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Ausgabe:

1910 Nr. 13

Spalte:

392-393

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Künstlinger, David

Titel/Untertitel:

Das Achtzehngebet mit arabischer Uebersetzung nach einer jemenischen Handschrift hrsg 1910

Rezensent:

Bacher, Wilhelm

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Theologifche Literaturzeitung 1910 Nr. 13.

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denen Texteszeugen führt P. zum Refultat, daß ,in ge- I
neral, M. (= The Massoretic Hebrew text) unquestionably
represents the pur est form of the text that has come down
to us, and it must be taken as the basis for all critical I
discussion of the book' (S. 47). Von diefem Standpunkt
aus beurteilt P. Jahns Verfuch, das Buch Efther nach
der LXX herzuflellen (1901) mit Recht als ,a most uu-
critical procedure' (S. 46). Ohne in der niedrigeren Wertung
der LXX fo weit zu gehen wie Nöldeke (EBi 1406),
findet er ,that, on the whole, the Massoretic text is un-
usually correct, and that 67. (= LXX) has less to off er here
than in the case of most of the other books of the 0. T'. —
Für die Datierung der LXX hält P. die bekannte Unter-
fchrift, die vom 4. Jahre des Ptolemäus und der Kleo-
patra fpricht, für glaubwürdig und nimmt, da nur Ptolemäus
VIII. in feinem 4. Jahre mit einer Kleopatra verheiratet
war, das Jahr 114 an (S. 30f.).

Das Original felber ift nach P. fchwerlich älter als
150, wahrfcheinlich jünger, aus der ,period of worldliness
and self-complacency thatfollowed the attainmenl of national
independence in 135 B. C' (S. 62). Ich glaube, daß es in
der Tat bei diefer Anfetzung bleiben muß, auch dem
inzwifchen von Gunkel (in Schieies Handwörterbuch)
wieder unternommenen Verfuch gegenüber, das Efther- ;
buch der ältern griechifchen Zeit zuzuweifen. Ausfchlag- j
gebend fcheint mir, daß die Art des Fremdenhaffes, wie
ihn gerade diefes Buch atmet, den gewaltfamen Verfuch
des Antiochus Epiphanes, dem Judentum das Griechentum
aufzuzwingen oder es auszurotten, vorausfetzt. In
der ältern griechifchen Zeit find die nationalen Gegen-
fätze, wenn auch deutlich wahrnehmbar, doch fehr viel j
weniger giftig: das dürfte namentlich das Tobithbuch
zeigen, das vermutlich demfelben Boden der ößlichen
Diafpora entflammt, auf dem Gunkel das Eflherbuch ent-
ftanden fein läßt (vgl. auch JSir. 13,15; 18,13). P- vermutet
dagegen, was keinen wefentlichen Unterfchied ausmacht
, als Verfaffer von Efther ,a Persian Jew who had
come to live in Judaea, and wished to commend the ob-
servance of Purim to the people of that landf (S. 64).

Natürlich hält P. die Gefchichtlichkeit des Eftherbuches
nicht aufrecht: ,it is doubtful whether even a
historical kernel underlies its narrative' (S. 75). Zur
Hypothefe von de Goeje, der Efther mit Scheherazade
zufammengeftellt hatte (vgl. S. 76), ift jetzt E. Cosquin,
Le Prologue-Cadre des 1001 nuits in Revue Biblique Internationale
, Janvier et Avril 1909 zu vergleichen, wo auch
der Verfuch einer Abweifung der Theorien von P. Haupt
und Jenfen gemacht ift. Nachdem P. über die bisherigen
Anflehten über das Purimfeft des Eingehendften referiert
hat, kommt er zum Schluß: ,As a result of the survey of
the theories just given it appears that, while the feast of
Purim is probably borrowed either directly jrom Baby-
lonia, or indirectly by way of Persia, no certainty has yet
been reached as to theprecise Babylonian feast from which
it is derived. The story which aecompanies it has many
points of similarity to Babylonian mythology, but no close
counterpart to it has yet been discovered in Babylonian
literature1 (S. 94). Man hätte gewünfeht, daß das Refultat
fo eindringender Arbeit weniger unbeftimmt ausgefallen
wäre, aber dem Vf. ift daraus kein Vorwurf zu machen.
Ich wüßte felber nicht, was hier mit größerer Beftimmt-
heit gegeben werden könnte. Intereffant ift, was P. für
die Leichtigkeit, mit der fich Juden Fremdes, auch fremde
Fefte, ihren eigenen Zwecken dienftbar zu machen wiffen,
noch aus neufter Zeit anführt (S. 83): , The newspapers
lately reported that a Convention of Jewish rabbis had
decided to keep the American national holiday of Thanks-
giving Day, and to make it a celebration of the first lan-
ding of the Jews in America'. — Noch hebe ich aus
P.'s Einleitung die eingehende Behandlung der Gefchichte
der Exegefe des Eftherbuches hervor (S. 97—118). P.'s
Bibliographie umfaßt über 700 Titel von Büchern und
Artikeln über Efther (S. VIII)!

Zur Einzelauslegung nur noch ein paar wenige Bemerkungen
. Zu 1, 2'S 1bl3n f"Q©3 kann ich nicht finden,
daß ,the language suggests the beginning of Iiis reign'; —
zu 1,3 (S. 128) lies als Todesjahr des Darius I 486 ftatt
466 (fo richtig S. 121). — 1, 13 ift fraglich, ob DT^yri
richtiger Text fei; wenn man dafür Q^rHri vorgefchlagen
hat, fo findet fich z. B. diefelbe Verwechslung von 1 mit
9 II Sam 7,21 vgl. mit I Chron 17,19. — 1,18 ift fehr
beftechend der Vorfchlag, ftatt des anftößigen n9"raäfi
vielmehr ,"!2"ran Qal oder Hiph. von rrra zu lefen (S*. 159).
— 2,7 wird entgegen den andern Kommentatoren richtig
betont, daß Efther Coufine, nicht Nichte Mordechais war. —
Mit Recht hebt P. wiederholt hervor, daß fich verfchie-
dene Stellen des Buches aus keinen andern als literarifchen
Motiven erklären, z. B. zu 3,2b S. 197; zu 3,6 S. 200;
zu 3, 13 S. 209; zu 5,4 S. 234; zu 7,7 S. 262; überhaupt
läßt er feine literarifchen Vorzüge zu gebührendem
Rechte kommen, z. B. zu 6,6. 10 (S. 247. 250). Der
literarifche Charakter des Buches fchließt auch, wie P.
richtig gefehen hat, gewiffe Konjekturen von vornherein
aus; fo bemerkt er einmal gegen P. Haupt: ,it is unne-
cessary to make any emendations in Esth. on the ground
that a Statement is historically improbable1 (S. 207). Unnötig
finde ich allerdings auch P.'s eigene Konjektur JTT
ftatt in 4,14 (S. 225). — 6,1 entfpricht die Über-

fetzung: ,they kept on reading' dem D^iOpi ^«T1* nicht
genau. — 7,4 verzweifelt P. an der Richtigkeit des Textes
und der Annehmbarkeit der vorgefchlagenen Verbeffe-
rungen. — 9,20—10,3 ift es fchwierig von derfelben
Hand wie das übrige Buch abzuleiten, aber nicht minder
fchwierig als Interpolation zu betrachten. P. hilft fich
mit der plaufibeln Auskunft: , The theory that best cxplains
the facts, probably, is that the section 9, 20—10, 3 is quoted
by the author of Est. from the Chronicle mentioned
in 10,2 from which also he has derived the ideas that he
has worked up in an independent fashion in the rest of
the book' (S. 60 vgl. 292). — Leider fehlt entgegen der
fonftigen Anlage des International Critical Commentary
auf den Seitenüberfchriften des P.'fchen Kommentares
die Angabe von Kapitel und Vers, welche die Bequemlichkeit
feiner Benützung noch erhöhen würde.

Bafel. Alfred Bertholet.

Kiinftlinger, Dr. David, Das Achtzehngebet mit arab. Ueber-
letzung nach einer jemenifchen Hfchr. herausgegeben.
Krakau, (Selbftverlag) 1910. (18 S.) gr. 8»

In dem 1894 und 1898 in Jerufalem erfchienenen zweibändigen
Gebetbuche der Juden Jemens (f. meine Abhandlung
in Jewish Quarlerly Review, XIV, 581—621) wird
auch der Tikläl (fo heißen die füdarabifchen, die Liturgie
des ganzen Jahres umfaffenden Gebetbücher) des Rabbi
Jizchak b. Abraham Wanah mehrfach zitiert. Aus einem
im Jahre 1695 gefchriebenen Exemplar diefes Tikläl veröffentlicht
hier Künftlinger den allerlei Varianten enthaltenden
Text des Achtzehn-Gebetes nebft deffen ara-
bifcher Paraphrafe (S. 7—13) und fügt noch eine hebräifche
Wiedergabe diefer Paraphrafe aus eigenem hinzu (S. 13—18).
Da diefe Zutat nur für des Arabifchen Unkundige benimmt
ift, hätte fie fich genau an den Wortlaut der
arabifchen Paraphrafe halten müffen; ftatt deffen gibt
Verf. nach Möglichkeit die Worte des hebräifchen Urtextes
und hindert damit die Kenntnisnahme deffen, was
die Paraphrafe in Wirklichkeit bietet. So z. B. wird am
Schluffe jeder Benediktion die Händige Formel nnx "p-Q
in der Paraphrafe ftets mit Jam J-lsatTl "pxmo (.Preis
dir und benedeit fei dein Name') überfetzt. In feiner
hebräifchen Wiedergabe wendet K. bloß die beiden
Worte des Gebettextes — HFlX Tili — an, anftatt etwa
zu fetzen: p©© T"Qr-p1 jb n3lB- Dadurch ift der Zweck
feiner, auch fonftige Ungenauigkeiten enthaltenden Rück-
überfetzung ganz verfehlt. In der 9. Benediktion (wo