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Ausgabe:

1910

Spalte:

6-7

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Harris, J. Rendel

Titel/Untertitel:

The Odes and Psalms of Solomon. Now first published from the Syriac Version 1910

Rezensent:

Schürer, Emil

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gräbnisvereinen', im 4. von der ,Begräbnisftätte', im 5. Harris, J. Rendel, M. A., The Odes and Psalms of Solomon.

von dem .Grab'' (1) das Innere, 2) das Äußere, 3) Her- Now first published from the Syriac Version. Cam-
ftellung, 4) Verlegung). K. hat fich bemüht, zur Beur- j bridge, The University Press 1909. (V, 154 u. 18 p.)
teiluno- der jüdifchen Gebräuche, die er zu behandeln 1 g0 s 12 —

hatte &relimonsgefchichtliches Material zufammenzutragen. | & '

Fr zieht iperfifche, ägyptifche, griechifch-römifche Ge- Neue Texte von erheblichem Intereffe werden uns

brauche heran. Intereffant ift, daß (ich befonders perfifcher j hier geboten. Die fyrifche Handfchrift, welcher wir fie
und ägyptifcher Einfluß bemerkbar macht. Solche De- j verdanken, flammt ,aus der Nachbarfchaft des Tigris'
tailunterfuchungen, wie fie K. bietet, werden am beflen (S. 3) und ift in den Befitz von Harris gelangt. Sie ift
in Zukunft ein genaueres Urteil über die Tragweite des verhältnismäßig jung: ,etwa drei- oder vierhundert Jahre
Synkretismus im Judentum der neuteflamentlichen Zeit alt'(S. 2). Sie enthält 60 Hymnen oder Pfalmen, richtiger:
ermöglichen. K. beabfichtigt, eine Unterfuchung über ! 57, denn die beiden erften fehlen in der Handfchrift,
die .Trauergebräuche' der vorliegenden Schrift folgen 1 und in der Bezifferung ift die Nr. 46 überfprungen. Auch
zu laffen. Praktifch für uns Nichtjuden wäre es, wenn j am Schluffe fehlt ein kleines Stück. Die Bezeichnung
er dann die Bele^ftellen nicht nur fo zitierte, daß er | als ,Oden und Pfalmen Salomos' flammt von dem
lediglich die Stelle nennt, fondern fo, daß er fie über- Herausgeber. Da der Anfang fehlt, wiffen wir nicht,
fetzt und genau chronologifch fixiert. Vielfach mifcht 1 ob fie auch in der Handfchrift dem Salomo zuge-
er im Widerfpruch zu feinem Thema amoräifches und fchrieben worden find. Harris hat fie nach Salomo ge-
altteftamentliches Material unter das tannaitifche. Hätte 1 nannt, weil die fonftige Überlieferung für einen Teil
er fich ftreng auf letzteres befchränkt, fo würde z. B. diefer Pfalmen auf Salomo als Verfaffer hinweift. Die
S. 33, Artm. 4, die Stelle Jer. Pefach. VIII, 36b 23ff. . letzten 17 (nach der Bezifferung 18) find nämlich die
haben wegbleiben können. Es laffen fich K. überhaupt uns bekannten jüdifchen Pfalmen Salomos aus
allerlei Ungenauigkeiten nachweifen. So wimmelt z. B. der Zeit des Pompejus (der 18. fehlt infolge des
K.s Schrift von Druckfehlern, die fich faft auf jeder defekten Zufiandes der Handfchrift). Wir erhalten damit
Seite finden. Als Stichprobe für K.s Art zu arbeiten einen fyrifchen Text derfelben, der aber aus dem uns
feien S. 33 und 36 eingehender behandelt. Z.4ff. von oben | bekannten griechifchen geflohen ift und für deffen Verhalte
die betreffende Mifchnaftelle, die K. meint, zitiert J befferung kaum etwas nennenswertes leiftet (nach den
werden müffen. Anm. 2 ift Sabb. 23,4 doppelt zitiert, Bemerkungen von Harris, S. 37—46).
was ganz zwecklos ift. Kurz vor dem erften Sabb. 23,4 Das Hauptintereffe richtet fich daher auf die vorher-

fteht der Druckfehler ,zn' für ,zu'. Z. 6ff. wird behauptet, gehenden 42 (tatfächlich 40) Stücke, welche Harris, um
es möge vorgekommen fein, daß ein Armer ohne Sarg 1 fie von den bekannten jüdifchen .Pfalmen' zu unter-
beftattet wurde. Dazu wird in Anm. 3 als Beleg zitiert fcheiden, als ,Oden' bezeichnet hat. Auch von ihnen
.Tof. Ahil 2,2 (598,38)'. Abgefehen davon, daß in diefem 1 waren uns vier fchon bisher bekannt. Es finden fich
Belegzitat 2 Drucktehler flecken — es muß heißen: ,Tof. , nämlich unter diefer großen Zahl von Pfalmen auch die
Ahil. 2,3 (598,38fr.)' —, ift zu fragen: wo fleht in diefer in der gnoftifchen Piftis Sophia zitierten, eben-
Steile davon etwas, daß ein Armer zuweilen ohne Sarg falls dem Salomo zugefchriebenen Pfalmen,
beftattet wurde? Die Stelle lautet: ,Und was ift denn j welche zuletzt von Harnack eingehend unterfucht worden
ein Toter, bei dem Fäulnis vorhanden ift? (Antwort:) find (Texte und Unterfuchungen VII, 2, 1891, S. 35—49).
wer nackt begraben wurde in einem Steinfarg auf ge- | Wenn wir Harnacks Bezifferung der fünf in der Piftis
pflaftertem Fußboden und (d. h. oder) auf einer Marmor- j Sophia zitierten Stücke zugrunde legen, fo ift I = Harris
platte. Aber wer in feiner Kleidung begraben wurde, Nr. 5, III = Harris 6, IV = Harris 25, V = Harris 22.
und zwar in einem Holzfarg auf dem Staube, bei dem 1 Nr. II der Piftis Sophia fehlt. Er ift darum von be-
ift keine Fäulnis vorhanden'. Levy, Wörterbuch s. v. fonderem Intereffe, weil er in der Piftis Sophia als der
Dpi überfetzt hier: ,wenn er nackt in einem fteinernen 19. Pfalm Salomos bezeichnet wird. Höchft wahrfchein-
Sarg, oder auf gepflaftertem Fußboden oder auf einer | lieh hat er in Harris' Manufkript (welches am Anfang
Marmorplatte begraben ift. Wenn er hingegen in feiner j defekt ift) an der Spitze geftanden und wird in der

Bekleidung oder in einem Holzfarg oder auf der Erde
begraben ift ufw.' Levys Überfetzung halte ich für falfch,
da ,auf der Erde' und ,in feiner Bekleidung' doch nicht
zwei verfchiedene Fälle des Begrabenwerdens bezeichnen

Piftis Sophia als 19. zitiert, weil in der Sammlung, welche
diefem Autor vorgelegen hat, die 18 jüdifchen Pfalmen
nicht, wie in Harris Manufkript, auf die übrigen folgten,
fondern ihnen vorhergingen.

kann. Die .Bekleidung' kann doch nicht lediglich als Auch noch ein anderes altes Zitat rückt jetzt in

Ort des Begräbniffes gedacht werden. Auch wird durch überrafchende Beleuchtung. Lactantius fagt Div. In-
Levys Überfetzung der Parallelismus zwifchen den beiden j siitut. IV, 12,3: Solomon in ode undevicesima ita
angenommenen Fällen völlig zerftört. In Anm. 4 gibt j diät: infirmatus est uterus virginis et aeeepit fetum, et
K. eine Reihe Stellen zu der Behauptung, daß die Särge gravata est et facta est in multa miserationc mater virgo.
aus Holz, Stein oder Ton beftanden. Die zitierte Stelle Diefes Zitat findet fich in der Tat in Harris' Sammlung
aus Jer. Moed k. I, 80d 2ff. konnte wegbleiben, da fie im 19. Pfalm. Es lautet nach Harris Überfetzung
lediglich die Parallelftelle zu Jer. Pefach. VIII, 36b 23fr. . (19, 6): [The Spirii] opened the womb of the Virgin and
ift. Beide Stellen aber find hier überflüffig, da fie nicht j she reeeived coneeption and bronght fort/t; and the Virgin
tannaitifchen Urfprungs find. Auch in Anm. 4 ift ein became a Mother with many mercies. Dem Lactantius
Druckfehler. Es muß heißen: Tof. Ahil. 2,3 (598,38ff.). | hat alfo diefelbe Sammlung mit derfelben Bezifferung

Vgl. auch Anm. 5. — S. 36 ift nicht erfichtlich, was die
Stellen Tof. Sabb. 2,10 (112,19) und Sabb. 32 a 37 in
Anm. 3 follen, da, foviel ich fehe, an diefen Stellen von
Fäll en des Wiedererwachens aus dem Scheintod nicht
die Rede ift. Uber den häufig benutzten Traktat ,Sema-
choth' wären einige Bemerkungen am Platze gewefen, da
diefer Traktat nicht ohne weiteres tannaitifch ift.
Gotha. Fiebig.

wie in unferer fyrifchen Handfchrift vorgelegen. Es ift
nur ein feltfamer Zufall, daß in der Piftis Sophia und
bei Lactantius gerade der 19. Pfalm zitiert wird. Es
find verfchiedene Pfalmen gemeint und die Bezifferung
hat bei beiden ganz verfchiedene Gründe.

Die fyrifche Überfetzung diefer 42 (bezw. 40)
Pfalmen oder Oden ift ebenfalls, wie die der 18 jüdifchen,
aus dem griechifchen gefloffen (Harris, S. 46 f.). Nach
Inhalt und Charakter find fie von den jüdifchen wefent-
lich verfchieden. Obwohl fie fich überwiegend in allgemeinen
Lobpreifungen Gottes bewegen, bei welchen
das fpezififch - chriftliche nicht ftark hervortritt, ift es