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Ausgabe:

1912

Spalte:

397-399

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Barth, C.

Titel/Untertitel:

Die Interpretationen des Neuen Testaments in der Valentinianischen Gnosis 1912

Rezensent:

Bousset, Wilhelm

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39»

ftimmt habe, erklärt fich einfacher als es S. XXVII ge-
fchieht, durch die Erinnerung, daß Silas ,Prophet' war.
Maulbronn. Eb. Neftle.

Barth, Lic. C: Die Interpretationen des Neuen Teitaments

in der Valentinianiichen Gnofis. (Texte u. Unterfuchungen

z. Gefch. d. altchriftL Lit. 3. Reihe, 7. Bd., Heft 3-)

(IV, 118 S.) gr. 80. Leipzig, J. C. Hinrichs 1911. M. 4
Die Verfafferin beginnt mit einer gründlichen Untex-
fuchung des einfchlägigen Quellenmaterials und befchat-
tigt fich hier namentlich mit der fchwierigen und viel
umftrittenen Frage der Kompofition der Excerpta ex
Theodoto des Clemens. Sie fußt hier auf den Arbeiten
von Zahn, Heinrici, Lipfius und namentlich Rüben und
fetzt fich mit ihnen in umfichtiger Unterfuchung auseinander
.

Nicht in allem möchte ich dem Refultat diefer Unterfuchung zu-
ftimmen. Allgemein zugeftanden dürfte fein, daß in dem am meiden in
Unordnung geratenen Abfchnitt der Exzerpte: 1—28 die K. 10—15, eine
zusammenhängende Maße bilden, de handeln von der Frage der Leiblicn-
keit der überweltlichen Wefen; ich möchte aber gleich hinzufügen daß
auch K.16 (,die Taube erfchien als Leib') u.K. 17 (Jefus, die Kirche,
die Sophia bilden eine körperliche Vermifchung) ganz und gar in
diefen Zufammenhang hineingehören. Ferner zeigen auch K. 27, 28
derartige Ähnlichkeit in der Gedankenbildung, daß wir de diefem Abfchnitt
weifen können (beachte die Erwähnung der Bafihdianer nur in

K 16 und 28 innerhalb des ganzen Buches, W°h« d«fa Jefus Kap. z6 Xür> R_ 35 Licht genannt ^ bedeutet

berückfichtigt fei. Danach wäre alfo das Refultat der
Verf. zu modifizieren und vielleicht anzunehmen, daß
Ptolemäus auf einer älteren Grundlage gearbeitet oder
fpäter zu feinem eigenen Werk einen Zufatz gemacht hätte.

Diefe Beobachtung führt uns zu einer Betrachtung
über den Valentinianifchen Kanon. Leider hat die Verfafferin
, die uns eine fehr fleißige Zufammenftellung der
einzelnen Zitate und eine Unterfuchung über deren Text
liefert, diefe Seite der Frage, die doch in ihren Bereich
hinein gehörte, nicht unterfucht, und doch wäre grade hier
das fchönfte Refultat aus ihren eigenen trefflichen Zu-
fammenftellungen einfach abzulefen gewefen. Die Zitationsformeln
, welche die Verfafferin S. 28 ff. zufammenftellt,
beweifen auf das fchönfte, daß die ältere Schicht der
Valentinianifchen Schriften einen fehr altertümlichen Kanon
befaß, und beftätigen das Refultat der Unterfuchung
von Schwartz: die einzigen Autoritäten waren hier der
Herr (noch nicht die Evangelien) und ,der Apoftel' d. h.
Paulus. Ausdrückliche Zitate aus dem Joh.-Evangelium
bringt Verf. nur aus dem Brief des Ptolemäus an die
Flora, aus Irenaus I. 8, 5 und Excerpta 6 und 7, d. h. den
direkten Ausführungen über den Prolog des Joh.-Evan-
geliums bei. Ich füge hinzu, das fich auch in den Excerpta
ex Theodoto im engeren Sinn (f. o.) keine Berührung mit
dem Joh.-Evangelium findet, wenn wir von den zufammen-
geworfenen Schlußbemerkungen K. 41 abfehen (denn daß

in
in

allerdings (lammt, iß mir auch nach den Ausfuhrungen der V^erfaffenn J F AbhänmVkeit vom i Evangelium) 7imre

nicht deutlich geworden. Davon daß er nicht auf Clemens zurückzuführen ; nocn Keine ADnanglglteit vom 4. Evangelium) Z.ltate,

i«, bin ich überzeugt; aber auch valentinianifch, wie die Verf. meint, ift j denen Petrus als Apoftel Zitiert Wird, finden fich nur

er ficher nicht. Seine gnoftifche Herkunft halte ich für möglich, von , dem nicht-valentinianifchen Exzerpt 12. Lukas wird nur

Clemens wurde er vielleicht wegen der darin enthaltenen direkten An- ! Exzerpt -4 als Apoftel zitiert.

führung gnoflifcher Meinungen in fein Werk aufgenommen. Einen zweiten yr iihricVpn Aliefiihrinicrpn rW Vprf EaK^n m.Vl,

Abfchnitt bilden, wie die Verfafferin richtig im Anfchluß an Rüben her- v on .den ubngen Austubrungen der Verl. haben mich

vorhebt, die über den johanneifchen Prolog handelnden Kap. 6, 7, 19 ; wefentlich die Abfchnitte intereffiert, in denen fie bei

(nicht 18 wie Verfafferin wohl verfehentlich bemerkt) viell. auch 18 und 20. j Befprechung der Schriftzitate der Gnoftiker fich aufPrO-

Diefen Abfchnitt dürfen wir wohl bereits als valentinianifch anfehen.
Als im engften verwandt mit den mit K. 29 beginnenden Exzerpten
bleiben nur K. 1—3, K. 21—26 (denn K. 4—5 bilden wieder einen Abfchnitt
für fich: die Auslegung der Verklärungsfzenen, und K. 9 fteht
ganz allein).

Die übrig bleibende Maffe der Exzerpte gliedert fich

bleme der Valentinianifchen Gofis felbft einläßt.

Ich verweife hier auf ihre Ausführungen über die Taufe des Erlö-
fers (S. 49). Sie bringt allerdings, wie mir fcheint, zwei verchiedene Dinge
durcheinander. Die Wendung Exc. j6 ,und feine Taufe riß uns aus dem
Feuer' und die ganzen Ausführungen über den Gegenfatz zwifchen Waffer

i ■ r j r. • j j-tt- ru ■ ■ - ur u Vx un(t Feuer in dem betreffenden Abfchnitt haben nichts zu tun, ia flehen

(darin find fich wieder die Forfcher einig) in 3 Abfchnitte, m einem gewi(ren GegenfaU mit derri] was Verf. über das Reinigungsfeuer

von denen der erfte mit K. 42, der zweite mit 65 fchliebt. j und die reinigende Kraft des Feuers bei den Gnoftikern beibringt. Zu

Ich möchte den erften Abfchnitt mit Excerpta ex Theo- j letzterem Punkt gibt fie übrigens eine vortreffliche Sammlung von Beiegen,

dotO im enoeren Sinn bezeichnen und lege größeres ! ohne allerdings die religionsgefchichtliche Tragweite der hier vorliegenden

Gewicht als die Verfafferin auf die Tatfache, daß fich der 1 I"? TSif mltZ Af*tt™eei™.fehr wichtigen

vjcv>iciu als uic v ciicx , - Beweisftelle, namheh der Schilderung des Feuergerichts im 2. Buch der

Name des TheodotUS nur in diefem Ablchnitt findet: j Sibyllinen. Ich darf fie an diefem Punkt vielleicht auf meine Ausfüh-

K. 22, 26, 30, 32, 35. Wir haben in ihm eine Wertvolle j rangen in der Religion des Judentums 2 S. 583 hinweifen.

Darftelluno- des Valentinianismus älterer Schicht, die fich i In den Ausführungen über das Gefpräch Jefu mit der Samariterin

vielfach mit der von Irenäus I, 11 gegebenen Darfteilung
der Lehre des Meifters felbft deckt, wie bereits E. Schwartz,
Aporien, G.G. N. 1907 S. 137. 1 richtig gefehen hat. Ein
entfehiedenes Verdienft hat fich die Verfafferin bei der
Behandlung diefes Abfchnittes erworben, infofern fie hier
den engen0Parallelismus mit der Darfteilung des ptole-
mäifchen Syftems bei Irenäus 1, 4fr nachgewiefen und
durch Paralleldruck der beiden Abfchnitte die gemeinfame
Quelle fauber herausgefchält hat. Allerdings hat Schwartz
in feinen fcharffinnigen Unterfuchungen, welche der Verfafferin
leider entgangen zu fein Rheinen (Aporien 128),
bereits auf diefen Tatbeftand aufmerkfam gemacht. Die
verf glaubt übrigens auch angeben zu können, was das für
eine gemeinfame Ouelle fei, die den Darftellungen der
Excerpte wie des Irenaeus zu Grunde liege. Sie macht auf
den Schlußfatz des Zufammenhanges bei Iren. I. 8, 5 aufmerkfam
: ,Et Ptolemaeus quidem ita', und vermutet demgemäß
die Herkunft auch des ganzen übrigen Zufammenhangs
aus einem Werk des Ptolemäus. Damit hat es nun aller-
dmgs eine eigentümliche Bewandtnis: Schwartz hat in
femer fchon mehrfach genannten Schrift bereits darauf
aufmerkfam gemacht, daß es fich in den Ausführungen
Ben. I. 8, 5 über den Prolog des Joh.-Evangeliums um
einen Nachtrag zu dem vorhergehenden Zento von Bibel-
t-eweifen handle, die einen altertümlicheren Kanon vorausfetzen
und in denen das Joh.-Evangelium noch nicht

und über die intereffante Deutung, die Herakleon dem Befehle Jefu, das
Weib folle ihren Mann holen, auf den himmlichen Syzygos des Weibes
gibt, zeigt fich Verfafferin, obwohl fie hier eine richtige Parallelftelle zum
Verftändnis jener Andeutung (Irenäus III. 15,2) gibt, nicht ganz vertraut
mit den Spekulationen und Sakramentsgebräuchen der Valentinianifchen
Gnofis; fehr vorfchnell fucht fie hier zu vergeiftigen und fich die Stellen
nach ihrem Gefchmack zurecht zu legen. Was für einem maffiven fakra-
mentalen Realismus die Valentinianer in ihrer Lehre von der Vereinigung
des Gnoftikers mit feinem Engel und in ihrer Praxis (Sakrament des Brautgemachs
) gehuldigt haben, kann Verf. leicht aus meinen Hauptproblemen
der Gnofis S. 315 erfehen.

Ganz befonders hat mich intereffiert, was Verf über
die Kreuzesfpekulation der Gnoftiker und über die Figur
des Horos-Stauros ausführt (S. 69 und 84). Sie behandelt
hier namentlich die merkwürdige Behauptung, daß der
Chnftos der Valentinianer fich auf dem Horos-Stauros
ausgestreckt und fo die Sophia von ihren Leidenfchaften
befreit und die Welt zu ordnen begonnen habe (Irenäus
I 4, 1; 7 2 und bef. III, 18,3). Ganz richtig hat Verf.
erkannt, daß es fich bei dem Horos um eine vorchristliche
mythifche Figur handelt, um eine Art von philo-
nifchem Logos, und ift der allmählichen Verwebung diefer
mythifchen Ideen mit chriftlichen Spekulationen nachgegangen
. Aber eins hat fie mir unerklärt gelaffen: wie
kommt die mythifche Figur des Horos zum Namen und
zur Geftalt des Stauros? Denn daß Stauros hier nur Pfahl
bedeutet und auf die ordnende und fertigende Kraft des
Logos gehe, fcheint mir nicht wahrscheinlich, ich glaube