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Ausgabe:

1910 Nr. 4

Spalte:

116-118

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Rotscheidt, Wilhelm (Hrsg.)

Titel/Untertitel:

Monatshefte für Rheinische Kirchengeschichte. 1. - 3. Jahrg 1910

Rezensent:

Zillessen, Alfred

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H5 Theologifche Literaturzeitung 1910 Nr. 4. 116

Den Lefer, der den prächtigen Band D.s felbft: nur
flüchtig durchblättert, muß die Erklärung, die der Verf.
am Anfang abgibt, befremden. ,Nous ne pretendons pas
etre un artiste, et nous ne saurions meme nons parer du
titre de connaisseur'. Legt der fo genau unterrichtete
Verfaffer ein folches Bekenntnis ab, was foll der mit
der Anzeige diefes Werkes beauftragte, dem Gegenftande
felbft ferner flehende Rezenfent erft fagen? Es wäre
Anmaßung, wollte er fleh zum Kritiker aufwerfen, und

gebnis: ,0n voit de quel genre', fut le rire particulier de
Calvin. Souvent ce Jut la flecke qui perce de part en part,
souvent ce fut la massue qui ecrase et aneantit, toujours
ce fut une arme terrible; avec lui, la plaisanterie cut moins
de gaiete; presque toujours, sinon toujours, eile eut plus
de dignite; son but explique, s'il ne legitime pas, au
moins potir notre siede, ses ecarts' (S. 140). Eine Schilderung
der einzelnen Bilder würde die Grenzen einer
Anzeige weit überfchreiten. Daß die Karikaturen für

inmitten der erörterten Kontroverfen eine Entfcheidung j das Verftändnis Calvins felbft keinen Gewinn abwerfen,
treffen. Er wird (ich damit begnügen müffen, zur be- j dagegen einen unfehätzbaren Beitrag zur Kenntnis und
reits verfuchten Charakteriftik noch einige weitere, auf

den Inhalt eingehende und den Stand der Frage beleuchtende
Angaben hinzuzufügen.

Über das Prinzip, nach welchem D. Calvins Bilder
eingeteilt hat, ließe fleh vielleicht rechten; doch dürfte
dasfelbe den Laien am beften einleuchten: die Gruppierung
nach den Altersftufen des Reformators. Drei
Bilder {portrait de la Touraine, email de Limosin, Portrait
de Hanau) follen die Züge Calvins in feiner Jugend
wiedergeben. Sie geben indeffen zu verfchiedenen Zwei-

zur Beurteilung der Kreife liefern, aus welchen fie entflammen
, braucht wohl nicht bemerkt zu werden. Der
Kommentar, mit welchen D. die mitgeteilten Abbildungen
begleitet, ift durch feine frifche, temperamentvolle Art
anziehend; daß zuweilen der Polemiker den Gefchichts-
fchreiber fekundiert, tut der Objektivität des hiftorifchen
Tatbeftandes keinen Eintrag.

In der mit unermüdlichem Eifer unternommenen
Arbeit des geiftvollen Calvinanwaltes bildet die Icono-
graphie Calvinienne eine dankenswerte Epifode, die wir

fein und Fragen Anlaß, die D. fleh nicht zu erledigen ' nun nicht mehr vermiffen möchten. Sie könnte uns
getraut: die Echtheit bleibt problematifch, und der das j aber für die zwei noch ausftehenden Bände nicht ent-

Fürund Wider forgfältig abwägende Kritiker kommt über
bloße Möglichkeiten kaum hinaus.

Die Porträts der zweiten Klaffe laffen fleh in drei Gruppen
ordnen, je nachdem das Geficht C.s zu drei Viertel,
von vorn oder im Profil gezeichnet ift. Auch hier hat
die Kritik mit Manchem aufzuräumen und wichtige durch
die Überlieferung geheiligte Urteile zu kaffieren. So gehört
zum Beifpiel das angeblich von Holbein gemalte Bild, das
der Erlanger Herzog das befte der Calvinbilder nannte,

fchädigen. Die früher in Ausfleht geftellten, am Anfang
diefer Anzeige erwähnten Überfchriften hat der
Verf. gegen die im vorliegenden Buche angekündigten
vertaufcht: La pensee religieusc— La pensee ecelesiastique
et politique. Der erfte der beiden Bände foll bereits
unter der Preffe fein. Wir wünfehen von Herzen, daß
es dem trotz feiner 65 Jahre noch jugendfrifchen Verfaffer
gelingen möge, fein großes Werk zu vollenden
. Man wird es dem fehr beladeten Dekan der

und deffen Stich die Ehrenftelle im Studierzimmer des theologifchen Fakultät von Montauban, dem fchlagfer
Herausgebers der R. E. einnahm, in das Gebiet der j tigen und ftreitbaren Führer der kirchlichen Rechte

Legende. Auch der Name Cranachs, der lange Zeit auf
ein beftimmtes Porträt des Reformators übertragen
wurde, muß geftrichen werden.

Am bekannteften find die Bilder, die aus den letzten

des franzöfifchen Proteftantismus Dank wiffen, wenn
er, unbekümmert um die ftets um fleh greifenden
Gefahren des Fideisme, den Staub der journaliftifchen
Kontroverfe und der adminiftrativen Gefchäfte von

Lebensjahren Calvins herrühren. Doch fcheinen fowohl ! feinen Füßen fchüttelnd, feine volle Kraft und feine
das im erflen Band des Corpus Reformatorum wieder- I glänzenden Gaben dem hehren Berufe des Hiftorikers
gegebene Porträt aus der Genfer Bibliothek als auch das j widmet. Will er die ,religiöfen, kirchlichen und politi

von Williflon Walker feiner Calvinbiographie voran
geftellte durch Rene Boyvin geflochene Bild hinter dem
von D. als je plus authentique' bezeichneten, gegenwärtig
der SammlungTronchin in Genf angehörenden Bild zurück

fchen Gedanken Calvins' zu allfeitigem und getreuem
Ausdruck bringen, fo bedarf es dazu einer Konzentration
und Vertiefung, einer ruhigen und gewaltigen Objektivität,
die mit dem bewegten Parteitreiben der Gegenwart fleh

treten zu müffen; diefesportrait de la collection Tronckin ' übel verträgt. Mögen Freunde und Gegner unferem
(49—52) war bereits im Befitze Bezas und wurde, nach ; Calvinbiographen den Zugang der templa Serena der
deffen Zeugnis, ad vivurn, nach der Natur, durch einen i echten Wiffenfchaft nicht erfchweren! Mögen fie ihm
nicht mehr zu ermittelnden Maler verfertigt. Die Ähn- j dazu helfen, das hohe bleibende Gut unbefangener und
lichkeit diefes Bildes mit dem der Genfer Bibliothek ift , raftlofer Forfchung über die flüchtigen und oft fo geheim
erden Blicke auffallend. — In eine nähere Be- I ringfügigen Intereffen kirchenpolitifcher Tagesfragen und
fchreibung der weiter befprochenen Bilder, unter denen | dogmatifcher Streitigkeiten zu ftellen!
die Stiche der berühmten Woeirots eine hervorragende j Straßburg i. E. P Lobftein

Stelle einnehmen, lohnt es fich nicht weiter einzugehen;

ein folches Referat bedürfte der erläuternden Illuftration i Monatshefte für Rheinilche Kirchengelchichte. Herausgegeben
durch die Abbildungen. Der erfte Teil fchließt mit einer von Paftor w. Rotfcheidt. gr. 8° Jährlich M.6 —
ftattlichen Aufzählung von läufchungen und Verfehen, T, «,„,,,, , ,„ „. f ,

.« T7 -ir u j u/i..n!cu_4.:_ Jal,rgang. Köln, Verlag des Weftdeutfchen Schnftenvereins

die zuweilen an Falfchungen und Myltinkationen grenzen:
der mythifche Charakter derfelben fleht den meiften auf
der Stirne gefchrieben.

Der zweite Hauptteil der Doumerguefchen Schrift
ift viel umfaffender angelegt und in einen größeren Zu-
fammenhang geftellt, als es die Überfchrift erwarten
läßt. Der Verf. hat nicht nur gegen fechzig zum Teil
außerordentlich charakteriftifche und zumeift fchwer zugängliche
Karrikaturen mitgeteilt und erklärt, katholi-
fche, calviniftifche, lutherifche, und andere; er hat in
einem einleitenden Kapitel (S. 95—144) die proteftanti-
fche Satire in Deutfchland und in Frankreich durch eine
zwar keineswegs erfchöpfende, aber immerhin reiche und

1907. (576 S.)

2. Jahrgang. Köln, Kölner Buchhandlung und Schriftenverlag

1908. (384 S.)|

3. Jahrgang. Lehe, Selbftverlag des Herausgebers 1909. (384 S. |

Die Zeitfchrift foll nach dem Vorwort ein Zentralorgan
fein, das allen auf dem Gebiet der rheinifch-evan-
gelifchen Kirchengefchichte Arbeitenden einen regen Aus-
taufch der Gedanken ermöglicht, in ftrittigen, zweifelhaften
Fragen, foweit überhaupt möglich, zuverläffige
Auskunft erteilt und daneben geeignete Auffätze über
das Gefamtgebiet oder einzelne Teile bringt, um fo auch
feinerfeits die Vorarbeiten (für eine dereinftige Gefamt-

intereffante Zahl von Belegen illuftriert; der Exkurs über i darftellung der Gefchichte der rhein. ev. Kirche) in An
Calvins eigene fatirifche Auslaffungen gegen die Ideen j griff zu nehmen. Ein trefflicher programmatifcher Auf-
und die Perfonen (S. 122—140) gelangt zu dem Er- ; fatz von Walther Wolff-Aachen über ,Stand und Auf-