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Ausgabe:

1911 Nr. 26

Spalte:

827

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Ernst, Wilh.

Titel/Untertitel:

Ist das Christentum als Religion überbietbar? 1911

Rezensent:

Lobstein, Paul

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827

Theologifche Literaturzeitung 1911 Nr. 26.

828

Lietzmann das Verdienft, weiteren Kreifen die Kenntnis einer der
wichtigften und eigenartigften, zugleich freilich auch radikalften Schriften
Karlftadts zu vermitteln. Von dem Neudruck der Schrift: De Canonicis
Scripturis in Credners Gefchichte des Kanons und dem an verfteckter
Stelle erfolgten Abdruck einiger Traktate bei Walch abgefehen, find
Schriften Karlftadts feit der Reformationszeit überhaupt nicht wieder neu
gedruckt worden. Umfo mehr begrüßen wir die vorliegende Neuerfchei-
nung. Möchte fie zu vorurteilslofen Studien über die fo bedeutungsvollen
Wittenberger Vorgänge des J. 1522 in kirchenhiftorifchen Seminaren
den Anftoß geben.

Der Abdruck der von dem Unterzeichneten aufgefundenen und Karl-
ftadt II, 559 (nicht 359, wie bei Lietzmann S. 2 fteht) herausgegebenen
Wittenberger Beutelordnung macht erneut den Wunfeh rege, daß Nik.
Müllers fchon längft über diefe Materie angekündigte Publikation endlich
erfcheine, da vorher das Schlußwort in der fchwierigen Kontroverfe
kaum gefprochen werden kann. Bei der Literatur über die Beutelordnung
hätte des Unterzeichneten Auffatz ,Die ältefle evangelifche Armenordnung
' in der Hiftorifchen Vierteljahrsfchrift 1908 mit aufgeführt werden
können.

Leipzig. Hermann Barge.

Ernlt, Pfr. Dr. Wilh.: Ilt das Chriltentum als Religion überbietbar?

(43 S.) 8». Berlin, Trowitzfch & Sohn 1911. M. — 75

Die hier aufgeworfene Frage ift nicht in dem Sinne gemeint, ob das
Chriftentum durch eine höhere Religionsftufe überboten werden könnte;
der Vf. verfucht vielmehr eine theoretifche Begründung der Überlegenheit
des Chriftentums als Religion gegenüber den modernen Religions-
bildungsbeftrebungen. Als folche nennt Eruft die moniftifch-materialiftifche,
die äflhetifch-idealiftifche und die fozialiftifche: vermögen diefelben, eben-
fo wie das Chriftentum, dem Triebe des Menfchen nach Weltüberwin-
dung und Lebenserhöhung Genüge zu tun? In vier Abfchnitten begründet
der Vf. die Überlegenheit des Chriftentums. Diefelbe beruht
darauf, daß es 1. ganz Religion ift und es nur mit Gott und der Seele
zu tun hat; daß es 2. wirkliche Erlöfungsreligion ift, die die Gegenfätze
und Konflikte des Lebens in ihrer ganzen Schärfe und Tiefe auffinden
läßt, aus denfelben aber hinüberrettet in eine Welt, die ihm die neue
Gemeinfchaft mit Gott vermittelt; daß es 3. eine Religion abfoluter
Aktivität ift, deren Tendenz auf die Bildung und Kräftigung des Willens
zielt und die es mit Gott gegen das ganze Univerfum aufnehmen kann,
daß es endlich 4. keine Salonreligion, fondern eine mit durchaus fozialem
Geift erfüllte Volksreligion ift. Zum Schluß fetzt fich E. mit zwei immer
wieder gehörten Einwänden gegen das Chriftentum auseinander: wie
kommt es, daß die Großen im Reiche des Geiftes fich manchmal fo abfällig
Uber das Chriftentum geäußert haben? wie ift es zu erklären, daß
das Chriftentum heute im Volk foviel an Boden verliert? — Diefe Ausführungen
bewegen fich in derfelben Linie wie die frühere Schrift des
Vfs. über ,Aufgabe und Arbeitsmethode der Apologetik'; fie erheben
nicht den Anfpruch, das Thema in erfchöpfender Weife zu behandeln,
beleuchten aber einige Seiten des fehr zeitgemäßen Problems, und find
nicht in erfter Linie für die Zunfttheologen benimmt. Ern(t fchreibt den
Laien verftändlich, flott und frifch, zuweilen vielleicht etwas burfchikos
(S. 24: ,was aus dem Diesfeits ins Diesfeitige erlöfen will, erfcheint als
das, was es ift: Morphinismus oder Münchhausiade'). Überall bemüht fich
der Apologet um volles Verftändnis der gegnerifchen Anflehten, um
fachliche Prüfung der gegen den chriftlichen Glauben erhobenen Einwände
, um gewiffenhafte Begründung der eigenen Pofition. Der wohltuende
Optimismus, der fich durch das Ganze hindurchzieht, entflammt
nicht einer oberflächlichen Betrachtung der Dinge, fondern ift die Frucht
ernfter Arbeit und ehrlicher Überzeugung.

Straßburg i. E. P. Lobftein.

Mitteilungen.

69. Ein weiteres armenifches Irenaeus - Fragment (Stieren S. 310
bis 12 = Hb. II 13 [16] § 1—3: Verisimilius enim — anima subsistentes)
ift in der Ausgabe der armenifchen Überfetzung des Euagrios Pontikos
von Sargisean, Venedig 1907, S. 385—87 abgedruckt. Er benutzte eine
Handfchrift von S. Lazaro, in der die Überfchrift verderbt ift: Ex Irenaei
libris fcholion (quaestio) de nu et quinque ordinibus emissionis quod
Euagri[us afjfert. Ein Kodex der Wiener Mechithariften hat: Euagrii ex
Irenaei librorum scholiis. Weder der Herausgeber noch Akinean in
feinem zufammenfaffenden Artikel: Irenaeus in der armenifchen Literatur
(Handes amsöreay 1911, Juli), haben die Stelle identifiziert. Euagrios
hat nur zwei Zeilen am Schluß hinzugefügt. Sargisean bezieht das
Scholion auf Nr. 39 der 1. Zenturie der prognoftifchen Probleme (S.151).

Kiel. W. Lüdtke.

70. Notiz zu meiner Ausgabe der Chronik des Eufebius
(Griech. Chriftliche Schriftfteller der erften drei Jahrhunderte: Eufebius,
Bd. V) Leipzig, J. C. Hinrichs 1911.

Zu meinem Bedauern ift es mir entgangen, daß Th. Mommfen im
Hermes, Bd. 30, 1895, S. 321—338 [abgedruckt in den Gefammelten
Schriften, Bd. VII, S. 58off.] eine Abhandlung unter dem Titel: ,Die armenifchen
Handfchriften der Chronik des Eufebius' veröffentlicht hat.
Mommfens Refultat ift kurz folgendes: Die Handfchriften G (Cod. Venetus)
und N (Tokater Hf.j find zwei unabhängige Abfchriften von E (Cod. Etämiad-
zin.), d. h. der heute in Etsmiadzin befindliche Kodex habe fich im J. 1696
in Tokat (Abfchrift N) befunden, fei fpäter nach Konftantinopel gekommen,
wo er in den Jahren 1790—1793 abgeschrieben und noch von Aucher,
dem Herausgeber des armenifchen Textes, während der Jahre 1802—1809
gefehen worden fei (Abfchrift G). Daraus ergebe fich für die Textkritik

der eufebifchen Chronik, daß der ganze Apparat entbehrt werden könne,
wenn der Archetypus E vollftändig verglichen fei. — In meiner Ausgabe
(Einl. p. XIII) habe auch ich in Ubereinftimmung mit Mommfen die
Wertlofigkeit der Abfchrift N aus E feftgeftellt; dagegen habe ich abweichend
das Verhältnis von G zu E dahin formuliert, daß beide Handfchriften
unabhängig voneinander aus einem gemeinfamen, in Majuskel
verfaßten Archetypus gefloffen feien, welchen G in mehr korrupter und
defekter Faffung wiedergebe, während E den belferen, vollftändigeren Urtext
bewahrt habe. Und diefe meine Anficht glaube ich auch jetzt noch
als die richtigere vertreten zu mülfen. Eine eingehende Widerlegung der
von Mommfen vorgeführten Argumente würde aber den Raum einer kurzen
Notiz bei weitem überfchreiten; ich hoffe diefe in einem Anhange bei
Gelegenheit der von Profelfor Holm beforgten lateinifchen Ausgabe der
Chronik des Hieronymus vorlegen zu können. Nur darauf möchte ich
noch hinweifen, daß, felbft wenn Mommfen recht hätte, die Geftaltung
des Textes, wie ich ihn in meiner Ausgabe gegeben habe, davon nicht
berührt würde.

Straßburg i. E. Karft.

Wichtige Rezeniionen.

Von Lic. theol. Paul Pape in Berlin NO. 55, Belforter Str. 28

Bezügl. Hinweise und Sendungen sind jederzeit erwünscht.
Violet: Die Efraapokalypfe (v. C. Weymann: Hiftjb 1910, 3; v. R. H.
Charles: RevofThPhil 1910, oct; v. E. Neftle: ThLtbl 1910, 22; Rev-
Bibl 1910, 4; v. A. Loisy: RevCrit 1910, 32; v. L. W. Baker: Amer-
JournTh 1911, 2).

Vif eher: Der Apoftel Paulus u. f. Werk (v. H. Windifch: ZWfchTh 52,
4, 1910; v. Juncker: ThLtbl 1910, 21; v. E. Tobac: RevIlistEccl 1910,
4; v. E. Vifcher: ThRdfch 1910, 12; v. A. T. Robertfon: RevExpos
1911, 2).

Vogels: Die Harmoniftik im Evangelientext des Cod. Cantabr. (v. E.
Neftle: ThLtbl 1910, 19; RevBibl 1911, I; v. Kloftermann: ZWfchTh
53, 2,1911; v. H. Delehaye: AnalBoll 1911,2/3; v. Behm: ThLtberr.911,7).

Voigt: Die königl. Eigenklöfter i. Langobardenreiche (v. E. Mayer: Dtfch-
Ltz 1910, 2; v. Sägmüller: ThQuartfch 1910, 3: LtZtrbl 1910, 38; v.
P. M. Baumgarten: AllgLtbl 1911, 4).

Völter: Ägypten und die Bibel (v. J. Leipoldt: ThLtbl 1910, 3; v. S. A.
Cook: JournThStud 1910, july; v. J. IL Breasted: AmerJournTh 1910,
july; v. Rothftein: ZevgRelUnt 22, 1, 1910; v. A. Erman: DtfchLtz
1911, 38; v. J. Key: LtRdfchKathDtfchl 1911, 5).

- Die Entftehuug des Glaubens an die Auferftehung Jefu (v. Kloftermann
: ZWfchTh 52, 4, 1910; v. J. Moffatt: RevofThPhil 1910, aug; v.
Reinhold: AllgLtbl 1910, 10).

Ward: The dawn of the catholic revival in England (v. A. Zimmermann:
Katholik 1910, 5; idem: LtRdfchKathDtfchl 1910, 6; v. L. Willaert:
RevHistEccl 191 r, 1).

Weinel: Ift das liberale Jefusbild widerlegt? (v. G. Pfannmiiller: LtZtrbl
1910, 22; v. R. H. Grützmacher: ThLtbl 1910, 17; v. P. Mehlhorn:
ProtMntshft 1910, Ii; v. H. Windifch: ThRdfch 1911, 3; v. Kloftermann
: ZWfchTh 53, 2, 1911; v. L. A. Muirhead: RevofrhPhil 1911,
apr; v. J. C. Matthes: TeylersThTijdsch 1911, 3).

Weiß, B.: Der Hebräerbrief (v. H. Windifch: ZWfchTh 52, 4, 1910; v.
E.Riggenbach: ThLtbl 1910, 20; LtZtrbl 1910, 32; v. W. Edie: RevofThPhil
1911, febr; v. H. Delehaye: AnalBoll 1911, 2/3; AmerJournTh
1911, 2).

Weiß, J.: Paulus u. Jefus (v. R. Steinmetz: ThLtbl 1909, 41; v. O. Holtz-
mann: DtfchLtz 1910, 10; v. J. Boehmer: Studft 1910, 9; v. E. Vifcher:
ThRdfch 1910, 12; v. J. Moffatt: RevofThPhil 1911, march; v. M.
Goguel: AnnliiblTh 1911, 5; v. B. B. Wartield: PrincetThRev 1911, 2).

- Jefus im Glauben des Urchriftentums (v. Sachffe: ThLtbl 1910, 13;

v. A. Loisy: RevCrit 1910, 33; v. H. Monnier: AnnBiblTh 1910, Ii;
v. L. A. Muirhead: RevofThPhil 1911, apr; v. B. B. Warfield: PrincetThRev
1911, 2; v. W. Koch: LtRdfchKathDtfchl 1911, 2).

- Jefus v. Nazareth, Mythus od. Gefchichte? (v. A.Jeremias: ThLtbl

1910, 21; v. G. Pfannmüller: LtZtrbl 1910, 34; v. P. Mehlhorn: ProtMntshft
1910, 11; v. H. Windifch: ThRdfch 1911, 3; v. Kloftermann:
ZWfchTh 53, 2, 1911; v. L. A. Muirhead: RevofThPhil 1911, apr; v.
B. B. Warfield: PrincetThRev 1911, 2).

- u. G. Grützmacher: Die Gefchichtlichkeit Jefu (v. G. Pfannmüller
: LtZtrbl 1910, 34; v. H. Windifch: ThRdfch 1911, 3; v. Daufch:
ThRev 1911, 3; v. B. B. Warfield: PrincetThRev 1911, 2).

Wendland: Der Wunderglaube im Chriftentum (v. G. M.: RevIntTh 1910,
oct-dec; v. H. Stephan: DtfchLtz 1911, 2; ThTijdfch 1911, 2; v. Kloftermann
: ZWfchTh 53, 2, 1911; v. Dunkmann: Studft 1911, 2; v. E.
Menegoz: AnnBiblTh 1911, 6; v. G. B. Smith: AmerJournTh 1911, 2;
v. Beth: ThLtber 1911, 6; v. Meinhold: ZevgRelUnt 22, 6, 1911; v.
K. Fueter: SchwzThZ 1911, 4).

Wernle: Joh. Calvin (v. R.: RevCrit 1910, 4; v. M. Scheibe: ProtMntshft
1910, 9; v. G. Ficker: ThRdfch 1911, 2).

Wieland: Der vorirenäifche Opferbegriff (RömQuartfch 1910, 1/2; v.
Bleske: BiblZ 1910, 2; v. Lehner: AllgLtbl 1910, 12; v. L. Vanhalft:
RevHistEccl 1910, 4; v. H. Hermelinck: ZWfchTh 53, 1, 1910; v. W.
Koch: ThQuartfch 1910, 4).

Wiener: Essays in Pentateuchal criticism (v. Ch. M. Mead: BibliothScr
1910, apr; v. J. O. Boyd: PrincetThRev 1910, 3; v. A. Condamin: Rev-
PratApol 1910, sept; v. E. König: ThLtbl 1910, 13; RevBibl 1910, 4;
v. L. Köhler: SchwzThZ 1911, 3).

Wilfon: How God has spoken (v. W. J. Ferrar: RevofrhPhil 1910, febr;
v. G. Croß: AmerJournTh 1910, july; BibliothSacr 1910, oct).