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Ausgabe:

1912

Spalte:

177-182

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

D. Martin Luthers Werke. Kritische Gesamtausgabe. 30. Bd., I. Abt 1912

Rezensent:

Knoke, Karl

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Verhaltens Benedikts XII. gegen ihn. Wir wiffen, daß
Benedikt gegen Meißer Eckhart gefchrieben hat, ebenfo
daß Venturino der Meinung war, daß der Papft in Rom
refidieren miilTe. Die Frage wäre wohl aufzuwerfen, ob
nicht auch von hier aus fein Pilgerzug nach Rom erklärt
werden muß. Man kann hier wieder ftudieren, wie unheilvoll
es für Rom, für Italien und für das Papßtum war,
daß der Papft üch in Avignon befand. Alles in Allem,
Altaners inhaltreiche, zudem gut gefchriebene Arbeit iß
fehr dankenswert und wird gewiß auch zu weiteren Studien
in der älteren Gefchichte des DominikanerorJens anregen.

Kiel G. Ficker.

Luther's, Dr. Martin, Werke. Kritifche Gefamtausgabe.
30. Bd. I. Abteilung. (VI, 826 S.) Lex. 8°. Weimar,
H. Böhlaus Nachf. 1910. M. 25.20

Der von den Beteiligten mit geßeigerter Spannung
erwartete Katechismusband der Weimarer Lutherausgabe
liegt nunmehr in einem ftattlichen Umfange von 826
u. VI Seiten gedruckt vor. Er enthält 1) die drei Reihen
Katechismuspredigten Luthers, welche im Mai, Sept. und
vom 30. Nov. bis 19. Dez. 1528 gehalten wurden und
welche für den Nachweis der Entßehung und für das
Yerftändnis der beiden Katechismen Luthers eine grundlegende
Bedeutung haben (S. 2—122). Sie waren uns
fchon durch die Publikation D. Buchwalds: ,Die Entßehung
der Katechismen etc.' Lpzg. 1894, bekannt. Sie
find auch hier wieder von Buchwald ediert, die 3. diefer
Predigtreihen um den Paralleltext vermehrt, welchen die
Reinfchrift einer Nachfchrift der betreffenden Predigten
in dem Cod. Solger 13 der Stadtbibliothek zu Nürnberg
bietet. Was Buchwald als hiftorifch-kritifche Einleitung
zu feiner früheren Ausgabe in den Stud. u. Krit. 1894,
in der Ztfch. f. Kgfch. XIV, fowie in der genannten
Schrift über ,die Entftehung' ufw. veröffentlicht hat, wird
hier als bekannt vorausgefetzt und darum nicht noch
einmal, auch nicht in überarbeiteter Form, wiederholt.
Der Band enthält 2) den Text des Großen Kat. S. 123 1
bis 238, herausgegeben von O. Brenner unter Beihilfe
von D. Albrecht. Für den hier gebotenen Text iß: die
editio princeps (Wittenberg, Georg Rhaw 1529) ,die
Grundlage' (S. 526). Der zweiten Ausgabe (ibi 1530) iß
die ,Vermahnung zu der Beicht' S. 233 ff. entnommen;
aus ihr entßammen auch die beigefügten Bilder und
Randgloffen. Aus der 3. Ausgabe (ibi 1530) ßammt die
,neue Vorrede' S. 125 fr. — Erwünfcht wäre es gewefen,
wenn fchon der Abdruck des Textes die verfchiedene
Provenienz feiner einzelnen Abfchnitte durch Angabe der
verfchiedenen Ausgaben (Tie werden fonß hier mit a, % A
bezeichnet) nachwiefe. In der vorliegenden Wiedergabe
muß fich der Lefer diefe Provenienz aus den übrigen
Abfchnitten des Buches erß mühfam zufammenfuchen.
Bei flüchtigem Gebrauch des Neudruckes können doch
leicht Irrungen entßehen. Im übrigen find dem Texte
Nachweife über abweichende Lesarten aus den Ausgaben
, foweit fie noch vorhanden, in Fußnoten hinzugefügt
. In einer ,befonderen Einleitung' zum Gr. Kat.
handelt D. Albrecht über deffen ,Name und Zweck', über
feine .Grundlagen u. die Art ihrer Verwertung', und
über feine .Textgefchichte' (S. 475—498). Von ihm iß
auch eine Bibliographie zum Gr. Kat. S. 499—521 zu-
fammengeßellt. Sie umfaßt den Nachweis der Ausgaben
in hochdeutfcher, niederdeutfcher u. lateinifcher Sprache,
fowie von Spätdrucken des 16. Jahrh. Endlich hat
O. Brenner noch .Philologifche Bemerkungen' zu diefem
Kat. S. 521—536 hinzugefügt, die fich vorwiegend auf
mundartliche, grammatifche, orthographifche u. ä. Unter-
fchiede der befprochenen Ausgaben beziehen. — Die
neue Ausgabe des Gr. Kat. entfpricht alfo in der Hauptfache
allen Anforderungen, welche man an eine hißorifch-
kritifche Reproduktion desfelben zu ßellen berechtigt iß. I
Zu Einzelbemerkungen gibt fie mir umfoweniger Anlaß, I

als ich den mir verfügbaren Raum zu folchen über die
1 vorliegende Ausgabe des Kleinen Kat. etwas ßark in
Anfpruch nehmen muß.

Die Ausgabe enthält nämlich auch 3) eine hißorifch-
kritifche Wiedergabe des Kleinen Katechismus. Dem
Umfange nach nimmt fie weitaus den größeren Teil des
Bandes ein, nämlich: a, Text und Lesarten, heraus-
gegeben von Albrecht, Brenner und J. Luther S. 229—
! 425, Befondere Einleitung zum Kl. Kat. von Albrecht
S. 537—665, Bibliographie desfelben ebenfalls von Albrecht
unter Mitwirkung von Luther S. 666—807 und .Philologifche
Bemerkungen' zu ihm von Brenner S. 807—819.
— Zu bemerken iß, daß fich auch von dem Abfchnitte:
.Vorbemerkungen zu beiden Katechismen' von Albrecht
S. 426—474 ein großer Teil mit dem Kl. Kat. befchäftigt
und daß fich ebenfalls manche der .Nachträge und Berichtigungen
' S. 820—826 auf ihn beziehen. Der Kl.
Kat. nimmt alfo den größeren Raum des Buches ein,
und es wird fich dadurch rechtfertigen, daß wir diefen
Teil desfelben eingehender befprechen.

Die Hauptarbeit bei der Herausgabe des Kl. Kat.
iß D. Albrecht zugefallen. Durch eine Reihe von Publikationen
, die er voraufgehen ließ, hatte er ferne wiffen-
fchaftliche und technifche Legitimation zur Übernahme
einer fo großen, verantwortungsvollen und bedeutungsreichen
Arbeit nachgewiefen. Es handelt fich namentlich
um feine Auffätze im Archiv für Reformationsge-
fchichte 1904. 1905. 1906: Zur Bibliographie . .. des Kl.
Luth. Kat; in den Stud. u. Krit. 1907, 726"., 434 ff. u.
564 ff.: Katechismusßudien; dafelbß 1908, 542 ff: Neue
Katechismusßudien; in den Jahrb. der Erfurter Akademie
1904, 565 fr.: Ausgabe von 1540, und befonders um feine
Schrift: Der Kl. Kat. ...v.J. 1536. Halle a. S. 1905.
(Zu diefer vgl. meine Anzeige in XXX, 471 ff. der ThLZ.)
Diefe Publikationen gewähren einen lebendigen Einblick
in das Riefenmaterial, welches von dem Verf. mit ungewöhnlichem
Spürfinn und erßaunlichem Fleiße zu-
fiimmengetragen worden unter Benutzung aller Fort-
fchritte der heutigen Ausnutzungsmöglichkeiten der
öffentlichen und privaten Bibliotheken und der Fort-
fchritte des modernen Verkehrswefens, durch den Um-
fiand begünßigt, daß ihm innerhalb des Deutfchen Reiches
Portofreiheit für die Sendungen, die für feine amtlichen
Arbeiten erfolgten, bewilligt worden. Jene Veröffentlichungen
ließen zugleich die Schärfe feiner Beobach-
tungs- u. Kombinationsgabe für die Datierung und Wertung
des angehäuften literarifchen Stoffes erkennen und
verrieten außerdem eine gewiffe Vorliebe für Beachtung
der bei folchen Arbeiten als unabweisbares Nebenprodukt
fich anfammelnden unzählbaren Minutien, mit
denen er vorwiegend gern bei der Begründung feiner An-
fchauungen methodifch zu operieren pflegt. Wer diefe
Vorarbeiten durchforfcht hatte, dem ergab fich aus ihnen
fchon vorweg ein ziemlich fcharf umriffenes Bild von
dem, was Albrecht als den Ertrag feiner Studien in der
Weimarer Lutherausgabe bringen werde. Was man erwarten
durfte, das hegt nun in großartiger Vollendung
mit vielen Vorzügen, aber auch manchen Einfeitigkeiten,
abgefchloffen im Drucke vor, überragt jedoch im einzelnen
unfre Erwartungen weitaus zu feinem Vorteile, wie zu
feinem Nachteile.

Berichten wir zunächß, was uns in der neuen Arbeit
von Albrecht geboten wird: Eine verkleinerte Nachbildung
des bekannten niederdeutfchen Tafeldruckes vom
Morgen- und Abendfegen S. 241; die Abfchrift Stiefels
von den urfprünglichen Tafeldrucken des Kl. Kat. und
die in Hamburg gedruckte niederdeutfche Buchausgabe
desfelben S. 243—263 (die Vorrede Luthers nach dem
Hamburger Drucke ßeht S. 265 ff). Ferner der bereits
früher von Härtung reproduzierte Erfurter Nachdruck
der verloren gegangenen 1. (oder 2.) Wittenberger Buchausgabe
1529; die lat. Überfetzung aus dem Enchiridion
piarum precationum 1529; die ,gemehrte u. gebefferte',