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Ausgabe:

1910

Spalte:

68-69

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Simons, Eduard (Hrsg.)

Titel/Untertitel:

Theologische Arbeiten aus dem rheinischen wissenschaftlichen Prediger-Verein. Neue Folge. Elftes Heft 1910

Rezensent:

Zillessen, Alfred

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6;

1155—117°> una" Bibelwiffenfchaft: Baentfch, Gunkel,
Bertholet, A. Meyer 1171 —1228) ein erheblicher Umfang
eingeräumt. Ziemlich ausführlich find auch die
literarhiftorifchen Artikel: Bundesbuch, Chronik, Danielbuch
, Dekalog (diefe fämtlich von Bertholet). Der Artikel
Abraham (Gunkel) erfreut durch die Ablehnung
aftralmythologifcher Theorien. — Im Neuen Teftament
treten die Artikel .Abendmahl' (Heitmüller 20—52) und
.Chriftologie' (Joh. Weiß 1712—1740) durch die ungewöhnliche
Ausführlichkeit der Behandlung vor den
übrigen hervor. Mir fcheint das richtige Maß hier doch
etwas überfchritten, fo fehr das befondere Intereffe, das
fich an diefe Materien heftet, eine eingehende Behandlung
nicht nur rechtfertigt, fondern erfordert. Der Artikel
über das Abendmahl hat mich auch durch feine
weitgehende Skepfis überrafcht. Sonft feien noch die
umfichtigen Artikel von Knopf über die Apoftelgefchichte
und das apoftolifche Zeitalter erwähnt.

In der Kirchen- und Dogmengefchichte find
die eigentlich kirchenhiftorifchen Artikel, wie fchon bemerkt
, meid fehr knapp gehalten (alte Kirche bef. Scheel,
Mittelalter:Werminghoff, Reformationszeit: Köhler,neuere
Zeit: Mulert). Um fo eingehender find dagegen wichtige
Materien der Dogmengefchichte behandelt; die Entwicke-
lung der abendländifchen Kirche ift zufammenfaffend dar-
geftellt von Scheel (7—20), die Gefchichte der Abendmahlslehre
ebenfalls von Scheel (52—79), Aufklärung:
Heinr. Hoffmann (765—788), Bußwefen: Holl, W. E.
Schmidt, A. Hoffmann, Baumgarten, Simons (1462—1499),
Gefchichte der Chriftologie: Scheel (1740—1772), Deismus
: Zfcharnack (1997—2015). Hervorgehoben feien
noch: Altchriftliche Kunft: Strzygowski (381—397) und:
Buchilluftration in religiöfen Druckwerken: Baer (1377 S
bis 1401). — Spezialartikel find auch den kirchlichen I
Verhältniffen der einzelnen Länder und Territorien ge-
midmet (Anhalt, Baden, Bayern, Bosnien, Bulgarien, j
Byzanz, China, Dänemark, Dalmatien, Deutfch-Afrika,
Deutfchland). Der Artikel Deutfchland, welcher den
Schluß des Bandes bildet (2062—2128), gibt eine Über- I
ficht über die Geflaltung der kirchlichen Verhältniffe
Deutfchlands im Mittelalter (K. Jacob), der Reformationszeit
(Köhler) und der neuen Zeit (Heinr. Hoffmann), zuletzt
eine Konfeffionsftatiftik der Gegenwart (Zfcharnack). j
— Die Abficht, fpeziell über die aktuelle Gegenwart zu
orientieren, hat dahin geführt, auch faft alle zur Zeit
lebenden akademifchen Theologen mit kurzen biographi-
fchen Artikeln zu bedenken. Ob das Intereffe für unfere
Sippe wirklich in weiteren Kreifen fo groß ift, daß dies
notwendig war?

In der fyftematifchen Theologie ift ebenfalls
der Grundfatz befolgt, unter Zurückftellung theologi- 1
fcher Spezialitäten den großen prinzipiellen Fragen befondere
Aufmerkfamkeit zu widmen. Es find infolge i
deffen namentlich die Grenzgebiete der Theologie mit
eingehenden Artikeln bedacht: Apologetik in drei Artikeln
, I Wefen derfelben (Wobbermin), II Apologetik
im Neuen Teftament (A. Meyer), III frühkirchliche (Scheel), I
Biologie (Titius 1257—1263), Darwin und Darwinismus
(Titius 1975—1983), Deismus (Steinmann), Deszendenztheorie
(Titius 2041—2053). Von fpeziell dogmatifchen
Artikeln feien genannt: Chrifti Blut (Fiebig, Eichhorn,
Baumgarten, Schian) und Chriftologie (Rittelmeyer); von
folchen aus dem Gebiete der Ethik: Askefe (Scheel),
Charakter (Scheel), Demut (Titius).

Wie weit das Gebiet der praktifchen Theologie
berücküchtigt ift, läßt fich aus dem vorliegenden erften |
Bande noch nicht überfehen. Man darf vermuten, daß '
auch hier die Rückficht auf weitere Kreife für die Aus- j
wähl maßgebend war. Sehr dankenswert find die Ar- j
tikel: Armenpflege, kirchliche (Simons) und Charitas,
katholifche (W. E. Schmidt). Auch der gehaltvolle Artikel
.Ausftattung, kirchliche' (Bergner), gehört hierher.
Auf diefes feltfame Stichwort wird freilich niemand geraten
, der Belehrung über Kirchengeftühl, Pulte, Grabmal
, Glocken, Uhren, Gefäße, Reliquiare, Prozeffionsge-
räte fucht. Aber die Redaktion wird durch Verweifungen
in den fpäteren Bänden dafür geforgt haben, daß der
Lefer doch das Gefuchte findet.

Wir wünfchen dem gediegenen wertvollen Werke
rüftigen Fortgang und baldige Vollendung.

Göttingen. E. Schürer.

Theologifche Arbeiten aus dem rheinilchen wilfenlchaftlichen
Prediger-Verein. In Gemeinfchaft mit den übrigen
Vorstandsmitgliedern Geh. Konfift.-Rat Prof. D. Sieffert,
Pfr. D. Hafner, Prof. D. Kamphaufen, Geh. Konfift.-
Rat Lic. Mettgenberg, Pfr. Pfender, Pfr. Schliekum,
Pfr. Theile, Gen.-Superint. ,D. Umbeck und Superint.
Zurhellen herausgegeben von Prof. D. Simons. Neue
Folge. Elftes Heft. Tübingen, J. C. B. Mohr 1909.
(III, 142 S.) gr. 8» M. 5.40

Inhalt: Kattenbufch, Ernft, Abendmahkfragen. Zweites Stück
(Schiuli). — Zurhellen, O., Die Heimat des vierten Evangeliums.

— Kühler, 15., Die Einwirkung der älteren chriülichcn Kirche auf
die Entwicklung des Rechts und der fozialen Begriffe. — Simons,
Eduard, Otto Pfleiderer als Gelehrter und Lehrer. — Bockmühl,
Peter, Ein Brief aus Köln nach der zweiten Predigt bei Mechtern.

— Goebel, Max, Beiträge zur Gefchichte der reformierten Gemeinde
Wülfrath im XVI. Jahrhundert.

Das Heft bietet zunächft den Schluß des Vortrags
von E. Kattenbufch: Abendmahlsfragen. Eine Erörterung
der Texte bei den Synoptikern und Paulus
führt zu dem Ergebnis: Jefus hat im A.-M. auf feinen
Tod hingewiefen als auf das Opfer des neuen Bundes.
Die Wiederholung des A.-M.s von einer von Chriftus
ergriffenen und mit Gott verföhnten Gemeinde bedeutet
eine Verkündigung des Todes Jefu und ein gemeinfames
Ingemeinfchafttreten mit dem lebendig gegenwärtigen,
erhöhten Chriftus. Bezüglich der Frage der ,Realpräfenz'
fchließt fich K. an H. Schultz (Zur Lehre v. hl. A.-M.,
Theol. St. u. Kr. 1886) an unter Ablehnung jeder myftifch-
theofophifchen Deutung. Die Vorftellung von der Gegenwart
Chrifti hält fich dabei in der von Ritfehl gezogenen
Linie, nach der vom Erhöhten nichts auszufagen ift,
was nicht in feiner gefchichtlichen Offenbarung (in die
übrigens K. das Zeugnis der Gemeinde von Jefu Erhöhung
und Herrlichkeit einbezieht) feine Begründung
findet. Nach einer kurzen Würdigung des religiöfen
Intereffes Luthers an der Realpräfenz geht K. auf die
Vorfchläge zur Reform der A.-M.-Praxis ein und wünfeht
größere Anfchaulichkeit, Objektivität, Konzentriertheit,
Feierlichkeit. Sowohl Trennung wie Kombination von
Beichte und A.-M. haben jeweils ihr Recht, Einzelkelch
und fitzende Kommunion unterliegen keinen dogmatifchen
Bedenken.

Die bedeutendfte Arbeit ift O. Zurhellens Unter-
fuchung über die Heimat des 4. Evangeliften, die
an Harnacks, Wellhaufens, E.Schwartz' u.a. Aufhellungen
anknüpft. Durch Vergleich der Berührungen mit Lucas
(nicht literarifche Abhängigkeit, fondern Gemeinfamkeit
der Überlieferung und lokalen Intereffen) gewinnt er für
beide Syrien (Antiochia) als Entftehungsort, wozu er
die Notiz am Schluß von Ephräms Diateffaronkommentar
vergleicht: Johannes scripsit etiam (illud?) graece Anti-
ochzae. Ebendafür fpricht, daß das 4. Ev. die geiftige
Atmofphäre teilt mit dem aus A. flammenden Ignatius
und dem Samaritaner Juftin (A. die geiftige Zentrale der
Sam.). — Die Thefe vom kleinafiatifchen Urfprung, die
übrigens nicht vom 4. Ev. für fich, fondern von der
ganzen johanneifchen Gruppe gilt, erklärt fich nach Z.
fo, daß der Verf. des 1. Johannesbriefs, diefer Kampf-
fchrift gegen die gnoftifche Bewegung in Kleinafien, das
Ev. und die Apokalypfe den Beltrebungen feines apo-