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Ausgabe:

1910

Spalte:

70-72

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Lütgert, Wilhelm

Titel/Untertitel:

Die Irrlehrer der Pastoralbriefe 1910

Rezensent:

Bauer, Walter

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6g

Theologifche Literaturzeitung 1910 Nr. 3.

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kalyptifch, enthufiaftifch und weltflüchtig gerichteten, | Stücke der wünfchenswerten vollftandigen Vervielfalti-
wohl den .Presbytern' des Papias nicht allzufernftehenden I gung des Originals zu gute gekommen wäre. Daß auch
Kreifes durch leis bearbeitende Herausgabe dienftbar zu ' das griechifch-lateinifche Markus-Monachus-Fragment
machen gefucht hat. Die Sprache von 1. Joh. ift der J (18 Zeilen) fortgeblieben ift, wird man dagegen be-
johanneifche Jargon ohne johanneifche Denkweife, deren | dauern; es ift .vielleicht von derfelben Hand gefchneben
Myftik ins Moraliftifche umgebogen wird, und der gegen- j wie der Text der Paulusbriefe' (Einl. S. 7), gehört alfo
über der Verf. an der urchriftlichen Eschatologie feft- l zur Hf. im engften Sinn und kann für ihre Beurteilung
hält. In Apoc hat er u. a. die antignoftifchen Züge ver- | Wichtigkeit haben (Einl. S. 1; mit Recht hatte daher
ftärkt; die johanneifchen Anklänge fpeziell in c. 1—3 ! Matthaei das Stück mit abgedruckt). — Als ein ganz
und 21. 22 Hammen von ihm. Das Evangelium, felber fchwerer, die Brauchbarkeit des Lichtdrucks aufs empfind

der gnoftifchen Geiftesrichtung nicht fremd, doch zu
gleich eine Apologie gegen die neben dem Chriftentum
als Konkurrenzreligion beftehende Gnofis, machte er für
Kleinauen mundgerecht befonders durch Eintragung

lichfte herabfetzender Mangel muß es bezeichnet werden,
daß den Seiten der Hf. nicht aufgedruckt ift, welche
Verfe fie enthalten. Die in der Hf. felbft an den Rand
gefetzten Kapitel- und vereinzelten Verszahlen können

eschatologifcher Züge (deutliche Einfchübe 11 25 t., 640. dies in keiner Weife erfetzen. Die Korten eines folchen
44. 54., 5 27—29., 14 3. 18b. 28b) und durch Auseinander- Aufdrucks hätten davon nicht abhalten dürfen. Er-
fetzung der im Evangelium vorliegenden neuen Über- fcheint doch der Preis ohnehin (verglichen mit ähnlichen
lieferung mit der dort geltenden Marcus-Petrustradition Werken) fehr hoch angefetzt. Mindeftens hätte am
(Einfuhrung des Lieblingsjüngers). Unter der Voraus- Schluß der Einleitung eine Tabelle der Seiten der Hf.
fetzung, daß 1.—3. Joh. von einem Verf. Hammen, fchlägt j und ihres Inhalts nicht fehlen dürfen.
Z. — ohne darauf viel Wert zu legen — vor, in dem ,Die Vorbemerkungen, die wir unferer Fakfimile-

Demetrius 3. Joh. 12 den Verf. von 1. Joh. und Heraus- Aufgabe vorausfchicken (fo lefen wir S. 6), haben ledig-
geber von Apoc und Ev. zu fehen. Die Briefe find lieh den Zweck, eine Befchreibung und Gefchichte der
übrigens Zeugen einer vormontaniftifchen Bewegung: fie Hf. zu geben, den gegenwärtigen Stand der Forfchungen,
fpiegeln den Eindruck des Ev. wieder und zeigen fchon , die fich mit ihr befchäftigt haben, anzudeuten und durch
die Verbindung apokalyptifch-enthufiaflifcher Stimmung eine möglichft vollfländige Überficht über die bisherigen
mit weltfremd-puriftifcher Haltung, die die phrygifchen Arbeiten einen Apparat für künftige Unterfuchungen zu
Schwärmer charakterifiert. j fchaffen'. Man kann diefe Befchränkung nur gutheißen.

B. Kübler geht dem mildernden und hebenden Ein- Es wäre unflatthaft, eine Ausgabe mit einer textkritifchen
fluß des Chriftentums der alten Kirche auf das römifche Einleitung zu belaften, die fehr viel rafcher als der Text-
Recht nach in der Arbeiter- und Frauenfrage und der druck ihren Wert verlieren würde. Dementfprechend wird
Fürforge für die Notleidenden—eine fehr intereffante und 1 nach der genauen Befchreibung der Hf. über ihren Urdankenswerte
Zufammenftellung. | fprung, über das erwähnte irifche Gedicht in ihr, ihre
Simons bietet in feiner Gedächtnisrede für ü. Pfiei- griechifche Vorlage, ihre lateinifche Interlinearverfion,
derer ein mit lebendiger Wärme aus perfönlicher Er- ihr Verhältnis zu den verwandten Paulustexten und ihre
innerung gezeichnetes Bild diefes charaktervollen Ge- Schickfale feit dem 17. Jahrhundert in objektivem Referat
lehrten mit dem energifchen weiten Geift und des be- mit, foviel ich fehe, tatfächlich vollftändigen Literatur-
geifternden Lehrers. nachweifenJ) gehandelt. Am Schluß der ihrem Zweck
Bockmühl veröffentlicht einen wertvollen Brief des völlig angemeffenen Einleitung wird der diplomatifche
Prädikanten Andreas Nonius Akanthius an Joh. Wicradius, Druck von Matthaei {Misenac 1791) befprochen. In
ein Dokument aus den Tagen der kühnen Mechterner wiederholter Nachprüfung hat er im ganzen vorzüglich
Predigten vor Köln. befunden. Vier Druckfehler im griechifchen Text, die
Goebel weift auf Grund neuer Quellen für die Ge- von Tifchendorf u. a. entdeckt worden find, findet man
meinde Wülfrath ein weit früheres Reformationsdatum | z. B. bei Gregory, Textkritik I S. 113, verbeffert. An
nach, als bisher angenommen (1550—60 ftatt 1595). und ■ 100 Fehler, die John Logau Marquis fefigeftellt hat, find
bringt Aufklärung über diefe aus lutherifchen Anfängen ! a. a. O. zwar ,gehörig klaffifiziert', aber die textkritifch

tum führende erfte Zeit

Lobberich. Alfred Zilleffen.

unter Einfluß z. B. Conrad Veithufens zum Reformierten- bedeutfamen leider nicht mitgeteilt; es können ihrer nur

ganz wenige fein.

Möge die photograpifche Publikation wichtiger und
koftbarer Hff. immer rafcher fortfehreiten und womöglich

Der Codex Boernerianus der Briefe des Apoltels Paulus (Msd. e ^ W° e' er werden>

Dresd. Al45b). In Lichtdruck nachgebildet. Mit — J_ Maus v. Soden.

einem Vorwort von Dr. Alexander Reichardt. Her- Lütgert, Prof. D. W., Die Irrlehrer der Partoralbriefe. (Beiausgegeben
von der Königlichen öffentlichen Biblio- trage zur Förderung chriftlicher Theologie. Heraus-
thek zu Dresden. Leipzig, K. W. Hierfemann 1909. gegeben von A. Schlatter und W. Lütgert. Dreizehnter
(24 u. 199 S.) 40 Geb. M. 100— Jahrgang 1909. Drittes Heft.) Gütersloh, C. Berteis-
Einer der wichtigften altlateinifchen Bibeltexte, eine ! mann '9°9- (93 S.) gr. 8<> M. 1.80
der paläographifch iuterefianteften Handfchriften, wird Lütgert fetzt in diefer Schrift die in der Arbeit über
hier im Lichtdruck der allgemeinen Benutzbarkeit zu- .Freiheitspredigt und Schwarmgeifter in Korinth' (f. Theol.
gänglich gemacht. Die Nachbildung ift forgfältig und Literaturzeitung 1909, Sp. 166—168) angebahnten Unter-
wohlgelungen. Daß die künftlerifch ganz wertlofe Farben- Eichungen fort. Er findet, daß die Irrlehrer der Paftoral-
füllung der Majuskeln nur auf den erften Blättern nach- 1 brlefe la weitem Maße den korinthifchen Gegnern des
geahmt worden ift, erfcheint voll berechtigt. Die viel- Paulus gleichen. In einem erften Abfchnitt fucht er die
befprochenen Zeichen und textlichen Marginalien, dar- Kertzer als Antinomiften zu erweifen, in einem zweiten
unter die berühmten irifchen Verfe (fol. 23 r), find befchreibt er ihre Lehre als Forderung der Askefe und
natürlich getreulich reproduziert, dagegen ift der Inhalt btreben nach Emanzipation. Ein dritter Teil Hellt die
des Kodex über die Paulinen hinaus nicht abgebildet. Gegner als Gnoftiker und Enthufiaften dar. Endlich er-
Man kann dies bezüglich des Fragments eines lateini- örtert ein Schlußteil, bevor das Fazit gezogen wird, ihr

fchen Matth.-Kommentars, mit der eine fraglos fpätere

Hand die im Kodex leergebliebenen Blätter vorn und ,j v^ noch etwaTraubei Nomina sacraS über die Kom

hinten gefüllt hat, billigen, obwohl die Aufnahme diefer pendien für irjoovq /pioroc im Cod. Botin.

Verhältnis zu den Gemeindeleitern.