandelt wird;
und der Dichter Plato kommt fchwerlich zu feinem Recht,
wenn z. B. S. 305 h die Mythen beim Worte genommen
und aus ihren Abweichungen eine Entwickelung der An-
fchauungen erfchloffen wird. Auch hier geht G. auf die
innerften Motive und die Myftik Piatos nicht genauer
ein, wie ihn auch von der Religion der Gefetze nur die
theologifche Spitze befchäftigt.

Die Grenzen, die G. feiner Aufgabe gefleckt hat,
inneren Motive und Kratte, die lie hervorgetneben haben. 1 mußte ich bezeichnen. Zur Einführung in die theologifchen
So fxeht er nicht auf die religiöfen Erfahrungen und Er- Lehren und ihre Stellung in den Syftemen kann das
lebnlffe die der orphifchen Theologie und der pythagoreischen
Seelenlehre zugrunde liegen (S. 139L, 15t), oder
aufdenEnthufuismusundcUsProph^
(22a) ein Der Zufammenhang der epikunfehen Gotter-
ehre mit der Atomiftik wird 5. 479«■ Sorgfältig erörtert,

kann aber nicht befriedigend erklärt werden; denn reli
giöfe Motive und der Wunfeh, das Lebensideal in den
Göttern verwirklicht zu fehen, haben hier ftark eingewirkt.
Das vorwiegende Intereffe für den Zufammenhang des
Syftems und für die Dogmen läßt die Abhängigkeit des
Denkens von der Entwickelung der Kultur zurücktreten.

Die jonifchen Denker werden religiös-konfervativer
gefaßt als in den meiften modernen Darftellungen. Nach
S. 65 verfuchen fie den Volksglauben tiefer zu erfaffen
und zu begründen; die Verwandtfchaft mit den theologifchen
Kosmologen wird hervorgehoben. Xenophanes'
ftrenger Monotheismus wird mit Recht anerkannt, aber
auch ihm S. 171 Rückficht auf den beftehenden Glauben
und Kult zugefchrieben. Auch Sokrates wird dem Volksglauben
nahe gerückt. Gegen feine Beurteilung habe
ich ftarke Bedenken, da ich G.s Vorausfetzungen (S. 256fr.)

T) i _ - o --- — j - ix. 11111 uao

Euch empfohlen werden. Von Hörenden Druckfehlern
bemerke ich S. 138 noktifchen ft. noetifchen, 143 Anm 1
Holk J?-/lolki die Stichwörter des Regifters, z. B. Egoismus
Erfahrungswelt, Wiffen, Wofür find zum Teil nicht
glücklich gewählt.

Göttingen. Paul Wendland.

Strothmann, R.: Das Staatsrecht der Zaiditen. (Studien zur
Gefchichte u. Kultur des islamifchen Orients. Beihefte
zu der Zeitfchrift ,Der Islam'. Hrsg. v. C. H. Becker. 1.)
(XI, 109 S.) Lex.8°. Straßburg i. E., K. J. Trübner
1912. M. 5—

Es ift eine tiefgründige Studie über die juriftifche
und politifche Bedeutung der Lehre von dem Imäm (dem
Oberhaupte in geiftlichen und weltlichen Dingen) im Islam,
die uns der Verfaffer vorlegt. Es ift bekannt, daß das
islamifche Recht in vielen Punkten eine ideale Konftruktion
ift, nach der fich das reale Leben nicht immer richtet.
Dabei ift jedoch, wie Str. zeigt, nicht zu überfehen, daß

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