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Ausgabe:

1912 Nr. 7

Spalte:

220

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Skovgaard-Petersen, C.

Titel/Untertitel:

Das Buch der Jugend 1912

Rezensent:

Eger, Karl

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219

Theologifche Literaturzeitung 1912 Nr. 7.

220

verändert, find hier zufammen als Büchlein veröffentlicht
. Sie follen einander ergänzen: Die bibl. Gefchichte
bringt die objektiv - gefchichtlichen, Katechismus und
Kirchenlied die fubjektiven Stoffe; jene allgemein chrift-
liche, diefe befonders kirchliche.

N. geht in der Behandlung feiner drei Aufgaben
den Weg, daß er zuerft den Stoff und fein Problem,
dann die Behandlungsweife und methodifche Hülfsbücher
befchreibt und beurteilt. Diefe natürliche Anordnung
führt um fo ficherer zum Ziel, als fie mit völliger
Freiheit gehandhabt wird.

Bei der biblifchen Gefchichte handelt es fich, nachdem
die alte auf das Gedächtnis gerichtete Memorier-
Unfitte überwunden ift, um den Streit des Verftandes
mit der Phantafie. Die in den Präparationswerken und
in der Praxis herrfchende Methode arbeitet wefentlich
mit dem Verftande, will klare und deutliche Begriffe
herausarbeiten und durch Vorftellungen den Willen in
Bewegung fetzen (z. T. auf Grund herbartifcher Pfycho-
logie und mit feinen vier Formalftufen). Dagegen wollen
Zurhellen und Max Paul durch fchönes, farbig ausgeführtes
Erzählen auf Phantafie und Gefühl wirken,
hoffen auch, auf diefem Wege ficherer und ftärker aut
den Willen zu wirken. N.'s Sympathie gehört mit Recht
der letzten Art; doch ftellt er kein Schema und Gefetz
auf, warnt nur vor den beiden Extremen und fondert
weife fo, daß die ausmalende Erzählung mehr an den
Anfang, die geiftige Bearbeitung mehr an das Ende der
Schulzeit gehöre.

Den folgenden beiden Abfchnitten kann ich nicht
fo unbedingt zuftimmen. Was den Katechismus anlangt,
fo finde ich in ihm mehr dogmatifches Geftein als der
Verfaffer, auch im 2. und 3. Artikel. Vor allem aber:
das Idealchriftentum, das N. hier mit Recht befchrieben
findet, ift fo hoch, fo fingulär, daß es von Kindern einfach
nicht nacherlebt werden kann. M. E. hat Dr. Hennig
völlig recht, wenn er (Neues Sächf. Kirchenblatt 1910,
51 u. 52) die Frage, ob fich in der Volksfchuljugend
(ebenfo bei Quartanern oder Tertianern) ein religiöfes
(nicht bloß hiftorifch-pfychologifches) Verftändnis des
Kl. Katechismus Luthers erwecken läßt, mit ,Nein' beantwortet
. Ich erinnere nur an das ,ich verlorener und
verdammter Menfch' und ,nicht aus eigner Kraft'.

Und wie vieles muß nicht um- und zugedeutet werden?
Für die ganze Schülerethik (Förfters Jugendlehre) bietet
Luthers Katechismus höchftens ein Sprungbrett, nicht
viel beffer fteht es mit unferer modernen Sozialethik.
Wenn der K. nicht kirchlich gegeben wäre, würde heute
auch wohl kein verftändiger Pädagoge den Gedanken
auch nur erwägen, Luthers K. feinem Unterricht zugrunde
zu legen. Aber andererfeits bekenne ich gern, N. ver-
fteht beinahe, aus der Not eine Tugend zu machen; er
behandelt den K. als Bekenntnis nicht der Schüler, fondern
des Idealchriften, läßt alles Dogmatifche beifeite und
fügt vermißte Stoffe am richtigen Platz ein, forgt fich
um kein Syftem, fondern geht frifch auf die Praxis los.

Mit dem Kirchenlied fteht es ähnlich. Ich kann
unfere Gefangbuchslieder nicht fo hoch einfchätzen, es
ift viel Konventionelles darunter, viel poetifch Minderwertiges
; viele Lieder find unferer modern-proteftantifchen
Frömmigkeit nur mit Abftrichen oder Umdeutungen erträglich
, vor allem die Feftlieder. Für manche wichtige
Stimmungen und Gedanken des heutigen Proteftantismus
gibt es keinen (oder keinen vollwertigen) Ausdruck im
Kirchenlied (man laffe fich nicht durch hiftorifches Nachempfinden
den Blick beirren), und last not least: Manche
der wertvollften und tiefften Lieder find für Kinder
kaum genießbar (Aus tiefer Not). Aber N.'s Methode,
die Lieder zu behandeln (nicht zerklären, fondern den
Hauptgedanken herausholen und an einem Lebensbilde
veranfchaulichen) und zu verwerten (alle Seiten des
ChriftenlebensmitLiedern darfteilen, .Lieder-Katechismus1),
ift zweifellos vortrefflich und verdient Befolgung. Auch

darin hat er Recht, daß in unferem Gefangbuch Schätze
flecken, die nicht genug ausgenutzt werden: Man folle
fich nicht auf die wenigen Lieder des Memorierkanons
befchränken, fondern (durch Vorlefen und Beten) den
Kreis möglichft erweitern, follte heranziehen, was 1 ur
immer wertvoll und für Kinder geeignet ift.

Endlich noch ein Wort: Wie ich refignierter denke
über den praktifchen Wert von Katechismus und Lied,
fo auch über Ziel und Erfolg des Religionsunterrichts.
N. will die Jugend zu Jefus führen, Hingebung an Jefus
wecken, alfo direkt religiös wirken. Die Mehrzahl
unferer nachdenkenden Rel.-Lehrer (an höheren Schulen)
fteckt fich das Ziel befcheidener: Ein dem fonftigen
Unterricht entfprechendes Verftändnis des Chriften-
tums (Bornemann), ethifche Propädeutik (Eger). Daß für
diefes Ziel die Hinführung vor Jefu Perfonbild das vor-
nehmfte Mittel fei, darüber dürfte kein Streit fein.
Aber direkt Hingebung wecken wollen, das dünkt uns
kein Schul ziel in unferem heutigen ftaatlichen Schulbetrieb
.

Doch zwifchen uns und N. ift wohl praktifch die
Differenz nicht groß. Dazu liegt ihm alles ungefund
Treibende viel zu fern, dazu ift feine ganze Art viel zu
fein und innerlich, viel zu nüchtern und klug. So darf
ich trotz meiner Einfchränkungen mit einer warmen,
herzlichen Empfehlung fchließen.

Hannover. Schufter.
Referate.

Skoygaard-Peterlen, C: Das Buch der Jugend. Autorifierte
Überfetzung aus dem Dänifchen von Pfr. I). Walther Bleibtreu
. (271 S.) gr. 8». Berlin, M. Warneck 1910. Geb. M. 4.60
Ein prächtiges Buch, das für junge Leute etwa vom 17. Jahr
an nicht warm genug empfohlen werden kann, ein würdiges
Seitenftück zu des Vf. ,Des Glaubens Bedeutung im Kampf ums
Dafein'. Religiöfe Kraft und Wärme verbinden fich aufs glück-
lichfte mit einem aufgefchloffenen Sinn für alles, was die Jugend
erfüllt und bewegt, fo daß die Jugend zweifellos Vertrauen zu
dem faßt, der aus fo feinem Verftändnis ihrer Freuden und
Schmerzen heraus zu ihr redet. Die Art Sk.'s ift ja zur Genüge
bekannt und wird auch hier nicht verleugnet: energifches Vorhalten
der religiös-fittlichen Wirklichkeiten und Aufgaben ohne
viel Theoretifieren; dabei aber ift er frei von aller Enge und
Manier. Höchftens könnte der vielfach in anderer Weife beeinflußten
und unterrichteten deutfchen Jugend gegenüber der unbefangene
Biblizismus des Vf. fremd erfcheinen; aber er tritt
fo wenig als tragender Grund feines frommen Bewulitfeins hervor
, geht mit dem Dringen auf zentrales religiös-fittliches Erleben
und Erfahren fo eng Hand in Hand, daß ich von ihm aus keine
Beeinträchtigung in der Wirkung des vortrefflichen Buches
fürchte, das nicht nur jungen Leuten viel zu fagen hat.

Friedberg i. H. K. Eger.

Mitteilungen.

9. In der letzten Sitzung der Britifchen Akademie der Wiffen-
fchaften fprach Prof. F. C. Burkitt über die fyrifche Tradition
vonneuteftamentlichenEigennamen. Bei der Betrachtung
von Perfonen- und geographifchen Namen in den alten fyrifchen
Verfionen des Neuen Teflaments bringen uns ihre Formen fofort
zu den Fragen über die urfprüngliche femitifche Form der Namen.
Solche Namen, wie Abraham, Ifaak und Jakob aus dem Grie-
chifchen korrekt in das Syrifche zu übertragen, ift unmöglich,
wenn man nicht mit der urfprünglich-hebräifchen Ausfprache
bekannt ift. Wenn in den fyrifchen Überfetzungen des Neuen
Teftamentes folche Namen korrekt überfetzt find, fo ift dies ein
Beweis, daß der Überfetzer mit ihnen bereits aus einer dem
Hebräifchen entnommenen Quelle bekannt geworden war, mit
andern Worten: er kannte das Alte Teftament in der fyrifchen
Uberfetzung. Die Schwierigkeit liegt aber in folchen Namen,
die in dem Alten Teftament nicht vorkommen. Während folche
Namen in vielen Fällen in verftändnisvoller Weife im Syrifchen
transferibiert find, gibt es aber auch arge Schnitzer, welche
zeigen, daß der Überfetzer keine Tradition oder Information, auf
die er fich hätte nützen können, zur Verfügung hatte. So fteht
z. B. ,Joarash' für ,JaTrus', wo der Überfetzer nicht erkannt hat,
daß es fich um den Namen ,Jair' handelte. Gewiffe Namen, wie