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Ausgabe:

1910

Spalte:

737-738

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Sellin, Ernst

Titel/Untertitel:

Einleitung in das Alte Testament 1910

Rezensent:

Löhr, Max

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Seite 1

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Theologische Literaturzeitung.

Begründet von E. Schürer.

Fortgeführt von Prof. D. Ad. Harnack, Oberlehrer H. Schuster und Prof. D. Arth. TitillS.

Jährlich 26 Nm. Verlag: J. G. Hinrichs'fche Buchhandlung, Leipzig. Halbjährlich 9 Mark.

n _ - ... Manufkripte und gelehrte Mitteilungen lind ausschließlich an _

NF. Ä-4, JaXirff. OO. Profeflbr D. Titius in Gottingen, Friedländer Weg 26, zu fenden. 26. NOVemt)er IQIO

0 Rezenfionsexemplarc ausfchließlich an den Verlag. +-r-^* avav.

Sellin, Einleitung in das Alte Teflament (Lohr).
Duhm, Das kommende Reich Gottes (Nowackj.
Joüon, Le Cantique des Cantiques (Beer).
Volt er, Die Entftehung des Glaubens an die

Auferdehung Jefu (W. Bauer).
Mangenot,I aResurrectiondeJesus(M.Dibelius).
Altchriflliche Texte, bearb. von C. Schmidt

und W. Schubart (Harnack).
Crum, Catalogue of the Coptic Manuscripts

(Rahlfs).

Histoire Nestorienne (Chronique de Sdert) (Duen-
fing).

Weyh, Die fyrifche Kosmas- und Damian-Legende
(Anrieh).

Monumenta Germaniae historica, Scriptorum
rerum Merovingicarum tomus V (Griitzmacher).

Corpus Script. Christianorum Orientalium Script.
Aethiopici, ser. altera, tom. II, XXII, XXVIII
(Xeftle).

Lobstein, La Connaissance religieuse d'apres
Calvin (Eck).

Wendland, Ludw.Emftv.Borowski(Tfchackert).
F1 ei Ich, Zur Gefchichte der Heiligungsbewegung
(Loofs).

Krieg, Enzyklopädie der theologifchen Wiffen-
fchaften Debil Methodenlehre (Dorner).

Heinzelmann, Der Begriff der Seele und die
Idee der Unfferblichkeit bei Wilhelm Wundt
(Steinmann).

Everett, Theismand the Christian Faith (Scholz).
Anton, Über krankhafte moralifche Abartung

im Kindesalter (Ebffein).
Hacken fchmidt, Die Chriftus-Predigt für

unfere Zeit (E. Chr. Achelis).
Erklärung von Strack.
Mitteilungen.

Sellin, Prof. Dr. Li., Einleitung in das Alte Teltament. (Evän- j Beurteilung von Gen. 14 und die daraus gezogene Fol-

gelifch-theologifche Bibliothek. Herausgegeben von | gerung Beifall finden wird, laffe ich dahin geftellt; ob

B Beß 2. Bd.) Leipzig, Quelle & Meyer 1910. ! ,Pf. 18 >^davidifches Material' enthält, ift mir fehr zweifel-

' ' c. JQ0 ^ & M „,- / M ; haft. Wo ift der Maßftab zur Beurteilung? — Daß er

(XV, 153 S.) gr. 8« M. 2.60; geb. M. 3.20 /mos nach dem notorifch unrichtigen Text von 7, 14

• 7 1 ° . /viiios nacu uem noiorucn unnentigen 1 ext von 7, rq

Das Buch enthält nach einer kurzen (Einführung, j einen ,Rinderhirten' fein läßt, beruht wohl nur aj$CV-lj>J
die den Begriff und die Gefchichte unfrer Einleitungs- einem Verfehen. Aber das find Kleinigkeiten. j/cre**
wiffenfehaft' behandelt, die ,Gefchichte des Textes der wird es dem Verf. gern glauben, daß hinter dem Bt^e^C **"
a.tlichen Schriften', dann die .Entftehungsverhältniffe j größere Arbeit fteckt, als es vielleicht dem erden wjj&k-J'*!;,
und -zeiten der einzelnen Bücher des AT.' nebft zwei 1 tigen Blicke auf feinen Umfang erfcheint. v

Königsberg in Pr. Max Lohr.

Anhängen über die Apokryphen und wichtigften Pfeud-
epigraphen des AT. und endlich die .Gefchichte der
Sammlung und Kanonifterung des AT.' Beigegeben ift

eine chronologisch geordnete.Überficht über die Ent- Duhm Prof. B Das kommende Reich Gottes. Vortrag.
Wieke ung der a.tlichen Literatur'. -t u- t /- d tut 1. / o c- oa „t

Der Verf. fegt in der .Einführung', daß die Ein- langen, J. C.B. Mohr 1910. (38 S.) 80 M. -75

Diefer von warmer Begeiferung und tiefer religiöfer
Erkenntnis durchdrungene Vortrag Duhms geht von der
Tatfache aus, daß wir in unferm religiöfen Leben fo
eigentümlich fchwächlich und zerfahren find, was fich
weder aus einem Mangel an Ehrfurcht vor der Religion,
noch aus fehlendem fittlichen Lebensernft erklärt, fondern

leitungswiffenfehaft in das Gebiet .hiftorifch-kritifcher
Forfchung' gehöre. Diefe bewege fich zwar in Zickzacklinien
vorwärts, korrigiere fich aber immer felbft und
nähere fich je länger je mehr der gefchichtlichen Wahrheit
. Diefer wiffenfehaftliche Standpunkt beherrfcht das
ganze Werk und macht es damit nicht nur für weitere,

biblifch intereffierte Kreife, fondern auch für den zünf- | aus Verkennung des eigentlichen Mittelpunktes der chrift-
tigen Theologen zu einem brauchbaren Handbuch. Wenn j liehen Religion, der Hoffnung auf das kommende Reich
jemand dennoch einen sit venia verbo .konfervativen'Zug 1 Gottes: in ihr haben wir das flarke Gemeingefühl, das
in der Arbeit finden will, fo liegt derfelbe zum guten ; uns fehlt, die lebendig-treibendc Kraft, die wir in der
Teil in der Entwicklung begründet, die unfre Wiffen- | heutigen Gefellfchaft vermiffen, den großen Weltge-
fchaft infolge unfrer erweiterten Kenntnis des alten danken, den wir dem Nirwanagedanken, der Götter-
Orients genommen hat. Jedesfalls fehlt diefem .Konfer- dämmerung gegenüberftellen. Diefe Hoffnung ift nicht
vatismus' alles Parteiliche. S. befleißigt fich in feinem , immer dagevvefen, ,fie ift entftanden und hervorgetreten
Urteil der größten Vorflcht. Mit Recht betont er wieder- wie eine Pflanze aus verborgenen Wurzeln ans Licht
holt, daß fleh in der Pentateuchfrage mehr als ein | tritt, fie ift gewachfen unter Gunft und Ungunft der Ge-
hypothetifches Ergebnis nicht erreichen iaffe. Sehr : fchichte, bis der Meifter kam, durch den fie zum

Lebensbaum werden follte'. Mit knappen Strichen zeichnet
Duhm, wie mit der Predigt des zornmütigen Arnos vom
Ende, die ihren Widerhall bei Hofea, Micha, Jeremja u. a.
findet, die Entwicklung beginnt, die zum Gedanken vom
Reiche Gottes fuhrt, und wie Jefaja, der den Gedanken
vom kommenden Verderben am furchtbarften entwickelt
, auch am meiflen die Hoffnung auf neue Anfänge
gefördert hat. D. zeigt, wie man in der deu-
teronomifchen Reform das prophetifche Ideal zu verwirklichen
fucht, und wie von hier aus zwei verfchiedene
den Dekalog, über die Erage nach vorexilifchen Pfalmen, j Entwicklungsreihen ausgehen, die der gefetzlichen,
über das Lied Mofis u. a. m., fo daß er fich in der Hoff- j an deren Anfang Ezechiel fteht, welcher das .Zukunfts-
nung nicht täufchen wird, die ifagogifche a.tliche P'orfchung 1 bild von einem weltabgefchiedenen, nur dem korrekten
in etwas gefordert zu haben. An manchen Stellen kann Kultus obliegenden Volke entwirft, und jene andere von
ich den Widerfpruch nicht unterdrücken: ob 1, B. feine I Jeremja inaugurierte, deffen Anhänger einzelne Fromme

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zurückhaltend ifl er billigerweife darum auch z. B. in
der Frage, ob J älter fei als E. Den Fortfehritt über
die bisherige einfeitig literarkritifche Arbeitsweife merkt
man darin, daß von erzählenden, wie legislativen und
poetifchen Partien anerkannt wird, fie haben fchon Jahrhunderte
vor der uns vorliegenden fchriftlichen Fixierung
mündlich oder fchriftlich exiftiert; daß z. B. bei Joel ein
alter Kern und eine neue Ausgeftaltung desfelben unter-
fchieden wird. Beachtenswerte Urteile gibt S. über
Wefen und Abfaffungszeit des Deuteronomiums, über