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Ausgabe:

1910

Spalte:

685-687

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Adeney, Walter F.

Titel/Untertitel:

The greek and eastern Churches 1910

Rezensent:

Kattenbusch, Ferdinand

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noch zu bemerken, daß oft die einzelnen Teile einer
Handfchrift nicht denfelben Wert für die Herftellung
des Textes befitzen. Hilberg hat vor jedem einzelnen
Briefe die für diefen benutzten Handfchriften und ihre
Sigla angegeben, die Lesarten der früheren Ausgaben
werden mit p bezeichnet, mit einem Afteriskus find die
Bibelftellen notiert, die von der Vulgata abweichen. Die
Buchitaben a. c. im kritifchen Apparat haben die Bedeutung
, daß vor der Korrektur, p. c daß nach der
Korrektur, a. r. daß vor der Rafur, p. r. daß nach der
Rafur fich die angegebene Lesart in einer Handfchrift
findet. Bei der Korrektur unterftützte ihn Auguft Engelbrecht
. An den Stellen, wo Engelbrecht auf Grund der
handfchriftlichen Überlieferung eine andere Lesart als
der Herausgeber befürwortete, hat Hilberg diefelbe im
kritifchen Apparat ebenfalls notiert. Es ift an diefer Stelle
nicht möglich, auf Einzelheiten näher einzugehen.

Nur auf einige befonders markante Lesarten der neuen Ausgabe fei
hier aufmerkfam gemacht: ep. 16, 14 fchreibt Hieronymus, daß er feinen
.Bruder Paulinian in die Heimat fchicke, ut stmirutas yillulas, quac barbarorum
effugerunt manus, et parentum communium cineres venderet. Die
früheren Ausgaben hatten census gelefen, und ich hatte den Ausdruck
im Sinne von Zinsrenten erklärt, jetzt wird durch das handfchriftlich allein
bezeugte cineres = die Afchenhaufen der Sinn der Stelle deutlich; ep. 9
wird auf Grund des handfchriftlichen Befundes als Name des Adreffaten
Chryfocomas (und nicht Chryfogonus) beftimmt; ep. 15,3 hatte ich aus
fachlichen Gründen die Lesart ab Arianorum probe, Campensibus vor der
auch von Vallarfi gegebenen Lesart ab Arianorum praesule et Campensibus
bevorzugt, Hilberg beftätigt diefe meine Annahme; ep. 41,3 hat
Hilberg für das finnlofe cenonas der früheren Ausgaben xoivwvovg auf
Grund der Handfchriften eingefetzt, das bereits Hilgenfeld vermutet hatte;
ep. 44, 2 in dem kleinen Briefe des Hieronymus an Marcella war es bei
dem uuficheren Text, den Vallarfi bot, nicht möglich zu entfeheiden, ob
fich Hieronymus für Gefchcnke, die Marcella der Paula und Kudochium
machte, bedankt, oder von einem Gegengefchenk fpricht, daß er der
Marcella machte. Hilberg (teilt den Text dahin feft, daß das erftere zutrifft
; ep. 43, 7 in dem Abfchiedsbrief von Rom, der an Afella gerichtet
ift, läßt Hieronymus die Mutter Albina, Marcellina, Felicitas und nach
der Lesart Vallarfis die Schwerter Marcella d. h. feine bekannte Freundin
grüßen. Hilberg lieft auf Grund der Klteften Handfchriften .sorores Mar-
eebbas', ich glaube nicht, daß dies richtig ift, da wir foult nichts von
mehreren Afareellae in Rom willen. Hier werden doch die jüngeren Handfchriften
, die sororem Alarcellam lefen, das Richtige haben.

Heidelberg. G. Grützmaclier.

Adeney, Walter F., M.A., D.D., The greek and eastern

Churches. Edinburgh, T. & T. Clark 1908. (XIV,
634 P-) gr- 8° s. 12-

DasWerk gehört zu einer Sammlung, die als Jnter-
national Thealagkai Library' bezeichnet ift und von dem
Profeffor am Union Tlieological Seminary zu New-York
Charles Briggs und dem (jetzt verftorbonen) Profeffor
am United Free Church College zu Aberdeen Stewart
Salmond herausgegeben wurde oder wird. Der Ver-
faffer des hier zu befprechenden Werkes ift Direktor
(friucipal') des Lancashire College zu Manchefter. Die
.internationale' Aufgabe der Sammlung geht anfeheinend
auf Annäherung und theologifchen Ausgleich zwifchen
den verfchiedenen evangelifchen Kirchen englifcher
Zunge, infonderheit foweit fie puritanifcher Abkunft find.
Efl find teils großbritannifche, teils amerikanifche Ge- j
lehrte, die hier zufammenwirken (wie der Profpekt der
Sammlung erkennen läßt). Das Werk von Adeney ift
ein wertvoller Beitrag zu dem frei und gut gedachten
Unternehmen.

Als ich mein Buch über ,die orthodoxe anatolifche
Kirche' fchrieb, fehlte mir ein Hilfsmittel, wie es jetzt |
das Werk von Adeney darfteilen würde, fehr. Auch
Gaß' gediegene ,Symbolik der griechifchen Kirche' hätte
Nutzen von ihm haben, d. h. in gewiffer Weife durch
es erleichtert werden können. Gaß und ich mußten
beide oft weiter in die Gefchichte der Kirchen des
Orients zurückgreifen, als nötig gewelen wäre, wenn es
eine gute Überficht über diefe Gelchichte gegeben hätte.
Aber uns ftanden, von Monographien verfchiedener Art
abgefehen, nur allgemeine Darftellungen der Kirchen-

! gefchichte zur Verfügung und diefe ließen (und laffen)
manches gerade hier zu kurz kommen. Die Gefchichte der
alten Kirche des Oftens nimmt ja darin überall einen
breiten Raum ein, aber fchon die Gefchichte der byzan-
tinifchen Reichskirche, gar die der ruffifchen und an-

I deren flavifchen Kirchen wird kaum mehr im Zufammen-
hang und jedenfalls ziemlich fummarifch behandelt.
Adeney hat fein Werk in zwei Hauptteile zerlegt, den

j erften mit der Überfchrift , The Church and the P.mpire1,
der bis zum Fall von Konftantinopel reicht (S. 13—291).

; den zweiten mt der Überfchrift ,The Separate Churches'

(S. 292—626). Die eigentliche Darfteilung fetzt bei Kon-
ftantin ein; die voranliegende Zeit wird unter Hinweis
auf Mc Gifferts History of Christianity in the Apostolic
Age und auf das (zur Sammlung mitgehörige) Werk des

| Principal of the New College zu Edinburg, R. Rainy
über The Ancient Catholic Church nur kurz berührt. Die
Gefchichte der Kirche des zunächft ja noch mit dem
Wellen geeinten, allmählich fich auf fich felbft Hellenden,
fchließlich zu einem Gegenfatz zum Werten werdenden

i Oftens wird dann recht eingehend, nicht umftändlich,

i aber doch vielfach bis zum Detail vordringend, gefchildert.
Die beiden Unterabteilungen des erften Teils haben die

| Überfchrift ,The Age of the Fathers' und , The Moham-
medan Period' (diefe doch eben bloß bis zum vollen

[ Siege des Muhammedanismus über Oftrom).

Ausführlicher als m. E. am Platze war, wird die
dogmengefchichtliche Entwicklung, d. h. die Reihe
der trinitarifch-chriftologifchen Streitigkeiten bis zum Er-
ftarren oder ,Abfchluß' des Dogmas verfolgt. Da hätte
der Verf. fich wohl auch unter Hinweis auf andere Werke
entladen mögen. Es ift gar nicht übel, wie er diefe

1 Streitigkeiten vorführt, aber neues hat er nicht zu fagen
und er behandelt fie fchließlich doch zu äußerlich. Er
kennt ja Harnacks Werk, aber was das befte daran ift,
die Einführung in die innern, religiöfen Motive des
trinitarifch-chriftologifchen Dogmas, hat er fich nicht angeeignet
. Seine Darfteilung ift ftillfchweigend beherrfcht
von der Idee, daß die Begriffsentwicklung des Dogmas
als folche die Hauptfache fei. In der Schilderung des
Monophyfitismus nimmt A. fogar die Mathematik zu
Hilfe, um diefe von der ,Kirche' abgelehnte Theorie zu
verdeutlichen und als wirklich falfch darzutun. Aber A.
bleibt nicht in der Dogmengefchichte, auch nicht in der
kirchlich-politifchen Gefchichte Hecken. Es fehlt nicht
an einem befonderen Kapitel über ,Verfaffung und
Gottesdienft' (S. 132—146) und über das ,Mönchtum des
Oftens' (S. 147—159). Hoch rechne ich ihm das Sonderkapitel
über die .Byzantinifche Kunft' (S. 174—186)
und das über ,Leben und Wiffenfchaft in der byzantini-
fchen Kirche' (S. 273—291) an.

Der zweite Teil, der die allmählich entftandenen
orientalifchen Spezialkirchen als folche behandelt, ift der
charakteriftifchere. Hier handelt A. zuerft von dem Chriften-
tum in Perfien. Auch die Kirche der Gothen berührt er
hier. Die modernen Spezialforfchungen kennt er (oder
berückfichtigt er) doch nur unvollftändig. Dann kommt
er auf die Gefchichte der Kirche im Türkenreiche, fpe-
ziell die der Kirche auf der Balkanhalbinfel zu fprechen.
Er verfolgt diefe Gefchichte bis an die Gegenwart heran.
Aber es ift merkwürdig: die Gegenwart fcheint ihn am
wenigften zu intereffieren. Es find nur noch kurze
Striche, mit denen er fie kennzeichnet. Und doch dünkt
mich die ,History' unterer Tage in den Kirchen des
Orients bedeutfam genug. Gerade jetzt gibt es endlich
dort wieder wirkliche Gefchichte, neues Leben, neue
Entwicklungen. Aufgefallen ift mir, daß der Verf. der
orientalifchen Kirchen in der öfterreichifch-ungarifchen
Monarchie nicht gedenkt (außer kurz derjenigen in Bosnien
und der Herzegowina). Auch Rumänien ift ihm
entgangen (von Montenegro nicht zu reden: fo belangreich
wie Cypern, deffen Kirchengefchichte A. vier ganze
Seiten widmet, ift diefes immerhin, aber freilich Cy-