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Ausgabe:

1910

Spalte:

265-267

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Tixeront, J.

Titel/Untertitel:

Histoire des Dogmes. Tome II. De Saint Athanase a Saint Augustin (318 - 430) 1910

Rezensent:

Kattenbusch, Ferdinand

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Urtextes bei Irenaus; die Epideixis fetze die gleiche I ihn beftreitet. Er läßt fich meift genügen, in einer An-
Textgedalt voraus wie Adv. haer.; mehrfach würden auch merkung zum Eingange eines Kapitel die dazu gehörige
nicht nachweisbare Worte als alttedamentliche zitiert Literatur überfichtlich zufammenzuftellen; der Sachkun-
(S. 120,17 und 140,10 muß es c. 68 heißen ft. c.69). Die ; dige merkt dann fchon, wo er diefe Literatur benutzt.
Übereinftimmung der Angabe der Epideixis c. 74, daß ' Es ift erfreulich zu fehen, wie fleißig T. die eigentlichen
Jefus unter Kaifer Claudius gekreuzigt worden, mit jener 1 Quellen feiner Arbeit zum Grunde legt. Natürlich
Adv. haer. II, 22,6, daß er nicht fern von 50 Jahren ge- j haben ihm andere Forfcher vielfach den Dienft getan,
wefen, hebt Wieten hervor. Mit Rendel Harris macht ihm die wichtigen Stellen zu zeigen. Aber man merkt
er darauf aufmerkfam, daß c. 96 (bei Harnack c. 95) doch auch, daß T. eine umfaffende Belefenheit in den
der Brief Polykarps verwertet werde. Ebenfo auf die j Werken der Autoren, die er behandelt, befitzt. Die GeDifferenz
zwifchen dem allegorifchen Verftändnis des 1 famtcharakteriftiken, die er bietet, laffen das erkennen
prophetifchen Wortes und der realiftifchen Zukunfts- I und auch manches ,neue' Zitat. So möchte ich wünfchen,
erwartung in Adv. haer. V, 33,3h, obwohl beide Male daß fein Werk unter uns in Deutfchland ebenfo ernft-
Irenäus durch Ausfagen der '.Presbyter' beftimmt ifl. lieh beachtet und verwertet werde, wie er fleh bemüht
Auch betont Wieten, wie Irenaus in der Epideixis vom j zeigt, von den Arbeiten Deutfchlands Frucht zu ziehen.
Neuen Teftament nicht mehr Gebrauch macht als Jüdin, [ Was T. im vorliegenden Bande vorführt, id ledigein
Beweis, daß wir nicht berechtigt feien, aus den apolo- ; lieh das Jahrhundert von Athanafius bis zu Augudin,
getifchen Schriften Judins Schlüffe auf den Umfang j 318—430. In Bezug auf die griechifche Kirche befeines
Kanons zu ziehen (S. 201 f.). Zugleich zeige die ] handelt er die trinitarifchen Streitigkeiten bis zur Er-
Epideixis die enge Verbindung von Glaubens- und ledigung des Pneumatomachismus, die chridologifchen bis
Sittenlehre in der altkirchlichen Unterweifung, aber auch, ' zu der des Apollinarismus. Das .Dogma' id ihm, foweit
wie gut Irenaus zwifchen Glauben und Theologie zu i die ökumenifchen Konzilien reden, eine abgefchloffene
unterfcheiden wiffe; ferner, in welchem Maß er Biblizid Sache. Das id für ihn als Katholiken ja felbdverdänd-

fei, wenn fchon er mehr die Heilsidee der Antike mit
dem überlieferten Glauben verbinde, als die biblifchen
Gedanken von Schuld und Verföhnung fleh zu eigen
mache.

lieh. Aber es beeinflußt auch die Art, wie er als Hi-
floriker Fragen flellt. Im Grunde hat er nur mit der
Herausarbeitung der ,Begriffe', in denen fleh das Dogma
bewegt und abklärt, zu tun. Seine Dogmengefchichte

Mit Sorgfalt, Umficht und gutem Urteil id die Unter- j id in ihrem Grunddock Gefchichte der Spekulation über
Eichung gefuhrt, die Literatur volldändig verwertet. | die ziemlich ex abrupto auftauchenden kirchlichen' Ent-

Göttingen. N. Bonwetfch.

fcheidungen und die in ihnen dem Nachdenken vorgelegten
Probleme. Es id für T. begreiflicherweife ein
Tixeront. J, Histoire des Dogmes II. De Saint Athanase unerträglicher Gedanke, daß etwa das opoovaiog fleh
a Saint Augustin (318-430). Paris, V. Lecoffre 1909. letrztJicfh ~ in Kondantinopel 381 _ definitiv nur durch-
„t ? bo f gefetzt, habe unter einem etwas andern Verdandnis, als

' ' 534 P-) 8 fr. 3.50 i un(;er dem es urfprünglich fanktioniert worden. Die feit

Herr Tixeront id unter uns als Dogmenhidoriker Zahn bei uns in Deutfchland kaum noch beandandete
wohl bekannt, feit er durch eine Unterfuchung über die , Erkenntnis, daß die Kappadozier Waffer in den nizäni-
Anfänge der Kirche von Edeffa und die Abgarlegende ; fchen Wein gegoffen hätten, bekämpft er in freudiger
(1888) zuerd die Aufmerkfamkeit auf fich lenkte. Er id Anlehnung befonders an Bethune-Baker. Wir wollen
zur Zeit dopen de la Faculte catJiolique de theologie de ■ uns auch durch ihn darauf aufmerkfam machen laffen,
Lyon. Der erde Band feiner Histoire des dogmes, wel- daß die Forfchung über die Kappadozier wohl noch
eher die .theologie antenieeenne' behandelt, id bereits in Lücken zeigt. M. E. könnte T. (von Holl, Loofs u. a.,
5. Auflage erfchienen. Auch der vorliegende zweite deren Spezialarbeiten er nicht volldändig kennt oder
Band hat alle Ausfleht in wiederholter Auflage zu er- i doch nicht ausfehöpft) mehr gelernt haben über die
fcheinen. Denn er id von gediegener, tüchtiger Ge- j ,Nebentheologen' der Zeit, als er getan. (Das gilt
lehrfamkeit, von maßvoller, katholifch tadellofer Haltung, 1 befonders auch für die Lateiner!und ihren Anteil an
recht gefchickt und überfichtlich in der Form, dazu er- j der trinitarifch-chridologifchen Arbeit der Zeit.) Das
daunlich billig. Er bietet nicht gerade viel neues, im '■ letzte den Griechen gewidmete Kapitel (Nr. VI) handelt
großen jedenfalls nichts derartiges, im einzelnen immer- i von ihrer Theologie ,en deliors des questions trinitaires
hin manches eigentümliche Urteil und überall eine wohl et chmstologiques', worin er in neun Paragraphen (anerwogene
Stellungnahme gegenüber von Leidungen der hebend mit einem über die Angelologie) eine ziemlich
Mitarbeiter. Herr Tixeront kennt auch die deutfehe bunte Fülle von Lehren vorbringt, die ihm deutlich darum
Forfchung fehr volldändig. Nicht als ob man nicht j bezw. nur infofern von Intereffe find, als fie nun einmal
manche wertvolle deutfehe Arbeit nennen könnte, die | Themata berühren, die feit irgend welcher Zeit in der
ihm entgangen zu fein fcheint. Aber man hat mehr zu katholifchen Dogmatik herkömmlich find. So kommen
rühmen, daß er eine gute, auch unparteiifche (evan- | diejenigen ,sacrements' (foweit fleh eben darüber was
gelifche Arbeiten ebenfo wie katholifche berückfichti- findet) zur Sprache, die in diefer Dogmatik gelten,
gende) Umfchau gehalten, als daß ihm diefe und jene Natürlich auch die Mariologie. Das id auch für unfer

bedeutendere Arbeit nicht zu Gefleht gekommen; es id
im Auslande gewiß fchwierig, der gefamten etwa gefliehten
Literatur habhaft zu werden. Ein wenig er-
daunt bin ich gewefen, daß T. die Realenzyklopädie für
protedantifche Theologie und Kirche, die in ihrer neuen
(dritten) Ausgabe von Hauck doch gerade auf dem Gebiete
der Dogmengefchichte ganz vortreffliche Artikel,
meid von den berufenden Forfchern unter uns, gebracht

einen gar nicht belanglos, wir können für manche Notiz
da nur dankbar fein. Aber wir haben es verlernt, das
was hier vorkommt, als gewiffermaßen felbdverdänd-
liche .Probleme' zu behandeln. Wir wenden uns ihnen
als Hidoriker nur zu, indem wir die Perfpektive für fie
fliehen. Und diefe läßt fie zum Teil wichtiger, zum
Teil freilich viel unwichtiger erfcheinen, als T. fie nimmt.
Wie ein locus neben den andern erfcheint bei ihm als

hat, nicht benutzt. Man dürfte doch erwarten, daß fie j § 3 die .Soteriologie'. Als ob diefe für die Trinitäts- und
auch bis Lyon gedrungen fei. Unfere gegenwärtigen 1 Inkarnationslehre nicht in bedeutenddem Maße erll den

dogmenhidorifchen Standard works, von Plarnack, Loofs,
Seeberg, werden nach Gebühr namhaft gemacht. Einfluß
haben fie begreiflicherweife doch nur in mäßigen Grenzen
geübt. Es id feiten, daß T. fich im Einzelnen direkt auf

Hintergrund gewährte! In Chap. VI fleht man am
deutlichden, wie wenig T. im dande id, von einem Manne
wie Harnack und von der durch ihn inaugurierten Behandlung
der Dogmengefchichte im ganzen zu lernen.

einen andern Forfcher bezieht, fich zu ihm bekennt oder | Es id kein Zufall, daß T. die Werke von Harnack, Loofs,