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Ausgabe:

1910

Spalte:

626-629

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Schlecht, Joseph

Titel/Untertitel:

Kilian Leibs Briefwechsel und Diarien 1910

Rezensent:

Bossert, Gustav

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denen die Texte Datieren; verftändlicherweife, denn für verdienflvollen Leiter des Unternehmens ins Auge gefaßt

die neueren Editionen würde fie oft ziemlichen Raum werden!

beanfpruchen, für die älteren läßt fie fich doch nur teil- Stuttgart Lern od

weife geben und ift auch dann nicht immer zuverläffig. j _6___vv'

Durch alle diefe Erweiterungen ift die Zahl der . 7~ . „ r

behandelten Heiligen ftark gewachfen (z. B. unter N 25 Schlecht, J., Kilian Leibs Bnefwechlel und Dianen. (Refor-

Namen ftatt früher 13), und nicht minder die Zahl der Texte mationsgefchichtliche Studien und Texte. 7. Heft.)

für die einzelnen Heiligen (z. B. Demetrius 19 Nummern | Münfter, Afchendorff 1909. (XXXVI, 156 S.) gr. 8°

fiatt 11, infolge Aufführung der einzelnen Thaumata 5 */2 ! M& 4 So

Seiten ftatt 12/o), fo daß das Heiligenverzeichnis jetzt ' 4-

266 ftatt 144 Seiten einnimmt. Dazu hat Verf. feine Kilian Leib ift den Gefchichtsforfchern für die

in der Pracfatio der erften Aufl. gegen Symeon Meta- Reformationszeit wegen feiner Annales maiores längft

phraftes bewicfene Animofität dadurch gefühnt, daß er kein unbekannter Mann. Allerdings ift er, wie auch

als Anhang (S. 267_292) eine überaus dankenswerte Schlecht in feinem verdienflvollen Werke anerkennt,

Synopsis Metaphrastiea bietet, die nach einer Darftellung .keiner der weit und tiefblickenden, tatkräftigen Männer
der Frage nach der Zeit des Metaphraften unter An- des Reformationszeitalters', ,dem eine führende Rolle in
führung der wichtigften Handfchriften eine Tabelle der der Gefchichte befchieden gewefen wäre', wenn ihn
Metaphraftifchen Texte für die einzelnen Monate ent- die Kirche aus der klöfterlichen Abgefchiedenheit an
hält eine hervorragende Stelle berufen hätte. Aber er war
' Auszufallen habe ich nur eine Äußerlichkeit: In Jn aufmerksamer Beobachter und durch feine Verbinden
einzelnen Artikeln find bei denjenigen Texten, welche düngen mit Gelehrte» und Mannern der Kirche gut
infolge der Vermehrung oder anderer Anordnung der " ^Vf^ fu5 d!e
Texte eine andere Nummer aufweifen als in der erften Ü^' dle Gefch'chte. d'e Politik und die
Aufl., die alten Nummern am Rand beigedruckt. Da- Wirtschaft. Nachdem er in jüngeren Jahren an der Seite
gegen flnd die neuaufgenommenen Heiligen und die Reuchlins und der Human.lten geftanden hatte, ftellte
neuaufgenommenen Texte nicht als folchc kenntlich « fleh auf den mehr und mehr fleh verschärfenden
gemacht Wo alfo keine Zahl am Rande fteht, weiß Standpunkte eines ehrlichen, treuen Kampfers für die
man nie', ob der betr. Text in der erften Aufl. diefelbe alte Kirche der aber ein ungetrübtes Auge für die
Nummer trä-t oder ob er dort überhaupt nicht fteht. Schaden derfelben hatte und fleh offen über die Sunden
Daß z B die^Artt. Theodoras stratelates und Theodoras der K°ri*. d« KJ[erfusnud ,der Mönche ausfpricht, wie
Hro für den Art. der erften Aufl. Theodoras m. Heraeleae [f'n, Go"nel gg*** Gab^lel ***®*r Aber f«.n
e.ngefetzt find und die Randnummern im Art. Theodoras Blick ift getrübt durch den b.tterften Haß gegen die
Ar/fich auf jenen Art. beziehen, hätte irgendwie kennt- Männer der Reformation, obgleich er die Abiaffe für
lieh gemacht werden dürfen. Im übrigen gilt von der den Beginn der reformatonfehen Bewegung verantwort-
zweitenAufl. in noch verftärktem Maße, was Fh. Meyer llch macbt ,de indulgeritns quarain abasas Latheranam
von der erften gerühmt hat. Sie ift jedem, der auf suborm fecit haerestm' (S. 91). Luther ift ihm der
diefem Gebiete a'rbeitet, gerade wegen des rapid fleh ver- .PesttlentisstmUS haereticus' (S. II8). Selbft die Aus-
größerndenUmfangesdcsfelben.fchlechthin unentbehrlich, fchreitungen der Spanier und anderer kaiferhchen Sol-
0 daten in der Gegend von Weißenburg r. N. betrachtet
Straßburg i/E. Anrieh. er als Frucht der libertas, quam pestilentissimas Luther

. docaerat (S. 136), eine überrafchende Behauptung, da

die Spanier gut katholifch waren, um fo feltfamer, als
Tractatus Fr. Thomae vulgo dicti de Eccleston de ad- er kurz vorher von ihnen geftand: pluribus in locis di-
ventu Fratrum Minorum in Angliam. Edidit notis et riter valde et non Christiane egerunt (S. 135). Melanch-
commentario illustravit Andrew G. Li ttle. (Collection thon nannte er ,iniquum sathanae instrumentam' (S. 50)
dTtudes et de Documenta, Tome VII.) Baris, G.Fisch- und frefut % lbm "'cht auf dem Regensburger Reli-
eil ruo.es ei qo fr 8 gionsgefprach 1546 zu begegnen. Statt es zu wagen,
bacher 1909. (XIX, 227 p.) gr. b' ^ tr. 8— bei diefem Anlaß einmal ßutzer, Piftorius, Schnepf und
Durch die von Sabatier veranftaltete Collection Brenz ordentlich in die Augen zu fchauen und mit
d'etudes et de documents Sur l'histoirc religieuse et litte- ihnen zu fprechen, meidet er ihren Verkehr und fleht
raire da Mayen äge wird das Studium der Anfänge des die beiden letztgenannten nur von hinten an. Denn
Minoritenordens immer mehr erleichtert. Der vorliegende diefe vier Männer find ihm dmpiissimi haereticl (S. 51).
7. Band bringt eine Ausgabe Eccleftons. Seit Brewer Geradezu überrafchend ift, wie wenig Verftändnis Leib
1858 die erfte Ausgabe veröffentlicht hat, ift man auf die und feine Freunde für die Prinzipien haben, um welche
Bedeutun"diefesTraktatesaufmerkfamgeworden. Thomas fleh die Kämpfe drehten. Konrad Adelmann kann 1544
kann lieh zwar, wie auch der Herausgeber fagt, an ftarker trotz Luthers Katechismus behaupten, die Ketzer, welche
Individualität und gefchichtlichem Sinn nicht mit Jordan er latrones, scortatorcs, Epicurei omnia in christiano orbe
von Giano meffen, aber er hat doch eine ganze Menge j turbantes fchilt (S. 44. 45), lehren, die zehn Gebote feien
von zuverläffigen Nachrichten uns überliefert, von denen nicht zu halten. Er weiß nicht, daß die Reformatoren einen
wir fonft nichts wüßten, von Nachrichten, die nicht nur höheren Begriff von Keufchheit haben, als das Papfttum
für die Niederlaffung des Ordens in England, fondern mit feinem mönchifchen Dualismus, etwas anderes unter
für die Gefchichte des ganzen Ordens von Bedeutung guten Werken verftehen, als Rom; er weiß nicht, daß
flnd. Die Abfaffung des Traktates wird ins Jahr 1258/59 1 der Kampf gegen die Meffe ihrem Opfercharakter gilt,
datiert; feine Ouellen waren größtenteils mündliche, wo- während er felbft in ihr nur eine ,rememoratio sacra-
mit die' Stärke und die Schwäche feiner Auslagen gegeben tissimae passionis dominicac' fleht. Er kann den Reift
. Während die bisherigen Ausgaben, auch die in den formatoren vorwerfen: ,cupercnt oblitterari ingentem
Analecta Franciscana, teilweife recht mangelhaft waren, illam dilectionem, qua ad nos liberandos pius servator
haben wir hier eine vortreffliche Ausgabe mit dem ganzen noster usus est', weil man Kruzifixe aus der Kirche entApparat
, der zur fachlichen Beurteilung des Inhalts dien- fernte! Wie wenig Leib Luthers Schriftprinzip gerecht
lieh ift. freilich fo gut und bequem die Ausgaben der wurde, beweift S. 56 fein Zitat aus Luthers Formula aussäe,
Collection flnd, fo teuer find fie auch. Am meiften zu W. A. XII, 217, das noch dazu den Papft hereinzieht]
wünfehen wäre jetzt insbefondere eine vollftändige und während Luther nur vom Konzil redet, dem er das
kritifche Ausgabe Salimbencs. Möge fie auch von dem Recht abfpricht, von fich aus Gebräuche in der Kirche