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Ausgabe:

1912 Nr. 10

Spalte:

316

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Hierarchia catholica medii aevi sive summorum pontificum, s. r. e. cardinalium

Titel/Untertitel:

ecclesiarum antistitum series. Vol. III 1912

Rezensent:

Köhler, Walther

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Theologifche Literaturzeitung 1912 Nr. 10.

316

fchwierigkeit ift S. 6 kurz angerührt; Sch. fagt fehr richtig:
.Irgendwie muß doch ausgefprochen fein, durch was für
Überzeugungen die Gemeindemitglieder fich zugleich unter
einander verbunden und von anderen gefchieden fühlen'.
Aber er kommt nicht auf die großen Nöte zu fprechen,
die fich von hier aus erheben. Wir werden alfo auch
nach Sch's Buch an der prinzipiellen Durchdringung der
Fundamente des Gemeindegedankens ftark zu arbeiten
haben; aber wir freuen uns herzlich über die fcharfen
Blick und frohe Zuverficht vereinende Art, in der er die
Gemeindeidee begründet und verteidigt hat. — Die prak-
tifchen Aufgaben find unter die Überfchriften Gemein-
fchaftspflege, Glaubenspflege,Jugendpflege, Krankenpflege,
Armenpflege, Wohlfahrtspflege und foziale Arbeit, Bildungspflege
geordnet. Den Verzicht auf fyftematifche Gliederung,
der darin zutage tritt, mag man beanftanden, aber über-
fichtlich ift die gewählte Teilung. Wenn der Begriff Wohlfahrtspflege
durch einen beftimmteren erfetzt würde, fiele
die jetzt zwifchen den letzten Abfchnitten, wenigftens
nach den Überfchriften, vorhandene Kolliflon fort. Im
übrigen ift gerade das, was die Kapp. Wohlfahrtspflege
und Bildungspflege fagen, noch kaum je fo energifch und
klar unter die Gefichtspunkte der Gemeindearbeit gebracht
worden. Überall bekundet der Verf. hier eine
ebenfo nüchtern wägende wie kraftvoll aufs Ideal hin
drängende Art; überall zeigt er klare Ziele und gute Wege.
Dem Spezialiften können feine Abfchnitte natürlich nicht
genug fagen; dem alles überfchauenden Gemeindearbeiter
werden fie viel Stoff zum Nachdenken und reiche Anregung
zur Tätigkeit geben. Verfehen und Druckfehler find mir
nur vereinzelt aufgefallen; z. B. heißt der S. 92 Z. 12 v. 0.
genannte Name Seibt, nicht Seibd.

Gießen. M. Schian.

Baum, Dr. Jul.: Theodor Fifchers Kirchenbauten in Württemberg
. (Sonderdr. des Profanbau.) (S. 65—104 m Ab-
bildgn.) Fol. Leipzig, J. J. Arnd (1911). M. 2 —

Das Intereffe an der neuen evangelifchen Kirchen-
baukunft hat ziemlich weite Kreife erreicht, darum ift es
verdienftvoll, wenn Baum ein perfönlich und landfchaftlich
abgerundetes Einzelbild aus der rafchen Umwälzung der
überkommenen Tradition gibt. Er befchreibt in kurz und
fachlich gehaltenem Text die drei württembergifchen
Kirchenbauten, welche Theodor Fifchers Werk find. Im
Jahre 1904 war die Dorfgemeinde Gaggftatt vorurteilsfrei
genug, dem Neuerer Fifcher ihren Kirchenbau zu übertragen
, 1906/08 folgte die Erlöferkirche in Stuttgart;
1910 wurde die ev. Garnifonkirche in Ulm eingeweiht.
In ca. 50 guten Abbildungen werden uns diefe drei Bauten
nach ihrer organifchen Durchbildung und ihrer Wirkung
auf den Befchauer fo gründlich vertraut gemacht, als es
überhaupt ohne einen Befuch am Ort möglich ift.

Die nun abgefchloffene kirchliche Bautätigkeit Fifchers
in Württemberg hinterläßt in diefem .Querfchnitt mitten
durch das Wirken und Schaffen eines wahrhaften Künftlers'
den ftarken Eindruck einer reformatorifchen Tat. Fifcher
hat feine Kunftanfchauung auf diefem Gebiet mit unentwegter
Folgerichtigkeit durchgefetzt: von der Dorfkirche
zur ftädtifchen Parochialkirche und dann zum Monumentalbau
in der gefährlichen Nähe des Ulmer Münfters.
Es wäre gut gewefen, wenn Baum neben dem .Querfchnitt'
auch die Fortentwicklung deutlich aufgezeigt hätte. In
Gaggftatt ift viel neue Erfindung, welche in der Erlöferkirche
durch eine größere Klarheit und Ruhe des künftle-
rifchen Wollens abgelöft wird. Die Garnifonkirche in
Ulm gibt die architektonifche perfönliche Abficht fo unverhüllt
, wie es dem fertigen Meifter ziemt, mag auch
fein herbes Formenbekenntnis Anftoß erregen. Das Verhältnis
der Fifcherfchen Bauten zur praktifchen Forderung
des ev. Gottesdienftes muß Julius Baum außer Betracht
laffen. In Gaggftatt wirken noch theoretifche Vorfchläge
zur richtigen Gruppierung von Orgel, Kanzel und Altar

mit, während fpäter diefe Frage unabhängig aus praktischer
und künftlerifcher Überlegung gelöft wird. Fifcher
hat entfcheidend mitbeftimmt, kein neues normalevange-
lifches Schema hierfür aufkommen zu laffen.

Wer die Emanzipation des evangelifchen Kirchenbaus
aus den Feffeln alter fefter Stilformen freudig verfolgt
hat, wird gerne feine Studien über das Werden des Neuen
am reichen Bildermaterial der Baumfchen Schrift machen.

Baumerlenbach. G. Kopp.

Referate.

Hierarchia catholica medii aevi sive summorum pontificum, s. r. e.
cardinalium, ecclesiarum antistitum series. Vol. III saeculum
XVI ab a. 1503 complectens, quod cum societatis Goerresianae
subsidio inchoavit Presb. D. Guilelm, van Gulik, absolvit D.
Conr. Eubel, O. Min. Con. (VIII, 384 S.) Münder, Regensberg
1910. M. 25 —
Für den Forfcher auf dem Gebiete der mittelalterlichen
Kirchengefchichte ift Eubels hierarchia catholica medii aevi
(2 Bde.) unentbehrliches Handwerkszeug. Ein innerer Grund, mit
dem fogen. Mittelalter abzulchließen, lag nicht vor, das Vorwort
des neuen Bandes fagt mit Recht: ,non raro vetera, quae adhuc
de iis tradita invenis, ea, quae debetur, diligentia carent et de iis
praesertim ecclesiarum praesulibus, qui Concilio Tridentini habito
interfuerunt, quae hoc tertio tomo continentur, cognovisse per-
pluribus historicis non displicebit. Praeterea saec. XVI gravis-
simarum in ecclesia dei tempestatum aetate tot tantisque .... epis-
copatibus amissis et novis .. . constitutis totius orbis terrarum
catholici formae magna commutatio est facta.' Die Bearbeitung
lag in den Händen von van Gulik, nach feinem frühen Tode
legte Eubel, unterftützt von Ehses, die letzte mühfame Feile an;
aus diefem Entftehungsmodus erklären fich die relativ zahlreichen
Nachträge und Verbefferungen. Die Anordnung des neuen Bandes
ift wefentlich die altbewährte. An der Spitze flehen die
Kardinäle nach der Zeit ihrer Kreirung durch die einzelnen Päpfte»
dann folgen diefelben Kardinäle gruppiert nach ihren tituli, dann
nach ihren nomina gentilicia und cognomina (mit einem Appendix
über die statista et constitutiones s. collegii S. R. E. cardinalium
von 1514,) fodann die alphabetifche Lifte der Bistümer
mit den Bifchöfen unter Angabe ihrer Regierungszeit. Dank
diefer Anordnung läßt fich alles ralch finden. In den Anmerkungen
find urkundliche Belege und Perfonalnotizen untergebracht
. Der Schluß enthält 3 Appendices: 1. dioeceses, in qui-
bus saec. XVI, infrascripti episcopi titulares sufffaganeos seu
auxiliares vel vices gerentes in pontificalibus agebant. 2. Provinciale
sive conspectus provinciarum ac dioecesium per catholici
orbis terrarum situs ac regiones dispositus. 3. Alphabetifches
Regifter der Diözefen. — Die forgfame Arbeit kann des wärmften
Dankes ficher fein, der Reformationshiftoriker ift dank ihrer
'manchen mühfamen Suchens enthoben.

Zürich. Walther Köhler.

Witzel, Lekt. Lic. P. Theophil., O. F. M: Die Ausgrabungen u.
Entdeckungen im Zweiltrömeiand. 1. u. 2. Aufl. (Biblifche Zeitfragen
, gemeinverftändlich erörtert. 4- Folge, 3. u. 4 Heft.)
(80 S.) gr. 8°. Münfter i. W., Afchendorff 1911. M. 1 —
W. berichtet zunächft von den Reifenden, die Mefopotamien
im Mittelalter und in der Neuzeit auffuchten und das Intereffe
der Gebildeten wachriefen. Der Hauptteil zerfällt in zwei Abfchnitte
: der erfte handelt von den fyflematifchen Ausgrabungen
in Affyrien und Babylonien bis zur Jahrhundertwende, der zweite
von den Arbeiten feit dem Beginn des 20. Jahrhunderts. Im Anhang
werden die Felfeninfchriften und die aft'yriologifchen Funde
außerhalb Mefopotamiens kurz befchrieben. — Die Darfteilung ift
alfo wefentlich chronologifch, doch werden am Schluffe jedes
Abfchnittes die wifl'enfchaftlichen Ergebniffe zufammengefallt und
in ihrer Bedeutung für die biblilche Wiffenfchaft gewürdigt.
Wertvoll find die wichtigften Literaturnachweife, wo fich der
Lefer weiter orientieren kann. An einzelnen Ausführungen wird
man um ihrer apologetifchen Tendenz willen Anftoß nehmen,
z. B. S. 54: ,Es ift fogar geglückt, eines der Hauptzentren diefes
Kultus, den Sin-Tempel zu Mukaijar, als das Hauptheiligtum
von Abrahams Vaterftadt Ur nachzuweifen'. Die Sprache des
Büchleins ift durchweg holperig, aber da es in den Hauptfachen
zuverläffig ift, kann es trotzdem empfohlen werden.

Berlin-Wellend. Hugo Greßmann.

Traub, Pfr. Lic: Wie macht man den Kindern die Religion verhaßt?
Vortrag. Hrsg. v. der Ortsgruppe Leipzig des fächf. Schulvereins
f. Reform des Religionsunterrichts. (Schriftenfamm-