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Ausgabe:

1910 Nr. 1

Spalte:

584-585

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Strack, Hermann L.

Titel/Untertitel:

Jesus, die Häretiker und die Christen nach den ältesten jüdischen Angaben 1910

Rezensent:

Bacher, Wilhelm

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5§3

Theologifche Literaturzeitung 1910 Nr. 19.

fehen. Die Einleitung enthält eine kurze Überficht über 1 den Wert des Ganzen wenig. Es wäre zu wünfchen, daß
den Inhalt des Traktats, außerdem Angaben über das ] W. nach und nach den Kommentar des Bartenora auch
Leben des Bartenora, die Namen der im Traktat vor- zu anderen Traktaten, vor allem zu den in meiner Sammkommenden
Mifchnalehrer und ein Verzeichnis der zum lung bearbeiteten, zugänglich machte, und fehr erfreulich
Verftändnis desTraktats nötigen altteftamentlichen Stellen, j wäre es, wenn er dann das Eindringen in diefe Literatur
Eür weiteres Eindringen in das Verfländnis des Traktats noch mehr erleichterte, als er das in dankenswerter Weife
wird auf Stracks Einleitung in den Talmud (die W. in bereits in dem vorliegenden Heft getan hat.
der 4., nicht in der 3. Auflage hätte benutzen follenl), Gotha Fiebi°-
Dalmans Lexikon, die Jewish Encyclopedia und Gold-
fchmidt, (Babylonifcher Talmud, Bd. 7, verwiefen. W.

hätte vor'allem auf die wertvolle Ausgabe des Seder i Strack, Prof. D. Dr. Hermann L., Jehls, die Häretiker
Nesikin von D. Hoffmann (Berlin, H. Itzkowski, 1898) und die Chriften nach den älteften jüdifchen Angaben.

hinweifen können und diefe Ausgabe benutzen müffen.
Bei einer Neuauflage feines Buches wird er H. L. Strack,
Sanhedrin-Makkoth (Leipzig, Hinrichs 1910) und G. Höl-
fchers Überfetzung und Bearbeitung diefer Traktate in
meinen Ausgewählten Mifchnatraktaten' (Tübingen, J. C.
B. Mohr) verwerten und nennen müffen, auch die fonftige

Texte, Überfetzung und Erläuterungen. (Schriften
des Inftitutum Judaicum in Berlin No. 37.) Leipzig,
J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung 1910. (40 u. 88* S.)
gr. 8° M. 3 —

Die vorliegende Arbeit bietet, wie der Verfaffer im

Literatur, die bei Holfcher verzeichnet ift. Außerdem i Vorworte felbft ausführt, erheblich mehr, als die Schrift
möchte ich W. folgendes für eine Neuauflage zur Er- | Heinrich Laibles Jefus Chriftus im Talmud'. Er richtete
wägung anheimgeben: bei der Fülle noch zu leidender j fein Augenmerk auf genauen Abdruck der mitgeteilten
Arbeit wird jeder horfcher, vor allem jeder Neutefta- , Texte, zu welchem Zwecke er verfchiedene wichtige
mentler, befonders wenn es fich um das Eindringen in < Handfchriften der Mifchna und des Talmud zu Rate
die Rabbinica handelt, dann befonders dankbar fein, zog Zu den Stellen über Jefus gab er auch, wie im
wenn ihm dies Eindringen möghchft bequem gemacht Titel hervorgehoben ift, die über die Minim (Häretiker,
wird. W. follte daher in Zukunft die Anmerkungen Judenchriffen); endlich fammelte er die in der patrifti-
noch etwas vermehren und nicht vorausfetzen daß der fchen Literatur vorkommenden jüdifchen Äußerungen
Lefer Dalmans Lexikon nebenher benutzt Auch die uber jefus. Diefe Zufammenftellung von griechifchen
Vokalifation des Kommentars ebenfo die Wahl etwas und iateinifchen Texten (S. 8*—17*). ift als erfter der-
größerer Typen wäre zweckmäßig, ferner die Beifügung artigcr Verfuch von befonderem Werte. Sie beginnt
einer deutfchen überfetzung fowohl des Textes der i mjt juftinus Martyr im zweiten und fchließt mit Amolo
Mifchna als des Kommentars des Bartenora. Mit an- , jm neunten Jahrhunderte. Der erfte diefer Texte, aus
deren Worten: W fo lte fich Btracks Ausgabe des ; juftins j)ial0gus cum 7ky/>/^, ift deshalb fehr bedeutfam,
Traktats Sanhedrin-Makkoth zum Mufter nehmen und ■ weü er für das tannaitifche Zeitalter die Anfchauung
einerfeits einen Text, etwa verfehen mit ahnlichen Er- | beftätigt, daß lefus in jüdifchen Kreifen für einen Zau-
läuterungen, Uberfetzungshilfen ufw wie er fie jetzt ; berer und Volksverführer gehalten wurde (uiyov . . .
bietet, vorlegen andererfeits eine Überfetzung Selbft | y(ä Xaoxlavov, vgl. im erften der von Strack gegebenen
wenn man in diefen Dingen dem Lefer die Sache fo ; judjfchen Texte, S. I: rT^m Die beiden Hauptleicht
wie möglich macht und ihm fo viel Arbeit als j abfchnitte der Arbeit haben die Überfchriften: Jefus in
nur möglich abnimmt, felblt dann bietet ja die Lektüre , Talmud und Midrafch (S. 18*—47*) und Die Minim in
diefer fcharffinnigen Geiftesprodukte noch der Schwierig- Talmud und Midrafch (S. 47*—80*). Hier werden die im
keiten genug. An Einzelheiten fei folgendes erwähnt: , hebräifchen Teile (S. 1—40) im hebräifchen (oder aram.)

S. 2, Z. 10 v. o. ift verfehentlich ffiSIlMIS 155 n:ab55fi5 055©
in Rafchifchrift gedruckt. Z. 11 wäre die Anmerkung
nplb = Käufer, Z. 12 "PCS11 = verlieren am Platze ge-
wefen, da diefe Bedeutungen nicht jedem Lefer geläufig
fein dürften. Z. 9 v. u.: In Anm. 8 fehlt die Angabe

Original gegebenen Texte in deutfcher Überfetzung mit
fortlaufenden Erklärungen dargeboten. Die Texte über
Jefus ordnet Strack nach fachlichen Gefichtspunkten in
zwei Hauptgruppen: tannaitifche und amoräilche Texte.
Parallele Texte werden im Wortlaute nebeneinander ge-

der betreffenden Bibelftelle. Z. 3 v. u. hatte die Be- ftellt, auch wo fie nur geringe Abweichungen voneinan
deutung von ©1,1 angegeben werden können. S. 3, Z. 2 der bieten, fo daß das Material hier in möglichfter Voll-
und 3 v. o. hatte ufw. »1553 13» CT»B in Quadratfchrift ftändigkeit vereinigt ift. Die Texte über die Minim find

gedruckt werden müffen. Z. 3 v. o. muß es im Mifchna-
text heißen 55S55 ftatt 55b55. S. 14, Z. 5 v. u. ift pls Druckfehler
. Im Kommentar find in Anm. 7 die Worte
5501© 'pjyft "W©1 555m 55pn 155b lb55 fehr ungenau überfetzt
. S. 15, Anm. 9 im Kommentar findet fich wieder
der Druckfehler 55b55. Die Überfetzung ift hier fehr
unbeholfen und nicht deutlich genug. Beffer müßte
es heißen: vielmehr durch ein (im Bibeltext anfeheinend)
überflüffiges Wort gewinnen wir fie (näml.: die Chaluzah):
es ift nämlich tradiert ,eine Gefchiedene'. Da habe ich
alfo nur ,eine Gefchiedene'. Woher (d. h. aus welchem
Bibelwort, gewinne ich nun) die Chaluzah? (Antwort:

nur fachlich geordnet, fo unter § 18 alle Stellen, an
denen ,Minim' nicht Chriften bedeutet, unter § 22 .Disputationen
mit Häretikern über die Einheit Gottes'. Diefe
methodifche Zufammenftellung der die ,Minim' erwähnenden
Texte ift fchon an fich ein dankenswerter Beitrag
zur Erklärung und Gefchichte des Wortes, deffen Ur-
fprung und Bedeutung auf S. 47* kurz dargelegt wird.
Mit folchen kurzen Exkurfen ergänzt Strack auch fontt
die in den Anmerkungen gegebene Sacherklärung der
Texte. Die Anmerkungen felbft bieten in knapper
Form reiche Belehrung mit der bekannten Akribie des
Verfaffers.

Tieferes Studium lehrt (das nach Lev. 21, 7): ,rä©551'. W. Das Gleichnis R. Meirs zu Deut. 21,23 ift meines Erbringt
nicht zum Ausdruck, daß die Formel 1121b Tiabn ! achtens mit Unrecht unter die Texte über Jefus aufgenom-
fagen will: man muß der betreffenden Bibelftelle durch men (S. 1,19*); es fleht in gar keiner Beziehung zu ihm.
tieferes Studium die nicht gleich an der Oberfläche _ S. 2, Z. 13 ift unrichtig 55b55 gefetzt für 55bl, wodurch
hegende Antwort auf die vorliegende Frage abgewinnen. | auch die Überfetzung (S. 20*) in Unordnung geraten
S. 16 ift in der letzten Zeile des Mffchnatextes beffer , jft. _ S. 23*, Z. 6 ,Ein Zuverläffiger ift Richter für mich',
zu vokalifieren: n-TD. S. 24, Anm. Z. 5 v. o. muß es heißen: Dafür muß gefetzt werden, wie es in der Überfetzung
.welche'. S. 24, Mifchnatext Z. 2 v.u.: gehört ans Ende der Parallelftelle, S. 24* Z. 10 richtig heißt: Zuverläffig
von Z. 3 v. u. ift fur mich der Richter. — S. 24* Z. 13: ,Weil ich dich

Alle diefe und ähnliche Kleinigkeiten beeinträchtigen für zuverläffig halte'. Es muß heißen: Weil du mich für