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Ausgabe:

1911 Nr. 1

Spalte:

550-551

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Lampakis, Georgios

Titel/Untertitel:

Oi epta asteres tes apokalypseos etoi istoria, ereipia, mnemeia kai nyn katastasis ton epta ekklesion tes Arias, Smyrnes, Pergamon, Thyateiron, Sardeon, Philadelpheias kai Laodikeias, par e

Rezensent:

Dibelius, Martin

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549

Theologifche Literaturzeitung 1911 Nr. 18.

Kommentar als eine dankenswerte Materialfammlung bezeichnen
dürfen und des öfteren nicht ohne Nutzen zu
Rate ziehen.

Königsberg i. Pr. Max Lohr.

Tillmann, Priv.-Doz. D. Fritz: Die Wiederkunft Chrifti nach
den paulinifchen Briefen. (Biblifche Studien. 14. Bd.
1. u. 2. Heft.) Freiburg i. B., Herder 1909. (VIII,
205 S.) gr. 8° M. 5.60

Tillmann ift uns bereits durch eine umfaffende Studie
über den Menfchenfohn bekannt. Er ftellt uns fein neu-
eftes Buch vor als eine Frucht aus der Ehe zwifchen
dem Ernfte wiffenfchaftlicher Arbeit und der Wärme
katholifchen Glaubens. Der Sprößling verleugnet keins
feiner Eltern. Als treuen Sohn feiner Kirche erweift den
Verf. fchon feine Stellung zum Quellenmaterial. Selbft
der, wenn auch vielleicht nicht direkt von Paulus flammende
, fo doch in feinen Gedanken durchaus paulinifche
Hebräerbrief wird verwertet. Und die Paftoralbriefe gewähren
Material zur Komplettierung eines aus den Theffa-
lonicherbriefen gewonnenen Bildes (S. 129. 133. f. 139).
Die Meinung, daß gewiffe Vorftellungen bei Paulus durch
andere gekreuzt und aufgehoben werden könnten, wird
nur leife geftreift (S. 119). Einen Wechfel in den eschato-
logifchen Anfchauungen des Apoftels dürfe man nur infofern
annehmen, als die Stärke der Hoffnung, die Parufie
felbft zu erleben, fpäter nachgelaffen habe (S. 2. 5 f. 18 f.
117 f. 175). Auch begegnen Urteile wie dies, man werde
,es als methodifch und fachlich unzuläffig bezeichnen
dürfen, bei einem fo klaren und fcharfen Denker, wie es
Paulus zweifellos ift, Vorftellungen, die fich gegenfeitig
aufheben müffen, einfach nebeneinanderzuftellen' (S. 3),
oder dies: ,Allein dem (einer beftimmten Deutung von
2. Theff. 2) widerfpricht.. . der gefchichtliche Verlauf, der
die fo verftandene Weisfagung Lügen ftrafen würde'
(S. 130). Nach S. 4 verhalten fich die eschatologifchen
Ideen des Paulus zu denen der jüdifchen Apokalypfen
wie Wahrheit und Dichtung. Und ohne Einfchränkung
redet Verf. von der durch den Apoftel .konftant inne gehaltenen
Miffionspraxis, erfl den Juden das Evangelium
anzubieten' (S. 135).

An wiffenfchaftlichem Sinn gebricht es T. trotzdem
keineswegs. Die Literatur über feinen Gegenftand hat er
in umfaffender Weife herbeigezogen, und feine Deutung
der agyovxec xov xööfiov I. Kor. 2,8 (S. 31) trifft gegen
Heinrici und Bachmann gewiß das Richtige. Befonders
bemerkenswert ift die mutige Energie, mit der er gegen
alle Leugnungs- und Verdunkelungsverfuche die unabweisbare
Erkenntnis verteidigt, daß Paulus die Wiederkunft
zu erleben überzeugt gewefen ift. Wenn er fich
den etwas herben Gefchmack diefer Einficht dadurch verbüßt
, daß er darlegt, wie hier Paulus nicht das Sprachrohr
der Offenbarung fei, nicht ,lehre', fondern nur ,eine
auf feine perfönliche Rechnung zu fetzende Meinung'
vortrage, fo wird ihm das niemand verargen.

T. macht ausdrücklich darauf aufmerkfam, daß er
nicht über die paulinifche Eschatologie handeln wolle,
fondern nur über des Apoftels Vorftellungen von der
Parufie. Und zwar follen diefe Anfchauungen erörtert
werden ohne ,die Evangelien und die übrige apoltolifche
Predigt', aber auch ohne die jüdifche Eschatologie herbeizuziehen
(S. 3). T. glaubt auch bei folcher Befchrän-
kung eine .wiffenfchaftlich befriedigende Darfteilung' erzielen
zu können. Er gliedert den Stoff in beben Kapiteln
mit folgendem Inhalt: 1. Die Aufgabe und das
Material, 2. Die jetzige und die künftige Welt, 3. Der
Zeitpunkt der Wiederkunft, 4. Neue Ausblicke: 2. Kor.
5,1—10, 5. Die Vorzeichen der Wiederkunft, 6. Der Verlauf
der Wiederkunft, 7. Die Wiederkunft in ihrem Verhältnis
zur Auferftehung.

Der mir zur Verfügung flehende Raum erlaubt nur weniges herauszugreifen
, was befonders zur Kritik reizt, S. 37—41 erörtert die Frage,

woher die Verderbtheit der jetzigen Welt flamme, ohne den liegriff der
octpi; auch nur zu erwähnen. S. uSfT. rechnet T. auch ,den Eingang
der Heidenwelt und die Rekehrung Iffaels' Rm. 11,25. 26 zu den .Vorzeichen
der Wiederkunft'. So ftellt fich ihm das Problem, wie fich
hierzu der 2. Theff. 2, 3 geweisfagte Abfall verhalte. Die Löfung liegt
(S. 135 f.) darin, daß die Heiden zwar alle gewonnen werden, zum guten
Teil jedoch durch ,innerkirchliche Apoftafie' wieder verloren gehen follen.
Mir will diefes Zufammenzwingen zweier zeitlich um Jahre auseinander
liegenden und völlig verfchieden intereffierten Äußerungen als Vergewaltigung
erfcheinen. Und ich vermag darin keine Entfchädigung zu fehen,
daß Rm. 11 nunmehr eine neue Deutung für das .Aufhaltende' 2. Theff.
2,6. 7 liefert: es foll der göttliche Weltplan fein (S. 144 f.). S. 176—182
bcftreitet der Verf., daß Paulus zwifchen Tod und Auferftehung des
Cl riften bzw. zwifchen jenem und der Parufie einen fchlafähnlichen
Zwifchenzuftand annehme. Das fcheint ihm ausgefchloffen vor allen durch
2. Kor. 5,1—10, wo er (S. 94—118), wie neuerdings ja auch Bouffet
und Lietzmann, den Gedanken findet, daß die Seele des vor der Wiederkunft
geftorbenen Gläubigen in leiblofem Zuftand bei Chriftus weilt. Die
gegenteilige Anficht findet T. im wefentlichen nur gcftützt, und zwar
höchft dürftig, durch den wiederholt gebrauchten Ausdruck xoiuäo9ai
(S. 177, 182). Aber fo fchlecht fundiert ift fie denn doch nicht. Eine
fehr viel folidere Grundlage gibt ihr die, auch jüngft durch von Dobfchütz
(in feinem Kommentar S. 201) wieder vertretene, Eiuficht, daß ohne fie
ein Abfchnitt wie I. Theff. 4, 13 — 18 fchlechthin unverftändlich bleibt.
War der Apoftel der Meinung, daß die Seelen der verdorbenen Theffa-
lonicher bereits mit Chriftus in Gemeinfchaft ftänden, dann hat er der
trauernden Gemeinde nicht nur den ftärkften Troftgrund uuterfchlagen,
fondern ihr durch die Art feines Zufpruchs den Weg zu diefem aufrichtenden
Gedanken einfach verbaut. Und kann Paulus das xoiuäo&ai
gewifler Korinther als Strafe ausgeben (1. Kor. 11, 30), wenn diefe dadurch
zu einer Verbindung mit dem erhöhten Herrn gelangt find, die jedenfalls
viel inniger ift als die irgendeines Lebenden? Es geht wirklich nicht
an, den Inhalt folcher Stellen nach 2. Kor. 5, 1 ff. zu interpretieren, vor
allem nicht, wenn die Deutung der letztgenannten Verfe fo anfechtbar
ift wie die von Tillmann beliebte. Hier hält er fich nicht an die S. 47
von ihm entwickelten Grundfätze; und hier dünkt mich, rächt fich auch
die Ifolierung, in der die paulinifchen Gedanken behandelt find.

Marburg/Heffen. Walter Bauer.

Aaiinaxig, remgyiog, Olijtxd döxsgeg xfjg djioxa-
Xvipsog r)xot iöxogia, hgslma, fivrjf/Ela xal vvv xaxdo-
xaöig xcöv Inxa txxXrjöioöv xi)g 'Aoiag, 'E<peöov, Efivgvijg,
Jlsgyctfiov, Ovaxeigmv, Sägöemv, <PiXadeX<p£iag xal
Aaoöixeiag, jeag' 37 KoXoaaal xal 'legditoXig /itxä 255
elxovmv. 'Ev A&rjvaig, xvjtoig ,Kgäxovg' 0. TQaßeXXa
1909. (VIII, 47s p.) gr. 8° fr. ii —

Das aufgefchlagene Neue Teftament in der Hand,
den Blick bald auf die dem Griechen und Chriften doppelt-
ehrwürdigen Erinnerungsftätten Kleinaftens, bald auf die
letzten Blätter der Bibel gerichtet — fo hat der Autor
im Jahre 1906 die heben Städte der Apokalypfe, im Jahre
1907 die .Mutter diefer Gemeinden', die Infel Patmos,
befucht. Beim Anfchauen des Gegenwärtigen wurde ihm
Vergangenes lebendig, Gelefenes und Erlebtes verband
fich aufs engfte — und fo entftand dies Buch, deffen
origineller, aus Hymnus und Reifetagebuch, Wiffenfchaftlichem
und Erbaulichem, Wandererlebniffen eines Evan-
geliften und Reifeaufzeichnungen eines Archäologen
wunderfam komponierter Stil den Wefteuropäer feltfam
anmutet.

In der Einleitung wird Patmos famt feinen Heiligtümern
— mit teilweis fehr genauen Angaben — ge-
fchildert und zugleich in begeifterter, die große Vergangenheit
des Ortes heraufbefchwörender Rede apo-
ftrophiert. Dann führt der Autor den Lefer zu den heben
Städten in der Reihenfolge von Apc. 2. 3. Zuerft gibt
er regelmäßig einen Überblick über die Gefchichte des
Ortes — oder vielmehr: er notiert die Traditionen über
die Vergangenheit, Angaben griechifcher Schriftfteller
gelegentlich auch Infchriften, biblifches und patriftifch.es
Material und neuere Reifeberichte. Dann befchreibt er
dankenswert genau die am Orte erhaltenen Monumente
chriftlichen Altertums. Zuletzt fchildert er den gegenwärtigen
Zuftand der Erinnerungsftätte, erzählt von der
Chriftengemeinde am Ort und von feinen Erlebniffen
unter diefen Chriften, denen er die Erinnerung an die
große Vergangenheit möglichft lebendig zu machen ge-

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