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Ausgabe:

1910 Nr. 20

Spalte:

624-625

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Bibliotheca hagiographica graeca ediderunt socii Bollandiani. Editio altera emendatior 1910

Rezensent:

Anrich, Gustav Adolf

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623 Theologifche Literaturzeitung 1910 Nr. 20. 624

(Zeitfchrift für katholifche Theologie 1908) neu geprüft, aufgebaut ift. So viel man fieht, wird R. recht behalten,
namentlich die Äußerungen des Hermas, Irenaus, ürige- : Die Vermutung über den Ausfall am Anfange des

nes und Cyprian in diefer Angelegenheit; allerdings hofft Briefes (S. 26 unten) wird aber noch zu ergänzen fein

R. nicht, daß St. mehr Gefallen an der gegenwärtigen durch fehlende Ausführungen über das Prophttentum
Darflellung finden werde: für diefen fei die Sache j Nathans (Verwechflung des Königsfohnes?), das 55 21
dogmatifch entfchieden, was ihn für eine Belehrung aus 1 völlig abrupt auftritt. Der Auslegung S. 32 ff. zu 5424"-
der Gefchichte unzugänglich mache. Sehr dankenswert I kann ich nicht ganz beipflichten, infofern als tjiil xxX.

ift die Einfügung eines ganz neuen, des § 7: Häufigkeit nicht auf Andere außer den eigentlichen Gegnern zu
und Vorbedingungen des Kommunionempfanges in alt- 1 gehen braucht, fondern eine deductio ad absurdum diefer

chriftlicher Zeit (S. 130—146). feitens des Africanus darftellt; ein Rekurs auf die jüngere

Dem früher charakterifierten Geifle und Standpunkt Elifabeth erfcheint im Zufammenhange nicht notwendig,
ift R. auch in diefer neuen Auflage, die fleh zugleich um j trotz Gregor v. Nazianz (33 f.), der jene Pofition der
wiffenfehaftliche Objektivität und Gehorfam gegen die Gegner vertritt, vgl. 25. 17f.; anders Eufebius (S. 3. 23b
Kirche bemüht, unwandelbar treu geblieben. ,Nihil 27). Auch der Einfchub 5620 f. (Routh) erfcheint ,un-
veritas erubescit nisi solummodo abscondi, fchrieb einft nötig', wenn man t)(iElq, de (im Sinne des Paulus) bis
Tertullian (c. Valent 3), und kein geringerer als Papft xrjnvöOo/itv als Parenthefe faßt. Ein fonderbares Argu-
Leo XIII hat es ausgefprochen, daß das Wort auch ment (a maiore ad minus) bildet die ganze Stelle immerheute
noch gilt. Der Verfaffer des vorliegenden Buches hin, da das Objekt der angenommenen Furcht in beiden
wollte nichts anderes, als der Wahrheit und damit der Fällen ein ganz verfchiedenartiges ift. Der Gedanke
Sache Gottes und der Kirche dienen' (VI). klingt, wenn auch mit anderer Beziehung, im zweiten

2.) Die franzöfifcheÜberfetzung des Buches Raufchens 1 Stücke S810ff. wieder an (lies löiöoxo). Gegen den kri-

ift in ihrem erften Drittel von E. Ricard, Profeffor am tifchen Scharffinn, den Africanus im Briefe an Origenes

Priefterfeminar von Aix, im größeren Teil von E. Decker, entwickelt, flicht im vorliegenden Briefe manches ab

Vikar von St. Vincent de Paul, verfaßt worden. Letzterer (vgl. die Einwände gegen feine Thefe aus Anlaß der

hat die Arbeit übernommen und weitergeführt, nachdem Befprechung des Buches von Vogt in diefer Zeitg. 1908

der erfte Überfetzer aus Gefundheitsgründen zurück- Sp. 137). So ift es befonders auffallend, daß fowohl

treten mußte. Decker will fleh keineswegs mit allen Afr. wie feine Gegner in der genealogifchen Reihe von

Urteilen und Ergebniffen des deutfehen Verfaffers iden- Salomo refp. Nathan an abwärts die Koinzidenz von

tifizieren. ,Le livre, fagt er, est un livre d'information Sealthiel-Serubabel unbeachtet gelaffen haben. Eine

plutbt que de doctrine' (VII). Auch möge man nicht ver- Erklärung über die von den Herrnverwandten an Afr.

geffen, daß die Schrift für Anfänger beftimmt ift und gelangte Überlieferung hätte noch beigegeben werden

keineswegs den Anfpruch erhebt, den Gegenftand zu können.

erfchöpfen. Zuweilen hat der Überfetzer durch einzelne Betheln (Hann.) E. Hennecke.
Anmerkungen den Text feiner Vorlage ergänzt, oder, feiner
Meinung nach, berichtigt; beiderlei Änderungen find dem

Verfaffer mitgeteilt worden. In diefen Korrekturen lehnt Bibliotheca hagiographica graeca ediderunt socii Bollan-

fich Decker meiftens an Batiffols wertvolle Unterfuchungen dianj Editjo altera ernendatior. Accedit Synopsis

an, die übrigens Raufchen feineneits zu fchatzen und zu ,, , , .. ... c. ....' , „ „ ,-

verwenden weiß Metaphrastica. Bruxelhs, Societe des Bollandistes

„ „, ' _ . . a , 1909. (XV, 299 p.) gr. 8° M. 12 —

Straßburg i. E. P. Lobftein. y y t > yy t ; ö

_ : Zur lebhaften Genugtuung aller auf dem Pelde der

ft, , , ,„ u, _ . . . 0 . Hagiologie arbeitenden ift von Delehayes Bibl. I Iagiogr.

Re.chardt, Gymn.-Oberlehr. Walther, D.e Briefe desSextus |ezüglich deren auf die ßefprechung Ph. Meyers

Julius Africanus an Aristides und Origenes. (Texte und (Lit.-Z. 1895 Sp. 108—110) verwiefen fei, nach 14 Jahren
Unterfuchungen zur Gefchichte der altchriftlichen eine neue Auflage nötig geworden. Aus einem Heft
Literatur 3. Reihe, 4. Band, Heft 3.) Leipzig, J. C. von 144 Seiten ift ein ftattlicher Band von 300 Seiten
Hinrichs'fche Buchhandlung 1909. (IV, 84 S.) gr. 8" ' j?. mufterhafter typographifcher Ausftattung geworden.

a ^ * v ^ LP 1 Diefe ftarke Erweiterung erklärt fleh einmal dadurch,
3 1 daß die Editionstätigkeit auf dem hagiologifchen Gebiete
,Eine neue Ausgabe der Africanusbriefe war im ! nie auch nur annähernd fo intenfiv gewefen ift als im
Zufammenhang mit der der übrigen Werke des Africanus, I letzten Jahrzehnt, wobei infonderheit die große Zahl
der Chronographie und der KsOzoi, für die Berliner j der rufftfehen Publikationen aufällt. Sodann hat auch,
Kirchenväterausgabe geplant'. Auf Anregung Geizers j teilweife im Anfchluß an die Bibl. Hagiogr. Latina, der
[f 1906], der felber die Chronographie übernommen hatte, Plan des Werkes gewiffe Erweiterungen erfahren: Alle
ift dem Verf. die Bearbeitung der Briefe zugefallen, die altteftamentlichen Heiligen haben Aufnahme gefunden;
er zu einem trefflichen Spezimen umfaffendfter band- ; es find auch vulgärgriechifche Texte berückflehtigt,
fchriftlicher Nachforfchung und fcharffinniger Quellen- ; wenn fie auf einen älteren Text zurückzugehen fcheinen,
kritik zu geftalten verftanden hat. Für das im wefent- womit einer Forderung Ph. Meyers Rechnung getragen
liehen fchon bekannte, nicht umfangreiche Material werden ift; Enkomien, Homilien und dergl. find in bedeutend
im Eingange über 30 Hff. aufgezählt, von denen R. felbft j weiterem Umfange aufgenommen worden, wodurch ins-
einige verglichen hat. — Der Brief an Ariftides (natür- befondere die Artt. Crux Domini von 7 auf 38, Jesus
lieh nicht den Apologeten), aus dem feit 1795 weitere Christus von 6 auf 17, Maria von 65 auf 112 Nummern.
Stücke über Eufeb. KG. hinaus bekannt geworden find, ; gewachfen find. Sodann find, wie in der Bibl. Ilag,
war zuletzt von Spitta (1877) zu rekonftruieren verfucht. Latina, längere Texte, insbefondere Mirakelfammlungen,
Sp. hatte aber die Handfchriften felbft nicht eingefehen ! deren verfchiedene Editionen in Anfehung des Textes,
und fich auf Grund älterer Ausgaben gelegentlich geirrt. '• des Umfangs, der Anzahl der Mirakel und dergl. nicht
In einer verfchlungenen Unterfuchung, in der einem cod. ' übereinftimmen, in kleinere Abfchnitte zerlegt (etwa
Palat., der die epitome der qu. ev. des Euf. enthält, eine einzelne Mirakel, vgl. Demetrius, oder Gruppen von Mi-
hervorragende Zeugenftellung zugewiefen wird (vgl. die rakeln, vgl. Cyrus), von denen jedesmal Fundftellen,
Rekonftruktion felbft S. 53ff.), gelangt R. dahin, daß der Incipit und Explicit notiert werden. Wie in der Bibl.
Text Spittas von unberechtigten Zufätzen zu befreien Hag. Latina find diefe kleinften Abfchnitte jetzt durch
ift, während der eigene zwar keine weitere Bereicherung das ganze Buch hindurch fortlaufend numeriert. Wegbietet
, aber dafür auf geficherter handfehr. Grundlage gefallen ift dagegen die Angabe der Handfchriften, auf