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Ausgabe:

1911

Spalte:

3-4

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Gesenius, Wilhelm

Titel/Untertitel:

Hebräisches und aramäisches Handwörterbuch über das Alte Testament. 15. Aufl 1911

Rezensent:

Rahlfs, Alfred

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Tbeologifche Literaturzeitung 1911 Nr. 1.

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maßgebenden Gedanken und Prinzipien aufzudecken und
das Einzelne immer als Glied des Ganzen verftehen. Dem
Kennerblicke des Verfaffers ift: es gelungen, dasWefent-
liche vom Unwefentlichen zu fcheiden. Befonders werden
in der Entwicklung die allgemeinen Tendenzen,
die auf eine Veredelung und Vergeiftigung der äußeren
Religionsform gerichtet find, mit anfprechenden Farben
gemalt1. Jedem, der fich ein objektives Bild jener gewaltigen
Weltreligion und Kultur, die der Islam darfteilt,
bilden will, fei diefes Buch, das fich an Nichtorientaliften
richtet und jedem leicht verftändlich ift, auf das Befte
empfohlen.

Bonn. Max Horten.

Gelenius', Wilhelm, Hebräifches und aramäifches Handwörterbuch
über das Alte Teltament. In Verbindung mit Prof.
Dr. H. Zimmern, Prof. Dr. W. Max Müller und Dr. O.
Weber bearbeitet von Prof. Dr. Frants Buhl. Fünfzehnte
Auflage. Leipzig, F. C. W. Vogel 1910. (XVII,
1006 S.) Lex. 8° M. 18 —

Schon wieder, nach nur 4^ Jahren, ift das bewährte
Handwörterbuch in neuer Auflage erfchienen. Der Bearbeiter
fagt über diefelbe: ,Nach der ziemlich eingreifenden
Umarbeitung der 14. Auflage des Gefenius'fchen
Wörterbuches blieb für diefe neue Auflage nur eine
kleinere Nachlefe übrig, die aber immerhin in Verbindung
mit der Berückfichtigung der inzwifchen erfchienenen
Literatur einen Zuwachs von vier [richtiger: 4J/2] Bogen
mit fich geführt hat'. Eine Empfehlung des beliebten
und anerkannt unentbehrlichen Buches, das dank der
raftlofen Weiterarbeit Buhls über den gegenwärtigen I
Stand der Wiffenfchaft aufs befte orientiert, ift überflüffig. j
Erwähnt fei nur, daß jetzt durch den auf dem Titel
genannten Dr. O. Weber auch die Parallelen aus den j
alten füdarabifchen Dialekten hinzugefügt find, fodaß wir 1
nunmehr einen vollftändigen Überblick über das für die
femitifche Sprachvergleichung nötige Material bekommen.
Sonft möchte ich nur einige Bedenken äußern, die vielleicht
bei weiteren Auflagen in Erwägung gezogen werden
können.

Lange Artikel waren früher durch Alineas überficht-
licher gemacht, z. B. zerfiel der Artikel 53? in der 9. Aufl.
in 13 Abfätze. Buhl hatte diefe, um Raum zu fparen, I
fchon in der vorigen Auflage reduziert, doch waren bei
53? immerhin noch 8 Abfätze vorhanden. Jetzt find es
nur noch 4; mehr als fünf Kolumnen hintereinander find
ohne jedes Alinea gedruckt. In diefem langen Abfchnitt
ift aber folgende Difpofition enthalten: ia mit den be-
fonderen Fällen «—X, b mit den Unterabteilungen a—6,
2 mit den befonderen Fällen a—e, 3 mit den Unterabteilungen
a—f, 4 mit den befonderen Fällen a—c. Ich
bezweifle, daß irgend jemand fich hier leicht orientieren
kann. Bei einem Wörterbuch follte aber gerade auf die
Möglichkeit fchneller Orientierung behenderes Gewicht
gelegt werden. Ich fchlage daher vor, die Difpofition
künftig durch Fettdruck der fie anzeigenden Ziffern und
Buchftaben und bei längeren Artikeln auch der Hauptbedeutungen
augenfällig zu machen.

Bei den Verben hat Buhl die Zahl der angeführten
einzelnen Formen noch vermehrt. In der 9. Aufl. hieß
es bei bys einfach: ,5?B impf. byp;, einmal mit ö(Hi 35,6)'.
In der 14. Auflage waren neun Formen aufgezählt, in j
der 15. Aufl. find noch fünf weitere hinzugekommen
(darunter Jlb?Bn nicht ganz richtig, da in Wirklichkeit
J'lby&ri in Paufä vorkommt), und es fehlen nun von den

1) Die Grundtendenz der Theologen, die das religiöfe Recht interpretieren
, ift eine liberale: den Gläubigen von allen überflüffigen Laften
zu befreien. Die Interpretation der Dogmen verfolgt eine ebenfolche
liberale Tendenz, die die Religion verinnerlichen will. Am weitherzigften
find teilweife die Myftiker, die die Gleichberechtigung aller Religionsformen
vielfach deutlich lehren.

überhaupt vorkommenden Formen nur noch zwei: ipb3>£
und b3?£n (in Paufa). Mir ift es zweifelhaft, ob die Aufzählung
aller diefer Formen den Zwecken eines Handwörterbuchs
entfpricht; ich möchte glauben, daß es beffer
wäre, fie der Konkordanz zu überlaffen und in einem
Handwörterbuch nur die Formen anzuführen, welche fich
aus den bekannten Paradigmen der Grammatik nicht
von felbft ergeben. Werden aber einmal vierzehn Formen
aufgeführt, fo fehe ich nicht ein, weshalb die beiden
noch übrigen übergangen werden follen. Auch fcheint
mir dann kein Grund vorzuliegen, die vollftändige Aufzählung
der vorkommenden Formen auf die Verba zu
befchränken; die Nomina und Präpofitionen können dann
doch wohl die gleiche Berückfichtigung verlangen.

Zu fchweren Bedenken geben die von W. Max Müller
bearbeiteten hieroglyphifchen Umfchreibungen hebräifcher
Wörter Anlaß. Diefe find in einer eigentümlichen Um-
fchrift, der fogenannten ,fyllabifchen Schreibung', gefchrie-
ben, in der man ,die einzelnen Konfonantenzeichen durch
einfache Silben erfetzt, deren zweiter Beftandteil einer
der fchwachen Radikale i, j oder w ift; fo fchreibt man
z. B. ftatt Bttns: la-ia-ST'l»' (Max Burchardt, Die alt-
kanaan. Fremdworte und Eigennamen im Ägypt, I, Lpz.
19/09, § 3). In diefen fchwachen Buchftaben i, / und w
hat W. Max Müller ein Syftem der Vokalbezeichnung
zu finden geglaubt und gibt deshalb z. B. 'Otaraa und
marakabut[i) als die ägyptifchen Formen von "'StriSt und
ffa^'Tfi (älter roaTö) an. Aber dies Syftem ift lärigft von
Sethe' als unhaltbar bezeichnet und nunmehr durch das
angeführte treffliche Werk Burchardts, in welchem i3?TTit
und als Itr (z = 8 oder 1) und mrkbt erfcheinen,

wohl definitiv befeitigt. Hier ift alfo eine gründliche
Umgeftaltung nötig, und es wäre das Befte, wenn Buhl
dafür M. Burchardt gewinnen könnte, da diefer das gefilmte
Material zum erften Male fyftematifch durchgearbeitet
und zu dem bereits Bekannten fehr viel Neues
hinzugefunden hat. Dabei würde es fich auch empfehlen,
die ganz ungenügenden Notizen ,Zur Umfchrift des
Ägyptifchen und Koptifchen' auf S. IX im Anfchluß an
Burchardts Buch durch eine Lifte der ägyptifchen Buchftaben
mit ihren femitifchen und koptifchen Äquivalenten
zu erfetzen.

An Einzelheiten fei bemerkt: yb und d^B, die unter
yb und dl© flehen, follten ebenfogut als Verba i"3? eingereiht
fein, wie b^Di, y- etc. Bei rvpstb'a ift zu bemerken,
daß die rekonftruierte ältere Form ripkbd in der älteften
babylonifchen Vokalifation wirklich vorkommt, f. Paul
Kahle, Der mafor. Text des A.T. nach der Überlieferung
der bab. Juden S. 73; aus Kahles Buch könnte überhaupt
noch manches in das Wörterbuch aufgenommen werden.

Göttingen. A. Rahlfs.

Müller, Pfr. Gottlieb: Studien zum Text der Pralmen. (Beiträge
zur Förderung chriftlicher Theologie. Herausgegeben
von A. Schlatter und W. Lütgert. 1910,2. Heft.)
Gütersloh, C. Bertelsmann. (77 S.) 8° M. 1.80

Müller legt die Früchte feiner während voller 11 Jahre
auf den Pfalter gerichteten textkritifchen Studien — er
nennt fie felbft nur Verfuche — vor.

Einige Proben! ip 2,6 a hat der MT "obd irüD3 "OKI.
Müller lieft: dafür ?jp3 ">3Xi ,aber ich bin Fürft', und zieht
das folgende idbö als itTtdbd nach 6 b, den Rhythmus
zerftörend. Denn tp 2 ift in Doppeldreiern, bezw. Fünfern
gedichtet. Jedenfalls fällt die Zäfur immer fo, daß fie,
abgefehen von den Triftichen, den Vers hälftet oder in
ein längeres und ein kürzeres Glied zerlegt. Und was ift
das für ein Hebräifch: ich bin Fürft, mein Königtum
erftreckt fich! Für ganz unnötig halte ich die Änderung
2,7 von Hlfii pn in Tip. Für das viel gequälte T>ai
-Q ipB3 m3?-0 2, u/12 lieft M. TJT*J(>»1 n3?-fl T5^m ,und
erbebet mit Zittern, fchließet euch an ihn an' — aber die