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Ausgabe:

1912

Spalte:

418-419

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Frank, Rud.

Titel/Untertitel:

Scheich ‘Adî, der große Heilige der Jezîdîs 1912

Rezensent:

Horten, Max

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Theologische Literaturzeitung

Begründet von Emil Schürer und Adolf Harnack

Fortgeführt von Professor D. Arthur TitiUS und Oberlehrer Lic. Hermann Schuster

Jährlich 26 Nm. Verlag: J. C Hinrichsflche Buchhandlung, Leipzig Halbjährlich 9 Mark

Manuskripte und gelehrte Mitteilungen find ausfchließlich an /»TT "imo

37 Tahrfr Nr 14. ProfeubrD.TitiusinGöttingen, NAolausbcrger Weg: 66, rufenden. O. JULI lwlzS

V» / , UClIlJ. g. i~ 1. Rezenfionsexemplare ausfchließlich an den Verlag.

Carter, The religious Life of Ancient Rome Zwingliana. Mitteilungen zur Gefchichte Zwinghs
(Paul Wendland), der Reformation. Jahrg. 1911. » Nxn. (Belfert)

Frank, Scheich Ad!, der große Heilige der Paulus, Proteftantismus und Toleranz im 16.

Jezidis (Horten).
Wildeboer, Nieuw Licht over het Oude Testament
(Nowack).
Blacke, The Book ofjob and the Problem of

Suffering (Volz).
Smitt, De Organisatie van de Christelijke Kerk

in den apostolifchen Tijd (W. Bauer).
Chapman, John the Presbyter and the fourth

Gospel (Bouffet).
Becker, '0 xavwv zfjq äf.rj&sia?. Regula veri-

tatis eller Sandhedens Regel (Amundfen).
Stoddart, The Life of Paracelsus Theophrastus

von Hohenheim, 1493— «541 (Strunz).

Jahrhundert (Völker)
Uhlhorn, Gefchichte der deutfch-lutherifchen

Kirche (Ritfehl).
Müller, Das religiöfe Leben in Amerika (Carl
Clemen).

Kierkegaard, Gefammelte Werke. 8. Bd.
(Raoul Hoffmann).

Neefer, La Religion hors des Limites de la
Raison (Bornhaufen).

Juftus, Prolegomena zum Theismus (Dorner).

Andrieux, La premiere Communion (Lobftein).

Leupoldt, Der Kampf um die Reform des Religionsunterrichts
im Königr. Sachfen (Schufter).

Kautzfeh, Religion u. Dogma im Schulunterricht
(Schufter).

Heimerich, Die Rechtsverhältniffe der frei-
religiöfen Gemeinden in Preußen, dargeftellt.
(Eger).

Referate: Kalkoff, Die Miltitziade. — Neu-
mann, Herder u. der Kampf gegen die Kan-
tifchen Irrlehren an der Univerfität Jena. —
25. Deutfcher Proteftantentag, 4.—6. Oktober
1911 in Berlin. — Reinke, Deutfche Hoch-
fchulen u. römifche Kurie.

Mitteilungen: (13) Neue manichäifche Fragmente.
(14) IV. Internationaler Kongreß für Religi-
onsgefchichte.

Wichtige Rezenfionen. — Neuefte Literatur.

Carter, Jesse Benedict, The religious Life of Ancient Rome.

A study in the Development of religious conscious-
ness from the foundation of the city until the death
of Gregory the Great. (IX, 270 S.) 8°. London,
Constable & Co. 1912. s. 8.6

Auf breiterem gefchichtlichen Untergrunde zeichnen
diefe Vorträge das urfprüngliche Wefen römifcher Religion,
ihre Gebundenheit an das bäuerliche Leben und den Staat,
den etruskifchen Einfluß (I), die Rezeption hellenifcher und
hellenifierter Orientgötter, griechifcher Ideen und Mythen
und den dadurch befchleunigten Verfall des alten Glaubens
, befonders in den oberen Schichten (II). Es folgt
ein Bild der auguftifchen Reform und der religiöfen
Stimmung der Kaiferzeit, für die Individualismus und
die Sehnfucht nach Erlöfung charakteriftifch find, des
Herrfcherkultes und des wachsenden Einfluffes der orien-
talifchen Religionen (III). K. IV behandelt die Ent-
wickelung des Chriftentums und die äußeren Bedingungen
feiner Ausbreitung, feine Konkurrenz mit den orientalifchen
Religionen, feine Auseinanderfetzung mit Staat und Kultur
bis zur Anerkennung durch Conftantin, in deflen reli-
giöfer Haltung das politifche Moment mit Recht ftark betont
wird. In der Darfteilung des vergeblichen Reftau-
rationsverfuches Julians (V) tritt die Frage, ob die antike
Kultur ohne die antike Literatur fortleben könne, in den
Vordergrund. Auf der Folie der Invafion der deutfehen
Stämme und der Hunnen, die die Kluft zwifchen den
äußerlich fchon getrennten Reichshälften vertieft, des
Bewußtfeins des Niederganges und der Ausbreitung der
weitabgewandten Stimmungen des Mönchtums wird
Auguftins geiftige Entwicklung und die Konzeption
feines Gottesftaates gezeichnet, der das beredte Zeugnis
des Niederganges des Reiches und der Auflöfung des
nationalen Empfindens ift (VI). Nachdem das Oftgoten-
toich mit feinem großen Gründer verfunken ift, wird die
Kontinuität der Kultur erhalten durch die Klöfter; mit
ihrer Organifation hat Benedict die Formen gefchaffen,
in denen nach ihm auch das literarifche Erbe der Vergangenheit
fleh fortpflanzt (Caffiodor), K. VII. Mit der
Politifchen Wirkfamkeit Gregors d. Gr., die das heilige
römifche Reich vorbereitet, kTinet die anfprechende Darfteilung
aus (VIII).

Der Verf. verfteht die allgemeinen Kräfte und Motive

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ebenfo fcharf zu charakterifieren wie die bedeutenden
Individualitäten. Außer den fchon Genannten werden
Lucretius, Varro, Seneca, Ambrofius verftändnisvoll gewürdigt
. Pofeidonios, der einen ftarken Einfluß auch in
der römifchen Welt ausgeübt hat, vermiffe ich; ebenfo
dürfte Aftrologie und Aftralreligion nicht fehlen1.

Göttingen. Paul Wendland.

1) Ich verweile auf Cumonts neuefte Vorträge, Astrology and Religion
among the Greeks and Romans, New York and London 1912.

Frank, Dr. Rud.: Scheich 'Adt, der große Heilige der
Jezidis. (Türkifche Bibliothek. Hrsg. v. Geo. Jacob. 14.)
(VII, 134 S. m. 1 Taf.) Berlin Mayer & Müller 1911.

M. 4 —

Die ,Türkifche Bibliothek', die unter der Leitung von
Profeffor Jacob die Aufgabe verfolgt, die Kultur des
Islam (befonders im Bereiche des türkifchen Spracho-e-
bietes) zu erfchließen, hat fleh mit diefem ihrem 14. Bande
wiederum neue, anerkennenswerte Verdienfte erworben.
Derfelbe führt uns in das fo eigenartige und fchwierige
Gebiet der Myftik, der Erlebnis- und Empfindungs-
religion und der Askefe. Das erfte Kapitel befpricht die
Sekte der Jezidis, das zweite die Schriften des Scheich
Adi 1162 t (bekannt als Hakkäri), das dritte fammelt die
Erwähnungen diefes Heiligen in der islamifchen Literatur,
wahrend der Anhang (nach einem Schlußworte) vier Gediente
des Heiligen und ein Profafragment in arabifcher
Sprache bieten. Die mit großem Fleiße zufammenge-
tragenen und mit gutem Verftändniffe verwerteten Nachrichten
laffen ein deutliches Bild diefes Heiligen, wie es
die Sage gewoben hat, vor unferen Augen entliehen. Er
war ein gefeierter Prediger in der Gegend von Moful.
Nach feinem Tode befaßte fleh die religiös erregte Phan-
tafie feiner Anhänger mit ihm, indem fie ihm Wunder
beilegte, deren Motive und Grundzüge in den Wundererzahlungen
myftifcher Meifter (fowohl im Islam wie
im Chriftentume) Händig wiederkehren. Dabei werden
Probleme der Kosmogonie berührt, die einer eingehenden
Betrachtung wert find. Der ,Pfau' (S. 5 f.) fcheint das
erfte Gefchöpf Gottes zu bedeuten, das auch als ,Licht
Muhammeds' auftritt. Dann müßte man den Pfau mit
dem erften Intellekte, dem Nüs, gleichftellen. Damit

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