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Ausgabe:

1912 Nr. 1

Spalte:

8-14

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Overbeck, Franz

Titel/Untertitel:

Das Johannesevangelium. Studien zur Kritik seiner Erforschung 1912

Rezensent:

Harnack, Adolf

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Theologifche Literaturzeitung 1912 Nr. 1.

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gegen den König von Affyrien. öi5[5]"l Littmann. Danöna-
jimf Da'nönä Ramfes' III W. Max Müller, Afien und
Europa 362—363. Kaum die junge Form Danonijim
nach aram.Danonajim? vgl. ©"nSO zu ITT*!*; obgleich das
Schluß-« eher aus phön. 15 vgl. fibi©: ©bi© ^il&X^, 155©D
ftammt auch in Qim, als aus Aavamv und 'Poöov. —
~D© Is. 7,20. 2 S. 10,6. — Die Tarifierung wie die für
die Pferde und Wagen 1 K. 10,29, die Salomo teils aus
Ägypten teils aus nip (Zakarinfchr.) bezog. 10 ,ange-
fichts'. Bei der Thronbefteigung gab der König den
vornehmften Kriegern abbirü(tä) ein Feftmahl • 1138 • T2CH
rCCl Hadad 21,13 vgl- 1 K. I>9> Schahname oft, vor
einem Idol. Bei diefer Gelegenheit lud er rite aus der
Unterwelt die Seele feines verstorbenen Vaters, auch wohl
die der anderen Vorfahren ein, mitzueffen und mitzutrinken
. Daher ihre Anwefenheit. — 10 ü^sbn s. 5. DMO©
Locativ.—Auch fing. Großes Grab 13 pl. maj. m~Qp Hi. 21,3 2
Qi"Op Hi. 17,1. lünnr^_a. — ©-©B wie immer, nach jedem
Wunfche, vgl. i"| bi"D kaum, jeder nach feinem

Wunfche', wie äth. baba, lala, zaza; auch nicht wie i;aa.
— i^b 2 S. 18, 12 i©-n©© paffe jeder auf. — um kaum
fchon ,betrachtete als' wie — in© = sattrü phön.

ich fetzte ihn. 12. 1p3 ij^ai. — Taisi i"i5>5©b Von Anfang
bis zu Ende meiner Regierung. Grabfchrift! iD©
kasüi phön., kasij-kse. 13. Tb 1 S. 15,12. — 14 pD u. nn©i
15 impf, fut, nicht pf. iph'il. Gegenfatz von 14:15 Be-
fchädigung durch Söhne und Nichtföhne; nicht: Grab
und Schrift. ©513©© als Objekt zu pTi giebt eine zu verwickelte
Conftruktion. © partidv. D"ny© fing, i"n©n*
— las • bya fofern die Schrift Simyra ausfchließt,
,Herr des Zwiegefpannes' (Ed. Meyer vor mir), nämlich
der Stiere des Hadad, der auf feinem Wagen dem Heere
voranzieht. Dadurch läge es 1 gibbor nahe, ligbir
wird durch Esmün azör 9 empfohlen b©© ©8 "118 n©b©©
©;n2pb 053. Entweder ©8 Relativ zu der Perfon, die
unter ©81 mitgedacht ift, oder zu einem ausgelaffenen
Inf. nn©n durch eine Vernichtung feitens eines Machthabers
bezw. einer Opferftätte. — 16. jan-bSO wie q©l in
Sam'al übernommen f. u. — n©© bämä hü Aram. — n©©
Mesa3; n©bn 8. Rakab'el, der Familiengott, ift wol ein
Vorfahr der Dynaftie, wie der Nabatäer moy 'Oßoöaq, —
,Gott (Hadad) ritt mit mir'. Ebenfo? Tlb8 Gott in Plamät,
wie 5riib8, = b8T! OvddörjXog} — Sprache und Orthographie
der Infchrift find zwar phönikifch, wie Littmann
hervorhebt, aber nicht ohne Spuren von Aramaismus:
n (•)©©, am (Schlange?) 08 u. 18 mein neben ins.
tllD plene falls Sibbolet zu ni© Ua^ suit of dress, Preis
beftimmten Umfangs. pU Dliya ©05 ]n0 Leinewand zu
110 zerhämmerter Flachs vgl. affyr. kitü Delitzfch, Äff.
Hwb. 361, auch in Sam'al: Schräder KB. 1, 162,4. Auf
Aram deuten die Perff. ftatt Wau convers., die Voran-
ftellung des Objekts, die Weglaffung des Artikels außer
vor Relativfätzen, wie die des aram. 8 in der Hadadinfchrift.

Littmann erwähnt nicht, ob F. von Lufchan in Betracht
gezogen hat, daß es in der Bauinfchrift des Bar-
rakab Z. 16 heißt (Vgl. Z. f. Äff. XI p. 318): ,Meine Väter
die Könige von Samal hatten kein fchönes Haus. Sie
hatten 5©b© • iV© • 8fi nur das Haus Kullummö's, fo daß
es ihnen als Sommer- und Winterhaus diente'. Die Erbauung
diefes Palaftes erwähnt unfere Infchrift Z. 3.

Diefe Infchrift ift für eine Grabinfchrift zu halten,
selbft wenn man 000©© von pfi 14 trennt, teils wegen 13
teils weil fo viel von 000©© die Rede ift. Das Grab
kann im Palaft gebaut worden fein, zumal über dem Eingang
, als eines Torhüters, wie das Leo's XIII. in S. demente
im Lateran, vgl. Herod. i, 187; auch begrub man
unter der Schwelle, wie im Ahiqar-Roman und fonft in
Affyrien, vgl. das T ,Bo'az [Salomo's Ahn] wird aufrecht
halten [den Tempel]' 1 K. 7, 21; Neoptolemos im Apollotempel
zu Delphi Schob Eur. Or. 1649 fr. Schob Pind.
Nem. 7, 62.

Die Handelsbeziehungen, die die Infchrift enthält,
machen ihre Abfaffung in phön. Sprache begreiflich.
Wahrscheinlich haben auch Landsleute Hirom's den Palaft
und das Grab gebaut. Halten wir an Littmann's leider
unficheren Danöniern = Danaer feft, so taucht vor unserer
Einbildungskraft auf der Weg: Affyrien, Zeugma, Aintab,
Sam'al durch das Tal des Gaihän im Geburtsland des
Tamiras von Paphos zum phön. Myriandos bei Isken-
derun und Rosos, von da mit phön. Schiffen nach Cypern,
wo man eher die Danaer in Salamis als die Kittim erreichte
. Sie gebrauchten die affyrifchen Kriegsgefangenen
zur Kupfergewinnung, Erzwaffenbereitung und zu Qi©5biB.
Über Cypern bezog leicht Kullummo, wie fein Vater
Hajani, den Byffos und die buntgewirkten Stoffe. Von
Cypern kam nach Sam'al der Gott Räp, kaum etwas
andres als eine Übertragung des vordorifchen AjcoXXcov
(djioXXvmv) von Amyklai, des Senders und Wehrers der
Seuchen ©©1. Nicht phön. Truppen, fondern Danaer
wird der Rspu in Ägypten angeführt haben, der dort
abgebildet ift (W. Max Müller, Afien p. 30b) mit der
Lanze des Amykläers und einem Gazellenkopf am Helm,
der an die Stelle der Ziege (Gruppe, Gr. Myth. 1243, 2,
833, I in Amyklai) getreten ift. Mit der alyic, fchreckt
Apoll nicht nur die Feinde, fondern fchützt auch die
Leiche Hektors vor Fäulnis £2 20. —■ Auch feine Bekannt-
fchaft mit dem Namen Aram's konnte Homer B 784 am
leichterten von Danaern aus Cypern erhalten haben, weil
diefe die Erdbeben eiv Agifioig dort noch fpüren mußten.
Daß in diefer Infchrift im 9. Jahrhundert an die Danaer
als Sklavenempfänger gedacht ift, wird nahegelegt dadurch
, daß diefe Rolle in der Chaldäerzeit und fpäter die
Javan übernehmen Ez. 27, 13. Is. 66, 19. Joel 4, 6. Diefe
Nordgriechen, die Ionier, find für den Afiaten an die
Stelle der Südgriechen gerückt.

Kiel. Georg Hoffmann.

Overbeck, Frz.: Das Johannesevangelium. Studien zur Kritik
feiner Erforfchg. Aus dem Nachlaß hrsg. v. Carl Albr.
Bernouilli. (XII, 540 S.) gr. 8°. Tübingen, J. C. B. Mohr
1911. M. 12—; geb. M. 15 —

In einem der erften Jahrzehnte des zweiten Jahrhunderts
hat ein unbekannter Chrift — vermutlich ein bekehrter,
feinem Volke längft entfremdeter, von der alexandrinifchen
Religionsfpekulation ftark beeinflußter und an den Grenzen
des Gnoftizismus flehender Jude — fich innerlich getrieben
gefühlt und den Plan gefaßt, feinen eigentümlichen Glauben
an Jefus Chriftus als den leibhaftigen Gottes Sohn zur
ficherften Anerkennung bei den Heidenchriften zu bringen.

Zu den Chriften gehörend, in denen gewiffe im Ur-
chriftentum wirkfame Kräfte den Sinn für Wahrheit und
Wirklichkeit auf einen relativ tiefften Stand herabgedrückt
hatten, trug er kein Bedenken, eine Gefchichte, wie fein
Glaube und fein Propaganda-Bedürfnis fie für nötig hielten,
zu erfinden, und entfehloß fich, mit diefer Erfindung die
Gläubigen zu myftifizieren. Zu diefem Zweck ift Alles
abfichtlich in einen Rätfel-Charakter gehüllt; aber eben
dadurch erreichte der Verf. feinen Zweck.

Die Erfindung einer völlig neuen Gefchichte wäre
aber am Anfang des 2. Jahrhunderts ein abfurdes Unternehmen
gewefen, weil fie keine Ausficht auf Erfolg
geboten hätte; alfo mußte der Verf. fich, einen großen
Teil des äußeren Stoffs anlangend, an eben die Quellen
halten, deren Chriftusbild (und mit ihm fie felbft) er
als ganz ungenügend verdrängen wollte — die Synoptiker.
Ein kanonifches Anfehen, fei es auch nur in Anfängen,
können diefe Evangelien damals noch nicht befeffen
haben; das geht aus dem Unternehmen des Unbekannten
deutlich hervor.

Indem der Unbekannte einen Teil des fynoptifchen
Stoffs feinen Zwecken durch kühnfte Unfchaffung dienft-
bar machte, erfand er faft alles Übrige, vor allem die
Reden, die den Hauptinhalt des Buchs bilden, aber auch