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Ausgabe:

1912

Spalte:

289

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Hastings, James (Ed.)

Titel/Untertitel:

Encyclopaedia of Religion and Ethics. Vol. IV 1912

Rezensent:

Lobstein, Paul

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Seite 1

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Theologische Literaturzeitung

Begründet von Emil Schürer und Adolf Harnack

Fortaeführt von Professor D. Arthur TitiUS und Oberlehrer Lic. Hermann Schuster

ö

Jährlich 26 Nm. Verlag: J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung, Leipzig Halbjährlich 9 Mark

Manufkripte und gelehrte Mitteilungen find ausfchließlich an _ . ir.10

37. Jahri? Nr 10 ProfefforD. Titius in Göttingen, Nikolausbcrger Weg 66, rufenden. 11. Mal lölkS

vm. uciillg. tri ■ t-J Rezenfionsexemplare ausfchließlich an den Verlag.

Encyclopaedia of Religion and Ethics. Vol. IV.

Confirmation — Drama (Lobflein).
Hirfch, Religion u. Zivilifation vom Standpunkt

des Pfychiaters (Weber).
Torge, Seelenglaube und UnfterblichkeitshofT-

nung im Alten Teftament (Bertholet).
Strack, Pesahim. Der Misnatraktat Paffafeu

(Bacher).

Heitmiiller, Taufe und Abendmahl im Ur-

chriftentum (K. G. Goetz).
Pfättifch, Die Dauer der Lehrtätigkeit Jefu

Thieling, Der Hellenismus in Kleinafrika (Paul

Wendland).
Krauß, Antoninus u. Rabbi (Bifchoff).
Leszyusky, Die Löfung des Antoninusrätfels

(Derf.).

Öhlander, Canones Hippolyti och besläktade

skrifter (Heikel).
Schultheß-Rechberg, Luther, Zwingli u.
Calvin in ihren Anflehten üb. das Verhältnis
v. Staat u. Kirche (Eger).
üanaSöno tilo;, 'Jcrropt'a r»g ixxj.Tjolag

(Hennecke). 'hQoaoUfxtuv (Ph. Meyer).

Völter, Die Offenbarung Johannis neu unter- Vollrath, Die Auseinanderfetzung Herders mit
fucht und erläutert (Bouffet). Spinoza (Stephan).

Campbell, Die neue Theologie (Wernle).
Herzog, Zum Begriffe der ,guten Sitten' im

bürgerlichen Gefetzbuche (L. v. Bar).
Schoell, Evangelifche Gemeindepflege (Schian).
Baum, Theodor Fifchers Kirchenbauten in

Württemberg (Kopp).

Referate: Hierarchia catholica medii aevi. —
Witzel, Die Ausgrabungen u. Entdeckungen
im Zweißrömeland. — Traub, Wie macht
man den Kindern die Religion verhaßt? —
Jäger, Religionsunterricht, Katechismus und
Memorierftoff.

Erwiderung von Frankenberg.

Wichtige Rezenfionen. •— Neuefte Literatur.

Hirfch. Dr. William: Religion u Zivilifation vom Standpunkt
des Pfychiaters. (VII,652S.)gr.8°. München,E.W.Bon-
fels & Co. 1911. M. 8—; geb. M. 10 —

Der Gedankengang, den der Verfaffer in diefem umfangreichen
Buch zu erweifen fucht, ift folgender: Sämtliche
Religionen haben ihren Urfprung in der Frage der
Naturvölker nach der Erfchaffung der Welt. Der Polytheismus
der Mittelmeervölker ,ift das Erzeugnis fymbo-
lifcher Dichtungen'. Der (jüdifche und chriftliche) Mono-
riier reichtet worden (IcaOiV, l^utZ^2^lQlo!^W^12-, miV, theismus ift das Produkt geifteskranker Menfchen, nämlich

Encyclopaedia of Religion and Ethics. Edited by James
Hastings, M. A., D.D., with the Assistance of John
A. Selbie, M. A., D. D., and other Scholars. Vol. IV.
Confirmation - Drama. (XVI, 907 S.) Lex. 8°. Edinburgh
, T. & T. Clark 1911. Geb. s. 28 —

In rafchem Tempo fchreitet Hartings' Enzyklopädie
vorwärts. Der vierte Band geht vom Art. Confirmation
bis zum Art. Drama. Über Anlage, Charakter und leitende
Grundgedanken ift aus Anlaß der drei früheren Bände

Num. 23); felbftverftändlich ift das Werk dem bisher
ausgeführten Programm treu geblieben. Von den 166
Mitarbeitern entflammen die meiften den Ländern eng-
lifcher Zunge. Dann kommt Deutfchland, das durch
16 Gelehrte vertreten ift (u. A. Bethe, Aug. Dorner,
Hillebrandt, Loofs, Mirbt, Troeltfch). Frankreich, Belgien,
Holland, Öfterreich, Italien, Schweden, Griechenland, Finnland
haben Beiträge geliefert, auch Japan und Perfien.
Einige Damen nehmen fich in dem Chor der Verfaffer
fehr gut aus. Wiederum Hellen eine nicht geringe Zahl
von Artikeln wahre Monographien dar, die der Mitwirkung
namhafter Fachgelehrten ihre Entftehung verdanken: der
Artikel Death and disposal of the dead zählt 25 Verfaffer,
Cosmogony and Cosmology 20, Demons and Spirits 20,
Divination 18, Crimes and Punishments 16, Disease and
Medicine 12, Drama 8, Creeds and articles 8, Conscience6.
Unter den Beiträgen zur Religionsgefchichte verdienen die
über Confucian religion (DeGroot) und Confucius (W. Gilbert
Walshe) eine befondere Erwähnung. Sehr dankenswert
find auch in diefem Band die Artikel über Gegenftände
und Verhältniffe aus den Ländern und Völkern englifcher
Zunge, z. B. Congregationalism (W. Walker), Convocation
(W. C. Cobb), Covenant (J. A. MacCulloch), Covenanters
(J. Herkleß), Covenant Theology (W. Adams Brown),
Connexionalism (W. T. Whitley). — Das großartig angelegte
Werk macht dem Herausgeber und dem Verleger
alle Ehre. Auch wird die Hoffnung, das Ende des
Unternehmens einmal begrüßen zu dürfen, den jüngeren
Lehern eine berechtigte Genugtuung verfchaffen; die
Alteren unter uns werden vorausfichtlich diefen glücklichen
Augenblick nicht mehr erleben.

Straßburg i. E. P. Lobftein.

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der Erzväter, Abraham, Ifaac, Jakob; fie, wie andere
biblifche Perfönlichkeiten (Jofeph, Mofes, Samuel, Chriftus,
Paulus u. a.) find .typifche Paranoiker', die ihnen zu Teil
gewordenen Offenbarungen Gottes Halluzinationen; die dem
echten Paranoiker eigene fuggestive Kraft ift die Urfache,
daß niemand an der Wahrheit ihrer Behauptung zweifelte,
und hat dem Monotheismus feinen durchfchlagenden
Erfolg verliehen. Auch in allen Heiligenlegenden erkennt
der Verfaffer ,ohne Weiteres' die Krankengeschichten
von Paranoikern. Die Paranoia kennt man als Krankheit
erft feit etwa 100 Jahren; deshalb hielt früher niemand
diefe Leute für krank. Und jetzt fleht man vor der Tatfache
, ,daß die Menfchheit Jahrtaufende lang die Krank-
heitsfymptome einiger geifteskranker Juden zu ihrem
höchften Ideale erhoben hat'. Diefe Religion ift von jeher
der Feind jeder Zivilifation gewefen; auch die fogenannte
Reformation war noch fanatifcher und orthodoxer. Der,
Verfaffer fieht das einzige Heil der Menfchheit in der
,Abfchaffung' aller und jeder Religion, an deren Stelle er
,eine neue Sittenlehre, einen wirklichen Altruismus' fetzen
will. , Anftatt allwöchentlich das Volk an die geifteskranken
Juden des Altertums zu erinnern, möge man ihm popu-
lärwiffenfchaftliche Vorträge halten, von denen es etwas
profitieren kann.'

Referent muß fich auf eine Kritik der Stellen des
Buches befchränken, die in das Arbeitsgebiet des Pfycho-
logen und Pfychiaters fallen.

Meines Erachtens ift der Urfprung der Religionen
nicht ausfchließlieh in der rein verftandesmäßigen Frage
nach dem Entfliehen der Dinge zu fuchen, fondern das
Bedürfnis nach Religion wurzelt pfychologifch in affektiven
Regungen, die mit Furcht und ähnlichen primitiven Gefühlen
verwandt find.

Bezüglich der Paranoia der angeführten biblifchen

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