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Ausgabe:

1912 Nr. 1

Spalte:

3-5

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

König, Eduard

Titel/Untertitel:

Hebräisches und aramäisches Wörterbuch zum Alten Testament mit Einschaltung und Analyse aller schwer erkennbaren Formen, Deutung der Eigennamen sowie der massoretischen Randbemerkungen 1912

Rezensent:

Rahlfs, Alfred

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Theologifche Literaturzeitung 1912 Nr. I.

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(S. 5 f.) dient der immer wiederkehrende Kifu, eine äußere
Umkleidung aus gebrannten Backfteinen, die fich der
eigentlichen Tempelwand in allen ihren Formen anfchließt
(S. 15 fr. ufw.). Deutlich follte Sicherung der Mauern
gegen Spaltungen hergeftellt werden durch die Einlegung
von jetzt zu weißer Afche verfallenen Rohr- oder Schilfmatten
und die Einfchiebung von Palmenbalken (S. 5).
Merkwürdig find noch die zum Teil übereinander liegenden
Fußböden (S. 21 f. ufw.). Die Veranlaffung diefer bis
über 5 Meter betragenden Erhöhungen des Bodens bleibt
unklar. — Für den Straßeneindruck des neubabylonifchen
Babel in feinen Privatbauten ift als maßgebend zu denken
die rechtwinklige Anlage der einzelnen Räume des Haufes
bei nicht rechtwinkliger Anlage der Straßen, fodaß fäge-
förmige Straßenlinien entftanden (S. 35). Noch ift auf-
merkfam zu machen auf die Lage der gefundenen Särge.
Sie liegen wenigftens zumeift oder vielleicht ausnahmslos
,nicht in den Häufern, die unter Lebendbenutaung ftanden'
(S. 34). Auf paläftinifchem Boden glaubt man bekanntlich
andere Beobachtungen über die Lage der Gräber
gemacht zu haben.

Für die Anfchauung von altifraelitifchen Heiligtümern
ift aus den babylonifchen Bauten wenig zu entnehmen.
In der Technik des Bauens können vielleicht Berührungen
vorliegen. Für die Formen aber des Salomonifchen
Tempels war es fchon vorher deutlich genug und muß
jetzt als evident gelten, daß fie ägyptifchen Urfprungs
find und auch nicht indirekt einem babylonifchen Vorbild
entfprechen. Die babylonifche Architektur hat alfo
auf das Vorbild des jerufalemifchen Tempels, den des
Melkart in Tyrus, in den Formen keinen Einfluß gehabt
und danach kaum überhaupt auf die phönizifchen Tempel.
Diefe negative Beobachtung ift auch für die Entwicklung
der kanaanäifchen und ifraelitifchen Religion in ihrem
Verhältnis zur babylonifchen nicht unbedeutfam.
Berlin. Wolf Baudiffin.

König, Geh. Konfift.-R. Prof. D. Dr. Eduard: Hebräifches
u. aramäifches Wörterbuch zum Alten Teltament m. Ein-
fchaltung u. Analyfe aller fchwer erkennbaren Formen,
Deutung der Eigennamen fowie der mafforetifchen
Randbemerkungen u. e. deutfch-hebräifchen Wort-
regifter. (X, 66$ S.) gr. 8°. Leipzig, Dieterich 1910.

M. 11 —; geb. M. 13 —

In diefem neuen Wörterbuch will der Verfaffer, wie
er im Vorwort fagt, vor allem die Ergebniffe feiner For-
fchungen über die Bedeutungsentwickelung der hebräifchen
Wörter vorlegen. ,Es foll alfo der innere — logifch-
pfychologifche — Zufammenhang zwifchen den Bedeutungen
der Wörter aufgehellt und dadurch ein abfoluter
Fortfehritt nicht bloß für die hebräifch-femitifche Lexikographie
, fondern für die Semafiologie überhaupt angebahnt
werden'. Hier liegt in der Tat ein abfoluter Unterfchied
des neuen Wörterbuchs von allen früheren. Mit bewunderungswürdiger
Energie hat König überall feine logifch-
pfychologifchen Schemata durchgeführt. Hier nur zwei
Beifpiele. Bei Gefenius-Buhl wird als Bedeutung von "ipa
angegeben 1) die Frühe, der Morgen, 2) der nächfte
Morgen, 3) bildlich: von der Zeit der Erlöfung; bei König
heißt es: Morgen, ia) eigentlich, b) fynekdochifch fpeziell:
der Morgen des nächften Tages, 2) uneigentlich: a) me-
tonymifch: Sonne (diefe Bedeutung nimmt König für
Pf. 65,9 an, das daneben flehende an? foll metonymifch
.untergehende Sonne' heißen), b) metäphorifch für neues
Gefchichtsftadium (Pf. 90, 14) oder Anbruchszeit des Heils.
Bei Gef.-Buhl wird als Bedeutung von 31© und firp© angegeben
1) das graue Haar (des Greifes), 2) hohes'Älter;
bei König heißt es: ia) graues Haar, b) fynekdochifch
für die ganze Perfon: ,Ergraute(r) oder Graugewordene(r)',
2) metonymifch gefetzt: a) für das dadurch charakterifierte
Lebensftadium = Greifenalter, (hohes) Alter (metäphorifch:

.fernfte Dauer' Jef. 46,4), b) für den Befitzer = Greis oder
Greifm. Über den Wert und die Zweckmäßigkeit einer
folchen Schematifierung werden allerdings die Anflehten
auseinandergehn. Ich gebe zu, daß fie unter Umftänden
das Verftändnis erleichtern mag, aber mit Königs Unerbittlichkeit
durchgeführt empfinde ich fie als Tortur. Aber
wie man auch darüber denken mag, klar fcheint mir, daß
König oft des Guten zu viel tut. Z. B. vermag ich bei
31© und rüittJ keinen wefentlichen Unterfchied zwifchen
ib) Ergraute(r) oder Graugewordene(r) und 2 b) Greis
oder Greifin zu entdecken. Vor allem bringt König vieles,
was m. E. wohl in feiner ,Stiliftik, Rhetorik, Poetik' angebracht
ift, aber nicht in einem Wörterbuch. Ganz über-
flüffig, ja geradezu irreführend ift es z. B., in einem Wörterbuch
für nstp't? .Köcher' als metaphorifche Bedeutung in
Pf. 127,5 .Familienfchatz uä.' anzugeben; die Söhne find
vorher mit Pfeilen verglichen, der Dichter bleibt alfo nur
im Bilde, wenn er den Mann glücklich preift, der feinen
Köcher mit ihnen gefüllt hat. Es ift doch nicht die
Aufgabe des Wörterbuchs, jedes im Alten Teftament vorkommende
Bild anzuführen; nur wenn ein bildlicher Ausdruck
fo üblich geworden ift, daß er nicht mehr als Bild
empfunden wird, fondern geradezu für den eigentlichen
Ausdruck eintritt, gehört er ins Wörterbuch. Ebenfo ift
es nicht die Aufgabe des Wörterbuchs, fondern höchftens
der Stiliftik, in Gen. 2,9; 3,6, wo Bäume als ,gut zu effen'
bezeichnet werden, eine metonymifche Verwendung von
72>,Baum'für ,Baumfrucht' und injer. 11,19, wo Jeremias
Feinde in Beziehung auf ihn fagen ,Laßt uns den Baum
verderben', eine metaphorifch-perfonihzierendeVerwendung
desfelben Wortes zu konftatieren.

Als zweite Aufgabe feines Wörterbuchs bezeichnet
der Verf. die Erklärung der Eigennamen. Nachdem man
die Eigennamen früher ganz naiv nach ihrer jetzigen Form
(z. B. Tn&C ,Befitzer') und mit fehr weitem Gewiffen hin-
uchtlich'd'er Wurzelbedeutungen erklärt hatte, ift man in
neuerer Zeit vorfichtiger geworden, hat nun aber das
Kind mit dem Bade ausgefchüttet und die Überfetzung
der Eigennamen aus den Wörterbüchern ganz geftrichen.
König hat die m. E. völlig richtige Mittelftraße gewählt,
die Erklärung der Eigennamen wieder aufzunehmen, aber
nur ,fo weit, als es gefchehen kann, ohne daß man fich
zu_ bodenlofen Phantafien verirrt'. Allerdings läuft auch
bei ihm manches Bedenkliche unter, wie asnis: ,'Bruder
vom Vater' d. h. Erfatz für einen fehlenden ' öder bald
verftorbenen Bruder des Vaters', TiniBS .Frauenreich',
yrTO ,'Gerichtsftätte' oder 'Richten' als Äbstr. pro concr.
'Richter' (als Volksname!), n^bpri .Umdunkelt hat fich
Jahve', pp "in© ,ein Morgenrot i'ft Jahve'.

Ferner will König ,zu den taufend fonftigen Fragen,
die die hebräifche Lexikographie trotz der raftlofen Arbeit
der Jahrhunderte naturgemäß noch immer ftellt, kri-
tifche Stellung nehmen' und dabei auch ftets ,auf die
neuefte Literatur hinweifen'. Hier zeigt fich feine außerordentliche
Belefenheit; auch wer den neueften Gefenius-
Buhl befitzt, wird bei König manche Ergänzungen finden.
Nur follte er uns nicht jede allerneuefte Torheit auftifchen.
Es ift z. B. völlig gleichgültig, daß A.Jeremias 1906 behauptet
hat, der Gottesname fei ,von jeher' nii"P gefpro-
chen, oder daß Joüon allerneueftens in Jer. 17, 1 fTlDirj
D^ninaTÖ ,die Hörner eurer Altäre 'in D^ninSE ftiinp ,les
protuberances de vos fronts' zu ändern vorgefchlagen hat.

Mit den wiffenfehaftlichen Gefichtspunkten verbindet
König praktifche. Um den Anfängern das Eindringen in
die hebräifche Sprache zu erleichtern, hat er etwa 1000
fchwer erkennbare Formen aufgenommen und erklärt.
Auch hat er — eine, wie mir fcheint, fehr glückliche
Neuerung — eine vollftändige Erläuterung der in den
meiften Bibelausgaben flehenden maforetifchen Randbemerkungen
gegeben.

In Königs Wörterbuch fleckt viel fleißige Arbeit.
Nirgends ift es eine einfache Kopie eines älteren Lexikons,
fondern überall zeigt fich die felbftändige Arbeit des