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Ausgabe:

1912 Nr. 1

Spalte:

503-504

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Eger, Karl

Titel/Untertitel:

Taufe und Abendmahl im kirchlichen Unterricht der Gegenwart 1912

Rezensent:

Niebergall, Friedrich

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Seite 1

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503

Theologifche Literaturzeitung 1912 Nr. 16.

Meßverfuche flehenden Relativitätsprinzips habe ich leider
nicht vollftändig lefen können, da das Rez.-Expl. des II.
Bogens entbehrt. So entgeht mir vor allem, ob der Verf.
dem Relativitätsprinzip eine Bedeutung für oder wider
die Durchführbarkeit der mechanifchen Naturanfchauung
zuerkennt. Vom Äther fagt er die Eigenfchaftslofigkeit
aus, d. h. mit Ausnahme der Fähigkeit, Energien zu tragen
und zu verbreiten. Damit wäre der Äther für einen genau
genommen eigenfchaftslofen Begriff einer räumlichen, jedoch
,nicht materiellen', Subftanz erklärt, der daher auch in
keine Rechnung hineingezogen werden dürfte. Aber
daraus würde gewiß nicht folgen, daß von der mechani-
ftifchen Anfchauung zugunften eines nur mit dem Relativitätsprinzip
arbeitenden phyfikalifchen Agnoftizismus
Abftand genommen werden müßte. Wie gefagt, gerade
hier fehlt mir die Brücke, und ich weiß nicht, ob Verf.
zu diefer Frage genaue Stellung genommen hat. Befon-
deres Intereffe erwecken uns natürlich des Verfaffers knappe
Ausführungen über das Leben und das Organifche. Auch
hier zeigt er fich als fcharfen Beobachter der natürlichen
Unterfchiede. Beftimmt wird abgelehnt, das Leben auf
gleiche Stufe mit den ,rein phyfifchen' Vorgängen zu
ftellen. ,Das Leben bildet ein gegen die Phyfis abfolut
Befonderes', und der eigentliche Träger des Lebens ift das
Organifche. Schließlich bringt W. über den, von ihm
nicht ohne weiteres angenommenen, entropifchen Tod
hinaus einen Ausblick, der durch die Entwicklung zu immer
höheren Stufen der organifchen Formen eröffnet wird und
in dem Pfychifchen die ewig auffteigende Tätigkeit ahnen
laffe.

Wien. Beth.

Eger, Pred.-Sem.-Dir. Prof. D. Karl: Taufe u. Abendmahl im
kirchlichen Unterricht der Gegenwart. (Studien zur prak-
tifchen Theol. V. Bd., 1. Heft.) (III, 123 S.) gr. 8°.
Gießen, A. Töpelmann 1911. M. 2.60

Den erften Teil diefer Schrift bildet die Darlegung
der gefchichtlichen Grundlagen der Lehre von den beiden
Sakramenten. Diefer Abfchnittift m. E. ganz ausgezeichnet;
niemand, der fich über diefe Sache unterrichten will, follte
an ihm vorbei gehen. E. geht der Entwicklung der Feiern
und vor allem ihres Verftändniffes nach, wobei er immer
wieder wertvolle Lichter von dem Gefamtverftändnis der
Zeiten aus auf feinen Gegenftand fallen läßt. Bringt er
auch keine neuen gefchichtlichen Erkenntniffe, fo gibt er
doch das Bekannte in fehr lehrfamer und fördernder Darfteilung
. — Daß er die Auffaffung Luthers mit befonderer
Vorliebe behandelt, erklärt fich einem bald, wenn man
fieht, wie er im zweiten Teil im wefentlichen fich auf die
religiöfe Grundlage feiner Auffaffung ftellt, aber nur fo,
daß er beim Abendmahl den Nachdruck, ftatt auf die
Elemente, auf die Handlung legt und die Gemeinde als
verbindendes Glied zwifchen Einft und Jetzt, zwifchen
Jefus und dem Gläubigen heranzieht. — Im dritten Teil
wird dann auf Grund der bisher gewonnenen Erkenntniffe
ein Entwurf geboten, wie die beiden Sakramente im
Konfirmandenunterricht follen behandelt werden. Jedesmal
wird von einer Anfchauung ausgegangen, das eine Mal
von einer Taufe auf dem Miffionsgebiet, das andere Mal
von dem letzten Mahle Jefu, darauf folgen einige Punkte
über die Gefchichte der Feiern, mit befonderer Rückficht
auf das Meßopfer beim Abendmahl, während von den
Baptiften nicht gefprochen wird. Die Darlegung des
religiöfen Wertes und der richtigen Begehung und Auffaffung
der Feier wird in eine kurze Behandlung der ent-
fprechenden Katechismusftücke übergeleitet. — Darin ift
ein fehr guter pädagogifcher Griff zu fehen. — Zum Ganzen
habe ich einige Bemerkungen zu machen. Die einzelnen
Teile werden immer kürzer: 78, 24, 20 S., je mehr es an
den eigentlichen Gegenftand der Schrift herangeht. Darum
ift fie tatfächlich eine exegetifch-dogmengefchichtliche
Schrift mit einem fyftematifchen und einem unterrichtlichen
Anhang. Für den im Titel angegebenen Zweck
wäre mir das umgekehrte Verhältnis der Teile lieber
gewefen. Statt einer Behandlung der Gefchichte hätte ich
eine Gefchichte der Behandlung gewünfcht. Gewiß muß
die gegenwärtige Behandlung der Sakramente aus der
Gefchichte mit herausgewonnen werden; aber weniger aus
einer Gefchichte der Feier und der Lehre von ihr — die
läuft auf die Dogmatik hinaus — als aus einer Gefchichte
der Behandlung, wie fie teils mit der dogmatifchen, teils
mit der pädagogifchen Auffaffung der Zeiten zufammen-
hängt. In diefe Art der Darfteilung wäre dann der Ertrag
der Gefchichte der Lehre fo einzutragen gewefen, daß er
eine Vorausfetzung der gegenwärtigen Auffaffung gebildet
hätte. Neben diefer wären dann als wefentlichftes Stück
die Erforderniffe unferer gegenwärtigen pädagogifchen
Lage in Rechnung zu ziehen gewefen. Nicht daß fie E.
felbft vernachläffigt hätte, aber fie waren als die andere
Vorausfetzung einzuftellen neben die heutige Lehrauffaffung
um mit ihr eine Einficht in die Methodik abzugeben.
Dann wäre wohl auch der ganze Entwurf des Unterrichtes
weniger lehrmäßig- und mehr feelforgerlich-praktifch
ausgefallen, weil dies doch der allgemein angenommenen
heutigen Auffaffung vom Konfirmandenunterricht ent-
fpricht. Es fehlen zwar nicht die perfönlichen feelforger-
lichen Töne, aber ich kann mir denken, daß man die
Abendmahlsfeier zumal noch einfacher, herzlicher und
praktifcher verftändlich machen könnte; es follte ein Bild,
ein Liedervers darangeknüpft werden, der fich länger
behält und leichter in der Erregung der Feier dem Bewußtfein
vorftellt, als es lehrhafte Gedanken tun. In der
Ev. Freiheit 1912 Heft 1 habe ich gefagt, wie ich es gemacht
habe.

Heidelberg. F. Niebergall.

Lebendige Gemeinden. Feftfchrift, Emil Sülze zum
80. Geburtstag am 26. Februar 1912 dargebracht v.
Carl Clemen / Johannes Eger / Paul Grünberg / Paul
Kirmß / Walter Kötzfchke / Carl Lammers / Heinrich
Matthes / Paula Müller / Friedrich Niebergall / Martin
Schian / Jakob Schoell / Fr. Siegmund-Schultze / Friedrich
Spitta / Auguft Stock. (Studien zur prakt. Theol.
VI. Bd., Heft 1.) (V, 220 S.) 8°. Gießen, A. Töpelmann
1912. M. 5 —; geb. M. 6 —

Es ift mir eine Ehre und Freude, diefe Feftfchrift
anzuzeigen, die, von 14 verfchiedenen Federn gefchrieben,
in ihrem Geift und Inhalt ebenfo einheitlich und zielftrebig,
wie in ihren einzelnen Beiträgen mannigfach, als Ehrengabe
zum 80. Geburtstage Emil Sulzes dargebracht, mit
feinem Bilde gefchmückt und ein glänzender Beweis dafür
ift, daß die treue Lebensarbeit des allverehrten Jubilars
Wurzel gefchlagen, Früchte getragen und für Gegenwart
und Zukunft beredte und eifrige Vertreter gefunden
hat. Es kann nicht meine Aufgabe fein, in eine Kritik der
Einzelheiten einzutreten, zumal ich mit den meiften Darlegungen
von Herzen einverftanden bin. Ich muß mich
vielmehr darauf befchränken, ganz kurz auf den vielfeitigen
und höchft intereffanten Inhalt hinzuweifen und das ganze
Werk Theologen und Laien zu gründlichem Studium zu
empfehlen.

Konkret und anfchaulich fchildert Clemen die Eigenart
des evangelifchen Gemeindelebens in England und
Nordamerika. In feiner umfichtigen Weife erörtert Eger
das Thema ,die Gemeinde und ihre Jugend', wobei er
neben den Kindergottesdienften und den Gottesdienften
für Erwachfene die Einrichtung von befonderen Jugend-
gottesdienften und nach der Konfirmation noch eine öffentliche
Willenserklärung zwifchen dem 21. und 25. Lebensjahre
vorfchlägt. Grünberg ftellt mit eindringender Sachkenntnis
das Verhältnis zwifchen der evangelifchen Gemeinde
und der inneren Miffion dar, fowohl in feinen
Urfprüngen bei Wichern wie in feiner bisherigen Ent-