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Ausgabe:

1912 Nr. 16

Spalte:

488-489

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Weiß, Bernh.

Titel/Untertitel:

Der Gebrauch des Artikels bei den Gottesnamen 1912

Rezensent:

Debrunner, Albert

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Theologifche Literaturzeitung 1912 Nr. 16.

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königen ftanden. Das Schreiben des Hanania ift nun
nach zwei Seiten hin bedeutfam, fofern es erftens zeigt,
daß einer von diefen Männern das Ohr Darius' II. befaß,
wie vor ihm Ezra und Nehemia das Ohr Artaxerxes' L,

Werke (Die Ifraeliten und ihre Nachbarftämme, Halle
1906) bekannt find. Er behauptet, daß der Sinai ein
Vulkan öftlich vom älanitifchen Meerbufen gewefen fei,
und daß hinter dem brennenden Dornbufch auf dem

und fofern es zweitens lehrt, daß die Eiferer fchon wenige Sinai die Vorftellung von einem Erdfeuer in der Oafe

Jahrzehnte nach der Einführung des Pentateuch in Jeru
falem auch unter ihren Volksgenoffen in der Diaspora
das Gefetz zur Geltung bringen wollten, fogar unter den
judäifchen' Koloniften in Elephantine, die ihnen doch
äußerlich und innerlich fehr fern ftanden. Hanania nennt
fich ihnen gegenüber ihren Bruder, obwohl fie gewiß viel
tiefer in der Abgötterei fleckten, als Sanaballat, Tobia
und Gafchmu, mit denen Nehemia keine Gemeinfchaft
haben wollte. Wegen ihrer Weltentlegenheit konnten fie
den Juden damit freilich auch nicht gefährlich werden.

Wie wichtig Hanania für die Koloniften war, ergibt fich
aus Pap. II (Taf. 12), einem Schreiben, das Ma uzia, eines
der Häupter der Kolonie, an feine Genoffen richtet. Sachau
hat dies Schreiben in manchen Einzelheiten nicht verftanden
und in der Hauptfache völlig mißverftanden, zumeift
ift es von W. R. Arnold (a. a. O.) richtig erklärt. Ma'uzia
war in Abydos, wo er fich damals befand, unter dem
Verdacht, einen Edelftein geftohlen zu haben, verhaftet
und nur durch die Interzeffion zweier Ägypter, des btriS
und des Tin, befreit. Diefen beiden, die nach Elephantine
reifen wollten, fchickt Ma uzia auf das Verlangen
eines von ihnen dies Schreiben voraus, in dem er feine
Genoffen auffordert, den Gälten in allen Dingen zu
Willen zu fein und dabei kein Gut zu fparen. Er motiviert
das Z. 7. 8 damit, daß, wie feinen Genoffen bekannt,
snir der Kolonie günftig gefinnt fei, feitdem Hanania
fich in Ägypten befinde, und daß Tin ein Vertrauter
(?8Tai'3?) des Hanania fei1). Sie täten daher fich felbft
(Arnold: C[3v3s]3b) an, was fie dem Tin antäten. Man
fieht auch hieraus, daß Hanania die Koloniften durch
Wohlwollen zu gewinnen fuchte, daß feine Autorität in
Ägypten aber auch groß genug war, um ihnen die Gunft
von Ägyptern zuzuwenden. Man hat wohl mit Recht
vermutet, daß er identifch ift, mit Hanäni, dem Bruder
Nehemias (Neh. 7, 2), der im Jahre 44S mit Nehemia nach
Jerufalem gekommen war. Vielleicht nicht im gleichen
Grade konnten die Koloniften auf die Gunft des Juden
'Anäni zählen, der als STSO und DJ>I3 bSO in der Umgebung
des Arfames eine hohe Stelle einnahm. Ma uzia
fagt Z. 10, es werde den Koloniften zugute kommen, was
fie dem (Tin oder dem) mm Gutes erweifen würden, denn
cAnäni werde erfahren, wie fie fich dem Befuch gegenüber
verhielten. Diefer 'Anäni war gewiß derfelbe, als
deffen Bruder Pap. 1 Z. 18 Uftan, ein vornehmer jerufa-
lemifcher Jude, bezeichnet wird.

Der Verf. handelt im Anhang auch von der aramä-
ifchen Überfetzung der Infchrift von Behiftun und von
den Achikarfragmenten2, die fich unter den Papyri befinden
(S. 98—128), aber vor allem will er die altteftament-
liche Religionsgefchichte sub specie der Papyri fkizzieren.
Er meint die Religion der Koloniften mit der vorpro-
phetifchen bezw. vordeuteronomifchen Religion des ehemaligen
Volkes von Ifrael und Juda identifizieren zu
dürfen und nimmt davon den Anlaß, auf S. 38—55 feine
Vorftellungen von der älteren Religionsgefchichte des
A. T. darzulegen, die z. T. fchon aus einem feiner früheren

1) In Zeile 7 lauten die betreffenden Worte: in DT>H H »T< 0=3
ymtsn fPUD 1| 'jn ybS- Das ? in s^ ift großenteils zerfrört, der
Schweif des b in D"4>ri fcheint mit dem Schweif eines darüberftehenden

zufammengeftoßen zu fein. Öh3ri dürfte man wohl mit dem arabifchen
(»-As>- zufammenftellen, und zu dem zweimal vorkommenden KB'fijS, das
hier unmöglich Sklave bedeuten kann, will W. R. Arnold das arabifche
jjrs vergleichen. Das Wort entfprüche dann dem hebräifchen Sf"!^ und
5vnt3. Jedenfalls kann über den Sinn von Z. 7. 8. kein Zweifel beftehen.

2) Mit Unrecht fchreibt er mir dabei (S. 103) die Meinung zu, daß
in dem jüngeren Achikarroman Achikar urfpriinglich als ein geborener
Jude bezeichnet gewefen fei. Ich habe das Gegenteil behauptet.

von Kades (I) ftecke. Obwohl ein unheimlicher Feuergott,
fei Jahve zugleich als ein lichtfcheuer Gott gedacht, der
bei Nacht umgehe. Ausnahmsweife könne ein Heros wie
Jakob ihn im Ringkampf überwältigen, oder auch ein Zauber
ihn bezwingen, wie wenn Sippora die abgefchnittene
Vorhaut ihres Mannes ,dem Gott an die Beine werfe'. In
ähnlicher Weife werde der Blutdurft Jahves in der Paffahnacht
dadurch gefättigt, daß man die Pfoften der Haustüren
mit Blut beftreiche. Urfprünglich fei der Jahve-
glaube den Stämmen Juda, Simeon und Levi, (von denen
der letztere in Kades feinen Sitz gehabt habe), eigentümlich
gewefen, die von Süden vordringend, ihn in das
Land gebracht hätten. Auf der anderen Seite foll aber
auch die Verehrung des kanaanitifchen ,Bundesgottes'
(Ba'al-berith) von Sichern von Einfluß gewefen fein, aus
der fich die Vorftellung von der Bundesfchließung und
die Satzungen des Dekalogs entwickelt hätten (vgl. S.
43—45)- _ Aufftellungen folcher Art verdienen keine Be-
rückfichtigung.

Für eine fruchtbare Mitarbeit an der altteftament-
lichen Wiffenfchaft fehlen bei E. Meyer die Vorbedingungen
. Er verfteht, wenigftens im Ä. T., nicht exege-
tifch zu arbeiten und zu urteilen, er hat kein Verftändnis
für die bewegenden Kräfte der ifraelitifchen und der jüdi-
fchen Gefchichte, er befitzt auch nicht die Selbftkritik,
ohne welche, namentlich auf einem fo fchwierigen Gebiet,
auch die glänzendfte Kombinationsgabe zu bloßer Willkür
herabfinkt. Abgefehen von alledem führt ihn fchon
die Haft, mit der er fchreibt, zu den fonderbarften Fehlgriffen
und Selbftwiderfprüchen. Daß Manaffe trotz
feines Götzendienftes von Jahve nicht habe abfallen
wollen, beweift er S. 50 daraus, daß Manaffe feinem
Sohne Jofia einen von Jahve abgeleiteten Namen gegeben
habe. E. Meyer lollte wiffen, daß Jofia der Enkel Ma-
naffes war. In feiner Gefchichte des Altertums gibt er
richtig an, daß der König Sedekia, der früher fchon nach
Jahve Mattania hieß, ein Bruder Jojakims (und alfo ein
Sohn Jofias) war. Gleichwohl fucht er S. 38 Anm. 2 eine
befondere religiöfe Bedeutung hinter der Tatfache, daß
Jojakim urfprünglich Eljakim hieß und daß er erft vom
Pharao Neko in Jojakim umgenannt wurde. S. 35 fagt
er, die Kolonie von Elephantine fei in vordeuteronomifcher
Zeit entftanden, S. 53 ftellt er das Gegenteil als möglich
hin. S. 47 fagt er, daß der Jahvekult von Jerufalem immer
bildlos geblieben fei, S. 49 erklärt er, die eherne Schlange
habe im Tempel von Jerufalem geftanden. S. 59 identifiziert
er Beth-'Anath, wobei er nur das Jof. 15, 59 genannte
Beth-'Anoth meinen kann, mit dem neuteftament-
lichen Bethanien. Um von der großen fprachlichen
Schwierigkeit diefer Gleichfetzung zu fchweigen, hätte
ihn ein Blick auf den Zufammenhang von Jof. 15, 59 von
ihr abhalten müffen. Man darf es auch auf fich beruhen
laffen, daß er S. 35f. die Interpolation Jef. 19, i8f. nunmehr
auf das Heiligtum von Elephantine deutet.

Göttingen. R. Smend.

Weiß, D. Beruh.: Der Gebrauch des Artikels bei den Gottesnamen
. Exegetifche Studien zur neuteftamentl. Grammatik
. [Aus: ,Theol. Studien u. Kritiken'.] (III, 109 S.)
8°. Gotha, F.A.Perthes 1911. M. 1.60

Weiß nennt feine Schrift mit Recht .exegetifche
Studien'; denn das Hauptgewicht liegtauf der Befprechung
der einzelnen Stellen des NT., an denen &eog und xvgiog
mit und ohne Artikel vorkommen. Aber auch die neu-
teftamentliche Grammatik und Begriffskunde hat Anteil
am Ergebnis der Unterfuchung. Am wichtigften fcheint
mir der Nachweis, daß #eoc und xvqiog nicht auf eine