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Ausgabe:

1912 Nr. 1

Spalte:

28

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Strack, Hermann L.

Titel/Untertitel:

Grammatik des Biblisch-Aramäischen. 5., teilweise neu bearb. Aufl 1912

Rezensent:

Schwally, Friedrich

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Theologifche Literaturzeitung 1912 Nr. 1.

28

geführte Einrichtung der Entgegennahme von Fragezetteln
ohne Namensunterfchrift und ihre Beantwortung in befon-
derer Bibelftunde empfiehlt; der apologetifche Vortrag,
wofür er auf Hunzingers Schrift zu diefem Gegenftand
verweift. Eine Mahnung zur Vorficht bei Diskuffionen
wird hinzugefügt. Man fiehr. aus diefen Mitteilungen, daß
wir eine bei aller Knappheit beziehungsreiche Schrift vor
uns haben. Die Einzelausführungen find faft durchweg
wohl abgewogen und geben, ob auch hier oder da eine
andere Nuancierung angebracht erfcheinen oder auch eine
andereSeite der Sache Betonung fordern kann, doch kaum zu
eigentlichem Widerfpruch Anlaß. Selbftverftändlich kann
nirgends mehr geboten werden als einige Andeutungen.
Am erften bedürfen die Sätze über apologetifche Richtlinien
im Neuen Teftament (S. 15 f.) einiger Richtigftellung;
ob Act. 17 wirklich kurzweg als vorbildlich behandelt werden
kann? Die Klage S. 9 über die Popularifierung theolo-
gifcher Streitigkeiten' unterfcheidet doch wohl zu wenig;
außer an diefer Stelle bleiben übrigens theologifche Differenzen
außer Betracht. Die Polemik gegen die Bezeichnung
der Disziplin der Seelforge mit dem Fremdwort ,Poimenik'
(S. 7) fährt m. E., obwohl ich D. in der Sache zuftimme,
doch etwas fchwereres Gefchütz auf, als richtig ift; und
warum redet D. bei diefer Abneigung gegen Fremdwörter
felbft reichlich in folchen, noch dazu in ganz überflüffigen
(Litotes S. 8)? Befondere Hervorhebung verdient der
frifche, lebendige Klang des Ganzen, die plaftifche Sprache,
die gewiffenweckende Art. Und befonders fei hervorgehoben
, daß überall das rechte Maß und Ziel der
Apologetik gewahrt wird.

Gießen. M. Schi an.

Lubenow, Superint. Kreis-Schulinfp. H.: Der Konfirmandenunterricht
und feine zeitgemäße Geftaltung. (IV, 138 S.)
8°. Gütersloh, C. Bertelsmann 1911. M. 2.40

Bei der gegenwärtigen Hochflut der Literatur zum
Konfirmandenunterricht ift es befonders erfreulich, auf
Bücher zu ftoßen, die durchaus felbftändige Wege gehen
und eigenartigen Charakter haben. Dazu gehört auch
diefe Skizze von Lubenow, die in ihrem erften Teile
(5 — 92) eine philofophifch und pädagogifch fundierte,Lehre
vom Konfirmandenunterricht' darbietet, im zweiten Teile
(93—138) eine Reihe praktifcher Winke für die Auslegung
des Katechismus gibt. Der erfte Teil, die grundfätzliche
Orientierung, handelt 1) vom kirchlichen Lehramt, 2) vom
Zweck des Konfirmandenunterrichts, 3) vom Lehrverfahren,
4) vom Ton und Takt im Konfirmandenunterricht. Neben
der fachmännifchen Begabung und Ausbildung wird vom
Religionsdiener perfönliche evangelifche Überzeugung verlangt
, die dahin zufammengefaßt wird, ,daß das Wefen
Gottes in Jefu Erfcheinung angenommen und eine für das
menfchliche Bewußtfein erfahrbare beftändige Gegenwärtigkeit
erlangt habe'. Abgelehnt wird deshalb der Relativismus
, der Agnoftizismus, der rein religionsgefchichtliche
und der entwicklungsgefchichtliche Standpunkt. Über die
Perfönlichkeit des Amtsträgers und die religiöfe Erfahrung
wird Treffendes gefagt. Von dem Unterfchied zwifchen
Weltbewußtfein und Gottesbewußtfein im Menfchen ausgehend
und von der Bedeutung der Ideen, die den Menfchen
zum richtigen Handeln anleiten, den Willen im
Guten ftärken und als Betätigung des Gottesbewußtfeins
ihm volle innere Befriedigung verfchaffen follen, beftimmt
Lubenow den Zweck des Konfirmandenunterrichts dahin,
daß er ,die Kinder zur Anfchauung des göttlichen Wefens
und Willens erheben' folle. Als Lehrftoff läßt L. nur den
kleinen Katechismus gelten und daneben Bibelfprüche,
deren Durchnahme regelmäßig und felbftändig einen Teil
jeder Stunde in Anfpruch nehmen foll. Mancherlei In-
tereffantes und Originelles wird über Auslegung von Katechismus
und Spruch, über Unterrichtsform und ,Formeln'
gefagt. Sehr beherzigenswert ift, was über die Nüchternheit
in Bezug auf Lehrftoff und Auslegungsftoff und auf

Sachlichkeit und Innerlichkeit bemerkt wird. Was den
Katechismus anlangt, fo rät L., die Hauptftücke in der
Reihenfolge 3,4,5,1, 2 zu behandeln, von dem Gedanken der
Gnadengaben auszugehn und überall praktifche Apologetik
zu treiben. — Wenn ich nun auch Lubenows Zweckbeftim-
mung des K.-U.s für zu weit und allgemein, feine Begrenzung
des Lehrftoffs für zu eng, und feine Behandlung des
Katechismus für reichlich willkürlich halte, auch fonft
über manche einzelne Bemerkung mit dem Verf. mich
gründlich auseinanderfetzen möchte, flehe ich doch nicht
an, dies Büchlein als ein fehr dankenswertes und fruchtbares
zu bezeichnen und den Wunfeh auszufprechen, daß
es im Ganzen wie im Einzelnen von möglichft vielen
Fachgenoffen zum Nachdenken und als Grundlage von
Befprechungen gebraucht werden möchte.

Frankfurt a/Main. W. Bornemann.

Referate.

Labourt, J., et P. Batiffol: Les Odes de Salomon. Une

oeuvre chretienne des environs de l'an 100—120. Tra-
duetion francaise et introduetion historique. (VIII, 123 S.)
gr. 8°: Paris, V. Lecoffre 1911.
Nach einer Bemerkung auf S. 1 ift diefe Arbeit in der
Revue Biblique (octobre 1910, janvier et avril 1911) er-
fchienen. ,Plusieurs details ont ete modifies dans la publi-
cation actuelle.' In der Bibliographie feiner zweiten Ausgabe
der Oden verzeichnet fie Harris mit den Seitenzahlen 484—500;
1—57 als ,not yet completed'. Voraus geht ein fchmeichel-
hafter Brief von Lagrange, dem Herausgeber der Revue Biblique
, an Batiffol (S. VII f.). Vor der mit Anmerkungen
verfehenen Überfetzung (S. 5—38) fteht ein Vorwort von Labourt
mit einer kurzen Bibliographie (S. 1—4). Der Hauptteil
(S. 39—121) ift von Batiffol. Das Ergebnis der Arbeit ift
fchon auf dem Titel ausgefprochen: im Gegenfatz zu Harnack
fleht B. in den Oden ein chriftliches Werk aus den Jahren
IOO—120, in Syrien oder vielleicht Kleinafien entftanden.

Die Überfetzung habe ich nicht vollftändig geprüft. Ein
feltfamer Fehler findet fleh 7, 1 ,il fait monter de ses fruits',
wo Harris fchon in der erften Ausgabe richtig überfetzt hatte:
,brings in of its fruits'. In Batiffols Anteil lauten die Ab-
fchnittc, nach einer kritifchen Überficht über die bis dahin
bekannt gewordenen Auffaffungen anderer: Le personnage de
Salomon; l'unite de l'auteur; la christologie; du docetisme de
cette christologie; la soteriologie; observations complementaires
et conclusions. Man wird urteilen dürfen, daß die Unterfuchung
mit ebenfoviel Sachkenntnis als Befonnenheit geführt ift und mit
Recht von Harris in der zweiten Auflage mit einem Stern hervorgehoben
wurde, als zu den Arbeiten gehörig which are important
for the resolution of the problems connected with the Odes.
Maulbronn. Eb. Neftle.

Strack, Prof. DD. Hermann L.: Grammatik des Biblifch-Ara-
mäifchen. Mit den nach Handfchriften berichtigten Texten
u. einem Wörterbuch. 5., teilweife neu bearb. Aufl. (Clavis
fing, semit. pars IV.) (40 u. 60* S) 8°. München,
C. H. Beck 1911. Geb. M. 2.50

Von diefer kleinen, aber recht brauchbaren Grammatik

ift jetzt die fünfte Auflage erfchienen. Die Neubearbeitung

erftreckt fich nur auf die grammatifche Überficht, die feit der

dritten Auflage um 11/2 Seiten gewachfen ift.

Gießen. F. Schwally.

Loofs, D. Friedrich: Über Selbsterlöfung, Pantheismus und
Lebensfreude. Drei Predigten, am 30. April, am 14. u.
28. Mai 1911 im akademifchen Gottesdienft gehalten.
(35 S.) gr. 8°. Halle a. S., M. Niemeyer. M. —.60
Diefe 3 Predigten find freilich direkt durch den Fall
Jatho veranlaßt, erwähnen aber diefe ,rheinifche' Bewegung
nur je in der Einleitung; fie geben in forgfältiger Textbenutzung
eine gerechte und ernfte Behandlung ihrer Themata
und bilden fo einen fchönen Beitrag zu den genannten
großen Problemen, einen Beitrag, deffen Wert nicht von dem
aktuellen Intereffe abhängig ift.

Hannover. Schuft er.